Berlins dienstältester Fahrraddieb

Eine rührende Story tischt heute der Berliner Kurier seinen Lesern auf. Es geht um den 82-jährigen Rudi S., der wegen des Diebstahls von acht Fahrrädern und einem Mofa von dem Gericht in Moabit zu einer Strafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt wurde. Der alte Herr verbüßt bis Oktober 2010 Strafen aus früheren Urteilen. Wenn er die neue Strafe voll absitzen muss, kommt er also nicht vor Januar 2013 aus dem Gefängnis heraus. Rudi S. wird dann 85 Jahre alt sein.

„Wie ein armes Männlein saß der Klau-Opa vor der Richterin. Dicke Tränen kullerten. Er bettelte: „Ick höre mit solchen Sachen uff. Ick will doch nicht im Knast sterben.“ Aber er hat schon so oft hoch und heilig Besserung gelobt: Seit 62 Jahren klaut er, meistens Fahrräder. Rund 46 Jahre saß er dafür bereits hinter Gittern.“

Der Kurier zeigt zum Artikel ein Foto des Fahrraddiebs, einen alten Mann mit schlohweißen Haaren, der zum Gerichtstermin mit gestreiftem Hemd und Krawatte erschienen ist. Irgendwie tut er einem Leid. 46 Jahre Knast für Fahrraddiebstahl. Es gibt Massenmörder, die nicht so lange eingesessen haben wie Rudi. S.

Berliner Kurier: Rudi (82): Berlins ältester Ganove

6 thoughts on “Berlins dienstältester Fahrraddieb

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  1. Über diesen Herrn hat der Tagesspiegel schon vor etlichen Tagen berichtet:

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/Polizei-Justiz-Fahrraddieb;art126,2879788

    Der „Berliner Kurier“ scheint sich in Sachen Aktualität nicht von der journalistischen Qualität seiner Inhalte abheben zu wollen.

    Naja, ist halt ein Kloblatt.

  2. Eigentumsdelikte wiegen eben schwerer als Gewalttaten. Andererseits, was will man auch mit Unverbesserlichen machen? Wie immer ein schwieriges Thema 😉

    Dazu fällt mir ein alter Artikel ein, in dem steht, dass jeder dritte Häftling in Plötzensee wegen Schwarzfahrens sitzt.
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/Ploetzensee-Schwarzfahrer-BVG-Berliner-Justiz;art270,2684962

    Wenn ich andererseits daran denke, dass gegen Leute, die ihr Auto zur Gewaltandrohung nutzen (siehe Radstreifen-Beitrag), nicht mal ermittelt wird, hat das einen seltsamen Beigeschmack.

  3. Gutes Beispiel für die Unmenschlichkeit deutscher Justiz. Der Mann wird sein halbes Leben wegen Fahrraddiebstählen eingebuchtet und keiner hat je versucht, den Ursachen seiner kriminellen Energie auf den Grund zu gehen. Stattdessen wird ihm ein Gutachten nach dem anderen attestiert, wonach er voll schuldfähig sei. Das ist überhaupt nicht möglich. Niemand sitz gerne Jahrzehnte im Knast für Bagatelldelikte. Der Mann hat mit Sicherheit eine Störung, die von den bornierten Gutachtern nur niemand diagnsotizieren wollte, weil sie vielleicht zu spezifisch ist und weil sich jemand hätte reinhängen müssen. Da der Mann aber aus der Unterschicht stammt, hat da wohl keiner Handlungsbedarf gesehen. Wie groß wird der wirtschaftliche Schaden gewesen ein? 10.000 Euro, 20.000? Auf jeden Fall lächerlich. Und dafür wird jemand sein Leben lang eingesperrt. Unfassbar. Abgeshen davon, dass seine Knastaufenthalte hunterttausende gekostet haben.

  4. So gering ist der Schaden auch nicht. Laut dem verlinkten Artikel hat er tausende Räder geklaut. Wenn man für jedes Rad einen Wiederbeschaffungswert von 200 Euro (inflationsbereinigt) ansetzt, dann kommt man schnell auf einen Gesamtschaden von einigen 100.000 Euro. Da ist es schon irgendwie verständlich, dass die Justiz etwas tut, um ihn an weiteren Taten zu hindern. Sehr viele Möglichkeiten dazu gibt es nicht. Eine Geldstrafe ist nur sinnvoll, wenn er Geld hat. Und eine Bewährungsstrafe bringt nur dann etwas, wenn der Täter im Wiederholungsfall irgendwann doch die Strafe absitzen muss.

    Es ist natürlich möglich, dass die vielen Taten auf psychischen Problemen beruhen. Allerdings glaube ich kaum, dass du das aus der Ferne besser beurteilen kannst als ein ausgebildeter Psychologe. Eventuell hätte eine psychologische Unterstützung nach einigen wenigen Wiederholungen tatsächlich etwas gebracht. Allerdings lebte der Mann zu dieser Zeit in der DDR der 1950er Jahre. Das ist also nicht wirklich mit der Situation heute vergleichbar.

  5. > So gering ist der Schaden auch nicht. Laut dem verlinkten Artikel hat er
    > tausende Räder geklaut. Wenn man für jedes Rad einen Wiederbeschaffungswert
    > von 200 Euro (inflationsbereinigt) ansetzt, dann kommt man schnell auf
    > einen Gesamtschaden von einigen 100.000 Euro.

    Und wie lange wird Landowsky für den von ihm angerichteten ganz erheblich größeren Schaden in den Knast gehen?
    Man müsste ihn einfrieren, weil er nicht ansatzweise so lange hält.

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