Tödlicher Fahrradunfall in Steglitz-Zehlendorf

Am Teltower Damm auf Höhe der Andréezeile verunglückte gestern eine Radfahrerin tödlich. Laut Pressebericht der Polizei benutzte sie einen Fußgängerüberweg und wurde dabei von einem Kfz erfasst.

Update: Zunächst war unklar, ob an der Stelle ein Fußgängerüberweg - also ein Zebrastreifen - existiert. Im Tagesspiegel meldet ein User namens Venizelos, dass dies tatsächlich seit einem Jahr der Fall ist und die Google-Streetview-Ansicht, auf der es keinen solchen Überweg gibt, überholt ist.

Die Wirkung einer solchen Pressemitteilung lässt nicht lange auf sich warten - die typischen Selbst-Schuld-Diskussionen im Tagesspiegel waren zu erwarten. Hier dominiert die Ansicht, Radfahrer müssten an Zebrastreifen generell absteigen, wenn sie diesem folgend die Fahrbahn überqueren wollen. Eine so explizite Regel gibt es in der STVO nicht - einen Vorrang haben radelnde Radfahrer auf dem Zebrastreifen jedoch nicht.

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Pressemeldung der Polizei

Tagesspiegel: Radfahrerin stirbt nach Unfall

34 Kommentare zu “Tödlicher Fahrradunfall in Steglitz-Zehlendorf”

  1. viba6 schreibt:

    Bin ich gestern dran vorbeigefahren, kurz nachdem die Polizei das Areal großräumig abgesperrt hatte. Mein Beileid an die Angehörigen.

  2. berlinradler schreibt:

    @viba6 - gibt es denn dort mittlerweile einen Zebrastreifen?

  3. Philip schreibt:

    Leider ein generelles Problem dieser TSP-Diskussionen. Spekulation spekulation Spekulation und oftmals befeuert durch wertende Polizeimeldungen

  4. Elli schreibt:

    Es gibt dort seit ein paar Monaten tatsächlich einen Zebrastreifen. Google-View ist veraltet.

  5. berlinradler schreibt:

    Danke Elli, ich habe den Artikel entsprechend angepasst.

  6. helloggs schreibt:

    Ich fahre langsam an den Ueberweg ran, wenn die Autos anhalten (passiert oefter als dass sie nicht anhalten) bedanke ich mich und fahr rueber, wenn keiner anhaelt, steige ich ab und nehme den Vorrang in Anspruch. Ich sehe aber oefter Fahrradfahrer, die der Meinung zu sein scheinen, da auch fahrend Vorrang zu haben. Wenn das zu diesem Unfall gefuehrt haben sollte, ist das natuerlich tragisch.

  7. Prokrastes schreibt:

    Erschreckend wenig Autofahrer wissen überhaupt, wie sie sich bei einem Zebrastreifen zu verhalten haben.

    a) Vorrang für querende Fußgänger
    b) auch ohne querende Fußgänger Tempo 30!

    Der Todesfahrer hier ist wahrscheinlich mit Tempo 50+ da durchgebrettert.

  8. berlinradler schreibt:

    Leider ist die Tempo-30-Regel ja nicht explizit in der STVO zu finden, sondern von “mäßiger Geschwindigkeit” die Rede. Diese ist nicht hinreichend definiert - gut zusammengefasst ist das hier: http://www.ra-kotz.de/fahrradstrasse.htm

    Dennoch stellt sich die Frage, wie ein Unfall in Zusammenhang mit der mäßigen Geschwindigkeit und gesteigerten Bremsbereitschaft so drastisch verlaufen muss, dass dabei jemand zu Tode kommt.

  9. Philip schreibt:

    Mehr Unfälle :(
    Ein “Klassiker”
    http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/361899/index.html

    und ein nicht näher beschriebener
    http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/361895/index.html

  10. Michael S schreibt:

    @ Philip: Dein “Klassiker” ist schon der zweite Dooring-Unfall innerhalb kurzer Zeit. Ich finde es ist Zeit für eine Aufklärungskampagne seitens der Stadt oder gar einer bundesweiten Initiative. Radfahrer Abstand halten, Autofahrer dies bitte akzeptieren und natürlich vorsichtig beim Türen öffnen.

  11. MH schreibt:

    Ist doch nun völlig egal, ob man auf dem Rad über den Zebrastreifen darf oder nicht. Nehmen wir mal an, es wäre ganz schlimm verboten und mit 2000 Euro Bußgeld bedroht. In dem Fall wäre es dann völlig in Ordnung die Frau umgefahren zu haben?

  12. udo schreibt:

    habe mir mal die kommentare im tsp reingezogen und muss sagen das berlinradler mit großem abstand die qualifiziertesten kommentare abgibt. das ist mir in der vergangenheit auch schon bei anderen artikeln aufgefallen die er kommentiert hat.

  13. Ze evil Kohl schreibt:

    Der MH hat da völlig Recht, ob Vorrang oder nicht, übern Haufen fahren muss man niemanden, denn theoretisch muss man ja immer so aufmerksam fahren als würde in der nächsten Sekunde ein Kind vors Auto springen. Aber wir scheitern ja schon bei Stadtweit Tempo30…

  14. reclaim schreibt:

    @Prokrastes schrieb:”Erschreckend wenig Autofahrer wissen überhaupt, wie sie sich bei einem Zebrastreifen zu verhalten haben.

    […]
    b) auch ohne querende Fußgänger Tempo 30!”

    Anscheinend auch erschreckend wenige Radfahrer wissen, wie sich Autofahrer bei einem Zebrastreifen zu verhalten haben. Denn eine solche Regel (b) gibt es nicht. ;)

    (garnicht zu reden von der wirklich erschreckenden Anzahl von Radfahrern, die nicht wissen, dass sie Zebrastreifen querend keinen Vorrang haben und der Anzahl der Radfahrer, denen nicht klar ist, dass sich die Vorrangfrage in ca. 99,875% der Fälle eigentlich gar nicht stellen dürfte, da in 99,875% der Fälle Zebrastreifen radfahrend vom Bürgersteig aus überhaupt nicht legal - und ohne Fußgänger illegal zu belästigen - erreicht werden können.
    Und dann noch denen, die meinen, dass sei alles egal, da da ja auch ein Kind hätte unerwartet über den Zebrastreifen rennen können, bei dieser Argumentationslinie jeoch außer acht lassen, dass ein Radfahrender wesentlich schneller und damit unerwarteter auf einen Zebrastreifen gelangen kann, als ein Kind - und, dass ein Erwachsener kein Kind ist)

    Die Frage von @Berlinradler zum konkreten Fall “Dennoch stellt sich die Frage, wie ein Unfall in Zusammenhang mit der mäßigen Geschwindigkeit und gesteigerten Bremsbereitschaft so drastisch verlaufen muss, dass dabei jemand zu Tode kommt.” ist aber natürlich nichtsdestotrotz absolut berechtigt.

    Entschuldigung, dafür, dass ich all das sage in Anbetracht des Themas hier und einem Toten. Aber nach meinem Gefühl wird auch unter Radfahrern manchmal etwas übers Ziel hinaus geschossen, mit der fast uneingeschränkten Schuldzuweisung in Richtung Autofahrer. Und ich finde, damit tun wir uns auch keinen Gefallen. Die Gegenseite verhält sich doch, von uns zu Recht kritisiert, schon zu genüge so (siehe TSP-Kommentare z.B bei Radfahrerunfällen). Und es gibt doch genug eindeutige Fälle - Stichwort Abbiegeunfälle -, so dass es m.E. nicht nötig ist auch in Fällen von offenbarem Fehlverhalten von Radfahrern auch noch mit aller Gewalt doch noch ein Autofahrerfehlverhalten herbeizumutmaßen.

    Mein Beileid den Angehörigen und Freunden.

  15. Nullbock-Horst schreibt:

    >> b) auch ohne querende Fußgänger Tempo 30!”
    >
    > Anscheinend auch erschreckend wenige Radfahrer wissen, wie sich Autofahrer
    > bei einem Zebrastreifen zu verhalten haben. Denn eine solche Regel (b) gibt es nicht.

    Zum Thema, was “mäßige Geschwindigkeit” ist, ist das hier ganz interessant:

    http://www.fahrlehrerverband-bw.de/05-01-FPX/2010-Texte/fpx-10-01-21-Zebrastreifen.htm

    Und so zugeparkt, wie die Straßen dieser Stadt idr sind, ist ein Fußgänger oft nur spät zu sehen, was wiederum Auswirkungen auf das zu fahrende Tempo hat.

    Das Überfahren von Radfahrern wird übrigens auch dann nicht richtiger, wenn Radfahrer auf Zebrastreifen nichts zu suchen haben.

  16. BikeBloggerBerlin schreibt:

    Ich möchte mich nicht in die Diskussion um die Schuldfrage einmischen. Ich war nicht am Unfallort und kann daher keinen relevanten Beitrag hierzu leisten.
    Daher vorab: den Hinterbliebenen mein Beileid.

    Die Diskussion hier möchte ich dennoch nicht unkommentiert lassen. Vorab danke an reclaim für den sachlichen Kommentar.

    Ich möchte hier noch etwas hinzufügen. Das Benutzen des Zebrastreifens durch Radfahrer kann man durchaus mit einer normalen Kreuzungssituation, bei der der PKW-Fahrer (beliebig durch Radfahrer, LKW-Fahrer etc. ersetzbar) vorfahrtberechtigt ist, vergleichen. Jemand, der mit 15 km/h (oder schneller) den Weg eines anderen Verkehrsteilnehmers ohne Bremsbereitschaft kreuzt gefährdet sich und andere in hohem Maße. Auch eine entsprechende Situation zwischen zwei Radfahrern (rechtwinkliger Aufprall) kann u.U. zu schweren bis tödlichen Verletzungen führen. Nach meinen Erfahrungen ist die Möglichkeit, hier rechtzeitig zum Stehen zu kommen, leider recht klein - egal, ob mit dem Rad oder einem angemessen langsam fahrenden PKW. Das rechtwinklig heranfahrende Fahrrad ist in vielen Fällen erst im letzten Moment wahrnehmbar, wodurch die Reaktionszeit gegen null geht. Fußgänger sind bedeutend langsamer und können daher i.d.R. rechtzeitig gesehen und richtig eingeschätzt werden.

    Daher mein Apell an alle Radfahrer: vor dem Zebrastreifen anhalten, höchstens Schrittempo, besser schieben. Nicht anders verhalte ich mich an solchen Stellen. Das einfach “Drauflosfahren” ist russisches Roulette.
    Und hier nochmal der Hinweis: dies ist ein Kommentar zu einigen der hier geäußerten Ansichten bezüglich der Nutzung von Zebrastreifen durch Radfahrer. Es ist KEIN Kommentar zu dem aktuell zu beklagenden tödlichen Unfall!

  17. Bk schreibt:

    Jetzt reicht es mir mit Unfällen, wie viele müssen verletzt werden oder sogar ihr Leben verlieren, bis die Stadt bei der Ursache ansetzt.

    - bitte nicht schon wieder mit Fahrradkontrollen anfangen
    - auch nicht mit Helmpflicht und etc.
    - am besten mit Anti-Fahrradpolitik aufhören

    - wie schon oben erwähnt eine Aufklärungskamp.
    - wie wäre es wenn wir alle Radfahrer zeigen, dass wir es nicht einfach so akzeptieren !!!

  18. sigggi schreibt:

    “”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"
    BikeBloggerBerlin schreibt:
    Donnerstag, 03.11.2011 um 00:11

    Daher mein Apell an alle Radfahrer: vor dem Zebrastreifen anhalten, höchstens Schrittempo, besser schieben.
    “”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"”"

    Hört man immer wieder diesen Pauschalhinweis. Was allerdings sehr gefährlich werden kann, da es auch möglich sein kann, dass der Radfahrer, trotz Zebrastreifen, sein Vorfahrtsrecht behält.
    Ich habe auf meinem Arbeitsweg mehrere Stellen wo der Radweg gemeinsam mit dem Zebrastreifen über die Kreuzung geführt wird.

  19. Philip schreibt:

    @ Michael S:
    Ja, auf jeden Fall. Da habe ich auch schon oft dran gedacht. Hätte man z.B. anstatt der “Fahrradstadt Berlin”-Kampagne machen können.

    Und dem ADFC fehlt anscheinend das Geld so eine Plakatkampagne zu machen?

  20. Philip schreibt:

    Häufen sich die schweren Unfälle oder häufen sich nur die Pressemeldungen der Polizei?
    LKW-Unfall mit Fahrerflucht :(
    http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/361905/index.html

  21. Michael S schreibt:

    @ Philip: “Und dem ADFC fehlt anscheinend das Geld so eine Plakatkampagne zu machen?”

    Definitiv…

    Aber vielleicht bekommt man ja diese Helm-Ärzte dazu, mal was springen zu lassen?

  22. Michael S schreibt:

    @ Philip: Der Gehweg der Rhinstraße ist überwiegend “Radfahrer frei”, sofern nicht südlich der A.d.K. gemeint ist. Ist leider nicht so ganz klar, wo der Unfallort liegen soll.

  23. Philip schreibt:

    @ Michael S
    Ich würde vermuten der Unfallort liegt zwischen Landsberger und Allee der Kosmonauten. Beide müssten in Richtung Süden unterwegs sein. Es ist nur nicht klar, welche Zufahrtsstrasse gemeint ist, da die alle Rhinstraße heissen.

    Mich würde mal interessieren wie da die aktuelle Radverkehrsführung ist. Bei streetview ist alles Baustelle. Kann natürlich sein, dass dort relativ viel “Radfahrer frei”-Geschilder steht. Wäre zumindest typisch für die Gegend.
    Kennt einer die Stelle?

  24. Prokrastes schreibt:

    >> Daher mein Apell an alle Radfahrer: vor dem Zebrastreifen
    > > anhalten, höchstens Schrittempo, besser schieben.
    >
    > Hört man immer wieder diesen Pauschalhinweis. Was allerdings
    > sehr gefährlich werden kann, da es auch möglich sein kann,
    > dass der Radfahrer, trotz Zebrastreifen, sein Vorfahrtsrecht behält.

    Zwei Dinge musst Du jetzt erklären:

    a) Was ist “sehr gefährlich” daran, wenn man mit dem Fahrrad im Schrittempo oder gar schiebend einen Zebrastreigen quert?

    b) Welchen Vorrang erkennst Du aus einem parallel zu einem Zebrastreifen eine Fahrbahn überquerenden “Radweg”?

    Meinst Du, weil da zwei gestrichelte Linien auf die Fahrbahn gepinselt sind, hättest Du Vorrang gegenüber dem von Dir gekreuzten Verkehr?

  25. Johann schreibt:

    >Mich würde mal interessieren wie da die aktuelle Radverkehrsführung ist. >Bei streetview ist alles Baustelle. Kann natürlich sein, dass dort relativ viel >“Radfahrer frei”-Geschilder steht. Wäre zumindest typisch für die Gegend.
    >Kennt einer die Stelle?

    Bin da gestern erst gewesen. Zwischen Ikea-Zufahrt und AdK ist fast alles Fußgängerweg mit “Radfahrer frei”. Nur an einigen Einmündungen ist ein benutzungspflichtiger Radweg im Kreuzungsbereich ausgeschildert und wird direkt neben die Fahrbahn geschwenkt. Danach wieder Fußgängerweg mit “Radfahrer frei”

  26. Philip schreibt:

    @Johann: Na dann ist die Pressemeldung der Polizei mal wieder nicht mit wichtigen Informationen ausgestattet. So vermittelt sie den Eindruck, als wäre der Radfahrer dort unerlaubt gefahren :-/

  27. Peter schreibt:

    Habe gerade in am U-Bahnhof Heinrich Heine Straße ein Fahrrad liegen sehen. Komplett gesperrt, sah übel aus. Hoffentlich nicht noch ein Toter. Es häuft sich in letzter Zeit. Ich nehme an, dass viele Autofahrer ihre Geschwindigkeit nicht an die schlechte Sicht bei der tief stehenden Sonne anpassen….

  28. udo schreibt:

    In Kreuzberg wurde auch vor drei Tagen ein Radfahrer über den Haufen gefahren. Grund: Kraftfahrer war von Sonne geblendet.

  29. Philip schreibt:

    @ udo: Gabs da ne PM der Polizei? Habe nichts gelesen.
    @ Peter: Das ging wohl auch nicht durch die Medien. Nix mitbekommen.

    Ansonsten wieder zwei Unfälle :(

    http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/361989/index.html
    http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/361980/index.html

  30. berlinradler schreibt:

    Statistisch gibts ja rund 20 polizeilich erfasste Fahrradunfälle pro Tag - ist also ganz normal, dass nicht jeder Unfall es in eine Pressemitteilung schafft.

  31. hamburgize schreibt:

    Tja, die Radfahrer haben immer Schuld, zumindest am Zebrastreifen - laut der Polizei: Unfall am Zebrastreifen - Radfahrer angefahren

  32. reclaim schreibt:

    @hamburgize: Siehst Du im von Dir verlinkten Unfallbeschreibung die Hauptschuld aus irgendeinem Grund nicht beim Radfahrer?!

    Ich für meinen Teil kann da nicht das geringste Indiz für auch nur eine nennenswerte Teilschuld der Autofahrerin finden.

  33. udo schreibt:

    @phillip
    habe dem unfall als zuschauer beigewohnt, daher weiß ich das. schien aber keiner verletzt zu sein, nur sachschaden.

  34. Ze Kohl schreibt:

    Nicht das ich hier in die falsche Ecke gestellt werde, ich halte von Radfahren auf GEhwegen und auf Zebrastreifen nichts. Dennoch sehe ich die größere sorgfaltspflicht beim führer der schweren Maschine, und ja das jederzeit und überall. Da gab es mal ein wunderbares Arbeitssicherheitsvideo für Staplerfahrer und was für Staplerfahrer gilt kann ja für Leute die jeden Tag eine noch schwerere und schnellere Maschine bedienen ja nicht verkehrt sein ;)

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