Berlin: Fahrradetat wird halbiert
Im Entwurf für den Doppelhaushalt 2012/2013 des Landes Berlin ist die Summe für die Fahrradinfrastruktur halb so groß wie in den Vorjahren. Finanzsenator Ulrich Nußbaum will in diesem und im kommenden Jahr jeweils eine Million Euro ausgeben, im Jahr 2011 lag der Betrag noch bei zwei Millionen Euro. Laut Tagesspiegel protestiert der Fahrradclub ADFC gegen diesen Plan. Bernd Zanke, Mitglied des Vorstands und zuständig für Verkehrssicherheit beim ADFC: Mit den bisher zwei Millionen Euro im Jahr konnte „wenigstens ein Teil der gravierendsten Mängel an Radwegen behoben werden“.
Tagesspiegel: Nußbaum spart an den Radwegen
Samstag, 11.02.2012 um 19:11
Fürs Schilder *ab*schrauben wird es noch reichen.
Wenn die Prozesskosten bei unrechtmäßig angeordneten Benutzungspflichten auch aus diesem Topf beglichen werden müssten, dat wär wat
Sonntag, 12.02.2012 um 12:11
Ich weiss bei solchen Meldungen immer gar nicht, ob ich sie gut oder schlecht finden soll. Ein Großteil der Maßnahmen für den Radverkehr bedeutet doch, dort Fahrbahnbereiche abzumarkieren, wo ohnehin genügend Platz ist - und damit oft eine Verschlechterung der Situation herzustellen. Die Problemstellen, die mir so auffallen, werden so gelassen wie sie sind - obs nun eine oder zwei Millionen Euros sind-
Sonntag, 12.02.2012 um 12:20
Vielleicht sollte man dem Senat mal vorrechnen, wie hoch die Kostenersparnis durch mehr Fahrradverkehr wäre. Alleine die sinkenden Sanierungskosten von Straßen, wenn dort weniger Auto fahren. Sinkende Gesundheitskosten usw.
Wobei man natürlich bedenken muss, dass die Leute aus dem Auto wohl erstmal eher in den ÖPNV umsteigen und dann erst aufs Fahrrad.
Aber langfristig gesehen spart eine Förderung des Radverkehrs auf Kosten des Autoverkehrs sicher eine Menge Geld, denke ich.
Ich bin jedenfalls auf den Frühling gespannt, ob der Radverkehr weiter zunehmen wird.
Sonntag, 12.02.2012 um 12:27
@ Philip: Das ist doch alles kalter Kaffee. Das nichts wesentliches passiert liegt nicht an mangelnder Kenntnis sondern an eingefahrenem Denken und Bequemlichkeit - auch bei den Betroffenen, den PKW-Nutzern, auf deren Kosten eine Veränderung eindeutig gehen müsste. Und Veränderung ist etwas, was man erst will, wenn der Leidensdruck hoch genug ist.
Sonntag, 12.02.2012 um 12:41
den finanziellen einsparungen stehen aber ebensolche politischen kosten gegenüber. der mob tobt wenn man die straßen schmaler macht.
Sonntag, 12.02.2012 um 17:05
Eine Million EUR für 3 komma nochwas Mio Einwohner? Die haben doch wohl eine Null vergessen..? Bei uns in München wird schon 4,5 Mio/Jahr (manchmal sinnlos) ausgegeben für viel weniger Menschen.
@rbt: man muss den Platz so verknappen, dass der Mob es nicht merkt. Langsam aber sehr stetig. Dann muss man dem Mob noch einbleuen, dass parken auf öffentlichem Grund kein Menschenrecht ist. Irgentwann checkt er das.
Sonntag, 12.02.2012 um 17:35
“Der Fahrradklub ADFC protestiert”.
Lustige Wortwahl, noch nie hab ich irgendwo “Der Autoklub ADAC ….” gelesen. Obwohl’s passend wär.
Sonntag, 12.02.2012 um 17:43
der ADAC hat ja auch 80 x soviele Mitglieder wie der ADFC. Allerdings nur wegen dem Pannendienst, wenns den nicht gäbe, würde kaum jemand den ADAC wahr nehmen.
Sonntag, 12.02.2012 um 20:15
@Christoph, i.allg. nimmt man an, durch Kfz- und Benzinsteuern ein Recht auf einen Parkplatz zu erkaufen. Zunächst müsste man also glaubhaft die Einnahmen und Ausgaben durch den Autoverkehr gegenüberstellen. Solche Vergleiche gibt es - mit sehr unterschiedlichen Aussagen.
Sonntag, 12.02.2012 um 20:58
Ach, so kommt man auf den schmalen Grat mit dem Parkplatzrecht? Wie teuer ist denn so ein mobiles Stück land in beliebiger Lage? Wenn wir mal einen Innenstadtbereich mit 20€/m² im Monat, ein Auto mit grob 12m² veranschlagen müsste so ein Auto also alleine fürs Parken 2880€ im Jahr kosten, haut das hin mit der KFZ und Benzinsteuer? Da ist dann aber noch keine Infrastruktur für bezahlt…
Montag, 13.02.2012 um 10:40
Ob 1 oder 2 Millionen halte ich auch für irrelevant. Beide Summen sind Peanuts. Hier gehts mehr um die Symbolik, dass die Regierung nicht gewillt ist die Situation der Radinfrastruktur zu verbessern, obwohl der Anteil der Radfahrer steigt. Die Leute werden also von der Politik bewusst in die Autos und in die Öffentlichen Verkehrsmittel gedrängt.
Montag, 13.02.2012 um 11:36
@Ze evil Kohl, noch nie eine entsprechende Debatte mit dem Autofahrer geführt? Genau so wird gedacht
Montag, 13.02.2012 um 12:18
@Berlinradler: Nee übers Parken wirklich noch nie, meist hat man als Radfahrer genug andere Themen über die man mit Autofahrern diskuttieren kann/muss.
Eher akute Sachen wie, warum man sich nicht in Luft auflöst wenn doch der Autist die Spur wechseln will und solch lustigen Nahtoderfahrungen :/
Montag, 13.02.2012 um 13:25
Ach naja, mit den Straßenheinis setze ich mich selten in einer Diskussion auseinander, das bringt eh nix. Der lustigste Spruch, den mal ein gefährlich ausparkender Autofahrer machte: “Ey bist Du bescheuert? Wenn ich Dich umfahre, bin ich Schuld.” Abgesehen davon, dass ich da tatsächlich etwas wagemutig gefahren bin - hatte keine Lust zu warten - eine witzige Analyse der Situation.
Dienstag, 14.02.2012 um 00:06
Ich überlege die ganze Zeit, wie ich meine Räder sicher und bequem zu Hause unterbringe. Könnte ich eine Fahrradgarage vor meiner Haustüre auf einen “Parkplatz” stellen, wäre ich sehr glücklich. Wenn ich die Garage in Form eines Autos bastle, dürfte das doch okay sein, oder? Ah, oder wie wäre es mit einem “Werbeanhänger”? Muss man die versichern oder anmelden?
Dienstag, 14.02.2012 um 13:37
Die Stadtverwaltung von Berlin hat weiterhin Geld für Sperrungen für Radfahrer, aber niemand scheint sich für Fahrradbelange einzusetzen.
Anfang Januar: Totalabsperrung der Fahrrad-Rochstraße auf Höhe der Schule. Bisher konnte man zwischen zwei Planken durchfahren, nun ist die Lücke zu. Was soll das? Hab ich den Fahrradbeauftragten per E-Mail befragt. Aber der ist schon im letzten Jahr nicht mehr da gewesen. Gibt es den noch? Warum antwortet der nicht? Warum duldet der so was stillschweigend?
Nun geht die Absperrung dieser Route weiter. Seit heute ist auch die Anna-Louisa-Karsch-Straße vor der Brücke zur Bodestraße dichtgemacht. Bisher war nur die Brückenzufahrt gesperrt. Seit Wochen sind die Bauarbeiten beendet, aber die Sperrung wird noch ausgeweitet.
Meine Frage zu dieser Brückensperrung hat der Fahrradbeauftragte auch im letzten Jahr nicht beantwortet. Der ist wohl nicht mehr da. Oder zum ADAC gewechselt.
Bei der Route Max-Beer-, Roch-, A-L-KArsch- und Bodestraße handelt sich um eine Fahrradstraße bzw. eine Fahrradhauptroute, ich glaube von St. Petersburg nach Paris. So weit will ich nicht täglich, aber warum soll man da nicht mehr radfahren?
Dienstag, 14.02.2012 um 14:30
@Gernfahrer: Hast Du den hier angeschrieben? http://www.stadtentwicklung.berlin.de/verkehr/politik_planung/rad/de/kontakt.shtml
Interessant, wenn von dort keine Antwort kommt.
Dienstag, 14.02.2012 um 16:45
@Gernfahrer, Du sprichst die Anna-Louisa-Karsch-Straße an. Gestern stand dort das Ordnungsamt und hat Radfahrer rausgefischt, die zur (für Radfahrer freigegebenen) Brücke fuhren bzw. von dort kamen. Wegen des Baugerüstes waren die halt auf den Gehweg ausgewichen. Ich find das unmöglich, die schlechte Baustellensituation und die dort generell vergessenen Radfahrer auszunutzen, um Radfahrer abzukassieren. An dieser Stelle wäre es nicht unmöglich, Radfahrern eine Durchfahrt zur Brücke ermöglichen.
Dienstag, 14.02.2012 um 16:55
Ja, an der Brücke zwischen Bodestraße und A.L.-Karsch-Straße hat mich mal einer von den Kapitänen der dort abfahrenden Touristendampfer angehalten und darauf hingeweisen dass die Brücke für Radfahrer verboten ist. Habe mich natürlich für die Empfehlung bedankt und bin weiter gefahren. Fahre jetzt aber eine andere Route, da mir die ganzen Bauzäune die Strecke unbequem machen.
Dienstag, 14.02.2012 um 18:47
@udo, also ich habs im Sommer zuletzt versucht, da war die Brücke für Fahrräder freigegeben. Wie es heute ist, weiss ich nicht - hab jetzt auch bessere Routen gefunden.
Dienstag, 21.02.2012 um 23:42
Diese Brücke ist Teil des Radwegenetzes, wie man leicht auf http://bit.ly/wVtoee (16.9.2011) sehen kann. In der Gegend schert sich offenbar niemand darum, dass sich da der zentrale Knoten des Radwegenetzes befindet. Schlossplatzbaustelle, Traverse des Schlossplatzes nur für Fussgänger, Weihnachtsmärkte auf Radwegen (da hatte ich mich mal beschwert, ist dann 2011 besser gewesen), verschiedene andere Baustellen (z.B. http://bit.ly/A7qGnN, ist jetzt wieder passierbar, engste Stelle ca. 1,50m breit).
Insofern erscheint die Einsparung der Radwegemittel nur konsequent, weil Beschilderung eh umsonst ist, weil sie offenbar keinen verbindlichen Charakter bezüglich der Befahrbarkeit durch Radfahrer hat.
Mittwoch, 22.02.2012 um 11:21
@radler rost, volle Zustimmung. Die vom Senat gefeierten Routen erfüllen in keiner Hinsicht irgendwelche Mindeststandards, nicht mal in Hinsicht auf die durchgehende Befahrbarkeit.
Mittwoch, 22.02.2012 um 11:36
Frage mich gerade, ob der Umstand, dass Fr. Schadt, zukünftige Fr. Gauck (oder Schadt-Gauck/Gauck-Schadt), als leidenschaftliche Radfahrerin betitelt wird und zudem als streitbar, in Zukunft des öfteren im Schloß Schönblick weilen wird, sich für die Radfahrer-Situation in Berlin positiv auswirken könnte.