3. Berliner Fahrrad Schau mit Blogger Lounge

Dienstag, 28.02.2012

Am Sonnabend und Sonntag öffnet die 3. Berliner Fahrrad Schau in der “Station Berlin” in der Luckenwalder Straße in Kreuzberg ihre Pforten. Gezeigt werden vom Design Bike bis zu Freizeit- und Sporträdern und E-Bikes alles, was im 2-Rad-Bereich wichtig ist. Öffnungszeiten: Sonnabend, 3. März: 10 bis 19 Uhr, Sonntag, 4. März: 11 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen für das Tagesticket 6 Euro (ermäßigt 4 Euro). Das 2-Tages-Ticket kostet 10 Euro (ermäßigt 6 Euro).

Dank der großen Initiative der Bloggerkollegen von BikeBlogBerlin, e-Rad Hafen, fahrradjournal und Stahlrahmenbikes gibt es zum ersten Mal auch einen durchgängig bespielten Fahrradbloggerstand. Das vorläufige Programm der Blogger Lounge sieht so aus:

Sonnabend, 03. März

  • 14.00 Uhr Elmar Schenkel liest aus seinem Buch „Cyclomanie – Das Fahrrad und die Literatur.“ (fahrradjournal – Das Feuilleton für Radkultur)
  • 16.00 Uhr Wir spenden Leben – Radsportler für die Stammzellspende. Vorstellung des Projekts und des Teams, Informationen zur Stammzellspende. (BikeBlogBerlin)

Sonntag 04. März

  • 12.00 Uhr Wir spenden Leben – Radsportler für die Stammzellspende. Vorstellung des Projekts und des Teams, Informationen zur Stammzellspende. (BikeBlogBerlin)
  • 14.00 Uhr E-Lastenräder – Die besseren Kleinwagen! Infos und Diskussion zu unterschiedlichen e-Lastenrädern mit: Maximilian Bauer, Elektronenrad, e-Bullit; Oliver Hoson, Uma Zooma; Andres Moreno, Velonom, prana; Calos Labrana, carryo bikes (e-Rad Hafen)

Mal so in die Runde gefragt: Hat jemand Lust auf einen Rad-Spannerei Blog Klönschnack? Schlagt ein Zeitfenster vor, vielleicht Sonntag 16:00 Uhr? Wenn eine Handvoll Leute zusammenkommen, fahren wir ein/zwei Torten auf, Kaffee müssen wir uns so organisieren.

Berliner Fahrrad Schau

“Berlin: Reinventing the Wheel”

Dienstag, 28.02.2012

Bevor die Überschrift holprig mit Die Wiedererfindung des Rades in Berlin übersetzt wird, belassen wir es lieber im englischen Original. Die Videojournalistin Sonia Gil veröffentlicht in der Reihe Sonia’s Travels jeden Donnerstag ein kurzes Reisevideo. Motto: “Every Place Has a Secret Code. I Get a Kick Out of Finding It.” Jeder Ort hat sein Geheimnis. Mir macht es höllischen Spaß, das herauszufinden.

In der neuen Folge von Sonia geht es um das Radfahren in Berlin.

Sonia’s Travels

Radfahrerin von Polizeifahrzeug erfasst

Dienstag, 28.02.2012

Daniel hat uns auf eine Pressemeldung der Polizei aufmerksam gemacht, die schon einige Tage zurück liegt. Die Meldung im Wortlaut:

“Leichte Verletzungen erlitt eine Radlerin gestern Abend in Hohenschönhausen, nachdem sie von einem Polizeifahrzeug erfasst worden war. Gegen 18 Uhr 10 fuhr das Einsatzfahrzeug der Polizei mit Blaulicht und Sirene die Pablo-Picasso-Straße in Richtung Wartenberger Weg. Als die Beamten mit ihrem Pkw den Kreuzungsbereich Pablo-Picasso- Ecke Falkenberger Chaussee passiert und ihre Fahrt auf der Egon-Erwin-Kirsch-Straße fortgesetzt hatten, streiften sie die Radlerin, die auf dem parallel zur Fahrbahn verlaufenden Radweg unterwegs war. Die 14-Jährige stürzte vom Fahrrad und erlitt leichte Verletzungen. Sie wird sich in Begleitung ihrer Eltern in ärztliche Behandlung begeben. Die Polizisten erlitten einen Schock.”

Pressemeldung der Berliner Polizei # 0635 vom 26.02.2012 - 11:15 Uhr

Gemeint ist sicher die Egon-Erwin-Kisch-Straße und nicht die Kirsch-Straße.

Daniel: “Auch wenn die Polizisten da mit Sonderrechten unterwegs waren frage ich mich ernsthaft, wie die ein radfahrendes Mädchen von einem separaten Radweg abräumen konnten. Da haben sie ja wohl weder die notwendigen Sicherheitsabstände eingehalten, noch überhaupt noch ihre Fahrt im Fahrbahnbereich durchgeführt.

Ich hoffe, dass da wenigstens - so wie bei anderern Verkehrseilnehmern auch - erstmal der Führerschein abgenommen und ein Alkohol- und Drogentest durchgeführt wurde.”

Wenn das Bildmaterial von Google und Bing aktuell ist, dann existiert auf der nördlichen Seite der Kisch-Straße gar kein separater Radweg sondern lediglich auf der südlichen.

Fahrradparkplätze für die Spandau Arcaden

Montag, 27.02.2012

Am Bahnhof Spandau entstehen neue Fahrradparkplätze. Das Centermanagement der Spandauer Arcaden hat angekündigt, im Rahmen der Umbau- und Sanierungsarbeiten zwischen dem Bahnhof und dem Einkaufszentrum sowohl an der Klosterstraße als auch am Brunsbütteler Damm neue witterungsgeschützte Abstellplätze zu erstellen. Das Angebot wird durch Schließfächer in den Arcaden ergänzt. Darüber hinaus wird im Untergeschoss die kurzzeitige Aufbewahrung von Taschen am infostand gewährleistet.
MeinSpandau: Neue Fahrradparkplätze für die Spandau Arcaden

Leicht reizbarer Radfahrer

Montag, 27.02.2012

Mit dem milden Wetter steigt die Zahl der Radfahrer und damit nehmen auch die Konflikte zu. Wie ein Streit um den engen Verkehrsraum nicht ausgehen sollte, zeigt das Video.

Riesen-LKW und Radverkehr

Donnerstag, 23.02.2012

Seit Jahresbeginn läuft ein vom Bundesverkehrsministerium durchgesetzter Feldversuch zur Einführung von bis zu 25,25 Meter langen Lastzügen. Zur Zeit dürfen im europäischen grenzüberschreitenden Verkehr Lastwagen 16,5 Meter und Gespanne 18,75 Meter lang sein und höchstens 40 Tonnen wiegen. Die neuen Riesen-LKWs werden erheblich länger und bis zu 60 Tonnen schwer sein. Was bedeutet das für den Radverkehr?

Bekannt ist, dass bereits jetzt schwere Lastkraftwagen überproportional beteiligt sind an schweren Unfällen mit anderen Verkehrsteilnehmern. Sie haben einen Anteil von 3% an der EU-Fahrzeugflotte, sind aber zu 14% an schweren Verkehrsunfällen beteiligt. Der Europäische Radfahrerverband ECF befürchtet deshalb, dass durch die Einführung superlanger LKWs die Probleme für Radfahrer verschärft werden:

  • Das Problem des toten Winkels verstärkt sich.
  • Längere Fahrzeugen brauchen größere Wendekreise und deshalb mehr Verkehrsraum.
  • Bei Wendemanövern werden Bürgersteige und Fahrradspuren genutzt.
  • Wegen der erheblich größeren Masse der Fahrzeuge werden auch Unfälle gefährlicher.

ECF: EU Commission to Update Legislation on Megatrucks
No mega trucks in Europe!

Vorsätzliche Körperverletzung an Radfahrer: 17 Monate Haft für Busfahrer

Montag, 20.02.2012

Ein Busfahrer in Bristol in Großbritannien wurde zu 17 Monaten Haft verurteilt, weil er seinen Bus “wie eine Waffe” verwendet hat und einen Radfahrer vorsätzlich umgefahren hat. Auf dem Video einer Überwachungskamera ist zu erkennen, wie der Busfahrer den Radfahrer zunächst in geringem Abstand verfolgt, dann nach rechts zieht, um im nächsten Augenblick wieder scharf nach links zu steuern und den Radfahrer Richtung Bürgersteig zu katapultieren.

Der Fahrradfahrer Phillip Mead überschlug sich nach der Kollision, brach sich ein Bein und das Handgelenk. Nach einem Krankenhausaufenthalt und mehreren Operationen sagte er: “Ich habe keinen Hass gegen ihn, ehrlich gesagt tut mir seine Familien leid.” Der Busfahrer Hill entschuldigte sein Vorgehen und sprach von einem “Wahnsinnsanfall”. Er wurde nach zehn Jahren im Fahrdienst der Busgesellschaft entlassen.

[via Tim]

Update 1. März 2012:
Das ursprünglich in diesem Beitrag eingebundene Video wurde bei YouTube gelöscht.

I Feel Good Today

Donnerstag, 16.02.2012

nils-bruschke-i-feel-good-today.jpg

Installation von Niels Bruschke in der Hamburger erste liebe bar mit Eingangfahrrad von Schindelhauer.

Frankreich veröffentlicht ersten “Plan National Velo”

Donnerstag, 16.02.2012

Das Verkehrsministerium in Frankreich hat Anfang 2012 einen ersten nationalen Radverkehrsplan veröffentlicht. Die wichtigsten Punkte des “Plan National Velo” sind:

  • Anstieg des Radverkehrsanteils auf 10 Prozent bis 2020
  • Reiseziel Nr. 1 für Fahrradtouristen
  • Fahrradgaragenpflicht bei allen Neubauvorhaben
  • 50 Prozent mehr staatliche Gelder für den Bau von Radfernwegen abseits von Straßen (sog. Grüne Wege)
  • Einführung von Grünpfeilen (Rechtsabbiegen oder Geradeausfahrt exklusiv für Radfahrer) als Schild oder als Ampelsignal.
  • Förderung des Alltagsradverkehrs z. B. durch steuerliche Anreize
  • Imageförderung des Radverkehrs durch eine nationale Kommunikationsstrategie
  • Förderung des Umweltverbundes (Rad/ÖV) durch kombinierte Tickets (ÖV/Verleihsysteme)
  • Reduktion des Fahrraddiebstahls durch “bicycode” (Kodierung durch Gravur)

Plan National Velo
[via]

Umlaufsperre Rochstraße

Dienstag, 14.02.2012

Radverkehrsanlagen kann man in zwei Kategorien einteilen: diejenigen, die den Radfahrern nützen und solche, die Radler behindern und ausbremsen.

In die zweite Gruppe fällt eine Anfang Januar gebaute Umlaufsperre in der Rochstraße auf Höhe der Evangelischen Schule. An dieser Stelle standen seit vielen Jahren zwei Baken, die Kraftfahrzeugfahrern die Durchfahrt verwehrte. Nun wurde zusätzlich eine weitere Planke eingebaut, die die Radfahrer zwingt, abzusteigen. Für Kinderanhänger ist damit diese Stelle gänzlich unpassierbar geworden.

Dabei eignet sich die Rochstraße eigentlich vorzüglich als Ausweichstrecke zur verkehrsumtosten Karl-Liebknecht-Straße. Die Rochstraße liegt in der Verlängerung der Fahrradstraße Max-Beer-Straße und wird gern von Radfahrern mit Kindern gewählt.

Gernfahrer schreibt in diesem Kommentar, dass er den Fahrradbeauftragten per E-Mail befragt und bis jetzt noch keine Antwort bekommen hat.

Sperrpfosten auf Fahrradwegen

Montag, 13.02.2012

Mein Senf macht heute auf Sperrpfosten auf Fahrradwegen aufmerksam. Es geht um eine neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke in Bad Oeynhausen, schön breit und ganz gut zu erreichen. Weil wohl schon mal jemand mit dem Auto drüber gefahren ist, stehen jetzt auf jeder Seite Pfosten mitten im Weg.

Auf englisch heißen die Metallstangen zynischerweise “safety posts”, für Radfahrer sind sie nicht selten gefährlich. Nach dem Bericht einer Forschungsgruppe an der Universität von Groningen verunglücken in den Niederlanden 12 Personen pro Jahr tödlich durch Unfälle mit Pfosten, die Zahl verletzter Radfahrer wird mit 12.000 pro Jahr angegeben. Insbesondere für ältere Radfahrer sind die Pfosten eine große Gefahr.

Sperrpfosten sind Verkehrseinrichtungen nach § 43 Abs. 1 StVO. Eine nähere Beschreibung, wie Sperrpfosten auszusehen haben, gibt es nicht, sie sollen lediglich gut sichtbar sein und es darf von ihnen keine Gefährung ausgehen. Meist sind sie rot-weiß gestreift, es gibt aber auch Sperrpfosten in Metallfarbe oder in Schwarz.

Mein Senf: Benutzungspflicht und unmarkierte Pfosten im Weg
Radio Nederlands Worldwide: Warning for cyclists: watch out for ‘safety’ posts

Berlin: Fahrradetat wird halbiert

Samstag, 11.02.2012

Im Entwurf für den Doppelhaushalt 2012/2013 des Landes Berlin ist die Summe für die Fahrradinfrastruktur halb so groß wie in den Vorjahren. Finanzsenator Ulrich Nußbaum will in diesem und im kommenden Jahr jeweils eine Million Euro ausgeben, im Jahr 2011 lag der Betrag noch bei zwei Millionen Euro. Laut Tagesspiegel protestiert der Fahrradclub ADFC gegen diesen Plan. Bernd Zanke, Mitglied des Vorstands und zuständig für Verkehrssicherheit beim ADFC: Mit den bisher zwei Millionen Euro im Jahr konnte „wenigstens ein Teil der gravierendsten Mängel an Radwegen behoben werden“.

Tagesspiegel: Nußbaum spart an den Radwegen

Setz den Helm auf, Papi

Freitag, 10.02.2012

Im letzten Okktober hatte Bundesverkehrsminister Ramsauer eine Kampagne für das Tragen von Helmen angekündigt. Der Minister erhofft sich durch den Propagandafeldzug eine Verfünffachung der Helmtragequote. Für den Fall, dass die Werbeaktion nicht den gewünschten Erfolg bringt, droht Ramsauer eine Helmpflicht an. An der Kreuzung Unter den Linden und Glinkastraße kann man nun ein erstes Großplakat der Kampagne besichtigen.

Dank an Gerrit für das Foto.

Jahrespressekonferenz zur Verkehrssicherheit 2011 im Land Berlin

Freitag, 10.02.2012

Heute stellte die kommissarische Polizeichefin Margarete Koppers den Jahresbericht zur Verkehrssicherheit im Land Berlin vor. In ihrem Resümee sagte Frau Koppers zwei bemerkenswerte Sätze: “Letztlich muss ein Umdenken der Verkehrsteilnehmer stattfinden, um Berlins Straßen noch sicherer zu machen. Nicht das Auto steht im Vordergrund unseres mobilen Denkens, sondern immer der Mensch!” So eine Aussage eines Berliner Polizeipräsidenten wäre vor zehn Jahren noch völlig unmöglich gewesen.

Die teilweise persönlich gehaltenen Passagen zum Thema Radverkehr zitieren wir vollständig:
“Ich selbst fahre im Sommer viel mit dem Fahrrad und beobachte den Straßenverkehr in meinem neuen Amt natürlich kritischer und mit anderen Augen als früher. An den zahlreichen roten Ampeln auf meinem Weg zum Platz der Luftbrücke bin ich meist die einzige, die anhält. Die mich überholenden und offenbar ohne jeden Skrupel weiterfahrenden Radfahrer machen eher den Eindruck, dass sie mein Verhalten „schräg“ finden; gelegentlich muss ich mich beschimpfen lassen, wenn ich bei „Gelb“ bremse und die hinter mir fahrenden Radfahrer dadurch anhalten oder ausweichen müssen. Rote Ampeln zu überfahren, ausgewiesene Radwege zu ignorieren, obwohl sie Schutz bieten, und nur für Fußgänger vorgesehene Gehwege zu nutzen, scheint selbstverständlich. Auch hier entsteht also der Eindruck, Verkehrsregeln seien nur unverbindliche Verhaltensempfehlungen, denen man nach Lust und Laune folgen kann oder eben nicht. Ist es wirklich spießig oder uncool, Regeln einzuhalten?

Zudem ist es doch ein Trugschluss, selbst genau einschätzen zu können, wie gefährlich die Situation tatsächlich ist. Denn auf die Rücksicht der anderen Verkehrsteilnehmer können wir nicht zwingend setzen. Als Radfahrerin kenne ich natürlich auch die Opferperspektive, habe unfreiwillig einen Salto über eine geöffnete Autotür hinter mir, bin von einem rechts abbiegenden Auto erfasst oder von einem BVG-Bus so an die hohe Bordsteinkante gedrängt worden, dass ich quer über den Bürgersteig geflogen bin.

Gerade weil Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern am stärksten gestiegen sind, liegt es mir am Herzen, durch intensive präventive und auch repressive Maßnahmen die Anzahl verunglückter Radfahrer zu senken. Hier ist Kontinuität und Kreativität gefragt, um für Verständnis und Akzeptanz zu werben.
Ich wünsche mir, dass mehr Radler gemeinsam mit mir gelassen an der Ampel auf Grün warten. „Ohne Gefahr sicher ankommen“ heißt hier die Devise.
Wir werden den Fahrradverkehr auch in 2012 konsequent und kontinuierlich überwachen. Selbstverständlich stehen dabei nicht nur die Radfahrer selbst im Fokus, sondern auch die Kraftfahrer mit ihrem fehlerhaften Verhalten gegenüber dieser Risikogruppe.

Parallel werden wir auch in diesem Jahr gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern, den externen Trägern der Verkehrssicherheitsarbeit, wie dem ADFC, dem ADAC oder der BVG gezielte Schwerpunktaktionen durchführen. Insbesondere die 2011 erstmalig sehr erfolgreich durchgeführten gemeinsamen Aktionstage „ADFC-Herbstcheck“ zum Thema „Sicheres Fahrrad“ wollen wir in diesem Jahr fortsetzen und um den „Frühlingscheck“ ergänzen, damit gezielt auf das fehlerhafte Verhalten von und gegenüber Radfahrern hingewiesen werden kann.”

aus: Jahrespressekonferenz zur Verkehrssicherheitslage und Verkehrssicherheitsarbeit 2011 im Land Berlin und zur strategischen Ausrichtung 2012 - Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 0452 vom 10.02.2012 - 12:20 Uhr

CDU-Stadtrat in Leipzig will die Fahrradsteuer einführen

Donnerstag, 09.02.2012

Vor einigen Tagen hat der  Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) die Kommune in Leipzig aufgefordert, ihrer Pflicht zur Winterräumung der Radwege nachzukommen. Das wiederum brachte den CDU-Stadtrat Konrad Riedel auf die Palme. In einer Erklärung forderte er, die ADFC-Forderungsaktivisten sollten endlich selbst Verantwortung übernehmen für ihr Tun und Lassen. “Dazu gehört auch wie für Autofahrer, das Gefährt stehenzulassen, wenn die Verhältnisse kein gefahrloses Nutzen zulassen. Und die Radfahrer zahlen nicht mal wie Autofahrer Steuern in die öffentlichen Haushalte, mit denen ihre Forderungen überhaupt mal eine finanzielle Grundlage hätten.”

Die Konsequenz daraus ist für Riedel, endlich über eine Einführung der Fahrradsteuer nachzudenken. Das sei in in den vom ADFC als positiv dargestellten “ach so radfreundlichen Ländern und Städten” durchaus Sitte.

ADFC Leipzig: Sicherheit für Radfahrende muss auch im Winter geboten sein
CDU Leipzig: ADFC-Forderungsaktivisten sollten endlich selbst Verantwortung übernehmen
[via de.rec.fahrrad]

Havelradweg erhält in den Niederlanden die Auszeichnung “Fietsroute des Jahres”

Mittwoch, 08.02.2012

In den Niederlanden wurde der Havelradweg als Fahrradroute des Jahres 2012 gewählt. Die Auszeichnung wird anlässlich der am 11. und 12. Februar stattfindenden Rad- und Wanderwegmesse in Amsterdam verliehen. Der Havelradweg führt durch die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Er verbindet die Mecklenburger Seenplatte mit Berlin und Potsdam und führt weiter bis zur Havelmündung in die Elbe bei der Hansestadt Havelberg. Auf der ganzen Strecke fährt man an schönen Seen entlang, passiert zahlreiche, unverwechselbare Ortschaften und sieht reichlich Wälder und Naturschutzgebiete.

Fietsen.123: De Havelradweg Fietsroute van het Jaar 2012

Faltfahrrad mit Diamantrahmen

Mittwoch, 08.02.2012

Das im kurzen Video vorgestellte Fahrrad mit faltbarem Diamantrahmen ist offensichtlich ein Eigenbau.

[via]

Berlin Cycle Chic

Dienstag, 07.02.2012

Im Juni 2007 startete Mikael Colville-Andersen das streetstyle Blog Copenhagen Cycle Chic. Seitdem ist aus einem Blog eine Cycle-Chic-Bewegung mit mehr als fünfzig Ablegern in aller Welt geworden. Inzwischen existiert auch das Pflänzchen Berlin Cycle Chic und wird regelmäßig mit Fotos von Berliner Radfahrern und Radfahrerinnen befüllt. Das Winterbild auf der Warschauer Straße vor der Kulisse des Fernsehturms haben wir vom Facebook-Auftritt von Berlin Cycle Chic gemopst.

Berlin Cycle Chic
Berlin Cycle Chic bei Facebook

Fahrraddieb gibt Geld für neues Schloss

Dienstag, 07.02.2012

Die gute Meldung des Tages kommt aus Buxtehude. Dort war am vergangenen Freitag einer 74-jährigen Frau das Fahrrad gestohlen worden. Gestern stand das Rad wieder vor der Haustür der Frau. An den Lenker hatte der Dieb eine Tüte mit 20 Euro und einem Zettel gehängt. Darauf entschuldigte sich der Fahrraddieb für seine Tat und gab die Empfehlung, für das Geld ein “ordentliches Bügelschloss” zu kaufen. So werde der Fahrradklau künftig deutlich erschwert. Die Polizei in Buxtehude ermittelt trotz der netten Geste weiter wegen unbefugter Benutzung des Rades.
NWZ Online: Buxtehude: Fahrraddieb gibt Geld für neues Schloss

Fahrradfreundlichste Persönlichkeit des Jahres 2012 ist Wigald Boning

Dienstag, 07.02.2012

Vor einigen Wochen haben wir berichtet, dass die Auszeichnung “fahrradfreundlichste Persönlichkeit des Jahres” nicht mehr vergeben wird. Das war wohl eine Falschmeldung, denn gerade wurde bekannt, dass in diesem Jahr der Comedian Wigald Boning diese Ehrung erhält.

Laut Fahrradportal ist Boning Moderator, Komiker, Musiker, Journalist, Buchautor und Extremsportler in Personalunion. Den Ausschlag für Boning gab nicht nur seine Fahrradbegeisterung, sondern auch sein Engagement für das Radfahren: So setzt er sich immer wieder für Fahrrad-Projekte ein oder radelt mit gutem Beispiel voran.

Die Preisverleihung des Deutschen Fahrradpreises findet am 23. Februar im Rahmen des AGFS-Radverkehrskongresses in Essen statt. Albert Herresthal vom VSF e.V. übergibt die Trophäe.

Preisträger der vergangenen Jahre waren Wolke Hegenbarth (2011), Jürgen Trittin (2010), Klaus Töpfer (2009), Leonard Lansink (2008), Holger Meyer (2007), Christian Ude (2006), Heike Götz (2005) und  Jochen Senf  (2004).

Der Deutsche Fahrradpreis – best for bike ist eine Initiative des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V. (AGFS) und des Zweirad-Industrie-Verbandes e.V. (ZIV). Als Hauptsponsor des Deutschen Fahrradpreises engagiert sich seit Jahren der Verbund Service und Fahrrad e.V. (VSF).

Deutscher Fahrradpreis

Podiumsdiskussion: Zur Zukunft der urbanen Mobilität

Montag, 06.02.2012

Am Donnerstag (9. Februar 2012) findet in den Nordischen Botschaften im Tiergarten eine Podiumsdiskussion mit dem Titel Zur Zukunft der urbanen Mobilität statt. Angekündigt sind folgende Sprecher:

  • Frits Bredal vom Dänischen Radfahrerbund (Dansk Cyklist Forbund)
  • Michael Colville-Andersen, Begründer der Blogs Copenhagenize und Copenhagencyclechic und Miteigner der Beratungsgesellschaft Copenhagenize Consulting.
  • Michael Cramer, Mitglied des Europäischen Parlaments für Bündnis 90/Die Grünen.
  • Burkhard Horn, Leiter der Abteilung  Grundsatzangelegenheiten der Verkehrspolitik in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
  • Tina Saaby, Stadtarchitektin Kopenhagen
  • Niels Tørslev, Leiter Verkehrszentrum Kopenhagen

Podiumsdiskussion: Zur Zukunft der urbanen Mobilität
Donnerstag, 9. Februar, 18.30 Uhr
Rauchstraße 1
10787 Berlin

Update 11.02.2012:
Foto: M. Stoß 

Update 20.02.2012:
Audiomitschnitt der Veranstaltung

Fahrrad, nett geordnet

Montag, 06.02.2012

fahrrad-nett-geordnet.jpg

Nach dem Klick auf das Bild öffnet sich das riesige Originalfoto.
aus Things Organized Neatly

Niederlande Fahrradland Nummer 1

Montag, 06.02.2012

Laut einem Ranking der Technischen Universität von Sidney besitzt die Niederlande die geschätzt höchste Fahrraddichte der Welt. Auf einhundert Einwohner kommen im Schnitt 99,1 Fahrräder. In Dänemark liegt die entsprechende Zahl bei 80,1 % und in Deutschland bei 75,8%. Auf den weiteren Plätzen folgen Schweden (63,7%), Norwegen (60,7%) und Finnland (60,4%). Danach kommen Japan (56,9%), die Schweiz (48,8%), Belgien (48%) und schließlich China mit einer geschätzten Fahrraddichte von 37,3%.

Wenn man einen Blick auf den Anteil des Radverkehrs am Modal Split blickt, ergibt sich eine andere Reihenfolge. Auch hier liegen die Niederlande vorn mit 27% aller Fahrten. Die entsprechenden Zahlen werden für Dänemark mit 18% und für Deutschland mit 9% Radverkehrsanteil angegeben. In Japan fahren allerdings 15% aller Berufspendler mit dem Rad zur Arbeit.

Aus China sind keine genauen Angaben verfügbar. Es ist aber bekannt, dass in Shanghai jeden Tag 60% aller Fahrradbesitzer mit dem Velo zur Arbeit fahren. Shanghai verfügt über 9 Millionen Fahrräder bei einer Bevölkerung von 19 Millionen.

Fietsberaad: Nederland nog altijd fietsland nr. 1

Jagd auf Fahrraddiebe als Plot einer Webserie

Freitag, 03.02.2012

“To Catch a Bike Thief”, “einen Fahrraddieb fangen” heißt eine Netzserie, die zur Zeit in Vancouver, B.C. in Kanada abgedreht wird. Im gerade veröffentlichten Trailer zur Serie heißt es: “Schalte To Catch a Bike Thief ein, hier verwenden wir die neueste Technologie, um Fahrraddiebe zu ködern und zu verfolgen, um unsere mit GPS ausgestattenen Räder zurückzuerbeuten und die Diebe vor der Kamera mit dem Problem des Fahrraddiebstahls zu konfrontieren.” Das Filmteam will mit der Serie das Bewusstsein für das Problem Fahrraddiebstahl schärfen, zu Diskussionen anregen und die Menschen wirksam vor Diebstahl schützen.

Die Jagd auf Fahraddiebe wird als Krimi inszeniert, Dunkelheit, wackelnde Kamera, halsbrecherische Verfolgungsfahrten, treibende Musik. Im Trailer und auf der Webseite wird nicht verraten, was mit den Fahrraddieben passiert, die dem Kamerateam auf den Leim gehen. Vielleicht erfahren wir das später, “the adventure begins April 2012″, dann soll der Pilotfilm der Serie ins Netz gehen.

To Catch a Bike Thief
[via]

Radfahrerin in Kreuzberg von Transporter erfasst

Freitag, 03.02.2012

“Mit einer Rückenverletzung kam gestern Abend eine Radfahrerin in ein Krankenhaus, nachdem sie in Kreuzberg von einem Kastenwagen touchiert worden war. Die 41-Jährige war mit ihrem Rad gegen 18 Uhr 20 am Tempelhofer Ufer unterwegs, als ihr Hinterrad von einem hinter ihr fahrenden Kleintransporter eines 37-Jährigen berührt wurde. Die Frau schleuderte einige Meter über die Fahrbahn und wurde nach einer notärztlichen Behandlung stationär in einer Klinik aufgenommen. Lebensgefahr besteht jedoch nicht. Der Fahrer des „Renault“ kam mit dem Schrecken davon.”

Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 0384 vom  03.02.2012 - 09:15 Uhr

Fahrradsimulator in Hannover

Freitag, 03.02.2012

Die Polizeidirektion Hannover verfügt über einen Fahrradsimulator. Mit diesem können Kinder lernen, sich sicher und korrekt im Straßenverkehr fortzubewegen. Damit soll der Unterricht, der bisher nur aus Informationsbroschüren und praktischen Übungen auf dem Schulhof besteht, ergänzt werden.

NDR: Bode testet Verkehrstauglichkeit auf Simulator (1.2.2012)

gefunden in de.rec.fahrrad

Der Mann, der auf dem Fahrrad lebte

Donnerstag, 02.02.2012

Schlafen, rasieren, duschen, frühstücken, Haushalts- und Büroarbeit, telefonieren, Leute treffen, abhängen, spielen, Sport treiben, kochen, musizieren, mit Freunden quatschen, geht alles auf dem Fahrrad.
Von Guillaume Blanchet

Kampagne “Cities Fit for Cycling” der Tageszeitung “The Times”

Donnerstag, 02.02.2012

Save our cyclistsDie nationale Tageszeitung “The Times” in Großbritannien machte heute die ganze Frontseite frei für die Kampagne “Save our cyclists”, “Rettet unsere Radfahrer”. Den Anstoß zu dieser Aktion gab der Fahrradunfall der Reporterkollegin Mary Bowers, die im November letzten Jahres nur wenige Schritte von der Redaktion entfernt von einem Lastkraftwagen überfahren wurde und seitdem im Koma liegt.

Die Zeitung macht einen Vergleich: “Seit dem Jahr 2001 wurden in Afghanistan und im Irak 576 britische Soldaten getötet. In der gleichen Zeit starben auf den Straßen Großbritanniens 1275 Radfahrer. Die neuesten Daten zeigen, dass es in den ersten sechs Monaten des letzten Jahres 1859 Tote oder Schwerverletzte gab, 12 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.”

Die Leser der Zeitung werden aufgefordert, den Aufruf der Times zu unterschreiben, ihn zu verbreiten und sich an den Parlamentsabgeordneten zu wenden.

Das 8-Punkte-Manifest der Times

  1. Ausrüstung aller LKWs mit Sensoren, akkustischen Wende- und Rückfahrwarnern, Extraspiegeln und Unterfahrschutz.
  2. Die 500 gefährlichsten Kreuzungen werden identifiziert und so neugestaltet, dass Radfahrer durch Ampelschaltungen Priorität besitzen und LKW-Fahrer durch fest installierte Verkehrssspiegel Radfahrer im toten Winkel neben ihnen erkennen können.
  3. Es ist eine landesweite Erhebung notwendig, wieviel Menschen in Großbritannien Rad fahren und wieviel Radfahrer getötet oder verletzt werden.
  4. Zwei Prozent des Verkehrsbudgets sollte für Radfahrerinfrastruktur zur Verfügung gestellt werden.
  5. Radfahrer und Kraftfahrer sollten besser trainiert werden und die Radlersicherheit sollte verbindlicher Bestandteil der Fahrausbildung sein.
  6. Die generelle Höchstgeschwindigkeit sollte in Ortschaften 20 Meilen pro Stunde sein, wenn keine separate Radspur vorhanden ist.
  7. Die Privatwirtschaft sollte eingeladen werden, Sponsor von Fahrradwegen zu werden.
  8. Es sollte in jeder Stadt ein Radverkehrsbeauftragter ernannt werden, um Reformen voranzutreiben.

The Times: Save our cyclists (Artikel)
The Times: Cities Fit for Cycling (Kampagnenseite)
The Times: Cities Fit for Cycling (Manifest)
[via]

RadZeit Nummer eins 2012

Mittwoch, 01.02.2012

Frisch aus der Druckpresse kommt die neue Ausgabe des Mitgliedermagazins des ADFC Berlin. Die Titelstory der RadZeit heißt “Mein bester Feind” und beinhaltet ein Interview der Chefredakteurin Kerstin Finkelstein mit einer Verkehrspsychologin, die Menschen auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) vorbereitet. Ungewöhnlich ist, dass die befragte Psychologin Angst vor dem Radfahren in der Metropole hat: “Ich selbst fahre daheim in Brandenburg zum Beispiel sehr gerne Rad - hier in der Stadt würde ich es mich aber nie trauen, ich fühle mich viel zu unsicher in dieser Fülle von Menschen, Autos, Hunden und Rädern”.

Einkaufen mit dem Rad - HintergründeWichtig für die Entwicklung des Radverkehrs ist gewiss das Angebot an Fahrradparkplätzen vor Einkaufszentren. Die ADFC-Stadtteilgruppen haben bis Ende Oktober 2011 die Daten von rund 80 Berliner Einkaufzentren erhoben. Sie ermittelten teilweise skandalös niedrige Stellplatzzahlen. Beispiel Kaufhof am Alexanderplatz. Das Warenhaus mit 45.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche müsste nach der Bauordnung etwa 450 Fahrradstellplätze vorhalten, angeboten werden stattdessen 15 Radparkplätze, weniger als 3,5 Prozent der erforderlichen Anzahl. Mehr Infos gibt es auch unter
http://www.adfc-berlin.de/aktionenprojekte/emdr/hintergruende.html.

Die Radtourentipps führen uns in dieser Ausgabe zum alten Fritz im Ruppiner Land und zum exotischen Winterradeln auf Island. Wieder dabei ist auch BikeBlogBerlin mit einem Beitrag im Feuilleton. In “Die Entdeckung der Schnelligkeit” geht es um die Schwierigkeiten des Rennradlers mit der Slow Bicycle Movement.

Die neue RadZeit erhält man kostenlos im Buchladen des ADFC in der Brunnenstraße und in vielen Fahrradläden.

Link auf die Online-Ausgabe wird nachgereicht.

Gastkommentar: Fahrradfahrer, ihr werdet den Kampf gegen das Hochrad verlieren!

Mittwoch, 01.02.2012

Es kommentiert Edgar Bebeling (CDU), Mitglied der Enquete-Kommission “Zweiräder im Straßenverkehr”:

Die aktuellen Diskussionen über Radwege, Verkehrspolitik und Mobilität verfügen über alle Elemente, um - endlich? - den lang erwarteten und von einigen vielleicht ersehnten “Clash of Cyclists” zu provozieren. Es ist der Kampf zwischen der schönen neuen Flachfahrradwelt und dem realen Leben. Während die “Flachfahrradfahrer” den realen Hochradfahrer zum Dinosaurier erklären, vergessen sie dabei, dass es sich bei dieser Lebensform um die große Mehrheit der Menschen handelt. Auf Mehrheitsverhältnisse haben Revolutionen indessen nie wirklich Rücksicht genommen.
Die Schlachtordnung der letzten Tage erweckt den Eindruck, wir seien im dritten Teil von “Der Herr der Zweiräder” angekommen, und der Endkampf um die Radwege stehe bevor. Das ist die Gelegenheit, schon jetzt einen vorgezogenen Nachruf auf die Radfahrer, die Kämpfer für gleich große Vorder- und Hinterräder zu formulieren. Denn, liebe “Fahrradfahrer”: Ihr werdet den Kampf verlieren. Und das ist nicht die Offenbarung eines einsamen Apokalyptikers, es ist die Perspektive eines geschichtsbewussten Hochradfahrers. Auch die Zweirad-Revolution wird ihre Kinder entlassen. Und das flache Fahrrad wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wie viel Fußgängerblut bis dahin vergossen wird.
Denn es ist Aufmerksamkeit geboten. Auch wenn das flache Fahrrad als imaginäres Lebensgefühl einer verlorenen Generation schon bald Geschichte sein mag, so hat es allemal das Zeug zum Destruktiven. Wenn wir nicht wollen, dass sich nach dem Abzug der Radfahrerhorden und des Schlachtennebels nur noch die ruinenhaften Stümpfe unserer Gesellschaft in die Sonne recken und wir auf der holprigen, verbrannten Erde unserer Kultur mit unseren Hochrädern fahren müssen, dann heißt es, jetzt wachsam zu sein. Also, Großbürger, auf zur Wacht! Es lohnt sich, unser Recht auf das Hochradfahren auch im Straßenverkehr zu verteidigen!
Die Gesellschaft der Hochradfahrer mit ihren Zylindern, Monokeln und Fräcken hat sich in mühevoller Arbeit aus den Barrikaden der Französischen Revolution heraus geformt – so entstand der Velozipedist. Und genau dort, in den Gassen von Paris im Jahr 1789, wurde die Idee des Hochradfahrens geboren. Welche Errungenschaft wider das Zufußgehen und Reiten des Ancien Régime! Endlich konnte man - abhängig von Herkunft und Status - mit seinem teuren Hochrad stolz und erhobenen Hauptes durch die Gegend radeln. Diese Idee des Hochrades sollte sich als pedalbetriebener Motor für Innovation und Entwicklung auf dem europäischen Kontinent erweisen. Eine Fortbewegungsart, deren Bewahrung auch im Zeitalter des flachen Fahrrades lohnt.
Sie ist im modernen Straßenverkehr in Gefahr. Nicht weil flache Fahrräder aus sich heraus wie kleine Drahtesel an den Ideen und Idealen unserer großbürgerlichen Gesellschaft knabbern würden. Nein, es sind die Menschen, die auf diesen widerlich niedrigen Fahrrädern in gebückter Haltung sitzen und eine andere Mobilität wollen. Die die totale Freiheit der Fahrzeugwahl apostrophieren und damit letztlich nur den “velozipedalen Totalitarismus”, wie es Jaron Lavier genannt hat, meinen. Es ist eine unheilige Allianz aus diesen “radelnden Maoisten” und kapitalstarken Velozipedisten, die hier am Werk ist. Auch wenn sie sagen, sie seien die Guten - nur weil man sagt, man sei gut, ist man es noch lange nicht.
Nun haben die Fahrradhersteller in den letzten Tagen ihren starken Arm gezeigt. Doch Herculesse und Gazellen dieser Welt, lasst euch zurufen: Auch wenn Hercules für einen Tag keine Fahrräder produziert und Gazelle-Fahrräder ohne Lenkstange gefahren werden, ist das nicht das Ende der Mobilität der Menschheit. Welche Hybris! Lasst euch gesagt sein: Die Mobilität und vor allem die aufrechte Haltung der Welt liegen immer noch in den Waden der Menschen. Also, Großbürger, geht auf die Barrikaden und radelt. Am besten auf einem Hochrad aus dem 19. Jahrhundert!
Natürlich verändert die fortschreitende Umrüstung auf flache Fahrräder unsere Gesellschaft. Vieles wird einfacher. Auch dieser Text ist mit Hilfe der Errungenschaften der Velozipedisierung durch einen Fahrradkurier an die Postillon-Redaktion geschickt worden. Aber wir sollten uns zu wehren beginnen, wenn einzelne Menschen auf den vielen Fahrrädern uns unsere Lebensentwürfe vorschreiben. Noch ist es dazu nicht zu spät.
Wir dürfen die Gestaltung der Zukunft nicht denen überlassen, die sich als radfahrende Avantgarde verstehen und meinen, sie wüssten, was das Beste für die Masse Mensch auf den Zweirädern sei. Mountain-Biker und BMXler sind jedenfalls dabei der schlechteste Ratgeber. Sie achten den Straßenverlauf des anderen nicht, setzen ihre hervorragenden aerodynamischen Eigenschaften nur für den eigenen Vorteil ein, sind darauf bedacht, im Gelände und in Halfpipes zu tricksen, was das Zeug hält. Und offensichtlich sind Narzissmus und Flachfahrradzismus Zwillinge. Natürlich soll niemandem verboten werden, auf einem Bonanzarad seine zweite Pubertät zu durchleben. Nur sollte man das nicht zum politischen Programm erheben. Jetzt haben wir noch die Zeit, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Wir brauchen den Hochradfahrer, dem Werte wie fehlende Gangschaltung, schlechte Lenkbarkeit und tiefe, schmerzhafte Stürze auch im Straßenverkehr am Herzen liegen.

Der Postillon, das Magazin für ehrliche Nachrichten - unabhängig und schnell, seit 1845 - erteilte uns die freundliche Genehmigung zum Abdruck dieses Beitrags. Vielen Dank dafür.
Originalartikel: Gastkommentar: Fahrradfahrer, ihr werdet den Kampf gegen das Hochrad verlieren!