Fahrradklimatest Nummer sieben

Donnerstag, 22.09.2016

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wird in diesem Jahr zum siebten Mal durchgeführt. Zuletzt waren Deutschlands Radfahrer vor zwei Jahren aufgefordert worden, das Fahrradklima in ihrer Stadt zu bewerten. Mehr als hunderttausend Menschen nahmen am Test teil und vergaben teils gute, teils schlechte Noten. Die 3.814 Berliner Radfahrer bewerteten ihre Stadt mit einer Gesamtnote von 4,1 negativ, in der Rangfolge der Städte größer als 200.000 kam Berlin auf Platz 30 von 39 Städten.

Nun also wieder die Frage, ob Berlin ein Herz für Radler hat. Meine Selbstbefragung, was sich in den letzten zwei Jahren in Berlin verändert hat, ergab folgende Punkte:

Neue Fahrradstraßen? Keine.
Neue Fahrradwege? Radweg Berlin-Leipzig zwischen Gleisdreieck und Südkreuz.
Neue Abstellanlagen?`Geht schleppend voran, aber immerhin voran.
Neue Straßenmalerei? Vielleicht 10 Kilometer?
Beseitigte Unfallschwerpunkte? Moritzplatz?
Oberflächenqualität der Radwege? Unverändert schlecht.
Fahrradklima zwischen Verkehrsteilnehmern? Schlechter geworden
Neue Fahrradwegweisungen? Gefühlt relativ viele.

Insgesamt würde ich Berlin wieder die gleiche Note wie vor zwei Jahren geben. Bisher haben 879 Berliner Teilnehmer ihre Stimme abgegeben. Deshalb ran an die Tasten, dauert nur zehn Minuten und tut nicht weh! Die Abstimmung ist noch bis zum 30. November offen.

Fahrradklimatest

Ergebnisse der automatischen Radzählstellen in Berlin sind jetzt tagesaktuell abrufbar

Mittwoch, 21.09.2016

Ab heute veröffentlicht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Daten der zehn automatischen Radverkehrszählstellen zeitnah. Das heißt, dass die Ergebnisse einen Tag nach der Messung tage-, wochen oder monatsweise online abrufbar sind.

In den vergangenen Jahren hatte der Senat damit begonnen, automatische Radverkehrszählstellen zu installieren. Sie sollen die händischen Radverkehrszählungen ersetzen, die 20 Jahre an acht Stellen in der Stadt einmal im Monat durchgeführt wurden. Damit die Daten der manuellen Zählungen vergleichbar waren, wurden sie in einem recht komplizierten Verfahren wettermäßig angepasst. Je nachdem, ob es am Zähltag zu warm oder zu kalt war, nasser oder trockener als statistisch erwartbar, wurden die echten Daten mit einem Wetteraufschlag oder -abschlag versehen. Diese statistischen Kunstgriffe fallen durch die kontinuierliche Zählung an automatischen Zählstellen weg. Jetzt kann man einen Tag später wirklich feststellen, ob und wie sehr ein verregneter Tag die Radfahrer dazu bringt, auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen.

Die Daten der automatischen Zählstellen liegen für 265 Tage vor, das ist die Zeit zwischen dem 1. Januar 2016 und gestern. Damit ist es noch nicht möglich, Vergleiche zu den Vorjahren zu ziehen, aber mit jedem Tag wird das Datenmaterial reicher und aussagekräftiger. Hier die Rangliste der Fahrradzählstellen mit den kumulierten Radfahrerzahlen seit Anfang 2016:

Auf der Oberbaumbrücke fuhren seit Jahresbeginn  2.598.010 Radfahrer, das sind 9.841 Radfahrer durchschnittlich. Gestern waren es 13.770.

Zusätzlich zu den schon arbeitenden zehn Radzählstellen sollen bis Ende des Jahres folgende weitere Zählstellen in Betrieb gehen:

Mariendorfer Damm (Tempelhof-Schöneberg)
Maybachufer (Neukölln)
Berliner Straße (Pankow)
Frankfurter Allee (Friedrichshain-Kreuzberg)
Klosterstraße (Spandau)
Breitenbachplatz Steglitz-Zehlendorf
Kaisersteg (Treptow-Köpenick)

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Automatische Dauerzählstellen für den Radverkehr in Berlin

Lastenrad gestohlen

Montag, 12.09.2016

Stolen! Samstag gegen 18.30 Uhr in Alt-Treptow (Kiefholzstraße/Wildenbruchstraße) und von dort in Richtung Kreuzberg/Neukölln gefahren: Ein brandneues Winther Kangaroo Luxe mit E-Antrieb - wahrscheinlich das einzige Modell in ganz Berlin. Rahmennummer: WAYA 3642K - steht auch gut sichtbar vorne auf einem Nummernschild. Wer es sieht oder gefunden hat bitte bei Arne melden: 0178 / 2843743

Großes Foto des Lastenrades

Das Weltmeisterfahrrad

Mittwoch, 31.08.2016

In der Regel ist die Rad-Spannerei in diesem Blog kein Thema. Das wollen wir auch weiter so halten, aber heute machen wir mal eine Ausnahme. Grund ist die Weltmeisterschaft der Fahrradkuriere, die Anfang August in Paris stattfand. Neuer Weltmeister der bike messenger wurde Johannes Killisperger. Johannes war einige Jahre Teil des Berliner Kurierkollektivs Fahrwerk, heute arbeitet er als Kurier in Kopenhagen. In Johannes Berliner Zeit fällt der Beginn der Zusammenarbeit mit dem Rad-Spannerei-Kollegen Niccolo Bonanno. Nico baut unter dem Label Cicli Bonanno WIG-geschweißte Rahmen aus edelsten Columbus-Spirit-Rohrsätzen. Der erste Rahmen für Johannes hatte seine Premiere auf einem Rennen auf der Fahrradschau 2014, er war erst wenige Stunden vor dem Start fertig geworden. Ungepulvert und nackt ging er an den Start und bewährte sich. Deshalb stammt auch das Weltmeisterrad der Cycle Messenger World Championship - Paris 2016 aus der Schmiede von Cicli Bonanno.

Weltmeister der Kuriere mit Weltmeisterrad

Weltmeister der Kuriere mit Weltmeisterrad

(Foto: Rimvydas Ivoškis)

Cicli Bonanno bei Instagram
Nico Bonanno bei Facebook

Autofreies Kreuzberg veröffentlicht Leitfaden zum Freiräumen von Fahrradstreifen

Mittwoch, 17.08.2016

Motto der Initiative Autofreies Kreuzberg ist der Satz: “Träumen ist erlaubt: ein Stadtteil, in dem die Straßen den Menschen gehören!” … und nicht den Autos, möchte man hinzufügen. Die Initiative geht das Problem praktisch an und hat einen Leitfaden zum Freimachen von Radverkehrsanlagen veröffentlicht. In einer Liste werden Punkt für Punkt alle Schritte abgehandelt, um einem zugeparkten Radstreifen räumen zu lassen, von “110 wählen!” über den Abschleppvorgang bis zum abschließenden Punkt “Deine Personalien werden als Zeuge notiert (keine Angst, das hat keine Folgen für Dich).”

Was aber passiert, wenn sich die Polizei weigert, die Verkehrsbehinderung zu beseitigen? Alle Verkehrsteilnehmer haben einen Anspruch darauf, dass eine Behinderung von der Polizei beseitigt und nicht nur mit einem viel zu billigen Knöllchen bestraft wird! Der Leitfaden bietet für diesen Fall eine Übersicht über gängige “Argumente” der Polizei und passende Antwortmöglichkeit. Und wenn sie der Beamte dennoch partout weigert, ein Auto abschleppen zu lassen, hilft ein Anruf bei der Wachleitung.

So vorgegangen ist der Zeitaufwand klein und der Effekt groß, denn das Abschleppen spricht sich unter Autofahrern herum.

Autofreies Kreuzberg: Radwege frei!

Radverkehrszählung in Berlin bereits vor achtzig Jahren

Dienstag, 16.08.2016

Radverkehrszählungen scheinen in Berlin ein recht alter Hut zu sein. Der Twitterer Museum Radverkehr hat diese Grafik aufgetan, die die Ergebnisse der Radverkehrszählung 1936/1937 visualisiert. Gezählt wurde in der Zeit zwischen dem 1. April 1936 und dem 30. September 1937 der gesamte Radfahrverkehr in beiden Richtungen zwischen 6:00 und 20:00 Uhr. Die zwölf Zählpunkte befanden sich kreisförmig um das Zentrum etwa auf der Höhe des Berliner S-Bahn-Rings. Leider enthält die handschriftlich erstellte Grafik keine aussagekräfigen Zahlenwerte. Lediglich der Vergleichsbalken, der Werte bis 12.000 Radfahrer (pro Tag) abbildet, lässt vermuten, dass die gezählten Radfahrer an manchen Messpunkten werktäglich zwischen 15 und 20.000 Radfahrern liegen, zum Beispiel an der Hauptstraße in Schöneberg.

Grafik Radverkehrszählungen 1936/1937 im Original

Presseschau zum ADFC-Vorschlag für Radschnellwege in Berlin

Dienstag, 16.08.2016

Die gestrige Vorstellung geeigneter Strecken für Radschnellwege in Berlin hat ein reges Presseecho gefunden. Eine kleine Auswahl:

Morgenpost: Grüne fordern Ausbau der Fahrrad-Schnellwege in Berlin 
Berliner Zeitung: Berlin bekommt schnelle Radwege - aber erst ab 2019 
Berliner Zeitung: Grafik aller vorgeschlagenen Radschnellwege 
Morgenpost: Zwölf Radschnellwege für Berlin gesucht 
taz: Warum nicht nah am Wasser bauen?
RBB24: Expressradeln in die Mitte Berlins 
Berliner Kurier: Pendeln per Pedal So wird Berlin zum Rad-Paradies 
Tagesspiegel: Radschnellweg wird Stammbahn wiederbeleben (Beitrag der CDU-Mitglieder Wellmann, Heilmann und Escher)
Tagesspiegel: Berlin sucht den Super-Radweg 

ADFC präsentiert Vorschläge für Berliner Radschnellwege

Montag, 15.08.2016

Vor einigen Wochen hatte der Berliner ADFC alle aufgerufen, geeignete Radschnellrouten für Berlin zu finden. Die potentiellen Schnellwege sollten eine Reihe von Bedingungen erfüllen. Sie sollten mindestens vier Meter breit und fünf Kilometer lang sein, wenig Kreuzungen, wenig enge Kurven und wenig starke Steigungen haben. Einsendeschluss für den Ideenwettbewerb war der erste 1. Juli 2016. Heute hat der ADFC das Ergebnis des Wettbewerbs präsentiert und stellt es zur Diskussion. Eingereicht haben neun Personen oder Gruppen insgesamt 15 Vorschläge für Radschnellwege.

Es fällt auf, dass viele Schnellwege in der Mitte Berlins starten und entlang dicht bebauter Gebiete radial nach außen führen. Ein Schnellweg dieses Typs ist der Panke-Trail, der den ersten Preis des ADFC erhalten hat. Der Panke-Trail beginnt an der Bernauer Straße am Südende des Mauerparks und folgt auf den ersten beiden Kilometern dem Mauerradweg nach Norden. Das ekelhafte Kopfsteinpflaster im Mauerpark soll im Zuge des Ausbaus des Mauerparks umfahren werden. Nördlich der Bornholmer Straße verlässt der Panke-Trail den Mauerradweg und führt konsequent entlang der S-Bahn der Stettiner Bahn bis nach Buch. Die gesamte Strecke ist 13,3 Kilometer lang, verbindet die Ortsteile Buch, Karow, Blankenburg, Heinersdorf sowie Französisch-Buchholz mit Pankow und dem Bezirk Mitte. Da der vorgeschlagene Radschnellweg fast kreuzungsfrei und schnurgerade ist, wird mit einer Reisezeit von einer knappen Stunde zwischen Buch und dem Berliner Zentrum gerechnet.

Panke-Trail bei GPSies

Das Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln griff mit seinem Vorschlag Radschnellweg Neukölln den zweiten Preis ab. Die 15,38 km des Neuköllner Vorschlags bestehen aus zwei Strecken. Die erste Strecke verbindet den Lausitzer Platz über Görlitzer Park mit dem Hafen Britz und mündet dann in den Radweg am Teltowkanal, sodass man nahezu kreuzungsfrei von Adlershof/Rudow nach Kreuzberg kommt. Nach Einschätzung des ADEFC ist die zu erwartende Nachfrage nach dieser Verbindung gut. Nicht ganz so gut weg kommt der zweite Pfad des Vorschlags. Er folgt ab der Neuköllnischen Allee dem S-Bahnring und führt bis zum Tempelhofer Damm.

Radschnellweg Neukölln bei GPSies

Dritter Preis: Radschnellweg Nord. So wie der erste Preis nach Nordosten und der zweite Preis nach Südosten aus der Stadt herausführen, so führt der dritte Preis radial nach Nordosten und zwar parallel zur S1 von Wilhelmsruh nach Frohnau. Nach Aussage der Jury ist der Aufwand für diese attraktive 6,5 Kilometer lange Verbindung allerdings nicht unerheblich. Sechs Brücken sind zwar vorhanden, sechs weitere aber müssten neu gebaut werden.

Die Jury des ADFC vergab einen weiteren Sonderpreis für eine interessante Version von Radschnellwegen. Henry de Vries schlägt gleich ein ganzes Netz von Fahrradschnellwegen auf breiten Magistralen vor, die das Westend mit Friedrichsfelde, Weißensee mit Friedenau und das Afrikanische Viertel mit dem Böhmischen Dorf in Neukölln verbinden.

Sonderpreis: Radschnellwegnetz in Mittellage

Das so entstandene Netz hätte eine Gesamtlänge von 18 Kilometern und würde auf sehr breiten Straßen grundsätzlich in Mittellage geführt werden. Einschätzung der Jury: “Näher beschrieben ist insbesondere die Route von Westend nach Friedrichsfelde. Die Ost-West-Achse vom Theoder-Heuss-Platz bis zum Kleinen Stern/Bellevueallee ist der Abchnitt, der vom Verfasser näher betrachtet wurde. Unter Bezug auf den historischen Querschnitt bis 1936 wird für Kaiserdamm und Bismarckstraße ein Vorschlag für eine Radschnellroute in Mittellage gemacht. Vorteil einer Route in Mittellage ist die geringe Anzahl an einmündenden Straßen. Zu prüfen wäre die Möglichkeit, die Zahl der Kreuzungen zu reduzieren und teilweise durch U-Turns zu ersetzen.”

Neben den mit Preisen bedachten Vorschlägen für Radschnellwege durch Berlin gab es eine ganze Reihe von weiteren interessanten Vorschlägen. Ein Vorschlag verbindet das Charlottenburger Tor mit Neukölln durch einen Radweg im Landwehrkanal. Richtig gelesen, der Radweg soll im und nicht neben dem Landwehrkanal entstehen. Realisiert werden soll das durch Teilverfüllung des Kanals sowie durch eine Führung auf Stegen knapp oberhalb des Wasserspiegels.

Radschnellweg im Landwehrkanal

Der Wettbewerb hat gezeigt, dass es eine Fülle von Möglichkeiten gibt, Radschnellrouten durch Berlin zu führen, die den Radverkehr in dieser Stadt auf eine neue Stufe heben würde.

ADFC: Ideenwettbewerb Deine Radschnellroute
ADFC: Übersichtskarte und alle Jurybewertungen (Ordner mit pdf-Dokumenten)

Sit-in vor der CM

Freitag, 29.07.2016

Für heute Abend ruft eine neu gegründete Bürgerinitiative Oranienstraße zu einem kurzen Sit-in vor Beginn der Critcal Mass ein. Grund ist die Untätigkeit und Unfähigkeit des Senats in der„Radfahrerhölle Oranienstraße“. Die Oranienstraße war im Online-Dialog des Senats zur Radverkehrssicherheit im Jahr 2013 denkbar schlecht abgeschnitten und wurde in die Top-5-Gefährdungsstellen von Berlin gewählt. Nicht nur die Sicherheit ist hier gefährdet, auch die Pünktlichkeit der BVG leidet massiv unter Zweite-Reihe-Parkern. Der Volksentscheid Fahrrad unterstützt mit dem Sit-in die BI Oranienstraße, die Radwege und Tempo 30 fordert. Das Sit-in soll ab 19:30 Uhr in der Oranienstraße vor dem Fahrradladen Zentralrad (O-Straße 21) zwischen der Adalbertstraße und dem Heinrichplatz stattfinden und um 20:15 Uhr beendet sein, rechtzeitig, bevor die übliche Freitags-CM um 20:00 Uhr auf dem Heinrichplatz startet.

Initiative Volksentscheid
Initiative Volksentscheid Fahrrad: Aufruf zum Sit-in

Art Spin Berlin 2016

Donnerstag, 28.07.2016

Am Freitag, dem 5. August 2016 bietet Art Spin Berlin die dritte Fahrradtour zu zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum. Bereits in den beiden vergangenen Jahren hatte Art Spin Hunderte von Radfahrern auf den Radtouren durch Lichtenberg und durch den Berliner Südosten begeistert. In diesem Jahr führt die Kunsttour auf Fahrrädern vom Invalidenpark nahe des Hauptbahnhofs über 13 Kilometer Richtung Wedding und Moabit. Enden wird die Tour im “Zentrum für Kunst und Urbanistik” auf dem Gelände des des ehemaligen Güterbahnhofs Moabit.

Mit dabei wird das Berlin Bicycle Bell Orchestra sein. Das Orchester soll den Queen-Hit “Bicycle Race” auf der Fahrradtour spielen. Dafür werden noch Mitspieler mit Fahrrad und ausdruckstarker Fahrradglocke gesucht. Diie Generalproben für das Fahrradorchester finden einen Tag und zwei Stunden vor dem Event auf dem Invalidenpark statt. Weitere Infos dazu auf der Facebook-Seite von Art Spin Berlin. Ebenfalls dabei auf der Art Spin Tour ist wie in den letzten Jahren Musik von der Klara Geist Sound Factory.

Art Spin Berlin ist für alle offen, unabhängig von der eigenen Fitness oder Kunstkenntnis. Die Teilnehme ist spendenbasiert, der empfohlene Beitrag liegt bei 8,50 €.

Zeit: Freitag, 5. August 2016 ab 18:00 Uhr
Ort: Invalidenpark an der Invalidenstraße

Art Spin Berlin

CycleHack Berlin

Montag, 27.06.2016

Die CycleHack-Bewegung entstand vor zwei Jahren in Glasgow, als sich einige Leute trafen, um gemeinsam Ideen zu entwickeln, die das Radfahren für alle leichter machen sollen. Heute ist daraus ein CycleHack-Wochenende an 38 Orten auf mehreren Kontinenten geworden. Auch in Berlin gab es von Freitag bis Sonntag eine CycleHack-Premiere in der offenen Werkstatt FabLab auf dem Bötzow-Brauerei-Gelände.

Aus einer Vielzahl von Projektvorschlägen wählten die Teilnehmer fünf Aufgaben, um sich mit ihnen 48 Stunden zu beschäftigen. Eines der Projekte hieß “Dekoboko”, das japanische Wort für “uneben”. Aufgabe war, die Fahrbahnbeschaffenheit der Fahrradinfrastruktur zu messen und zu dokumentieren.

Mit dem Oberrohr eines Fahrrads wurde ein Beschleunigungssensor fest verbunden, der die Erschütterungen beim Radfahren maß und sie auf einer Karte verortete. Der am Wochenende gebaute Prototyp wurde rund um den Veranstaltungsort getestet. Die nächste Grafik zeigt die protokollierten Testfahrten im Kollwitzkiez zwischen den Magistralen Prenzlauer Allee rechts Richtung Nordosten und der Schönhauser Allee links Richtung Norden, am unteren Bildrand befindet sich die Torstraße.

Eine ebene Fahrbahn wird grün markiert, je heftiger die Erschütterungen sind, desto röter werden die Messpunkte. Die Kopfsteinpflasterstraßen (Straßburger Straße, Kolmarer Straße, Rykestraße) sind tiefrot markiert, hellgrüne Punkte in der Wörther Straße, der Choriner, der Schwedter und der Torstraße zeigen eine erschütterungsfreie Fahrbahn an.

Andere Projektgruppen des Berliner CycleHacks bauten eine mobile Fahrradzählanlage mithilfe eines Druckschlauches, programmierten den Chatbot “BerlinBikeBot” für den Messenger Telegram, der Daten von verschieden Seiten abgreift und sie an einer Stelle komprimiert zur Verfügung stellt, konstruierten ein “Smart Dynamo”, der über die Frequenz des Nabendynamos eine Geschwindigkeitsmessung erlaubt, analysierten Unfalldaten aus offenen Senatsquellen, um die Unfallhäufigkeit auf einzelnen Straßen im Zeitverlauf darzustellen. Eine letzte Gruppe zeigte, wie man aus einem Fahrrad in Minutenschnelle ein Windrad bauen kann. Alle diese Projekte zeigen, dass CycleHack Berlin seinem Motto “48 Stunden voller neuer Ideen für die Fahrradstadt Berlin.” gerecht wurde.

CycleHack weltweit
CycleHack Berlin
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Grüne bringen Radentscheid-Gesetzentwurf ins Abgeordnetenhaus ein

Mittwoch, 22.06.2016

Die grüne Fraktion im Abgeordnetenhaus macht sich den Volksentscheid zu eigen und hat gestern in einem dringlichen Antrag das  ”Gesetz zur Förderung des Radverkehrs in Berlin (RadG)” ohne Veränderungen im Abgeordnetenhaus eingebracht. Der von Pop, Kapek und Gelbhaar unterschriebene Antrag wird nun wohl schon vor der Auflösung des Abgeordnetenhauses diskutiert und darüber abgestimmt.

Stefan Gelbhaar, Sprecher für Verkehrspolitik, begründet die Einbringung des Gesetzesentwurfs so: “Berlin muss Fahrradhauptstadt werden. Darum haben wir, die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Berlin, den Gesetzesentwurf des Volksentscheides Radverkehr ins Berliner Abgeordnetenhaus eingebracht.

Wir teilen die Ziele der InitiatorInnen des Radentscheides, denn besserer Radverkehr bedeutet mehr Sicherheit, größere Schnelligkeit und Komfort für alle VerkehrsteilnehmerInnen in Berlin. Insbesondere die gerechtere und sicherere Aufteilung des Straßenraums löst Konflikte zwischen Autos, Rädern und dem Fußverkehr. Das hilft allen und ist die Basis für moderne Mobilität, die ermöglicht, dass alle BerlinerInnen sicher von A nach B kommen.

Die Einbringung ist dringend geboten, um eine parlamentarische Befassung des Gesetzesentwurfes zu ermöglichen. Wir laden die anderen Fraktionen ein, sich gerne der Initiative anzuschließen.”

Grüne Fraktion Berlin: Dringlicher Antrag zum Radverkehrsgesetz (RadG) (pdf-Dokument)
Grüne Fraktion Berlin: Grüne bringen Radentscheid-gesetzentwurf ein
Volksentscheid Fahrrad

Berliner Fahrradmarkt

Mittwoch, 22.06.2016

Fast immer einen Tag nach der Critical Mass (Ausnahme: im September läuft der Markt sechs Tage vor der CM) zieht es die Fahrradfrickler und Fraks zum Berliner Fahrradmarkt auf dem Civili-Gelände in der Waldemarstrasse 57. Hier eine Installation aus Fahrradteilen in den Bäumen über dem Markt.

Berliner Fahrradmarkt

Ort: Waldemarstrasse 57 (Civili-Gelände)
10997 Berlin

Zeit: an jeden letzten Sonnabend im Monat von  9-17 Uhr bis Oktober

“Hundertsieben Tausend”

Dienstag, 14.06.2016

“Hundertsieben Tausend. Hundertsieben Tausend” skandierte eine euphorisierte Menge immer wieder, als gegen 13:00 Uhr die Unterschriften des Fahrrad-Volksentscheides bei der Senatsinnenverwaltung abgegeben wurden. Zwei Stunden vorher wurden auf einer Pressekonferenz die offizielle Zahl der Unterschriften präsentiert: 105.427 Unterschriften wurden in dreieinhalb Wochen gesammelt, um die erste Phase des Voksentscheids Fahrrad zu überwinden. Wie die Steigerung um um fast zweitausend Stimmen zustande kommt, weiß ich auch nicht, aber egal ob 105k oder 107k, das sind allemal deutlich mehr Unterschriften als die benötigten 20.000 gültigen Unterschriften.

Und es ist ein starkes politisches Signal dafür, dass der Radverkehr den Berlinern am Herzen liegt. Ich selbst habe im Gebiet nördlich der Torstraße gesammelt und hier konnte man den Eindruck haben, dass gefühlte 90 Prozent aller Bewohner den Entscheid unterstützen. Und die zehn Prozent, die nicht unterschrieben haben, müssen krank im Bett gelegen haben, denn auf der Straße hat sich kein einziger Bewohner geweigert, die Unterschrift auf  die Liste des Volksentscheids zu setzen.

Rechtlich wären 20.000 Unterschriften innerhalb von sechs Monaten erforderlich gewesen. Doch die Initiative Volksentscheid Fahrrad hat den schnellsten Volksentscheid Berlins hingelegt und damit bewiesen, wie groß der Wunsch der Berliner nach einer sicheren und komfortablen Radinfrastruktur ist. „Die Stimmung auf den Straßen ist klar: Berlin dreht sich. Die Menschen wollen einfach nur sicher und entspannt Rad fahren. Jetzt sind der Senat und die Parteien dran, diesem Auftrag der Berliner Bürger schnellstmöglich nachzukommen“, sagt Peter Feldkamp, Mit-Initiator Volksentscheid Fahrrad.

Volksentscheid Fahrrad

Nextbike heißt der neue Betreiber des Berliner Fahrradverleihsystems

Dienstag, 07.06.2016

Seit vielen Monaten sucht Berlin einen neuen Betreiber für das städtische Fahrradverleihsystem. Nachdem der alte Vertrag mit der Deutschen Bahn bereits Ende 2014 ausgelaufen war, wurde nun bekannt, dass das formale Vergabeverfahren abgeschlossen ist und die Firma Nextbike GmbH aus Leipzig als Betreiber feststeht.

Der im Verfahren geforderte Mindestumfang von 175 Stationen und 1750 Rädern wird durch die Nextbike GmbH weit übertroffen: In einer kompakten Hochlaufphase soll das öffentliche Leihfahrradsystem auf mehr als 700 Station und 5000 Räder wachsen. Das Ziel Berlins, ein kostengünstiges, dichtes und benutzerfreundliches System zu errichten, wird damit erreicht.

Nextbike bestückt das Berliner System nicht nur mit der technisch neuesten Generation von Stationen. Auch die neueste, hier zum Einsatz kommende Generation der Räder können dank eines Bordcomputers sehr bequem und schnell ausgeliehen werden. Egal ob per App, Kundenkarte oder Tastatureingabe sind die Räder binnen weniger Sekunden startklar. Die erste halbe Stunde kostet bei Nextbike einen Euro, eine Tagesmiete wird bei neun Euro liegen.

Der bisherige Betreiber des öffentlichen Fahrradverleihsystems in Berlin, die DB Rent GmbH mit ihrem Produkt Call-a-bike, wird auch weiter in Berlin aktiv bleiben.

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Zukünftig bietet neues Leihfahrradsystem mehr als 700 Stationen und 5000 Räder

„Freie Fahrt für freie Bürger“

Dienstag, 07.06.2016

Vor mehr als 40 Jahren trat der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V. (ADAC) eine Kampagne los, um gegen ein Tempolimit auf Autobahnen und Bundesstraßen zu kämpfen. Die ADAC Motorwelt, die Mitgliederzeitschrift des Verbandes und auflagenstärkste Zeitschrift in Deutschland, prägte den Spruch “Freie Fahrt für freie Bürger”. 1974, als der Slogan erschien, gab es etwa 16.000 Verkehrstote im Jahr in der damals noch viel kleineren Bundesrepublik. Heute liegt die Zahl der Verkehrsopfer in Deutschland bei circa 4.000, ungefähr ein Viertel des Blutzolls des Jahres 1974.

Schon damals wirkte der Spruch wie von gestern. Die Aktion zog Proteste und Austritte nach sich, da ein Teil der Mitglieder die Pro-Auto-Politik des Vereins nicht teilte. In der ADAC-Chronik findet sich dazu folgender Eintrag: “Der ADAC kritisiert den Tempo-100-Großversuch auf Autobahnen. Die ‚Motorwelt’ kündigt an, dass der Club alles tun wolle, das ‚unrealistische Kriechtempo’ zu verhindern.”

Heute, mehr als vier Jahrzehnte später, ist der Spruch das zentrale Motto der verkehrspolitischen Aussagen der AFD. Im Absatz 14.5 des Grundsatzprogramms der AFD (Freie Nutzung der Verkehrsmittel ohne Schikanen) heißt es wörtlich:

“Die AFD ist strikt gegen verkehrspolitische Schikanen, Kostenerhöhungen und vernachlässigte Verkehrswege, mit denen ein individueller Umstieg auf den öffentlichen Nah- und Fernverkehr erzwungen werden soll. Die Autofahrer werden auf Deutschlands Straßen durch immer mehr und nicht nachvollziehbare Geschwindigkeitsbeschränkungen behindert. Die Kommunen nutzen dies dann vorrangig als zusätzliche Einnahmequelle. Bald droht auch ein allgemeines Tempolimit auf allen Autobahnen. Die AFD fordert “Freie Fahrt für freie Bürger” und lehnt alle Beschränkungen aus anderen Gründen als der Verkehrssicherheit ab. Kein Tempolimit auf Autobahnen, 100 km/h auf Landstraßen und 50 km/h innerorts auf allen Durchgangsstraßen, jederzeit. Ein zu hoher Lärmpegel ist ggf. durch Lärmschutzmaßnahmen zu reduzieren. Der Ausstoß von Feinstaub bei Kfz mit Dieselmotoren ist durch Weiterentwicklung der Motor und Abgastechnik zu minimieren.”

AFD: Grundsatzprogramm der Alternative für Deutschland

Unterm Rad

Dienstag, 07.06.2016

Am Montag, dem 24. Juni 2013 erschien hier im Blog ein Beitrag mit dem Titel “Zwei schwere Rechtsabbiegeunfälle mit Lastkraftwagen”. Eine tote Radfahrerin und eine schwer verletzte Radfahrerin durch zwei abbiegende LKWs innerhalb weniger Minuten.

Der taz-Redakteur Gereon Asmuth hat ein bewegendes Portrait der überlebenden Radfahrerin geschrieben, deren Leben sich durch den Unfall komplett verändert hat. “Sie kämpft noch heute mit den Folgen – und sie hat radikale Forderungen an die Politik.”

taz: Unterm Rad
Rad-Spannerei Blog: Zwei schwere Rechtsabbiegeunfälle mit Lastkraftwagen

Polizei bilanziert 5-Tage-Aktion gegen Halten und Parken auf Rad- und Busspuren

Montag, 06.06.2016

An fünf Tagen der vergangenen Woche gingen Polizei, Ordnungsamt und BVG in 40 Straßen gemeinsam auf Streife, um das Halten und Parken auf Rad- und Busspuren zu verhindern. Nun veröffentlicht die Polizei ihre Bilanz.

“Nach den polizeilich vorliegenden Ergebnissen mussten im Verlauf der fünftägigen Schwerpunktaktion insgesamt 2.304 Halt- und Parkverstöße zur Anzeige gebracht werden, in 92 Fällen sind Kraftfahrzeuge zur Gefahrenabwehr kostenpflichtig abgeschleppt worden (Zahlen in Klammern):

• Schutzstreifen für Radfahrer: 497 (31)
• Radwege: 166 (13)
• Busspuren: 432 (18)
• zweite Reihe: 398 ( 4)
• sonstige: 811 (26)”

Wenn man sich im Verband der Bergungs- und Abschleppunternehmen vorher die Hände gerieben hat wegen des zu erwartenden Extragewinns, so muss die Abschleppbranche danach festellen: viel hat´s nicht gebracht. 92 Abschleppfälle verteilt auf 40 Straßen sind gerade mal 2,3 Abschleppaufträge pro Straße und Woche. Auch die 2.304 Fälle, an denen der Schutzmann sein Notizbuch zücken musste, sind eher mau. In jeder der 40 Straßen wurden durchschnittlich 11,52 Tickets pro Tag ausgestellt.

So ist auch nicht verwunderlich, dass die Polizei die verkehrserzieherische Wirkung ihrer Aktion eher spektisch sieht:

“Ein spürbares Unrechtsbewusstsein (der verwarnten Kraftfahrer) war kaum wahrzunehmen und es ist zu vermuten, dass viele der Betroffenen ihre individuellen Interessen hinsichtlich des Haltens und Parkens auf diesen besonderen Flächen regelmäßig sorglos über die Interessen der Allgemeinheit stellen.”

“Erneut zeigte sich, dass allein die sichtbare Präsenz uniformierter Überwachungskräfte bereits sehr kurzfristig den Effekt hat, dass Fahrzeuge schnell entfernt werden und insbesondere Rad- und Busspuren zumindest vorübergehend wieder frei befahrbar sind. Genauso schnell sind diese aber auch wieder blockiert, wenn die Streifen außer Sichtweite sind.”

Immerhin verspricht die Polizei: “Die Ordnungskräfte werden auch nach Abschluss der Verkehrsaktion weiter auf das Freihalten der Radwege und Busspuren achten.”

berlin.de: Bilanz der gemeinsamen Verkehrsaktion

Café Volksentscheid Fahrrad

Dienstag, 31.05.2016

Dieser Beitrag verändert sich bis zum 9. Juni 2016 laufend.

Käffchen trinken, Kuchen essen, die Sonne genießen und nebenbei eine Unterschrift für den Volksentscheid Fahrrad leisten. Das geht in den nächsten Tagen im Platzhaus auf dem Teutoburger Platz. Das Café Volksentscheid Fahrrad lädt alle zur Kuchenschlacht auf Spendenbasis ein. Bei Gewitter sitzt ihr gemütlich im Trockenen und wartet den Schauer ab. Leute, die einen ganzen Bogen mit sechs Unterschriften abgeben, bekommen ein Stück Erdbeertorte mit einem extra großen Löffel Schlagsahne.

Zeit
Dienstag, 31. Mai: 14:00 bis 18:00 Uhr
Mittwoch, 1. Juni: 14:00 bis 18:00 Uhr
Donnerstag, 2. Juni: 14:00 bis 18:00 Uhr
Freitag, 3. Juni: kein Café Volksentscheid Fahrrad
Sonnabend, 4. Juni: 14:00 bis 18:00 Uhr
Sonntag, 5. Juni 2016: kein Café Volksentscheid Fahrrad
Montag, 6. Juni 2016: kein Café Volksentscheid Fahrrad
Dienstag, 7. Juni 2016: 14:00 bis 18:00 Uhr
Mittwoch, 8. Juni 2016: 14:00 bis 18:00 Uhr
Donnerstag, 9. Juni 2016: 15:00 bis 18:00 Uhr (mit Kinderflohmarkt)

Ort
Platzhaus auf dem Teutoburger Platz (Prenzlauer Berg)
gegenüber Zionskirchstraße 75
10119 Berlin

Update 1. Juni: der begehrte Karottenkuchen von gestern ist leider aus. Dafür geht es weiter mit Erdbeertorte ohne Ende. Für morgen können wir veganen Kuchen und leckere Muffins versprechen.
Update 2. Juni: Das Versprechen “Erdbeertorte ohne Ende” konnten wir gestern nicht einhalten, die Torten waren ratzfatz weg. Heute bietet das “Café Volksentscheid Fahrrad” Apfeltorte und die berühmten Muffins von Heidrun. Her mit euren Unterschriften!

Erklärung von Wissenschaftlern an den Regierenden: “Fahrradgesetz umgehend in Kraft setzen!”

Montag, 30.05.2016

In den Räumen des Verkehrsbündnisses Allianz pro Schiene wurde heute ein Apell von mehr als 60 Wissenschaftlern an den Regierenden Bürgermeister von Berlin Michael Müller vorgestellt. Die Forscher aus den Bereichen Mobilität, Klimaschutz und nachhaltige Stadtentwicklung wollen dem Stillstand in der Verkehrspolitik nicht weiter zusehen und haben eine gemeinsame Erklärung verfasst. In ihrer „New Urban Agenda“-Erklärung fordern sie den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, auf, den Geist von Paris nach Berlin zu bringen. Er soll den eigenen Worten endlich Taten folgen lassen.

Die Wissenschaftler wollen, dass Müller das Berliner Radverkehrsgesetz (RadG) des Volksentscheids Fahrrad mit seinem massiven Klimaschutzbeitrag unmittelbar in Kraft setzt. Es braucht keine weiteren unverbindlichen Absichtserklärungen, sondern konkrete Schritte.

Berlin steht am Wendepunkt: Selten lagen Wissenschaft und Praxis, Politik und Bürgerwille weiter auseinander. Jetzt rücken sie zusammen: auf einer UN-nahen Konferenz wie dem German Habitat Forum neben einem von Bürgern ausgearbeiteten, weltweit einzigartigen Radverkehrsgesetz, das einen schnellen, günstigen und effizienten Klimaschutzbeitrag ermöglicht.

Volksentscheid Fahrrad: Towards the New Urban Agenda

Polizei will Halten und Parken auf Radwegen und Busspuren eine Woche besonders sanktionieren

Freitag, 27.05.2016

Etwa 40 Straßenzüge in sechs Bezirken, auf denen Busspuren sowie Radwege und -schutzstreifen häufig von Kraftfahrzeugen blockiert werden, sollen in der Woche vom 30. Mai bis zum 4. Juni 2016 von Polizisten, Mitarbeitern der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Ordnungsämtern und der BVG überwacht werden. Die Polizeiabschnitte werden die bezirklichen Streifen auf vielen dieser Strecken ebenso begleiten wie die Busspurbetreuer der BVG. Ziel ist, einen Beitrag zur Steigerung der Verkehrssicherheit zu leisten, Betroffene zu sensibilisieren und in der Öffentlichkeit ein spürbares Zeichen für mehr Verständnis im Miteinander und gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr zu setzen.

Im vergangenen Jahr wurden 15.696 Verstöße auf Radschutzstreifen, 11.557 auf Rad- und Gehwegen und 19.255 auf Busspuren zur Anzeige gebracht.

Polizei Berlin: Gemeinsame Verkehrsaktion

Fahrradweg unterhalb des Wasserspiegels

Dienstag, 24.05.2016

Man sieht es zwar nicht auf dem Foto, aber diese vier jungen Leute sind auf Rädern unterwegs. In dem kleinen belgischen Ort Bokrijk gut fünfzig Kilometer westlich von Aachen wurde ein 212 Meter langer und drei Meter breiter Fahrradweg auf dem Grund eines Sees gebaut, sodass die Radfahrer etwa auf Augenhöhe mit dem Wasser fahren können. Der Radweg ist eine neue Attraktion in einem Freilichtmuseum in der Teichlandschaft De Wijers.

Tourismus Limburg: Fietsen door het Water

Volksentscheid Fahrrad sammelt ab heute Unterschriften

Mittwoch, 18.05.2016

Heute startet die Unterschriftensammlung für den Volksentscheid Fahrrad. Bis zum 10. Juni 2016 sollen mindestens 20.000 gültige Unterschriften zusammenkommen.

Voraussetzung für den Start der Unterschriftensammlung war eine Kostenschätzung des Senats: Er veranschlagt 2,16 Mrd. Euro für die Umsetzung des Radverkehrsgesetzes (RadG).

Die Initiative rechnet mit 13 Euro pro Einwohner und Jahr, eine Summe von 320 Mio. Euro über sieben Jahre. Das ist weniger, als Berlins Partnerstädte London und Paris für den Radverkehr investieren. Kopenhagen mit seiner bereits gut ausgebauten Radinfrastruktur gibt 21 Euro pro Einwohner und Jahr aus. Selbst, wenn es so teuer wird wie der Senat vermutet, um Berlin fahrradfreundlich zu machen, Klimaschutz und gute, sichere Radwege sollten uns das wert sein.

Volksentscheid Fahrrad
Die Unterschriftenliste zum Download sowie alle weiteren Informationen 
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt: Amtliche Kostenschätzung zum Gesetz zur Förderung des Radverkehrs in Berlin

18. Mai: Ride of Silence

Dienstag, 17.05.2016

Der Ride of Silence ist eine jährliche Fahrraddemonstration, mit der auf öffentlichen Straßen getöteten und verletzten Radfahrern gedacht wird. Ihren Ursprung hatte der Ride of Silence vor 13 Jahren in Dallas in Texas. Seitdem wird der Ride of Silence jedes Jahr am dritten Mittwoch im Mai abgehalten. Im vergangen Jahr 2015 gab es neben den mehr als 300 Städten weltweit auch in zehn deutschen Städten einen Ride of Silence mit teilweise großer Beteiligung. In etwa so viele werden es auch 2016 sein.

In Berlin treffen sich die Teilnehmer der Gedenkfahrt am Mittwoch um 19:00 Uhr vor dem Brandenburger Tor. Der Zug führt in die Westcity und von dort in einem Halbkreis durch Schöneberg und Kreuzberg nach Friedrichshain. Am Roten Rathaus endet der Ride of Silence nach 30 Kilometern mit einer Schweigeminute.

Neu am Berliner Ride of Silence ist, dass diesmal drei Organisationen zur Gedenkfahrt aufrufen. Neben der Initiative Volksentscheid Fahrrad stehen der ADFC Berlin und der BUND Berlin hinter dem Ride of Silence.

Facebook-Event Ride of Silence Berlin 
Ride of Silence international

“Ritzelzähler und Warnwestenträger”

Dienstag, 10.05.2016

“Radfahren ist nicht gesund. Es macht unsere Städte unwirtlich und verschandelt die Natur. Das Fahrrad hat keine Zukunft und ist das Gegenteil vom Ausdruck einer eigenständigen Persönlichkeit.”

Der Zündfunk Generator von Bayern 2 widmet seine Sendung “Ritzelzähler und Warnwestenträger” Argumenten gegen das Radfahren. Mit sehr schöner Playlist.

BR Bayern 2: Ritzelzähler und Warnwestenträger

(Dank an Sascha für den Hinweis.)

Das Trocadero-Fixie

Freitag, 29.04.2016

Bei dem unten im Video gezeigten gezeigten Fixie sind Rahmen und Gabel nicht fest miteinander verbunden sondern ein Gelenk erlaubt es, die Gabel nach links oder rechts zu kippen. Erfunden wurde das Trocadero genannte Fixie von den drei Briten Johan Le Bon, Alexis Honoré und Alban Haloche. Sie behaupten, man könne das Fahren mit so einem Rad in zehn Minuten lernen. Le Bon: “Ich fahre damit jeden Tag zur Arbeit, aber für eine Fahrt von mehr als 5 Kilometern würde ich es nicht empfehlen.”

Mit einem Stift kann man das Gelenk arretieren und das Trocadero im Handumdrehen zu einem nomalen Fahrrad machen.

Trocadero-fixie bei Facebook

Fahrradunfälle in der Berliner Polizeistatistik

Mittwoch, 30.03.2016

Noch ist die “Sonderuntersuchung Radverkehrsunfälle” der Berliner Polizei für das Jahr 2015 nicht veröffentlicht. Dennoch kann man wohl erwarten, dass es sich wieder um denselben Text wie in den Jahren zuvor handelt und lediglich die aktuellen Zahlen ausgetauscht werden. Neben den Klassikern wie dem “bemerkenswerten Ergebnis”, dass ca. 50% der Radfahrer Verursacher ihrer Unfälle waren - eine wenig aussagescharfe Zahl, die vom Verkehrsanteil abhängt - stoßen immer wieder Floskeln auf, die den Eindruck erwecken, Radfahrer seien eigentlich an allen Unfällen schuld.

Im Kapitel “Unfallursachen der anderen Verkehrsunfallbeteiligten” werden an erster Stelle “Fehler beim Abbiegen” genannt, im Jahre 2014 waren es 1.595 Unfälle. Zum Vergleich: 197 Unfälle geschahen durch Rotlichtmissachtung der Radfahrer. Entschuldigend wird hier der “Tote Winkel” angeführt, wenngleich dieses Problem überwiegend Lkw-spezifisch ist und es insgesamt “nur” 474 Unfälle zwischen Radfahrern und Lkw gab. Laut Wikipedia gibt es bei 3,5-Tonnern innerhalb der EU seit 2009 keinen toten Winkel mehr - entweder die Polizei bezieht sich auf andere Fahrzeuge oder nutzt die Bezeichnung, um Fehlverhalten beim Abbiegen zu relativieren. Hilfreich wäre hier eine genauere Aufschlüsselung nach Art der Verkehrsbeteiligung und eine Unterscheidung zwischen Links- und Rechtsabbiegern. Ohnehin ist die Tote-Winkel-Problematik zu komplex für einen Einzeiler, da ja auch ein falsches Kreuzungsdesign (Geradeausfahrer rechts von Rechtsabbiegern, gleichzeitig Grün für Rechtsabbieger und Geradeausfahrer) durchaus unfallbegünstigend wirkt und ein systematisches verkehrsplanerisches Versagen offenbart.

Zum “Nichtbeachten der Vorfahrt” (608 Unfälle im Jahr 2014) schreibt die Polizei pauschal:

Auf Grund der schmalen Silhouette des Fahrradfahrers und der oftmals falschen Benutzung von Radwegen in entgegengesetzter Richtung, kommt es zum Nichtgewähren der Vorfahrt durch die anderen Verkehrsbeteiligten. 

Die Formulierung lässt keinen Zweifel offen - keine Vorfahrtmissachtung ohne Mitschuld des Radfahrers, und sei es nur durch seine “schmale Silhouette”. Der Körperumfang eines Menschen außerhalb eines Pkw ist ein Sonderfall, mit dem Pkw-Fahrer nicht rechnen müssen. Da es sich um eine amtliche Statistik handelt, belässt man es bei dem begleitenden Satz, ohne irgendwelche Zahlen zu nennen. Die “oftmals falsche Benutzung von Radwegen” dürfte Teil der “falschen oder verbotswidrigen Benutzung von Fahrbahnen und Straßenteilen” (940 Unfälle) sein, wie häufig diese mit Vorfahrtmissachtung zusammentreffen, ist aus der Statistik aber nicht ablesbar, daher sind solche Begleitsätze nicht nachvollziehbar und nicht nachprüfbar.

Verwickelt ein anderer Verkehrsteilnehmer beim Einfahren in den Fließverkehr einen Radfahrer in einen Unfall, wie es 442 Mal geschah, so ist für die Polizei nur ein Unfallszenario denbkar:

Überwiegend Führer von aus Grundstücksausfahrten kommenden Fahrzeugen können den Straßenraum, in den sie einfahren wollen, nicht im ausreichenden Maße einsehen. Die bereits genannte schmale Silhouette und das Befahren von Gehwegen bilden dann oftmals begünstigende Faktoren für das Zustandekommen von Verkehrsunfällen.

Unachtsames Ausparken oder Ausfahren über Radwege - laut Polizei scheint das keine Rolle zu spielen. Immerhin verwendet man hier, natürlich ohne Zahlen zu nennen, das Wörtchen “oftmals”. Dennoch, warum qualifiziert man eine Aussage, die eine breit gefächerte Unfallursache auf ein einziges Szenario einengt, nicht, indem man die Häufigkeit des Szenarios beziffert?

Verursacht ein Radfahrer einen Unfall beim Einfahren in den Fließverkehr, wie es 618 Mal geschah, so geschieht dies laut Polizei übrigens meist nach der verbotswidrigen Benutzung des Gehweges. Wieder ein klares, eingeengtes Szenario, das z.B. den im Alltag häufig notwendigen Wechsel zwischen Radweg und Fahrbahn außen vor lässt. Wenn die Polizei sagen kann, dass Radfahrer eher vom Geh- als vom Radweg aus falsch in den Fließverkehr einfahren, warum veröffentlicht sie die dies belegenden Zahlen nicht einfach in ihrer amtlichen Statistik?

Eine Unfallstatistik muss neutral sein - sie soll Unfallursachen und -verursacher benennen und kann dies auch erklärend begleiten. So ist z.B. auf den ersten Blick unklar, was sich hinter der “verbotswidrigen Fahrbahnbenutzung” verbirgt, und die Erklärung, dass damit u.a. das Befahren von Gehwegen oder Radwegen in falscher Richtung gemeint ist, ist hilfreich. Eine Statistik, die mit Texten begleitet wird, darf auch belehren und fachlich haltbare Verhaltensvorschläge geben. Dennoch: Eine Unfallstatistik, die nicht nachgewiesene Behauptungen aufstellt und breit gefächerte Unfallursachen auf Einzelszenarien einschränkt, wirkt unseriös.

Die Berliner Polizei steht auch wegen ihrer Unfallmeldungen in der Kritik. Ein besonders tragischer Fall war der des am 17.3.2016 tödlich verunglückten Radfahrers. Hier verbreitete die Berliner Polizei nach Angaben der Berliner Zeitung zunächst, der Radfahrer sei bei Rot gefahren. Eine Grundlage für diese Behauptung kann sie kaum gehabt haben, denn Zeugen berichteten, dass der verursachende Autofahrer bei roter Ampel gefahren sei. So wurde das Opfer eines schweren Fehlverhaltens in den Zeitungen und Radiosendern stundenlang zum Täter gemacht, die kleinlaute Revidierung des Unfallhergangs hingegen kaum mehr beachtet.

Eine weitere Radfahrerin starb am 11.3.2016, weil ein Pkw sie zu nah überholte. Eine Unfallursache, die die Fahrradstaffel der Berliner Polizei nach eigenen Angaben grundsätzlich nicht sanktioniert.

“Lieber Fahrer des silbernen Mercedes”

Dienstag, 22.03.2016

Lieber Fahrer des silbernen Mercedes,

am Dienstag vor einer Woche warst du zur gleichen Zeit wie ich auf der Hardenbergstraße unterwegs und überholtest mich kurz nach dem Bahnhof Zoo völlig korrekt und unauffällig auf dem linken Fahrstreifen und wechseltest dann auf den rechten.

Durch die derzeitige Baustelle stehen auf fast der gesamten Länge der Straße nur zwei recht schmale Fahrstreifen zur Verfügung. Daher ist der Verkehr teilweise recht dicht und der motorisierte Verkehr kommt auch nicht viel schneller voran als Radfahrer. An der Fußgängerampel am Steinplatz vor der Uni-Mensa hatte ich dich immer noch nur wenige Meter vor mir.

Wenige Meter vor dir war eine Radfahrerin unterwegs, regelkonform auf dem rechten Fahrstreifen und, so wie ihr Autofahrer es immer sehen wollt, so nah, wie eben zumutbar am rechten Fahrbahnrand. Es war dir aber nicht Wert, mehr als eine gute Reifenbreite auf den linken Fahrstreifen auszuweichen, als du sie überholtest und du machtest nur einen kriminell engen Bogen um das Fahrrad. Warum, ist mir nicht klar. Die Lücke auf dem linken Fahrstreifen war da, bei der geringen Breite hätte es sonst nämlich nicht mal für den kleinen Bogen gereicht. Außerdem hattest du nach nur wenigen Sekunden bereits das Ende der Baustelle erreicht, wo du wieder deinen eigenen Fahrstreifen bekommen hast, während die Radfahrerin weiter auf der Busspur fuhr.

Da ich dich an der Ampel am Ernst-Reuter-Platz auch wieder eingeholt habe, sprach ich dich auf dieses Fehlverhalten an. Was du da von dir gegeben hast, das schlägt dem Fass nun wirklich den Boden aus: Ein selbstmörderisches Verhalten hast du der Radfahrerin vorgeworfen, und sie hätte doch rechts sooo viel Platz.

Bitte hallo? Rechts von ihr war nur der Gehweg! Sollen wir Radfahrer nun Ordnungswidrigkeiten begehen, damit ihr Autofahrer ungestört fahren könnt? Da ich nicht zu den Radfahrern gehöre, die sowas in Eigenregie sanktionieren, beispielsweise mit einem heftigen Tritt in den Kotflügel, werde ich das Punkteverteilen aber nun der Polizei überlassen.

Nur zur Erinnerung: Diese Tage wurde eine Radfahrerin in der Heerstraße bei einem zu engen Überholmanöver über den Haufen gefahren und verstarb an ihren Verletzungen. Etwas länger her ist ein solcher Vorfall in Zehlendorf, bei dem ein Rentner vom Rad geworfen wurde und ebenfalls verstarb. Die vorgeschriebenen 1,5 Meter Seitenabstand haben schon ihren Sinn!

Und, liebe Autofahrer, seid bitte nicht böse, wenn so mancher Radfahrer eben doch nicht hart am rechten Rand, sondern eher in der Mitte des Fahrstreifens fährt, um euch einen vollständigen Spurwechsel mindestens mal deutlich nahezulegen.

Gastbeitrag von KS

Berliner Fahrradmarkt feiert Saisonauftakt

Dienstag, 22.03.2016

Am Sonnabend startet der Berliner Fahrradmarkt auf dem Civili-Gelände in Berlin-Kreuzberg in seine zweite Saison. Von Ostersonnabend bis Ende Oktober können Berliner an jedem letzten Samstag des Monats Fahrräder anbieten und finden.

Ob Fixie, Singlespeeder, Lastenrad, Mountainbike oder einfach nur ein alter Drahtesel - egal was für ein Zweirad her soll, hier wird man es finden. Jeder kann mitmachen! Auch für die Wartung und Reparatur der eigenen Räder wird ein junges Schrauberteam der offenen Werkstätten und Läden aus der unmittelbaren Umgebung sorgen.

Gegen Spenden lassen sich kleine Reparaturen direkt vor Ort erledigen. Jeder, der ein Fahrrad verkaufen oder kaufen möchte, ist hier an der richtigen Adresse. Für Privatpersonen entfallen die Standgebühren fürs erste Rad! Jeder kann hier verkaufen…

Doch der FLickeN Fahrradmarkt bietet weit mehr als nur gebrauchte Fahrräder und Services. Er ist eine Plattform zum Austausch über aktuellen Zeitgeist der Mobilität, Leidenschaft und Projekten rund ums Zweirad. DIY Workshops, Beratung & Kurioses sind geboten. So werden Initiativen, welche sich z.B. im sozialen Bereich mit dem Thema Fahrrad beschäftigen, Freiflächen angeboten.Schicke einfach ne E-Mail an: info (@) flicken-berlin.de

Neben dem sozialen & kulturellen Gedanken steht auch das Thema Kunst im Fokus. Upcycling & urbaner Inspiration wird hier eine Bühne gegeben. Auch für die Unterhaltung ist gesorgt, denn der gesamte Kiez ist animiert mit einem Angebot an Speisen, Getränken und Musik daran teilzuhaben.

Berliner Fahrradmarkt 

Zeit: 26. März 2016 von 9:00 bis 17:00 Uhr
… und an allen letzten Sonabenden des Monats bis zum 29.10.2016
Ort: Waldemarstraße 57
10997 Berlin

Berliner Fahrradmarkt

Berliner ADFC steht hinter dem Volksentscheid Fahrrad

Sonntag, 20.03.2016

In normalen Jahren ist die Mitgliederversammlung des ADFC eine langweilige Angelegenheit. In normalen Jahren freut man sich über 50 von mehr als 12.000 Mitgliedern, die zur MV erscheinen, nickt den Tätigkeitsbericht des Vorstandes ab, wählt einen neuen Vorstand sowie die Delegierten zur nächsten Bundeshauptversammlung, hört sich ein Grußwort an und geht dann wieder nach Haus.

Gestern war alles anders. Mehr als 200 Mitglieder versammelten sich im Tempodrom und stritten um die Haltung des Radfahrerverbandes zum Volksentscheid Fahrrad. Drei Anträge standen zur Diskussion: ein Antrag des Vorstandes unterstützte den Volksentscheid, ein weiterer Antrag von Fürsprechern des Volksentscheids ging in de gleiche Richtung und ein dritter Antrag von Bernd Zanke und weiteren  Vorstandsmitgliedern lehnte eine Zustimmung zum geplanten Fahrradgesetz BerRG rundweg ab. In der kontroversen Debatte bildeten sich zwei gleich große Lager von Anhängern und Gegnern des Volksentscheides. Die Gegner des Volksentscheides argumentierten, dass der Zeitpunkt eines Volksentscheides kurz vor dem Ende der Legislaturperiode falsch sei. Beide Lager hatte prominente Fürsprecher. Die Gegner hatten Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) sowie Tilman Bracher vom Deutschen Institut für Urbanistik auf ihrer Seite, während die Pro-Fraktion vom grünen Mitglied des Abgeordnetenhauses Andreas Otto sowie einem Mitglied des Bundesvorstandes des ADFC unterstützt wurde.

Vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung zog die Volksentscheid-Gruppe ihren Antrag zurück, sodass nur jeweils ein Pro- und ein Contra-Antrag zur Wahl standen. Der Antrag des Vorstandes, der den Volksentscheid unterstützte, setzte sich letztlich deutlich durch. 144 ADFC-Mitglieder stimmten mit “Ja”, 58 waren dagegen und 12 Mitglieder stimmten mit “Enthaltung”. Trotz der deutlichen Zwei-Drittel-Mehrheit der Pro-Fraktion geht ein Riss quer durch den Berliner ADFC. So kündigte ein Mitglied der Spandauer Stadtteilgruppe bereits vor der Abstimmung an, dass die Spandauer den Volksentscheid nicht unterstützen werden. Eva-Maria Scheel, die Landesvorsitzende des Berliner ADFC, sagte: “Wir freuen uns, dass unsere Mitglieder den Antrag des Vorstandes angenommen haben. Gemeinsam mit dem Volksentscheid Fahrrad und vielen anderen Verbänden bilden wir nun ein starkes Bündnis für ein fahrradfreundliches Berlin.”

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