“Volksentscheid Fahrrad” geht in Berlin an den Start

Mitte November trafen sich fahrradinteressierte Menschen in Kreuzberg zu einem Workshop, um Möglichkeiten auszuloten, das Thema Fahrrad stärker auf die politische Agenda zu heben. Eine lange Liste von fahrradpolitischen Zielen wurde auf dem Treffen zu einem Zehn-Punkte-Katalog eingedampft, der den Berliner Senat zwingen soll, sich stärker für das Radfahren einzusetzen.

Die zehn Ziele:

1. Sichere Fahrrad-Straßen auch für Kinder und Senioren
2. Jede Hauptstraße mit sicheren Radspuren
3. Kreuzungen entschärfen und abgasfreie Ampelaufstellzonen markieren
4. Radkomfort und –sicherheit per Bürgerdialog steigern
5. Fahrräder parken können
6. Grüne Welle fürs Radfahren
7. Radschnellwege konkret
8. Freie Wege und mehr Verkehrsmoral für Alle
9. Berliner Verwaltungen für mehr Radverkehr aufstocken
10. Berlin mit mehr Öffentlichkeitsarbeit auf mehr Radverkehr vorbereiten

Bisher haben diese Ziele den Charakter eines Arbeitsdokuments. Auf der Grundlage des Katalogs soll ein Berliner Fahrrad-Gesetz erarbeitet und für einen Volksentscheid Fahrrad geworben werden.

Ein Volksentscheid besteht in Berlin aus drei Stufen. In einem ersten Schritt müssen 20.000 gültige Unterstützungsunterschriften für einen Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens gesammelt werden. Wenn diese Hürde erfolgreich überwunden wurde, startet das eingentliche Volksbegehren, für das die schriftliche Unterstützung von gut 170.000 Personen mit Wohnsitz in Berlin notwendig ist. Gelingt es, auch diese Marke zu meistern, werden die Berliner Bürger zu den Wahlurnen gerufen, um über ein Fahrradgesetz abzustimmen.

Noch ist nicht sicher, ob die Initiative für einen Fahrradvolksentscheid die Unterstützung von verkehrspolitischen Verbänden erhält. Der Ball liegt nun bei ADFC und VCD, bei den Interessenverbänden der Fußgänger und Nahverkehrsnutzer, bei den Opfern von Feinstaub und Verkehrslärm, bei all denen, die eine menschengerechte Mobilität in Berlin wollen.

Volksentscheid Fahrrad

102 Kommentare zu ““Volksentscheid Fahrrad” geht in Berlin an den Start”

  1. bikeberlin schreibt:

    Schöne Wünsche, lesen sich gut.
    Spannend, ob aus diesen “Zielen” ein Gesetz formuliert werden kann.

  2. berlinradler schreibt:

    Den Tempelhof-Volksentscheid hat man ja mehr oder weniger recht ernst genommen, auch wenn es zuletzt wegen der Flüchtlingssituation Vorstöße gab, es mit Heimen zu bebauen.

    Das wäre auch meine Hoffnung an so einen Radfahrer-Entscheid. Das heisst, man sieht eine breite Masse, die sich eine Verbesserung wünscht und nimmt diese ernster als bisher.

    Zweifel hätte ich hingegen, ob das dann wirklich auf der Straße ankäme. Wo Parkplätze wegfallen würden oder Ampelschaltungen erstmalig so gestaltet würden, dass die Radfahrer und Fußgänger NICHT die Benachteiligten sind, wäre ein breiter Widerstand aus Bevölkerung und Politik zu befürchten.

    Denn bisher wird das Fahrrad in Berlin eigentlich nur dort gefördert, wo der Autoverkehr dadurch nicht zu stark eingeschränkt werden muss. Wenn ein Volksentscheid das vorhandene Denken umdrehen könnte, wäre das toll. Bei einer neuen Straße wird erst an Fußgänger gedacht, dann an Radfahrer und wenn dann noch was bleibt, auch an Autofahrer. An einer Ampel wird der Radfahrer nicht zugunsten des Verkehrsflusses ewig geparkt und die Ampel wird auch dann “sicher” geschaltet, wenn Abbieger dadurch länger warten müssen.

    Hier werden sicher noch viele Argumente für oder gegen das Unterschreiben kommen, zur Zeit tendiere ich dazu, unterschreiben zu wollen. Bin gespannt was andere schreiben.

  3. Nebsler schreibt:

    “Jede Hauptstraße mit sicheren Radspuren” … ich könnte kotzen

  4. Christoph schreibt:

    die punkte klingen sehr ambitioniert. einige davon werden jahrzente dauern bis man sie umgesetzt hat, auch wenn man sofort anfinge zu planen. es wird auch viel geld kosten. viele punkte kann man m.e. nur vernünftig umsetzen, wenn die planer und entscheider wissen was sie tun. und das wissen sie nicht. alle die bauingenieur oder verkehrplanung/stadtplanung studiert haben, lernen den regelquerschnitt einer 4 streifigen kfz schnellstr. mit sämtlichen komfortparametern bis sie es im schlaf können, wie man perfekte strassen für ungestörten kfz fluss plant. auf seite 234 des skripts steht dann auf einer halben seite, dass man etwas platz für radfahrer lassen soll, wenns noch reicht.

    ergänzen könnte man die punkte um:
    regelgeschwindigkeit in der stadt wird 30 km/h
    parkraumbewirtschaftung im gesamten öffentlichen städtischen raum.
    (gratisparken ist wie in mietwohnung wohnen und keine miete zahlen, weil man ja schon in den nebenkosten die grundsteuer fürs haus bezahlt)

  5. berlinradler schreibt:

    @Christoph, das von Dir genannte “wissen, was sie tun” ist auch in meinen Augen eines der potenziellen Riesenprobleme. Zu viel Geld in Händen von Verkehrsplanern ist gefährlich, selbst wenn sie die Fahrradfreundlichkeit wirklich ernst meinen.

  6. mit-dem-Fahrrd-in-Berlin schreibt:

    Beim “Volksentscheid Fahrrad” steht:
    4. Radkomfort und –sicherheit per Bürgerdialog steigern
    Onlinebeteiligung, Tracking oder sonstige Feedbacktools zu Kleinlücken, Ärgernissen, Baumwurzeln etc. nutzen, um 1.000 zu identifizierende Sofortmaßnahmen bis zu 5.000 Euro Aufwand bis 2020 zu beseitigen

    gibts es doch schon:
    https://ordnungsamt.berlin.de/frontend/dynamic/#!start

    Warum dafür ein Volksentscheid?

  7. siggi schreibt:

    Nebsler schreibt:
    Freitag, 11.12.2015 um 14:46

    “Jede Hauptstraße mit sicheren Radspuren” … ich könnte kotzen

    Geht mir auch so.
    Auch frage ich mich wie die grüne Welle für Radfahrer aussehen soll.
    Wie schnell fahren denn die Radfahrer so?
    10 - 15 - 25 oder gar 45km/h ?
    Ich bin für grüne Welle bei Tempo 35.
    Alles in Allem liest sich das für mich wieder nach den üblichen Forderungen die nur wieder nachgeplappert werden. Ob Radverkehr damit wirklich funktioniert wird nicht hinterfragt. Haupsache es wird irgend etwas “für” Radfahrer installiert.
    In den letzten Jahren zeigt sich, um so mehr Menschen meinen etwas für den Radverkehr tun zu müssen, um so schlimmer wird es.

  8. Jakob schreibt:

    Bei der Forderung “Jede Hauptstraße mit sicheren Radspuren” haben sie immerhin dazugeschrieben, dass die Spuren mindestens 2m breit sein sollen und ein ausreichender Abstand zu parkenden Fahrzeugen da sein muss. Ich bin auch kein großer Fan von Separierung aber diese Vorschläge sind zumindest deutlich besser als das, was heute auf vielen Straßen aufgepinselt wird.

    Ich hoffe mal, dass der Abstand zu Parkplätzen im Gesetezestext noch präzisiert wird (z.B. 75cm oder besser 1m) und ein Parkverbot angeordnet (und wenn nötig duch physikalische Hindernisse wie z.B. Fahrradständer durchgesetzt) werden muss, wenn der verbleibende Platz nicht mehr für heutige PKW (in den letzten Jahrzehnten sind Autos imemr breiter geworden) ausreicht.

  9. Michael S schreibt:

    Ich finde das Thema für einen direktdemokratischen Weg zu sehr abhängig von gängigen Denkmustern. Der Radverkehr braucht visionäre Politiker, die für eine nachweislich gute Sache auch die richtige Überzeugung rüberbringen. Der Hintergrund für die Verzagtheit der Radpolitik ist nur teilweise Ignoranz, zum größeren Teil Wahlkalkül. Wenn man sich anschaut, wie sehr die meisten Menschen bei “Radrambo” heftig nicken und bei “Parkraumbewirtschaftung” den Kopf schütteln können, dann habe ich nicht viel Zutrauen in eine solche Befragung.

  10. bikeclipper schreibt:

    Ich sehe im Volksentscheid aber auch die Chance, die Diskussion um sicheres Fahrradfahren in Berlin mehr in das Bewusstsein der Bürger zu rücken. Da muss sich dann auf einmal jeder in Berlin Wahlberechtigte mit diesem Thema auseinandersetzen.
    Also ist die Initiative Volksentscheid Fahrrad auf dem richtigen Weg, um den sprichwörtlichen Stein ins Rollen zu bringen. Die Riesenmöglichkeit auf breiter Front Öffentlichkeitsarbeit zu machen.
    Wenn jetzt noch ein halbwegs brauchbarer Gesetzentwurf ohne zu idiologische und quasi “religiöse” Maximalziele dabei herauskommt, freue ich mich auf eine spannende Vor-Volksendscheidszeit.

  11. CGast schreibt:

    Wieso Radfahrstreifen auch keine Lösung sind:

    http://www.huebsch-gemacht.de/radwege/txt/radfahrstreifen.html

    Ihr könnt Euch bei den Argumenten gern bedienen.

    Wer noch eine Idee hat, Adresse steht unter dem Artikel… immer her damit.

    (Übrigens hat es auf diesem oben beispielhaft vorgestellten Radfahrstreifen letztlich einen ziemlich bösen Unfall [”Dooring”] gegeben.)

  12. berlinradler schreibt:

    Die Initiative bittet ja direkt um Mitwirkung und Mails - vielleicht kann man drauf einwirken?

    Andere Punkte wie echte Fahrradstraßen und (echte) Radschnellwege sind ja wiederum begrüßenswert.

  13. berlinradler schreibt:

    @CGast, schön geschrieben. Die mit Radstreifen nicht wirklich veränderte Rechtsabbiegerproblematik hätte ich vielleicht noch etwas ausgebaut. Aber eine Detailfrage: Du schreibst, dass man im Kreuzungsbereich den verschwenkten Radführungen folgen muss. Ist das so, und wo steht das?

    Manche dieser Verschwenkungen bedeuten ein Aus- und Einfädeln in den Fließverkehr, oder wenn viele Fahrzeuge kommen, muss man am Ende der Kreuzung stehenbleiben und warten, bis diese durch sind. Ehrlich gesagt habe ich krasse Verschwenkungen bisher aus diesem Grunde ignoriert sondern bin in einer Fahrlinie mit den Autos geblieben. Bin ich am Ende doch ein Radrambo? :-)

  14. Jens2 schreibt:

    @berlinradler: Die Regelung, dass man als Radfahrer im Kreuzungsbereich einer vorhandenen Radverkehrsführung folgen muss, ist mit der 2009er Novelle der StVO abgeschafft worden. Demnach ist das nicht mehr so. Es stand früher in der StVO § 9 Abs. 2 Satz 5. Bei historischem Interesse findet man diese alte Fassung z.B. noch hier: http://bernd.sluka.de/Recht/StVO_20071207.txt

  15. berlinradler schreibt:

    Danke Jens2, der Nebensatz war mir in der alten STVO nie bewusst aufgefallen.

  16. siggi schreibt:

    Jakob schreibt:
    Freitag, 11.12.2015 um 20:03

    Bei der Forderung “Jede Hauptstraße mit sicheren Radspuren” haben sie immerhin dazugeschrieben, dass die Spuren mindestens 2m breit sein sollen und ein ausreichender Abstand zu parkenden Fahrzeugen da sein muss. Ich bin auch kein großer Fan von Separierung aber diese Vorschläge sind zumindest deutlich besser als das, was heute auf vielen Straßen aufgepinselt wird.

    Wie breit muss dann die Fahrspur sein, damit ein Radstreifen so angelegt werden kann?
    Male das einfach mal auf, dann wirst Du Folgendes feststellen.

    Eine Fahrbahn die Platz für einen regelkonformen Radstreifen hat muss mindestens so breit sein, dass sie letztendlich auch wieder ohne auskommt.
    Daher gibt es bei diesen Dingern nur zwei Kategorien - entweder überflüssig oder illegal.

  17. Reclaim schreibt:

    Siggi: ich empfinde die, die Du als überflüssig beschreibst, nicht als überflüssig: wo man sonst einen langsamen Slalom um den 5 Ampelphasen langen Amperlstau herumgurken müsste, sorgen die Streifen fúr vom Stau untangiertes Vorankommen. Und es gibt nicht nur neben Parkplätzen Streifen, so dass das Dooringargument für längst nicht soviele Fälle greift, wie es vorgebracht wird.

  18. siggi schreibt:

    @Reclaim
    Für das untangierte Vorankommen im Ampelstau muss Eines vorhanden sein - ausreichend Platz.
    Ist der Platz nicht da nutzt auch ein Radstreifen nichts.
    Ist der Platz da, darf man auch ohne Radstreifen vorbei fahren.
    Was man abstellen muss ist nur dieses asiozale Verhalten von Autofahren die diesen ausreichenden Platz zunichte machen. Wenn nötig per Gesetz.
    Das kostet fast nix und erspart uns viele teure, unnötige und gefährliche Radstreifen.

  19. Jakob schreibt:

    @siggi: Auf einer normalen Straße mit mehreren Spuren stehen die Autos bei Stau auf allen Spuren und damit fehlt oft der Platz zum sicheren Vorbeifahren. Das ist auch kein Fehler (oder gar “asoziales Verhalten”) einzelner Autofahrer sondern völlig STVO-Konform, weil Autofahrer natürlich auch die rechte Spur benutzen dürfen. Da kann ein (ausreichend breiter) Radstreifen (anstelle der rechten Fahrspur, nicht irgendwie zusätzlich dazugequetscht) den nötigen Platz schaffen und den Autostau auf die linke Spur begrenzen.

  20. Komfortradler schreibt:

    @Reclaim
    @ Siggi

    Eine wichtige Diskussion, in der Reclaim genau die richtigen Argumente liefert. Passiert mir auch laufend, dass ich vor einer Ampel im Autostau hängen bleibe. Die einzig senkrechte Lösung ist eine Fahrradspur vor der Kreuzung, die auch noch den längsten Stau abdeckt. Ob sich da Autofahrer
    assozial verhalten oder einfach nur gepennt haben, muss dann nicht
    mehr interessieren. Und, Siggi, das Zustauen des rechten Fahrbahnra
    ndes kann man per Gesetz genauso wenig verhindern, wie das Zuparken von Radstreifen. Ein Gesetz, dessen Einhaltung nicht konsequent überprüft wird, hilft mir persönlich auf der Straße herzlich wenig. Denn das Gesetz gibt es ja schon. Aus § 1 StVO ist ohne weiters die Verpflichtung abzuleiten
    den rechten Straßenrand für den Radverkehr freizuhalten. Das interessiert
    nur niemanden. Und wenn dann der Platz nicht ausreicht, muss dieser ggf.
    auch zu Lasten der Blechkisten geschaffen werden. Darauf zielen die Vorschläge des Workshops u.a. ab. Indessen habe ich kaum Hoffnung, dass dieser weitere 10-Punkte-Plan uns irgendwie helfen wird.
    Aber unterschreiben sollte man den beabsichtigten Volksentscheid auf alle Fälle.

  21. siggi schreibt:

    Jakob schreibt:
    Samstag, 12.12.2015 um 22:27

    @siggi: Auf einer normalen Straße mit mehreren Spuren stehen die Autos bei Stau auf allen Spuren und damit fehlt oft der Platz zum sicheren Vorbeifahren.

    …und der Radstreifen macht die Fahrspuren, wie durch Zauberei, plötzlich breiter.
    Darum noch mal.

    Eine Fahrbahn die Platz für einen regelkonformen Radstreifen hat muss mindestens so breit sein, dass sie letztendlich auch wieder ohne auskommt.
    Daher gibt es bei diesen Dingern nur zwei Kategorien - entweder überflüssig oder illegal.

  22. Michael S schreibt:

    @ siggi: Erklär’s mir bitte nochmal mit einfachen, anderen Worten unter Einbeziehung von Jakobs Einwand; die reine Wiederholung eines Arguments, das diesen Einwand hervorrief hilft mir nicht.

  23. Torkelradler schreibt:

    > haben sie immerhin dazugeschrieben, dass die Spuren mindestens 2m breit sein sollen

    Wohl wissend, das man sie ohnehin nicht durchsetzen kann, lassen sich Forderungen leicht erheben. Hauptsache, man kassiert die moralischen Pluspunkte und kann hinterher sagen, “Aber wir wollten das so nicht.”. So sprechen die Häuptlinge der gespaltenen Zunge doch seit 50 Jahren. Wie leicht sich doch mit einigen billigen Sätzen die Hoffnungen neu beleben lassen…
    “Die Initiative” ist in Wirklichkeit eine 1-Mann-Firma, die noch immer Arbeit sucht.

  24. berlinradler schreibt:

    Ich kenne einige Radstreifen, auf denen ich gerne fahre und einige, auf denen ich das nicht tue. Mit einigen habe ich keine Probleme, sehe in ihnen aber auch keine Vorteile - wenn die Straße breit und selbst im Berufsverkehr nicht vielbefahren ist, dann fehlen Vor- und Nachteile weitgehend, allerdings stehe ich im Kreuzungsbereich dann rechts von den Rechtsabbiegern, was ein großes Problem ist.

    Auf dem Radstreifen am Stau vorbei - einige meiner Wege würde ich sonst gar nicht befahren. Wobei ich mich jedes Mal echt wundere, wer sich sowas tagein, tagaus antut - ich würde da nicht mit rumstehen wollen ;) Das ist ein wirklich gewichtiger Vorteil, der auch nicht damit widerlegt ist, dass der Platz auch ohne Radstreifen da wäre. Denn dann stünden die Kfz rechts, und sie links zu überholen wäre nicht immer erlaubt und optimal.

    Mit dem Radstreifen nah an die überholenden Lkw gerückt - einige meiner Wege umfahre ich aus diesem Grunde lieber. Ein gewichtiger, und m.E. sehr objektiver Nachteil.

    Mit dem Radstreifen durch Falschparker ausgebremst, weil im Fließverkehr keine Lücke ist - das sind die Stellen, wo ich siggis Methode des Totalverzichts befürworte. Solche Straßen kriegt man nicht schön, und wer etwas Erfahrung hat, schwenkt zwischen den Falschparkern schon gar nicht mehr auf den Radstreifen zurück.

    Wie sieht also nun der perfekte Radstreifen aus? 2 Meter breit, wie es die Initiative fordert? Wäre ich skeptisch, andere vielleicht nicht. Breit wie eine Fahrspur? Fände ich super, andere vielleicht übertrieben. Wo fahr ich überhaupt lang? Der eine folgt dem Radstreifen auf der vielbefahrenen Hauptstraße, der andere weicht auf Nebenstraßen oder gar den Bürgersteig aus. Bei diesen Themen ist die Gruppe der Radfahrer kaum auf einen Nenner zu bringen, und das ist wohl die Schwierigkeit eines solchen Volksentscheid.

    Bei den meisten Punkten denke ich aber, dass man einen recht breiten Konsens (unter Radfahrern) finden kann. Ich sehe nicht, was gegen echte Fahrradstraßen, entschärfte Kreuzungen (wobei das von der Initiative fachlich tragbar definiert werden muss, der Senat packt das alleine nicht!), Abstellanlagen, Radschnellwege, professionalisierte Verwaltungen etc. spricht.

  25. Reclaim schreibt:

    “Die Initiative” ist in Wirklichkeit eine 1-Mann-Firma, die noch immer Arbeit sucht.

    Wär doch super, wenn jeder so seinen Überzeugungen folgend auf Arbeitssuche ginge. Ich sehe da nix Verwerfliches.

  26. vorstadt-strizzi schreibt:

    Insgesamt finde das eine sehr gute Initiative.
    Natürlich kann man einiges kritisieren.

    Als wirklich innovativ für die Radverkehrsdiskussion ist Punkt 1 zu bewerten.
    Die Schwächsten überhaupt mal und dann noch ganz vorn genannt. Das ist neu.
    Leider fehlt in Punkt 1 der Netzgedanke. Schule sollten viel frequentierte Radschulwege identifizieren und die sollten dann fehlertolerant und sicher ausgebaut werden.
    Damit könnte man sicher viele Eltern mobilisieren und ins Boot holen. Denn die würden vom Mama-Taxi-Chauffeur spielen entlastet werden. Gerade für Berufstätige und Alleinerziehende wäre das eine enorme Erleichterung. Eltern sind oft mobilisierungsfähig, meinungsstark und gut vernetzt.

    Punkt 2. Streifen, naja. Als sone Art Zwitter zwischen Misch- und geschütztem Verkehr beim Stand der Diskussion wohl unvermeidlich.

    Nach der jüngsten BASt Studie, die allerdings nicht Rad- sondern Schutzstreifen thematisiert, sind die für den Radverkehr ungeeignet.
    https://radverkehrhamburg.wordpress.com/2015/11/11/die-bundesanstalt-fuer-strassenwesen-bast-analysiert-mischverkehrschutzstreifen-sicherheit-und-respekt/

    Der schwächste Punkt ist Punkt 8. Ihn halte ich für schädlich, da er demobilisiert. Wer bitteschön macht sich für seine eigene Repression gerade?

    In Punkt 8 heißt es auf der Website:
    “Wir fordern bis 2018 für jede der sechs je Polizeidirektionen eine Fahrradstaffel mit 20 zusätzlichen Stellen….”

    Jeder weiß, dass Radstaffeln Radfahrer verfolgen. Diese gewachsene Kultur innerhalb der Polizei wird sich so schnell nicht ändern.
    Ich glaube, dass ein Mehr an Repression gegen Radfahrer nicht zielführend ist und auch nicht mobilisierend.

    In attraktive Radinfrastruktur investieren, das erhöht die Regekakzeptanz und da ist das Geld besser angelegt.

    “The target of the police ist not to control cyclists and pedestrians. It is to control the most dangerous part, motorcar drivers.” (Jack Wolters, oberster Verkehrspolizei-Offizier von Amsterdam). Verkehrssicherheit produzieren, das muss die Aufgabe der Verkehrspolizei sein.
    Um reine Law-and-Order Fantasien zu bedienen, sind Polizisten auch einfach zu teuer.

  27. berlinradler schreibt:

    Ich glaube, Mama-Taxi-Driver(innen) werden diejenigen sein, die bei so einer Initiative innbrünstig mit “Nein” stimmen, weil sie das noch viel mehr aufhalten würde. Mit “Ja” würden wohl eher die stimmen, die ihrem Kind die Mobilitätsentwicklung nicht vorenthalten, und unter denen auch nur die Radfahrenden.

    Ich kann mir vorstellen, dass so ein Entscheid viele Stimmen bekommen würde. Contra-Stimmen könnten nicht nur von Nur-Autofahrern, sondern auch von genervten Fußgängern kommen. In meinen Augen wäre der Ausgang total unklar - im Gegensatz zu Parlamentswahlen also mal richtig spannend :-)

  28. Thalmayr schreibt:

    @vorstadt-strizzi: Dein Schwerpunkt lag ja auf Punkt 8. Selbstverständlich hat der Polizeioffizier aus Amsterdam recht, dass das Auto die gefährlichste Verkehrsart ist. Trotzdem halte ich es für sinnvoll mehr Polizisten aufs Fahrrad zu bringen. Zum einen, um einen schnellen Zugriff auf Verkehrsteilnehmer zu haben, die sich nicht um die Regeln, die gelten, kümmern. Zum anderen, um Akzeptanz von Fußgängern und Autofahrern für die anderen Forderungen zu erhalten. Verfolge ich nämlich die Diskussion im Tagesspiegel, so komme ich zu dem Schluss, dass, abgesehen von einer grundsätzlichen Ablehnung dieser Initiative, immer wieder als Argument vorgebracht wird: Radfahrer halten sich sowieso an keine Regeln. „Warum in Infrastruktur investieren, wenn die sowieso alle auf dem Gehweg fahren.“

  29. berlinradler schreibt:

    Wenn es Kritikpunkte an etwas gibt, kann man die ja immer in den Forderungskatalog aufnehmen. So z.B. eine Polizei, die ihren Fokus nicht allein auf bei Rot fahrende Radfahrer setzt, sondern auch das Überhol- und Abbiegeverhalten von Autofahrern überwacht.

    Ein Schlüssel dafür, dass der Radverkehr besser akzeptiert wird ist auch, dass er insbesondere Fußgänger weniger belästigt. An manchen Stellen geht das mit Straßen, deren Fahrbahn weniger Angst macht. An anderen Stellen wohl nur mit Sanktionen.

  30. ThomasK schreibt:

    Ich weiß nicht ob der Volksentscheid der richtige Weg ist. Was passiert mit der bisher geführten Radverkehrspolitik, wenn der Volksentscheid ein NEIN erhält? Wird sich die Situation für die Radfahrer dann noch mehr verschlechtern? Ich denke ein Nein kommt alleine schon deswegen zustande, weil die Wahlbeteiligung zu gering sein wird. Der Anteil an interessierten Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern ist einfach zu gering, um hier alleine die notwendige Mehrheit und Mindeststimmen für Wahlbeteiligung zu bekommen.

    Aus einem Interview im Radio 1 am 6.12.2015 mit der ADFC-Vorsitzenden Frau Scheel wird der ADFC sich eher nicht an dem Volksentscheid beteiligen. Und ohne Beteiligung der Lobbyisten wird das schwierig.

  31. vorstadt-strizzi schreibt:

    @Thomas K.

    Ich weiß nicht, ob der so richtig scheitern kann.

    Zuerst braucht’s mal 20 000 Unterschriften. In der Art&Weise, wie man die zusammenkriegt, zeigt sich schon, ob man die Aktion weiterführt. Wenn man 40-50000 gleich hat - gut, dann macht man weiter.
    Auf jeden Fall hat man eine breite Berliner Diskussion, wie das denn nun werden soll mit dem Verkehr.

    Wesentlich wichtiger als den ADFC finde ich Wirtschaftsverbände. In dieser Zeit der ersten Stufe müssten sich 1-2 größere Unternehmen und der eine oder andere Unternehmensverband (z.B. ein Interessensverband der digitalen Unternehmen) der Initiative anschließen.
    Die Ausweitung des Radverkehrs hat schließlich direkte und große Auswirkungen auf das kommunikative Klima innerhalb Berlins und auf die Fitness und Produktivität der Mitarbeiter.
    Alle Berliner würden profitieren, aber die Hightech-Branche am meisten.

    Zweitens sollte man höllisch aufpassen, dass man sich nicht von den Medien gegen die Autofahrer in Stellung bringen lässt. Medien lieben Krieg, wg Absatz. Die werden das von ganz alleine versuchen, Bild etc. Die Devise sollte sein: Immer runterkochen. Für Radfahren heißt nicht gegen Autofahren. Wir wollen nur eine fairere Aufteilung.

    Und doch noch @ Berlinradler

    Ich glaube, es ist kein Zufall, dass die Radspannerei den Punkt 8 nicht weiter ausführt.
    An diesem Punkt kann das Ding scheitern. Eine Radverkehrsstrategie, die, nimmt man den ADFC Vorschlag vom Juni d.J., 180 zusätzliche Ordnungshüter erfordert, das sind Personalkosten von 4-6 Mill €, bei Infrastrukturkosten in ungefähr gleicher Höhe (beides pro Jahr), die muss als gescheitert gelten. A&O des Radverkehrs muss die Attraktivität sein. Und die ist eindeutig nicht gegeben.

    Nur: Das ist die Situation. Und aus der kommt man in Deutschland erstmal nicht raus.

    Bei dem geplanten Volksentscheid muss man das Gesamtpaket sehen. Und das Gesamtpaket hat eindeutig das Potential, die Situation des Stadtverkehrs zu verbessern. Es hat auch das Potential, Dynamiken in Gang zu setzen. Und auf diese beiden Punkte kommt’s an.

  32. Holger schreibt:

    In Köln gibt es seit Aufkommen der Streifenpest immer häufiger folgende Unfallmeldung in der Polizeipresse:

    Kleinlaster hält auf Fahrspur um Auszuladen oder entgegenkommenden Linksabbieger im Stau vorzulassen. - Radfahrer fährt auf Streifelchen am KFZ vorbei. - Linksabbieger “übersieht” Radfahren und nietet ihn um.

    Ist mal ne neue Variante für mehr Sicherheit.

  33. Gerald schreibt:

    Also sagen wir es mal vorsichtig: In Deutschland gibt es wirklich noch deutlichen Verbesserungsbedarf für die Radfahrer. Da können wir uns von anderen Ländern wie Holland echt etwas abschauen. Vor allem Respekt den Radlern gegenüber!

  34. berlinradler schreibt:

    @vorstadt-strizzi, die Rad-Spannerei gehört eben einer großangelegten Verschwörung an :-)

    Dass Personalkosten für ein paar Polizisten höher wären als die fahrradbezogenen Ausgaben an der Infrastruktur, kann man ja von zwei Seiten sehen - vielleicht sind die Ausgaben einfach recht gering. Und vielleicht ist das auch gut so.

  35. hardwerker schreibt:

    @Holger: Also mal ehrlich. Ich will nicht eine “man muss auch mal auf seine Vorfahrt verzichten”-Diskussion anleiern, aber wenn ich - bedingt durch den haltenden Kleinlaster - das weitere Verkehrsgeschehen nicht einsehen kann, dann muss ich auch als Radfahrer vorsichtig sein und damit rechnen, dass mich auch jemand anders nicht gesehen hat.

  36. Holger schreibt:

    @hardwerker: mich tangiert das auch weniger, da ich in so einer Situation immer links am haltenden KFZ vorbeifahre.

    Ursprünglich war in den Vorraussetzungen für die Markierungen für “Schutzstreifen” ja sogar ein verpflichtendes Halteverbot auf der entsprechenden Straße vorgesehen. Da man aber noch Rechtzeitig bemerkt hat, dass man dann ja fast niergends so Linchen aufpinseln kann … ist es halt nicht mit in die VwV aufgenommen worden. Und da auch die Mindestmaße in der ersten VwV viel zu Groß waren, wurde das ja mittlerweile auch relativiert.

    Sollen die Lämmer doch in die Falle tappen.

  37. sascha restgrau schreibt:

    aber wenn ich - bedingt durch den haltenden Kleinlaster - das weitere Verkehrsgeschehen nicht einsehen kann, dann muss ich auch als Radfahrer vorsichtig sein

    das ist ja richtig, angemessene fahrweise eben. aber ärgerlich ist es trotzdem, wenn so eine situation erst durch maßnahmen “für den radverkehr” geschaffen wird. (klar, das links-vorbeifahren birgt auch risiken. aber ich kann den “feind” besser sehen)

  38. berlinradler schreibt:

    Links vorbeifahren gehört zum erwarteten Verhalten. Zumindest erwartet man das von Kfz und hat es daher auch im Blick. Rechts vorbeifahren billigt man Radfahrern zwar zu, aber sie bewegen sich damit außerhalb dessen, was ich gerne den Aufmerksamkeitsbereich nenne.

    Mit Hochboardradwegen ist das ja noch schlimmer - man weiss, dass dort Radfahrer fahren, stellt sich aber gar nicht darauf ein. Weder als Fußgänger, noch als Ein- oder Ausfahrer, noch als Aussteigender.

    Sich in solchen Situationen eher wie ein Auto zu verhalten ist nicht ganz verkehrt. Wobei man durchaus auch mal auf dem Radstreifen rechts vorbei kann, wenn man vorsichtig ist. Jede Situation ist anders und man muss selbst entscheiden. Man muss wissen, dass jemand, der dort irgendwie in die Quere kommen kann, nicht mit einem rechnet.

  39. fab schreibt:

    @holger, handwerker:

    Naja, die Diskussion ist die selbe wie in anderen Fällen der sog. “Lückenrechtsprechung”. Bei mehreren Spuren muss man halt vorsichtig sein, wenn auf der inneren Spur Stau ist und man rechts vorbei fährt. Auch bei Einmündungen.

    Auch in dieser Situation klar besser: Die niederländische Radwegeführung mit Verschwenkung an der Kreuzung - bessere Sichtbeziehung und mehr Reaktionszeit:

    http://www.zukunft-mobilitaet.net/7230/vergangenheit-verkehrsgeschichte/geschichte-niederlande-radwege-design-kreuzung-radverkehrsanlagen/

    Ich persönlich hoffe, dass man mit dem Volksentscheid einer Radverkehrspolitik näher kommt, die solche Vorbilder aufnimmt und umsetzt.

  40. vorstadt-strizzi schreibt:

    @berlinradler
    Ist mir schon aufgefallen, dass du überall Verschwörungen witterst. :-)

    Nee, ich glaub eher, den Radspannern war der Punkt 8 einfach zu peinlich.

    Schließlich lernen Verkehrsplaner heute schon im 1. Semester, dass Regelakzeptanz durch geeignete bauliche Infrastruktur befördert und durch ungeeignete Infrastruktur verhindert wird. Je mehr Polizisten, Überwachung und Schilder man für den jeweiligen Verkehr braucht, desto ungeeigneter ist die Infrastruktur für diese Gruppe von Verkehrsteilnehmern.
    Das ist doch Allgemeinwissen für Leute, die sich mit Verkehr beschäftigen.
    Eine gängige Einheit der Verkehrswissenschaft um das Verhalten zu messen ist das 85 Perzentil, d.h. wie verhalten sich die “regeltreuesten” 85%.

    Zu deinen Verschwörungen: Probier’s mal stattdessen mit Osmose.

  41. berlinradler schreibt:

    Bezüglich des Allgemeinwissens in der Verkehrswissenschaften bin ich skeptisch. Nicht falsch verstehen, in jedem Fachbereich arbeiten kluge Köpfe und natürlich ist es für Außenstehende leicht, der ganzen Sache jeden Sinn und Verstand abzusprechen. Klimaforscher “leiden” noch viel stärker unter dem Phänomen.

    Aber der überall zu spürenden “Parteilichkeit” zwischen den Fortbewegungsarten kann wohl keiner entkommen, und die Glaubenssätze (grüne Ampel = kein Risiko, Radweg = für Radfahrer super) scheinen schwer abstreifbar zu sein.

    Selbst Herr Brock vom UdV, der sich spürbar um größte Sachlichkeit bemüht und Unfallstatistiken durchaus sachlich analysiert, kommt nicht drum herum, von Rechtsabbiegern überfahrenen Radfahrern moralisch eine Mitschuld zu geben, aber einen Raser, der von einer Brücke gestürzt und dabei sich und seine Freunde in den Tod gerissen hat, als Opfer einer Verkehrsplanung darzustellen, die ihm keinen “Raum für Fehler” eingeräumt habe.

    Und selbst wenn die Verkehrsplanung entweder sicherheitsorientiert arbeiten will oder wenigstens die Verwaltungsvorschriften einhalten, gibt es immer noch die Politik, die in der Suppe kräftig mitmischt und Sicherheitsmaßnahmen schnell mal wegdeklariert, wenn dadurch der Autoverkehr zu sehr eingeschränkt würde.

    Mein Fazit ist: Was Du so schön schreibst, nämlich dass Straßengestaltung einen großen Einfluss aufs Unfallgeschehen hat, dürfte zwar aus Studien ablesbar sein - so z.B. die BaSt-Studien zur Radwegesicherheit - aber verinnerlicht ist das eventuell gar nicht, und die parteiische Sichtweise aus der Windschutzscheibenperspektive strahlt in jedes Handeln mit hinein.

  42. reclaim schreibt:

    Da fällt mir gerade ein, dass ich ja eigentlich auch schonmal so eine Forderungskatalog aufgestellt hatte. Vielleicht mag ihn das Berliner Abgeordnetenhaus ja in Gesetzesform bringen und als konkurrierenden Vorschlag in den Volksentscheid einbringen: https://radsicherheit.berlin.de/node/20767 ;)

  43. vorstadt-strizzi schreibt:

    @Berlinradler
    Ja, mit Glaubenssätzen ist es schwierig, besonderts, da handfeste Interessen oft als “Glaubensätze” daherkommen, z.B. Radfahrer= Rote Ampel (böser Radfahrer vs guter Autofahrer), Radwege= unsicher (Konkurrenz-Infra ist immer schlecht).

    Die konsequente Sachlichkeit von UDV-Brocki ist wirklich beeindruckend. Die Sache heißt Geld. Autoversicherungen verkaufen.

    Wie er gegen Tempo 30 polemisiert (”Radfahrer profitieren am wenigsten davon”), wie er und seine UDV als Einzige beim Sachverständigenrat gegen Tempo 30 argumentieren (als Unfallforscher!), einmalig.

    Wie die UDV selbst bei Unfallhäufungen auf Schulwegen Tempo 30 ausschließt, sehr sachlich. Schließlich kommt’s auf die Sache (Kfz- Versicherungen verkaufen) an, und nicht auf ein paar lumpige Kinder mehr oder weniger.

    Könnte ja sein, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen den Fahrspaß trüben und damit auch die Absatzaussichten. Wo bleibt dann die Hauptsache, das Geschäft?
    Und mal ehrlich, so ‘ne license to kill, man muss ja nicht ständig Gebrauch von ihr machen, aber sie zu haben ist schon schön und sie fördert den Absatz.

    Die Untersuchung neulich zu Fahrradstaffeln fand ich auch sachlich. Timing und Thema passten in der Sache hervorragend zu den ADFC Bestrebunngen nach massiv ausgeweiteter Repression gegen diejenigen Radfahrer, die sich den Vorstellungen des ADFC nicht beugen wollen oder können.
    Besonders sachlich: Die Rotlichtverstöße seien durch Einsatz der Fahrradstaffel zurückgegangen.

    Brocki meint natürlich nicht die Rotlichverstöße an sich, sondern die der Radfahrer.

    Radfahrer begehen von allen Verkehrsteilnehmern die wenigsten Rotlichtverstöße, das zeigen alle Kontrollen. Vorn stehen die Fußgänger, dann kommen die Kfz-Fahrer und an Schluß die Radfahrer.
    Mit weitem Abstand am unfallauffälligsten sind die Kfz-Rotraser. Sie verursachen viele Verletzte, Schwerverletzte und Tote.

    Aber das finden Brocki und seine UDV nicht so schlimm. Denn, bleiben wir sachlich, die sind gut abgesichert. Brocki und Co verkaufen ihnen eine license to kill.

  44. berlinradler schreibt:

    Bei Brock bzw. dem UdV bezog ich mich wirklich nur auf die statistischen Auswertungen. Die sind sehr viel sachlicher und informativer als die der Polizei. Zugegeben kenne ich nicht all seine Standpunkte.

  45. vorstadt-strizzi schreibt:

    Stimmt, die statistischen Auswertungen sind auch sehr sachlich und informativ.
    Besonders seine Erfindung “Anteil der Verletzten und Getöteten im Radverkehr an allen Verletzten und Getöteten im Verkehr”.

    Der große informative Vorteil: Dieser Anteil muss mit steigendem Radanteil einfach steigen, auch wenn die tatsächliche Anzahl der Verletzten und Getöteten im Radverkehr zurückgeht.

    Mit dieser UDV-Datenanalyse kann der gute Brocki kommunizieren und macht das auch ausgiebig: Radfahren wird immer gefährlicher, je mehr der Radanteil steigt.
    Cooles Ding.

  46. berlinradler schreibt:

    Ich werd hier in Grund und Boden argumentiert, hätte ich Brock mal lieber nicht erwähnt :-)

    Die UdV-Auswertung zu dem Thema war zumindest von der verbalen Begleitung her jedenfalls sachlicher als das, was die Zeitungen draus machten. Die von Dir genannte Kenngröße halte ich jetzt auch nicht für ganz uninteressant, wobei Angaben auf Personenkilometerbasis sicher aussagekraftiger sind.

  47. vorstadt-strizzi schreibt:

    “… sachlicher als das, was die Zeitungen draus machten.”

    Das ist nun wirklich keine Kunst.

    Ich bin zwar kein Statistiker, gebe aber Unterricht auch in Statistik, bin also nicht ganz unbeleckt.

    Man kann einige Untersuchungen der UDV durchaus mit Gewinn lesen. Die haben schon gut ausgebildete Wissenschaftler. Es muss einem nur das überragende Marketing-Interesse zugunsten des Kfz gegenwärtig sein, das Auswahl, Anlage, Struktur und Datenerhebung und besonders den Schlußfolgerungen jeder der UDV-Untersuchungen und UDV-Aktionen zugrunde liegt.
    Das immer und noch dazu auf Anhieb (bevor man reingefallen ist) zu erkennen ist jedenfalls für mich nicht möglich.

  48. CGast schreibt:

    @berlinradler, @jens2:

    Auch aktuell steht in der StVO noch immer dieser Satz:

    “Wer über eine Radverkehrsführung abbiegt, muss dieser im Kreuzungs- oder Einmündungsbereich folgen.”

    D.h. wenn ich auf einem Radstreifen in eine Kreuzung einfahre, dann muss ich auf dem Radstreifen bleiben, auch wenn dieser sinnlosestes Zickzack veranstaltet (wie in dem einen Bild bei mir).

  49. Jens2 schreibt:

    @CGast:
    Ja, du musst den Radfahrstreifen oder Radweg schon vor der Kreuzung verlassen und dich zum Abbiegen mit dem Verkehr auf der Fahrbahn einordnen. Ein Hin- und Herwechseln zwischen Radverkehrsführung und Abbiegestreifen ist nicht erlaubt.

  50. berlinradler schreibt:

    @CGast, der von Dir zitierte Satz bezieht sich aufs Abbiegen. Ist ja auch nachvollziehbar, wenn es beispielsweise Aufstellflächen fürs indirekte Linksabbiegen gibt.

    Ich bezog mich auf folgende Situation: Straße mit einer Fahrspur pro Richtung. Im Kreuzungsbereich ist eine Radverkehrsführung aufgezeichnet, die mich deutlich nach rechts aus dem Fließverkehr rausholt. Hinter der Kreuzung muss ich mich dann wieder in den Fließverkehr einordnen, es geht ohne Radspur weiter.

    Hier ist das z.B. so: https://goo.gl/maps/vGR4a9FdwtS2 Die Radverkehrsführung verläuft deutlich anders als normale Fahrlinien.

  51. berlinradler schreibt:

    Verkehrssenator Geisel hat sich jetzt auch geäußert:
    http://www.berliner-zeitung.de/berlin/radschnellwege–stellplaetze–gruene-welle–stadtentwicklungssenator-kritisiert-volksbegehren-zum-fahrradfahren,10809148,32958104.html

    “Als Verkehrssenator bin ich für alle Mobilitätsarten verantwortlich, nicht nur für das Radfahren. Was ich nicht möchte, ist, dass sich eine Verkehrsart radikal gegen alle anderen durchsetzt und alle anderen benachteiligt.”

    “Ihre Schwäche (die der direkten Demokratie, Anm. berlinradler) ist, dass das geplante Fahrrad-Volksbegehren zwischen den verschiedenen Mobilitätsarten und Interessen keinen Ausgleich herstellt – so wie es meine Aufgabe als Verkehrssenator ist. Stattdessen wird versucht, radikal ein Interesse gegen das aller anderen durchzusetzen.”

    “Ich glaube aber, wenn die Forderungen nach 200 neuen Fahrradstraßen, zwei Meter breiten Radspuren auf allen Hauptverkehrsstraßen oder Radaufstellzonen an 200 Kreuzungen verwirklicht würden, käme der Verkehr in Berlin zum Erliegen. Das würde auch die BVG betreffen, denn Busse kämen dann ebenfalls nicht mehr durch.”

  52. Jakob schreibt:

    Vielleicht sollte man in dem Volksbegehren eine für Radfahrer freigegebene Busspur (allerdings mit 24/7 Parkverbot ohne Außnahmen) als Alternative zu den geforderten Radstreifen ebenfalls zulassen. Wenn schon eine Busspur da ist, dann ist die Einrichtung von einem zusätzlichen Fahrradstreifen nicht wirklich sinnvoll.

    Die Fahrradstraßen kann man natürlich ebenfalls für die BVG freigeben, wenn da eine Buslinie verläuft. Damit würden sich die von dem Volksbegehren geforderten Maßnahmen den Busverkehr kaum negativ beeinflussen.

  53. Komfortradler schreibt:

    @ Berlinradler

    Da geht einem doch der Hut hoch!

    Der Herr Geisel leidet unter einer ausgeprägten Wahrnehmungsschwäche, verbunden mit einem bedenklichen Realitätsverlust. Hätte er doch andernfalls
    bemerken müssen, dass es auf deutschen Straßen seit Jahrzehnten zum Standart gehört, dass sich eine Verkehrsart, nämlich der motorisierte Individualverkehr, radikal gegen alle anderen durchsetzt und alle anderen benachteiligt.

  54. Alfons Krückmann schreibt:

    @jakob
    ja, und es gibt noch eine Lösung, die in vielen Fällen sinnvoller ist.
    ‘Radspur für Busverkehr freigegeben’. Die Breite muss einer normalen Busspur entsprechen.
    Vorteil für den Busverkehr: die Busse können (im Ggs. zur für Radfahrer freigegebenen Busspur) auf die links benachbarte Fahrspur ausweichen, wenn langsame Radfahrende auf der ‘Umweltspur’ den Busverkehr ausbremsen.
    Ausserdem fahren dann die Busfahrer weniger ruppig dem Radverkehr gegenüber. Kapazitäten und Haltestellen-Gestaltung müssen natürlich sorgfltig geplant werden.

  55. fab schreibt:

    “Freigegebene Busspuren” verschaffen mir den unangenehmsten Abschnitt meines täglichen Arbeitsweges.

    Zugegeben, das Beparken ist einer der Gründe, warum die nachts so fies sind. Der andere ist der, dass man sich mit dem Bus nicht gut verträgt. Man überholt sich ständig gegenseitig.

  56. berlinradler schreibt:

    Ich musste eine Zeit lang die Busspur auf dem Kudamm nutzen, das hat mein Verhältnis zu Busfahrern nachhaltig verändert. Der Großteil fährt gut, aber einige wenige verbreiten Angst und Schrecken - und ja, ich habe Angst, wenn ein Doppeldecker mich aus der Spur drängt.

    Allerdings sind Unfälle selten, im Jahr 2014 waren es wohl 62 zwischen BVG und Radfahrern.

  57. Jakob schreibt:

    @Alfons Krückmann:

    Die Busse dürfen natürlich auch bei einer Busspur zum Überholen von Radfahrern nach links ausweichen und die normale Fahrspur nutzen. Wenn das wegen Stau nicht geht, dann kann eben nicht überholt werden. Ob es nun eine Busspur mit Freigabe für Radfahrer oder umgekehrt eine Radspur mit Freigabe für Busse ist spielt da keine so große Rolle.

    @Berlinradler:

    Ich bin auch oft die Busspur am Kudamm gefahren und hatte eigentlich keine Probleme mit Busfahrern dort. Problematisch sind eher manche Taxifahrer, die unbedingt überholen wollen und sich innerhalb der Busspur vorbeidrängeln wollen.

  58. Alfons Krückmann schreibt:

    @Jakob,
    kühne These, oder wir reden von unterschiedlichen Busspuren?
    Ich meine die Spuren, die mit Z.245 versehen sind, und zusätzlich mit Z.295 (durchgezogene Linie links) versehen sind.
    Hier ist meines Wissens nach laut StVO lediglich zum Erreichen von Parkständen, die anderweitig nicht erreicht werden können, sowie bei dauerhaften Hindernissen (defekter Bus vor dem Bus, oder so) ein Überfahren gestattet.

    Ein Radfahrer auf für Radfahrer freigegebenem Bussonderstreifen (Z.245 Zusatz Radfahrer frei + Z.295) kann nicht vom Bus mittels Überfahren der durchgezogenen Linie rechtskonform überholt werden.
    Das deckt sich auch mit der Aussage der örtlichen Stadtwerke, die sich mit dem Thema befasst haben (in MS gibt es beite Typen: Radverk. mit Bus-frei und Busverk. mit Rad-frei).
    Hier mal ein Link mit Foto:
    http://www.muenster.de/stadt/stadtplanung/radverkehr-virtuell_busfreigabe.html
    In zugegebenermassen SEHR seltenen Fällen hat MS auch mal die ein oder andere praktikable Lösung zu bieten (einige pfiffige Stadtwerke Mitarbeiter waren da wohl verantwortlich).

    @Berlinradler
    62 Unfälle finde ich jetzt nicht unbedingt wenig. Falls Busfahrer in der Hauptsache die Schuldigen waren empfiehlt sich vielleicht ein ausgiebiger Test des Beschwerdemanagements der BVG bzgl. des Stresses auf dieser Strecke?
    Uhrzeit, Linie und Vorfall sollten da eigentlich ausreichen.
    Welche Breite hat denn die Spur? Im Bereich von oberhalb 3,25 und unterhalb von knapp 5 Meter ist das recht eindeutig eine miese Leistung der Verkehrsplaner, und Konflikte sind infrastrukturell vorprogrammiert.

  59. Jakob schreibt:

    @Alfons Krückmann:

    Viele der Busspuren in Berlin haben nur eine unterbrochene Linie und keine durchgezogene Linie. Wenn links gerade kein Stau ist, dann nutzen die berliner Busfahrer auch regelmäßig die normale Fahrspur zum Überholen von Radfahrern.

    An sich bedeutet das Busspur-Zeichen (im Gegensatz zum Radweg-Zeichen) auch nicht, dass Busfahrer nur die Busspur nutzen dürfen und die normale Fahrbahn damit verboten ist. Warum sollte es also nicht möglich sein, die normale Fahrspur zum Überholen zu verwenden?

    Lediglich aus der durchgezogenen Linie (die in Berlin aber eher selten ist) kann man schließen, dass in dem entsprechenden Bereich kein Spurwechsel erlaubt ist. Dieses Problem mit der durchgezogenen Linie gibt es aber auch in dem von dir verlinkten Bild aus Münster (Radfahrstreifen für Linienverkehr freigegeben).

    Ob man nun eine für Radfahrer freigegebene Busspur oder umgekehrt einen für den Busverkehr freigegebenen Radfahrstreifen anlegt hat in meinen Augen in erster Linie psychologische Auswirkungen. Wichtig ist eher, dass die Umweltspur tatsächlich zur Verfügung steht und nicht alle paar Meter zugeparkt ist. Zusätzlich sollte nach Möglichkeit (auch wenn dann ein paar Parkplätze wegfallen) an den Bushaltestellen ein Haltebereich rechts angelegt werden, so dass Radfahrer an haltenden Bussen ohne Spurwechsel vorbeifahren können. Auch die zeitliche Beschränkung der Busspur und die Freigabe für andere Fahrzeuge (normale Busse, Taxen, teilweise sogar LKW) sollte man kritisch überprüfen (einige Busspuren sind inzwischen so Voll, dass es dort regelmäßig Stau gibt).

  60. berlinradler schreibt:

    Das Bild aus Münster (Radweg mit Busfreigabe) war an mir vorbeigegangen. Wie wird das in der Realität genutzt, fahren die Busse dort regelmäßig auf dem Radweg, oder tun sie das nur bei Stau? Bezüglich der Sinnhaftigkeit bin ich Hin- und hergerissen, da mich nah überholende Fahrzeuge generell stören, egal ob Bus oder Pkw. Sonderlösungen müssen immer besonders gut überlegt sein.

  61. fab schreibt:

    schönes beispiel von copenhagenize wie best practice aussieht:

    kreuzung am eiffelturm heute

    https://www.flickr.com/photos/16nine/15205567092

    wie es sein könnte

    https://www.flickr.com/photos/16nine/23093250936

  62. siggi schreibt:

    fab schreibt:
    Mittwoch, 23.12.2015 um 12:47

    wie es sein könnte

    https://www.flickr.com/photos/16nine/23093250936

    Geradeausfahrende Radfahrer sind weiterhin rechts von Rechtsabbiegern. Indirektes Linksabbiegen wird vorgeschrieben. Somit kreuzen dort sogar linksabbiegende Radfahrer geradeausfahrende Fahrzeuge.
    Was für ein Murks, aber Haupsache etwas auf die Fahrbahn gepinselt.

  63. Tim (Volksentscheid Fahrrad) schreibt:

    Liebe Radspannerei-Kommentierer,
    wir freuen uns darüber, dass hier so intensiv über unsere Ziele diskutiert wurde/wird. Wir arbeiten diese aktuell weiter aus und werden die in den nächsten Wochen fachlich unterfüttern und in “Gesetzesform” gießen.

    MITARBEIT ist ausdrücklich erwünscht!!

    Wer sich informieren möchte, wie er / sie das tun kann, der kann das auf unserer Website tun und die passenden Ansprechpartner direkt kontaktieren: https://volksentscheid-fahrrad.de/mitmachen-2/

    Wir sind bereits jetzt ein bunt gemischtes Team und mit viel Elan und Begeisterung bei der Sache. Wir freuen uns auf Kontaktaufnahme!

    Frohe Weihnachten!

  64. Heinrich Strößenreuther schreibt:

    Hi
    @Jakob
    @Alfons Krückmann
    @Berlinradler

    Ich habe gerade mal Eure Diskussion zur Busspur und Radspur verfolgt, sehr spannend. Bitte schickt mir doch an radspuren@volksentscheid-fahrrad.de Euren Formulierungsvorschlag, was passieren soll. Je konkreter, desto besser. Ich glaube, es wäre tatsächlich jetzt die große Chance, hier zwei Völker zu befrieden: Die Busfahrer und die Radler. Auf dem Kuhdamm wäre das Ergebnis klar: Parkspur 100% weg, Busspur bleibt, Autospur auch. Nur noch ein paar Schilder, fertig ist der Lack.

    Also, bin sehr gespannt auf Eure Formulierunsvorschläge.

    lg
    heinrich

  65. Michael S schreibt:

    berlinradler schrieb Zitat Geisel:

    Als Verkehrssenator bin ich für alle Mobilitätsarten verantwortlich, nicht nur für das Radfahren. Was ich nicht möchte, ist, dass sich eine Verkehrsart radikal gegen alle anderen durchsetzt und alle anderen benachteiligt.”

    Das ist nur ene neue Version der inzwischen mehrfach belegten Sprachregelung der SPD, man wolle nicht “nach dem Fehler der autogerechten Stadt den Fehler der radgerechten Stadt” machen. Die Formulierung ist vordergründig so griffig wie perfide. Wenn man schon eine Fehlentwicklung zugesteht, wird sie ja durch Nichtstun nicht besser. Dann müsste man eigentlich bewußt gegensteuern. Davon ist natürlich nichts zu merken. Geisel steht für “Verdichtung”. Was man für Gebäude noch diskutieren mag, bringt ohne ein Umsteuern in der Verkehrspolitik aber auch unweigerlich eine Verdichtung auf der Fahrbahn, vulgo Verkehrskollaps, mit sich. Das Versagen bei der Neuausschreibung des S-Bahn Betriebes, das Vorantreiben des Lückenschlusses im Autobahnring zu horrenden Kosten, die jahrelang unter unserem derzeitigen Bürgermeister demonstrierte Unfähigkeit, die VLB zu einer funktionierenden Behörde zu machen, die halbherzigen Bekenntnisse zu einem theoretisch erhöhten, praktisch nicht ausgeschöpften Radverkehsetat, die eitel zur Schau getragene Überheblichkeit in Sachen fehlender Fahrradbeauftragter, die Verweigerung, auf die Erkenntnisse der Unfallkommission zu reagieren, die permanente Nebelpolitik durch “Projekte”, “Studien”, “Strategien bei doch x-fach bekannten wirksamen Konzepten, die angebliche Arbeit der Fahrradstaffel im Dienste der Sicherheit für Radfahrer bei gleichzeitig offen kommunizierter Unfähigkeit, die Hauptunfallursachen für Radunfälle zu sanktionieren… man wird müde, es aufzuzählen. Das alles läßt nur den Schluss zu, dass der frühere ebenso wie der jetzige Stadtentwicklungssenator nichts verstanden haben oder sehr wohl verstehen und nicht wollen. Kommt aufs gleiche raus, man darf sich aus dieser Richtung nichts erwarten.

  66. Dienstliche Currywurst schreibt:

    1. Sichere Fahrrad-Straßen auch für Kinder und Senioren
    Ich würde das Wort Fahrrad- streichen und anfügen: auch für Kinder, Senioren, Fußgänger, Motorradfahrer, Radfahrer, Straßenbahnundomnibuseinundaussteiger. Ich wüßt auch wie. Zu nem erheblichen Teil indem man nur schon mal das bestehende Strafrecht anwendete, zum Beispiel
    §224 Abs 2,
    §240,
    §241,
    §315c Abs 1 Nr. 1b,
    §315c Abs 1 Nr. 2b
    undsoweiterundsoweiter.

    2. Jede Hauptstraße mit sicheren Radspuren
    Ich vergrößere den von Nebsler und Siggi dankenswerterweise schon angelegten Kotzhaufen um ein weiteres Kilo.
    Entweder masselos Oder! Schwarzes Loch.
    Entweder sicher Oder! Radspur.
    Verstehste das denn nicht??

    3. Kreuzungen entschärfen und abgasfreie Ampelaufstellzonen markieren
    Entschärfen, ah ja. Entschärfen, wie denn? Durch Sandstrahlen oder was? Als ob die Kreuzung schuld wäre!
    Abgasfrei? In der Großstadt? Sehr witzig. Wie wärs mal damit: die Gültigkeit der Ampeln auf diejenigen beschränken, für die sie erfunden wurden, nämlich allein für die Blechdosen. Ziemlich genau nach britischem Vorbild. https://en.wikipedia.org/wiki/Traffic_light#British_standard
    Dann erledigt sich die Aufstellflächenfrage übrigens ganz von selbst.

    4. Radkomfort und –sicherheit per Bürgerdialog steigern
    Bürgerdialog, ja daß ich nicht lache! Hör mal, Radsicherheit steigerste nicht per Bürgerdialog sondern per Führerscheinentzug im Falle der charakterlichen Nichteignung zum Führen von Kraftfahrzeugen. Ich wette beliebige Summen daß das we! sent! lich! wirksamer ist als dein Dia-was??

    5. Fahrräder parken können
    Ja. Kann man. Wie alle Fahrzeuge: Grundsätzlich am rechten Fahrbahnrand. Vorrang hat, wer eine Parklücke „zuerst unmittelbar erreicht“, § 12 Abs. 5 S. 1 StVO. Keinesfalls darf ein Autofahrer, der irgendwann später ankam, dein Fahrrad wegsetzen, no way. Er darf auch nicht an dich zufahren und dir konkludent mit Überfahren drohen. Machen trotzdem viele, hab ich ausprobiert. Sie sind bereit für Parklätze zu töten. (Siehe wiederum unter 4.!) Im Fall der Parkraumbewirtschaftung mußt du übrigens nen Parkschein lösen, hast dann aber die Fläche eines kleineren WG-Zimmers über alle fünf Etagen (sowas um die fuffzehn Quadratmeter) nur für dein Fahrrad, ganz allein! Brüllender Luxus! Klar daß sowas Geld kostet. Anstelle der fünf Etagen hoch gestapelten WG-Zimmer mal Nettokalt ist, sieh an, ein Parkplatz doch ganz schön wertvoll und sollte nicht verschenkt werden. Und im Spezialfall der Fahrräder kann man ja, ausnahmsweise, nämlich wenn wider Erwarten doch keine Fußgänger behindert werden sollten, auch mal auf Gehwegen abstellen.

    6. Grüne Welle fürs Radfahren
    Wie schon gesagt: Blick übern Ärmelkanal. Was hab ich als Radfahrer mit Ampeln zu tun?? Ich fahr an die Kreuzung, guck ob Querverkehr kommt. Falls ja bin ich gut beraten zu warten. Falls nein fahr ich. Das gilt auch bei grün, nämlich daß man auf jeden Fall genau gucken sollte! Und auch bei rot. Und auch bei blau, pink und mauve. Weder bin ich lebensmüde noch hab ich Zeit zu verplempern. Und natürlich geb ich Kindern gutes Beispiel. Immer gucken ob frei ist, nie auf Ampeln verlassen. Sie am besten völlig ignorieren, dann ist man schon nicht vom Verkehrsgeschehen abgelenkt.

    7. Radschnellwege konkret
    Das gibts schon, fix und fertig allüberall, es nennt sich Fahrbahn. Das was du da vielleicht meinst ist, die Usurpation der Fahrbahnen durch Autofahrer, also deren Territorialterror, zu unterbinden. Find ich konkret ne gute Idee! Dann haste unverzüglich in der kompletten Stadt nix als Radschnellwege mit prima Mischverkehr drauf.

    8. Freie Wege und mehr Verkehrsmoral für Alle
    Klingt gut. Und wie bitteschön soll das gehen? Die Aggressoren in den Autos zwangsweise mit Diazepam und Mdma bedampfen?

    9. Berliner Verwaltungen für mehr Radverkehr aufstocken
    Mehr Zerwaltung wäre mehr von dem was wir schon haben. Absolut dagegen!!!

    10. Berlin mit mehr Öffentlichkeitsarbeit auf mehr Radverkehr vorbereiten
    Schmarrn. Da brauchts keine Öffentlichkeitsarbeit sondern da gehören die (meisten) Autofahrer an die Kette gelegt. Rücksichtsloses, aggressives, drohendes, potenzprothetisches Verhalten wird bestraft und unterbunden. Von dem Tag an wird die Stadt von Radfahrern nur so wimmeln, ohne daß es auch nur einen Krümel Öffentlichkeitsarbeit bräuchte.
    Das verspreche ich.

  67. siggi schreibt:

    @Dienstliche Currywurst
    Schön geschrieben - volle Zustimmung.
    §315b Abs 1 Nr. 2 und 3 würde ich noch erwähnen.
    Dann müsten sich auch die verantworten, die für diese ganzen Verkehrsführungen verantwortlich sind.

  68. fab schreibt:

    @Currywurst und @Siggi: Kann man natürlich so sehen. Dann fühlt man sich heute in Neukölln schon wohl, denn dort ist man weitgehend unbehelligt von Radverkehrsanlagen. Einzelschicksale.

    Was eine radikale Umkehr bei der (Nicht)durchsetzung des Ordnungsrechts betrifft würde ich mich in Berlin keinen Hoffnungen hingeben. Die Windschutzscheibenmentalität bei der Polizei ändert man nicht so schnell, auch nicht durch Volksentscheid.

    (Notwendig bundesweite) Strafrechtsverschärfungen kann man schon gleich vergessen - die von Currywurst genannten StGB-Paragrafen spielen zur Anreizsetzung im Sinne einer besseren Verkehrssicherheit von Fußgängern und Radfahrern keine messbare Rolle und werden das auch nicht, denn sie werden von der Rechtsprechung ausgelegt und nicht je nach Wunsch bestimmter Interessengruppen.

  69. fab schreibt:

    Gerade angesichts der nunmehr ja klar kommunizierten Prioritäten in der Berliner Verkehrspolitik - Autobahnringschluss, keine Benachteiligung des motorisierten Individualverkehrs- scheint mir der Volksentscheid als unumgängliches Mittel um in den nächsten zwanzig Jahren etwas zu bewegen! Welche Partei sollte ich denn in das Abgeordnetenhaus wählen, die das schafft? Bei den Grünen steht Herr Gelobhaar offenbar ziemlich allein auf weiter Flur, die Piratenfraktion löst sich gerade auf.

  70. Dienstliche Currywurst schreibt:

    In Neukölln ist viel Licht und viel Schatten, dicht beieinander. Zum einen hat man beispielsweise aufnordwestlichen Bereichen der Sonnenallee und der Hermannstraße trotz deren imposanter Breite die Fahrstreifen abgeschafft. Es verbleibt von den Straßenmalereien lediglich ein unterbrochener Breitstrich in der Fahrbahnmitte zur Abgrenzung der Fahrtrichtungen. Natürlich gehört eigentlich auch dieser noch getilgt, aber immerhin, das ist für berliner Verhältnisse schon mal eine wahre Großtat und absolut vorbildlich. Andererseits ist es wohl auch Rettung in letzter Not gewesen - wohl nirgendwo sonst herrschte zuvor eine derartige Anarchien nirgendwo sonst wurden mit derartiger Aggression und unter vollständigem Wegsehen der Polizeiwannenbesatzungen von Zuhältertypen blecherne Schwanzprothesen hinundhergefahren.

    Ja, fab, das Recht wird von der Rechtssprechung ausgelegt - von wem auch sonst. Das ändert nichts daran daß wenigstens die Staatsanwaltschaften regelmäßig das Recht je nach Wunsch bestimmter Interessengruppen beugen, in unserem Fall nach denen der Mineralölmafia in Gestalt ihres Anhängsels Autoindustrie.

    Auch ich habe Sympathien für den Volksentscheid, auch wenn ich finde daß er ganz drastiasch zu kurz greift, siehe meine obige Auflistung. Wenn schon politische Betätigung dann wohl irgendeine Form von APO. Demokratie bedeutet daß
    we, the Vieh,
    in geheimer, gleicher, unabhängiger Wahl über die farbliche Ausgestaltung unserer Schlachtbank entscheiden dürfen, sicherlich jedoch nicht über ne Beseitigung des Zauns oder daß der Herr Bauer und der Herr Tierhändler mit uns im Stall aus unserem Trog fressen müssen, das wäre ja pfui populistisch. Welche Partei du wählen sollst weiß ich nicht zu beurteilen, und ich weiß auch nicht was auf Erden nun noch belangloser sein sollte.

    Randbemerkung, ich hab mal ein paar jahre in Saint Tropez den Edelkellner gemacht. Rat mal als was man uns dort in illustren Zirkeln sehr (, sehr, sehr, sehr) wohlhabender Entitäten bezeichnet? Als „die Biomasse“. Das war dort der gängige Begriff. Bist du bereit für die rote Pille?

  71. Dienstliche Currywurst schreibt:

    Kann ich so zurückgeben, Siggi, bei der Lektüre deiner Beiträge über nun schon geraume Zeit habe ich regelmäßig und vollumfänglich Spaß in den Backen. (na, Bierchen??)

  72. Michael S schreibt:

    Hups… unser Verkehrssenator äußert sich:

    http://m.morgenpost.de/berlin/article206862845/Geisel-Die-Welt-schaut-mit-einem-gewissen-Neid-auf-Berlin.html

  73. berlinradler schreibt:

    Geisel fährt offensichtlich nicht Rad, beschäftigt sich nicht mit Unfallstatistiken und kennt - aus einer totalen Ablehnung heraus - keine Sicherheitsüberlegungen aus Radfahrersicht.

    Die meisten Verkehrsminister haben sich zum Thema Radverkehr nie geäußert, ebensowenig Verkehrssenatoren. Daran täte Geisel gut. Lieber weiteren Tiefschlaf als jemanden, der sich für ein Thema einsetzt, das ihm egal ist.

  74. Michael S schreibt:

    Geisel ist nicht schlechter als andere. Als Lichtenberger Bürgermeister hat er im Rahmen dessen, was für den Radverkehr unstrittig machbar war, vieles gemacht. Das tut er einfach weiter. Visionen, für die er mit Feuereifer kämpfen würde sind glaube ich seine Sache nicht und in Bezug auf Radverkehr fehlt ihm eine solche ganz sicher. Wir können beruhigt sein, “einsetzen” wird er sich für ein als nicht-wahlrelevant wahrgenommenes Thema nicht. Aber er blockiert auch nicht, was mehr ist, als man von manch anderem behaupten muss. Immer wieder erhellend ist die Debatte im Abgeordnetenhaus im Mai 2015.

    http://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/17/PlenarPr/p17-065-wp.pdf

  75. berlinradler schreibt:

    @Michael, die Äußerungem zum Fahrradentscheid empfinde ich schon als totale Blockade - sie bedeutet ja, dass es im öffentlichen Straßenraum z.B. nie genug Fahrradstellplätze geben wird und ein Fahrradstraßennetz nicht machbar ist. Andererseits steht Lichtenberg wirklich besser da als vor wenigen Jahren und hat hier und da richtig sinnvoll in den Radverkehr investiert.

    Ich habe aber meine Probleme damit, dass man überall eine ganze Fahrspur fürs Parken opfern kann und Verkehrsbehinderungen dadurch bewusst in Kauf nimmt, der Radverkehr aber immer ohne jeden Einfluss auf den Autoverkehr bleiben soll. Das ist auch nicht zu Ende gedacht, denn jeder Überanreiz zum Autofahren (Parkplätze überall, mehrere Fahrspuren pro Richtung, Angstfreiheit, geringe Verkehrsüberwachung) blockiert den Verkehr am stärksten.

  76. siggi schreibt:

    berlinradler schreibt:
    Samstag, 02.01.2016 um 08:30

    und ein Fahrradstraßennetz nicht machbar ist.

    Wo sogar Autos fahren können, komme ich mit meinem Rad wunderbar zurecht.
    Wozu ein Fahrradstrassennetz? Strassen haben wir genug in Deutschland.

  77. berlinradler schreibt:

    Wenn ich in die Unfallstatistik schaue, dann fällt dort u.a. der enorme Autoanteil auf. Auch Hauptunfallgegner von Radfahrern ist das Kfz. Der Autoverkehr ist auch ohne Radwege nicht sicher, für Radfahrer nur etwas sicherer. Echte Fahrradstraßen schließen Autos aus und sind sicherer als Mischverkehr. Ebenso verhält es sich mit den sogenannten grünen Wegen.

  78. siggi schreibt:

    Zu den meisten Verbindungen von A nach B gibt es nur eine Strasse.
    Ein Fahrradstrassennetz würde bedeuten - mehr Strassenbau.
    Möchte ich aber nicht. Es gibt schon mehr als genug Strassen.

  79. Michael S schreibt:

    Ein Fahrradstrassennetz würde bedeuten - mehr Strassenbau.

    Sehe ich nicht so. Den opulent vorhandenen Platz für Fahrbahnen im Mischverkehr einzudampfen und für Radverkehr zur Verfügung zu stellen wäre überwiegend mit Umwidmungen und Einschränkungen für KFZ-Verkehr verbunden, nicht mit Neubau von Straßen. Ob dafür eine wahlrelevante Unterstützung zu finden ist, wage ich noch zu bezweifeln. Wenn Neubau von Straßen tatsächlich noch erfolgt, geschieht dies auch heute noch oft ohne angemessene Berücksichtigung des Radverkehrs. Du selbst hast sicher nichts dagegen, aber wenn Radverkehrsanteile zunehmen sollen, muss man auch der (Portland) Gruppe “Interessiert aber besorgt” ein Angebot machen. Das will weder die derzeitige Berliner Verkehrspolitik, noch wollen es viele selbstsicher im Mischverkehr fahrende Radaktivisten.

  80. Michael S schreibt:

    … die Äußerungem zum Fahrradentscheid empfinde ich schon als totale Blockade

    Ok, ich will nochmal umformulieren: Geisel bekämpft nicht den Wandel, der ohnehin kommt. Das tut zum Beispiel ein Oliver Friederici. Was unter dem angepeilten Volksbegehren läuft, wäre _eine_ Vision, und da ist Geisel wie gesagt absolut unfähig etwas eigenes entgegenzusetzen. Deshalb muss er so etwas schon mal von vornherein ablehnen, von der grundsätzlichen Averson gegen Elemente der direkten Demokratie mal ganz abgesehen (man erinnere sich nur an die Auseinanderlegung der Wahltermine beim Energietisch)

  81. siggi schreibt:

    @Michael S
    Man sollte dabei mal über den Berliner Tellerrand hinausschauen.
    Da ist es eben so, dass es für die meisten Verbindungen von A nach B heute nur eine Strasse gibt.
    Wenn diese Strassen alle gleichberechtigt nutzen dürfen, würde mir das völlig ausreichen. Ohne Separierung weder in die Eine- noch in die andere Richtung.
    Als Endlösung stelle ich mir sogar vor, dass man als Radfahrer auch Autobahnen und Kraftverkehrsstrassen nutzen kann.

    Einschränkungen stelle ich mir nur aus Natur- und Umweltgründen vor. Das würde allerdings fast nur den Kraftfahrzeugverkehr betreffen.
    Allerdings sollte man das dann nicht als Radverkehrförderung verkaufen.

  82. Michael S schreibt:

    Man sollte dabei mal über den Berliner Tellerrand hinausschauen.

    Was hat das mit Tellerrand zu tun? Ich hab keine Ahnung, was zwischen Klempenhusen und Trautheim gut wäre. Ich weiß aber genau, was mich im Berliner Stadtverkehr regelmäßig ankotzt. Lösungsansätze findet man dabei AUSSCHLIESSLICH ausserhalb des Berliner Tellers ( - gut… “Kreutzberger Bügel” sind schon ganz ok…).

  83. siggi schreibt:

    @Michael S
    Wenn man etwas fordert sollte man immer berücksichtigen ob sich so etwas generell bewährt.
    Das meinte ich mit Tellerrand.
    Man sieht ja immer wieder wie schnell sich irgend ein Unfug Bundesweit verbreitet wenn erst mal einer damit anfängt.
    -kleine Vorfahrt achten Schilder “für” Radfahrer
    -Schilder “Radwegbenutzungspflicht hier aufgehoben - Radfahrern auf der Fahrahn ist erlaubt”
    -RADSTREIFEN und seine Unterarten
    -u.s.w.
    Ja und jetzt werden Fahrrdstrassen oder Strassennetze gefordert.
    Geht genau so nach hinten los.
    Da werden wieder ein paar Alibiprojekte gestartet und dann wird das Ganze Bundesweit so umgesetzt, dass Radfahrer noch mehr ausgegrenzt und benachteiligt werden.

  84. berlinradler schreibt:

    Vielleicht ist keines der Ideale erreichbar. Ordentliche Radverkehrsanlagen sind - abgesehen von den grundsätzlichen Problemen - mit heutigen Politikern und Verkehrsplanern kaum zu machen. Ein wirklich funktionierender gleichberechtigter Mischverkehr ist es mit den heutigen Verkehrsteilnehmern ebensowenig.

    Innerhalb meines Tellerrandes sehe ich aber viele Straßen, die keine Verkehrsbedeutung haben, weil die parallel führenden Hauptstraßen besser ausgebaut und schneller befahrbar sind. Die Straßen sind nur aus einem Grunde erreichbar: Damit man darin parken kann. Damit kann man als erwachsener gesunder Mensch umgehen - anders sieht es für die genannten Unsicheren aus.

    Neben den Negativbeispielen, wie z.B. benachteiligenden Ampeln, Vorfahrt-Beachten-Schildern in Situationen, wo normalerweise der Radfahrer Vorrang hat, oft fehlenden Seitenabständen bei Radverkehrsanlagen, meist sehr schlechtem Untergrund bei Radverkehrsanlagen kenne ich auch Positivbeispiele, die sich ausdrücklich und ausschließlich an Radfahrer richten und das Leben erleichtern. Schon die Freigabe von Einbahnstraßen in Gegenrichtung oder von Anlieger-frei-Straßen kann vieles vereinfachen. Ebenso hier und da ein intelligenter Lückenschluss.

    Und vielleicht ist das eine Chance, denn hier würden erstmals Radfahrer die Kriterien für eine gute Radverkehrspolitik festlegen, nicht etwa sonntagsradelnde Autofahrer. Gerade bei Radstreifen müsste man aber einwirken - denn 2 Meter Breite sind keine Hilfe und gekoppelt mit heute üblicher falscher Ampelschaltung kontraproduktiv.

  85. siggi schreibt:

    berlinradler schreibt:
    Sonntag, 03.01.2016 um 13:01

    Und vielleicht ist das eine Chance, denn hier würden erstmals Radfahrer die Kriterien für eine gute Radverkehrspolitik festlegen,

    Was ich in den letzten Jahren feststelle.
    Um so mehr Radfahrer meinen sich um Radverkehr kümmern zu müssen - um so schlimmer wird es.
    Das ganze wird bestimmt von absoluter Ahnungslosigkeit, von subjektiven Ängsten und Fähigkeiten und auch von Falschspielern.
    Mir würde reichen, dass die Gesetzte und Verordnungen, die es in dieser Berziehung schon lange gibt, konsquent umgesetzt werden.

  86. siggi schreibt:

    @Berlinradler
    Die Freigabe von Einbahnstrassen für Radfahrer hat, meiner Meinung nach, nichts mit Radverkehrsförderung zu tun.
    Einbahnstrassen wurden für den Autoverkehr errichtet (mehr Parkraum u.s.w.).
    Radverkehr braucht generell keine Einbahnstrassen.

  87. berlinradler schreibt:

    Auch wieder wahr.

    Man wird nicht alle überzeugen können und Deine Skepsis kann ich anhand vieler Beispiele “fahrradfreundlicher” Lösungen schon nachvollziehen.

  88. fab schreibt:

    “ich habe aber meine Probleme damit, dass man überall eine ganze Fahrspur fürs Parken opfern kann und Verkehrsbehinderungen dadurch bewusst in Kauf nimmt, der Radverkehr aber immer ohne jeden Einfluss auf den Autoverkehr bleiben soll. Das ist auch nicht zu Ende gedacht, denn jeder Überanreiz zum Autofahren (Parkplätze überall, mehrere Fahrspuren pro Richtung, Angstfreiheit, geringe Verkehrsüberwachung) blockiert den Verkehr am stärksten.”

    in der Tat. Mitte südlich von Unter den Linden ist morgens praktisch ein einziger Parkplatz. Nur motorisierter Parkplatzsuchverkehr und zweite Reihe-Parker, durchschnitten von einigen vorfahrtsberechtigten Schneisen, bei denen aufgrund des Verkehrsaufkommens spontan “shared spaces” entstehen - aber nur, bis jemand meint dort vorfahrtberechtigt Vollgas geben zu müssen. Unangenehm. Heute morgen habe ich aus Versehen jemand die rechts-vor-links-Vorfahrt genommen, der zum Glück gut reagiert hat, weil die Kurve gleich von drei haltenden Autos zugestellt war und ich zu ungeduldig, deshalb anzuhalten. Gleich danach kam mir ein Radfahrer mit Anhänger in die Quere, der spontan einem Ausparker ausweichen müsste, einem Carsharing-Elektroauto (BMW i3).

    Ist das die “Gleichberechtigung” die Dir vorschwebt, Siggi? Ist doch Mist. Parkplätze zu echten Fahrradstraßen wäre meine Parole.

  89. berlinradler schreibt:

    Wenn man etwas weiter westlich fährt, z.B. in den Tiergarten, dann hat man ja teils asphaltierte Wege, die im Berufsverkehr neben wenigen Fußgängern viele Radfahrer beinhalten. Auch da muss man aufeinander reagieren - interessant finde ich die Kreuzungsbereiche, in denen man weiss, dass RvL mal gilt und mal nicht und deshalb eher schaut, was der andere tut, und daruaf reagiert. Ganz ohne Aktion und Reaktion geht kein Individualverkehr, auch wenn ich die entsprechenden Situationen mit Autos irgendwie unangenehmer finde. Im Gegensatz zu Radfahrern merken die oft überhaupt nichts von den Situationen, in die sie andere bringen.

    Mitte finde ich immer interessant, da steht im Berufsverkehr auch schonmal hunderte Meter weit alles, und das als alltägliche Situation. Über die Leute, die das freiwillig täglich ertragen, staune ich manchmal. Eine gute Ost-West-Achse als Fahrradstraße wäre manchmal toll, wobei - die Linienstraße versucht das zu sein und scheitert kläglich.

    Alles nicht so leicht, und auf eine gemeinsame Meinung werden sich die Radinteressierten wohl nicht einigen können. Also: Popcorn :-)

  90. siggi schreibt:

    Meine Meinung ist, die ganz normale Fahrbahn reicht.
    Wer das nicht möchte, kann ja fordern und fahren wo er möchte.
    Doch so lange man für Radverkehrsanlagen eine Benutzungspflicht anordnen kann, sollte man sich darüber im klaren sein, dass man dann auch Radfahrer, wie z.B. mich, auch darauf zwingt. Da werde ich sauer.
    In den letzten Jahren zeigt sich auf jeden Fall, dass, durch neu entstandene Radverkehrsanlagen, meine alltäglichen Wege immer unkomfortabler, gefährlicher und zeitaufwändiger werden.

  91. Alfons Krückmann schreibt:

    @siggi
    “Was ich in den letzten Jahren feststelle.
    Um so mehr Radfahrer meinen sich um Radverkehr kümmern zu müssen - um so schlimmer wird es.
    Das ganze wird bestimmt von absoluter Ahnungslosigkeit, von subjektiven Ängsten und Fähigkeiten und auch von Falschspielern.”

    Ja, sehe ich auch so. Dazu kommt noch, dass viele nur Schönwetter-FahrerInnen sind und penibel darauf achten, dass erweiterter Radverkehr bloß nicht zu Einbussen beim Autofahren führt.
    Da wird dann so manches trojanische Pferd in die Manege getrieben.
    Gerade für Ganzjahres Alltagsfahrer, die mehr als nur Kurzstrecken fahren hat die “Radverkehrsförderung” immer mehr erhebliche und substantielle Verschlechterungen gebracht.
    Für viele Strecken wird es durch ‘Radverkehrsförderung’ Jahr für Jahr schlimmer, einige Ziele sind für den Radverkehr (Westfalen) nahezu unerreichbar geworden, da durch das fahrradfreundliche “Radwegenetz” viele Strassen zu reinen (Z.254) Autostrassen geworden sind.
    Benutzungspflichtige Rumpelwege statt schöner Asphalt, etc, etc, etc.

    Wer da nicht bereit ist illegal auf der Fahrbahn zu fahren, oder bereit ist sich im Dunkeln durch den Waldmatsch zu quälen, muss halt mittlerweile - ‘Radverkehrsförderung’ sei Dank - das Auto nehmen.

    Angeblich bringt die Trennung von Verkehrsnetz und “Radverkehrsnetz” das mehr Menschen aufs Rad; wenn die dann aber tatsächlich mal im Winter und im Dunkeln fahren merken sie schnell, dass man für alles oberhalb 5 KM besser das Auto nimmt.
    Wie gesagt: nicht trotz der Radverkehrsförderungsmaßnahmen, sondern wegen der Radverkehrsförderungsmaßnahmen.

  92. fab schreibt:

    vielleicht kommen die unterschiedlichen auffassungen auch zT daher, dass die täglichen erlebnisse von sehr unterschiedliche situationen geprägt werden. also immer dichter besiedelte innenstadtviertel mit an sich massig verkehrsraum (berlin) sind etwas anderes als eher schmale stadtstraßen und bürgersteige, wo ein noch nicht ganz so dichter verkehr oft zu hohem tempo führt (hamburger vororte und sog. “ringe” z.b.). wieder anders überlandstraßen mit und ohne separierte multifunktionswege.

    deswegen gibt es glaube ich keine ganz einfachen prinzipien. radspuren in berlin verbessern manchmal, verschlechtern manchmal auch die situation. “fahrradstraßen” sind oft wirkungslos, könnten aber toll sein. die ummarkierung am moritzplatz hat nach meinem eindruck - ohne zahlen zu kennen - eine gewisse verbesserung gebracht. als einziges größeres “projekt” für ein jahr ist das aber ein witz. der “fahrradgerechte” (haha) umbau am kottbuser tor ist eine riesenpleite. die wege durch den gleisdreieck park sind eine schöne sache, leider wurde die fahrradbrücke über die geleise gespart. und so weiter.

    und weil das so ist, hoffe ich, dass der volksentscheid einen anstpoß gibt, etwas zu ändern, denn “weiter so” in berlin funktioniert jetzt schon nicht mehr. hoffentlich auch eine debatte über gute und schlechte lösungen. ich würde es nicht als gesetzt betrachten, dass der autoverkehr immer den stellenwert behält, den er heute hat.

    gabriel heute: 2 mrd. kaufprämien für elektroautos. interessant, nicht? und ein paar zig millionen mehr für radverkehr wären aber zuviel - denn das sieht man heute noch nicht als standortpolitik. zu unrecht. denn die lebenswerte stadt ist schon heute ein entscheidender standortfaktor.

  93. reclaim schreibt:

    Für viele Strecken wird es durch ‘Radverkehrsförderung’ Jahr für Jahr schlimmer, einige Ziele sind für den Radverkehr (Westfalen) nahezu unerreichbar geworden, da durch das fahrradfreundliche “Radwegenetz” viele Strassen zu reinen (Z.254) Autostrassen geworden sind.

    Das ist so ein Thema mit den Kraftfahrtstraßen, dass weitgehend unter jedem Radar durchhuschend seit Jahren ausufert. Zumindest habe ich das Gefühl, dass es so ist. Denn Quantifizieren lässt es sich schwer. Ich wüsste nicht, woher man Zahlen über den Anstieg der Kraftfahrtstraßenkilometer in Deutschland über die letzten 10 Jahre herbekommen könnte oder ob sowas überhaupt ermittelbar ist - bzw. kenne ich mich nicht hinreichend mit OSM aus, falls die Kartendaten sowas hergeben würden.

    Anders als bei Autobahnen haben es ja bis vor Kurzem noch nicht mal die großen Routenplaner geschafft Kraftfahrstraßen zuverlässig auszuschließen, ohne einen dann gleichzeitig wegen Verkehrsmittelwahl Fahrrad auch weitab von für Fahrräder verbotenen Wegen auf die Unmöglichsten (Um)wege zu schicken. Google macht das noch heute.

    So ist es inzwischen glaube ich eigentlch ziemlich unmöglich nur mit Papierkarten oder gar rein nach Beschilderung auf Asphalt von Berlin nach Leipzig zu fahren, ohne spätestens kurz vor Leipzig irgendwo auf einer Kraftfahrtstraße zu landen. Und will man naiv mal auf kurzem Weg nach Hamburg, steht man bereits kurz vor Nauen im Walde - oder genauer: Auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums.

    Man braucht seit einigen Jahren wirklich sehr gute Routenplaner, um kraftfahrtstraßenfrei, überland halbwegs direkt zu weiter entfernten Zielen zu gelangen. Zum Glück gibts die inzwischen. Ist aber trotzdem ein Unding.

    Ob da aber der Gedanke dahinter steht: “Da gibts jetzt doch ein super Radverkehrsnetz und die Radfahrer brauchen die Straße nun garnicht mehr”, wage ich dann doch zu bezweifeln. Das würde sicher auch ohne Radwegenetz gemacht aus reiner Gedankenlosigkeit bzw. fehlender Vorstellungskraft bezüglich Radfahrern, die mehr als 20km durch hübsche Gegenden radeln wollen.
    Inzwischen geht.

  94. reclaim schreibt:

    “inzwischen geht” ignorieren bitte

  95. Michael S schreibt:

    Ich erwarte inzwischen weder etwas vom Einsichtsvermögen/Vernunft der Berliner Landespolitiker noch von der des ADFC oder von Radaktivisten. Veränderung kommt scheinbar in Berlin nur durch unartikulierte Verhaltensänderung der Bürger (ohne Volksentscheid).

  96. Michael S schreibt:

    … nein, nicht ganz korrekt, Veränderung passiert natürlich auch durch Politik und Lobbyarbeit, z.B. ein Umschwenken auf Radstreifen statt Radwege. Keine Bewegung trifft es vielleicht eher, denn Unbeweglichkeit im Kopf ist wohl das gemeinsame Merkmal.

  97. berlinradler schreibt:

    In Berlin hatte ich so vielleicht ab 2008 das Gefühl, dass sich etwas bewegt hat. Immerhin hat man hier ernsthaft Benutzungspflichten abgeschafft und sich Gedanken über einige städtische Radrouten gemacht, die man dann sogar baulich aufpoliert und einigermaßen ordentlich ausgeschildert hat.

    Sicher gibt und gab es an den Routen viel zu kritisieren - perfekt ist ganz anders. Aber der Ansatz, auch ungeübteren Radfahrern eine möglicherweise attraktive Strecke auszuweisen, ist m.E. nicht falsch.

    Und selbst in den letzten Jahren, obwohl ich seit dem Rot-Schwarzen Senat das Gefühl des totalen Stillstands in der Radverkehrspolitik habe, gab es zumindest auf Bezirksebene einige Miniprojekte, die mein Alltagsleben wirklich erleichtern. Hier mal eine Rampe, wo vorher Treppen waren - dort mal ein Durchstich, wo man bisher gar nicht fahren durfte und kilometerweite Hauptstraßenumwege in Kauf nehmen sollte …

    Es hat sich nicht alles nur zum Schlechten gewandelt, aber an manche schwierigen Aufgaben traut man sich nicht heran oder nimmt sie, wie die immer wieder auftretenden Lkw-Toten, schulterzuckend in Kauf. Der Verkehrssenator verzeichnet in seinem Fachbereich monatlich ca. 3 Tote und 80 Schwerverletzte - das lässt ihn, die gesamte Politik und auch den Bürger (zu seinem Glück) weitgehend kalt.

  98. Volksentscheid Radverkehr - Berlin streitet. Oder nicht? - Mobilmanie schreibt:

    […] Radverkehr Druck auszuüben positiv gegenüber (siehe z.B. in einer frühen Phase die Diskussion im Radspannerei-Blog oder den sehr lesenswerten Einwand zum aktuellen Stand beim Bikeblogger. Der ADFC wird Mitte März […]

  99. Schlaumi schreibt:

    Die Vorschläge greifen zu kurz.

    - Straßen nur noch für Radfahrer.
    - Fußgänger und Autos teilen sich die Fußwege.
    - Die Kfz Versicherung für Autos wird abgeschafft.
    - Radfahrer zahlen dafür eine Fahrradsteuer.

  100. berlinradler schreibt:

    @Schlaumi, ich kann ja verstehen, wenn man sauer ist über so einen Volksentscheid. Aber was habt Ihr immer mit Eurer Kfz-Versicherung? Wollt ihr einen möglichen eintretenden Schaden unbedingt selbst bezahlen?

    Ich kann auch verstehen, wenn man sich steuerlich ungerecht behandelt fühlt - wenngleich ich da anderer Meinung bin. Aber eine Haftpflicht halte ich für sinnvoll.

  101. Brigitte schreibt:

    Ich, als Auto- und Radfahrer bin dafür, etwas für bessere Radwege zu tun. Nur sollte endlich auch eine Pflicht zur Versicherung, zum Kennzeichen und zur Steuer eingeführt werden. Autofahrer finanzieren einen größeren Teil als alle anderen Verkehrsteilnehmer die Arbeiten der Straße. Und so verkehrswidrig wie sich “einige” Radfahrer verhalten, ist auch eine fahrpruefung zu empfehlen. Bei verfehlungen kann ich den Radfahrer sowie den Autofahrer jetzt schon, durch das Kennzeichen (Versicherung) zur Rechenschaft ziehen. Grüße aus Berlin Wilmersdorf

  102. berlinradler schreibt:

    @Brigitte, die Einleitung, dass man “auch Radfahrer” sei, lässt ja selten gutes vermuten.

    Ich kann nur eines sagen: Im Jahre 2014 gab es in Berlin 132.718 Unfälle, Radfahrer waren an 7.699 von ihnen beteiligt und haben 3.528 davon hauptsächlich verursacht sowie weitere 588 mitverursacht. Pkw-Fahrer haben über 92.000 Unfälle haupt- und mitverursacht, nimmt man den gesamten motorisierten Verkehr zusammen, fallen andere Unfallverursacher in der Gesamtstatistik fast gar nicht mehr ins Gewicht.

    Da fast alle Unfälle auf Fehlverhalten zurückgehen, kann man die Unterscheidung zwischen dem überwiegend vorbildllichen Autofahrer und dem überwiegend rüpelhaften Radfahrer kaum aufrecht erhalten. Wie soll es gehen, dass gerade der “vorbildliche” Pkw-Verkehr dermaßen unfallauffällig ist?

    Die Zahlen aus der polizeilichen Unfallstatistik kann man natürlich abstreiten, sich die Ohren zuhalten oder laut “selber” rufen - Fakt ist aber, dass Kennzeichen und Haftpflichtversicherung scheinbar keinerlei mäßigenden Einfluss auf die Hauptunfallverursachergruppe haben.

    Je nachdem, wie man es sieht, mögen Autofahrer “einen größeren Anteil” der Straßen finanzieren - da Kfz-bezogene Steuern bei einem normalen Arbeitnehmer nur einen relativ kleinen Teil der gesamten Steuerlast ausmachen, geht diese Annahme offenbar davon aus, dass Autofahrer überwiegend Besserverdiener seien. Das sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass Autofahrer ja auch wesentlich bessere Angebote im Straßenverkehr bekommen: Bevorzugende Ampelschaltungen, meist kostenfreie Parkplätze, auf Hauptstraßen mehrere Fahrspuren. Warum müssen das auch die mitbezahlen, die von der Nutzung ausgeschlossen sind?

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