Polizei stellt neues Fahrradcodierungsverfahren vor

Montag, 31.08.2015

Regelmäßig zehn bis fünfzehn mal im Jahr bietet die Berliner Polizei eine kostenlose Codierung von Fahrrädern an. Bisher wurde eine individuelle Kombination aus Ziffern und Buchstaben in den Rahmen gefräst. Dieses Verfahren hat eine Reihe von Nachteilen. Zum einen eignen sich nicht alle Fahrräder für eine Fräscodierung. Carbonrahmen und Räder mit besonders dünnen Rohrstärken können nicht gefräst werden. Ein weiterer Nachteil ist der hohe Zeitbedarf für eine Fräsung. Zwischen acht und zwölf Minuten dauert es, bis ein Fräsvorgang abgeschlossen ist. Kein Wunder, dass trotz vieler Codierungstermine nur wenige Fahrräder gekennzeichnet werden können.

Deshalb bietet die Berliner Polizei ab sofort eine neue Fahrradkennzeichnung an. Räder werden nun auf dem Oberrohr oder einer anderen Stelle mit einem schwer zu entfernenden Aufkleber mit einer individuellen Kennzeichnungsnummer versehen. Diese Nummer ist fortlaufend und enthält keine Hinweise mehr auf die Initialen und die Geburtsdaten des Eigentümers. Anders als bei dem Fräscodierungsverfahren legt die Berliner Polizei bei dem Klebecodierungsverfahren eine Datei mit den Kennzeichnungsnummern und den individuellen Daten des Eigentümers (Name, Anschrift, Geburtsdaten, Personalausweisnummer) an, sodass ein codiertes und gestohlenes Fahrrad zum Eigentümer zurückgebracht werden kann. Diese Daten werden autmatisiert nach acht Jahren gelöscht, wenn die Einwilligung in die weitere Speicherung nicht vor Ablauf erneuert wird.

Neu ist ebenfalls, dass eine Eigentümeränderung des codierten Fahrrads der Polizei mitgeteilt werden soll. Diese Mitteilung kann per Brief, per Fax, online oder per Mail (fahrradkennzeichnung@polizei.berlin.de) erfolgen. Auf dem gleichen Weg kann man die Einwilligung zur Fahrradregistrierung jederzeit zurücknehmen.

Polizei Berlin: Neue Kennzeichnungsart für Fahrräder – Auftaktveranstaltung einer berlinweiten Aktionswoche zur Fahrraddiebstahlsprävention

70 km / h ist Standard auf flämischen Regionalstraßen

Mittwoch, 26.08.2015

Flandern liegt im Norden Belgiens und ist eine der drei Regionen des Königreiches Belgien.  Ab dem 1. Januar 2017 gilt auf dem 8.000 Kilometer langen Regionalstraßennetz Flanderns eine allgemeine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h außerhalb geschlossener Ortschaften, zwanzig km/h weniger als die bisher zugelassenen 90 km/h. Bereits jetzt haben drei Viertel der Regionalstraßen eine Tempobegrenzung von 70 km/h, die immer extra durch Verkehrszeichen angeordnet werden. Durch die neue Verordnung können in Flandern 16.000 Verkehrsschilder entfernt werden. Dadurch ergeben sich Einsparungen in Höhe von mindestens 3,2 Millionen Euro.

Verkeersnet: 70 km/uur wordt de norm op Vlaamse gewestwegen

Wie man den Holländern ein Auto verkauft

Freitag, 21.08.2015

Text des Werbespots: “In einem Land mit 18 Millionen Fahrrädern gibt es nur eine Automarke mit eingebautem Fahrradträger. Opel Flexfix.”

Cycling Academics: How do you sell a car to the Dutch?

Wieviel investiert Berlin in den Radverkehr?

Donnerstag, 20.08.2015

Immer, wenn Staatssekretär Gaebler vom Verkehrssenat vor eine Kamera tritt und zum Fahrradverkehr befragt wird, betont er, dass Berlin radverkehrstechnisch auf gutem Weg sei. Es sei zwar richtig, dass die Stadt in vergangenen Jahren nicht immer alle Mittel für die Radverkehrsinfrastruktur abgerufen habe, aber Berlin hole auf und investiere von Jahr zu Jahr mehr Mittel für die Radfahrer. Der Piraten-Abgeordnete Andreas Baum fragte nach und wollte wissen, wieviel Geld für den Radverkehr tatsächlich abgerufen werden.

Die Mittel für den Radverkehr sind in unterschiedlichen Haushaltstiteln versteckt. Im Haushaltstitel „Verbesserung der Infrastruktur für den Radverkehr“ (EP 12, Kap. 1270, Titel 72016) wurden folgende Mittel in den letzten Jahren verbaut. Für das aktuelle Jahr 2015 ist zu bedenken, dass nur die bis zum Stand 31.07.2015 tasächlich abgerufenene Mittel in die Zahlen einfließen.

Jahr Haushaltsansatz kassenwirksam abgerufen in Prozent
2010 3.000.000,00 € 3.563.683,30 € 119 %
2011 3.000.000,00 € 2.240.433,44 € 75 %
2012 3.500.000,00 € 2.517.767,97 € 72 %
2013 3.500.000,00 € 2.893.814,39 € 82 %
2014 4.000.000,00 € 2.087.617,80 € 52 %
2015 4.000.000,00 € 935.833,50 € 23 %

Im Haushaltstitel „Unterhaltung von Radwegen“ (EP 12, Kap. 1270, Titel 52108) wurden in den letzten Jahren durchgehend zwei Millionen Euro für den Unterhalt von Radverkehrsanlagen bereit gestellt. Auch hier gilt der Stichtag 31.7. für das Jahr 2015. Abgerufen wurden folgende Summen:

Jahr Haushaltsansatz kassenwirksam abgerufen in Prozent
       
2010 2.000.000,00 € 1.703.388,27 € 85 %
2011 2.000.000,00 € 2.504.001,50 € 125 %
2012 2.000.000,00 € 1.828.046,66 € 91 %
2013 2.000.000,00 € 1.930.569.45 € 97 %
2014 2.000.000,00 € 1.537.246,74 € 77 %
2015 2.000.000,00 € 690.088,01 € 34 %

Geld war auch im Haushaltstitel „Maßnahmen zur Förderung des Leihfahrradsystems“ (Einzelplan 12, Kapitel 1270, Titel 68353) versteckt. Hier wurden die Mittel in Höhe von etwa einer Million Euro pro Jahr komplett ausgegeben, sprich, mit diesen Mitteln wurde der Leihradanbieter Call a Bike aus dem Landeshaushalt unterstützt.

Und schließlich wurden auch die BVG und die Berliner S-Bahn vom Senat gefördert, um Fahrradabstellanlagen zu bauen. Die Summen dafür beliefen sich im niedrigen sechsstelligen Bereich und wurden in allen Jahren vollständig ausgegeben.

Für das Modellprojekt „Ebike-Pendeln“ hat das Land ebenfalls Mittel in den Jahren 2014 und 2015 ausgegeben. Diese Gelder waren im Haushaltstitel 54059 (Kapitel 1270) versteckt und beliefen sich auf eine Gesamtsumme von 866.793,50 €.

Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Andreas Baum: Wie viel investiert Berlin in den Radverkehr I: Mittel des Landes Berlin und der Bezirke
Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Andreas Baum: Wie viel investiert Berlin in den Radverkehr II: EU- und Bundesmittel

Ruf nach Grünpfeil wird lauter

Mittwoch, 19.08.2015

Seit Einführung eines neuen Verkehrsschildes im Jahr 2012, das ein Rechtsabbiegen für Radfahrer an ampelgeregelten Kreuzungen erlaubt, hat man in Frankreich gute Erfahrungen mit dieser Regelung gemacht. Allein in Paris gibt es den Grünpfeil an 1 805 Kreuzungen, wie die Berliner Zeitung berichtet. Inzwischen läuft in der Schweiz ein Pilotversuch und in den Niederlanden gibt es ein entsprechendes Verkehrsschild seit Anfang der neunziger Jahre. Auch in Deutschland werden die Stimmen lauter, die ein Umdenken in der Ampelfrage fordern.

Die Frankfurter Rundschau zählt sechs Gründe auf, weshalb Radfahrer keine Ampeln brauchen:
1. Radfahrer sind aufmerksamer
2. Radler nehmen Umgebung besser wahr
3. Ampeln bremsen unnötig
4. Besonders für Radler sind Abgase unangenehm
5. Ampeln sind teuer
6. Radfahren muss attraktiver werden.

Insbesondere Argument Nummer vier ist für Radfahrer gravierend. In einer Schlange von Kraftfahrzeugen vor einer Ampel zu stehen und eingedieselt zu werden, ist für Radfahrer nicht nur unangenehm sondern stark gesundheitsgefährdend. Die  Europäischen Umweltagentur geht von etwa 430.000 vorzeitigen Todesfälle in der EU durch Feinstaub aus, in Deutschland schätzt das Bundesumweltamt die Zahl vorzeitiger Todesfälle auf 47 000 pro Jahr. Mehr als 125 Menschen sterben also jeden Tag in Deutschland an schmutziger Luft. Man mag sich nicht vorstellen, wieviel von den 125 Toten Radfahrer waren, die zu lange an roten Ampeln gehalten und dabei zu tief eingeatmet haben.

So gesehen wäre Einführung eines Grünpfeils für Radfahrer aktiver Gesundheitsschutz.

Berliner Zeitung: 
Berliner Radler wollen auch bei Rot weiterfahren
Frankfurter Rundschau: Warum Radfahrer keine Ampeln brauchen
Huffington Post: 11 Gründe, warum Radfahrer NICHT mehr bei Rot halten sollten

(Dank an Christian für den Hinweis.)

Ummarkierung des Moritzplatzes beginnt

Mittwoch, 19.08.2015

Nachdem in den letzten Tagen alte Fahrbahnmarkierungen auf dem Moritzplatz in Kreuzberg weggefräst wurden, werden nun neue Markierungen aufgetragen.

Rad-Spannerei Blog: Umgestaltung des Moritzplatzes

Der Bild-Fahrrad-Kollaps

Donnerstag, 13.08.2015

Zugegeben - die Bild-Zeitung schreibt selten wirklich durchdachte Artikel. Damit ist sie allerdings nah dran am “gesunden Bauchgefühl” des durchschnittlichen Verkehrsteilnehmers. Und der sieht in Berlin einen Verkehrskollaps, erzeugt durch Radfahrer.

So könne während einer Grünphase in der Greifswalder Straße höchstens noch ein Auto nach rechts abbiegen, weil so viele Radfahrer auf dem Radstreifen unterwegs sind. Gezeigt wird ein Bild mit einem engen, für den Radverkehr nicht ausreichend dimensionierten und damit überfüllten Radweg.

Bild: “Wo Autos, die rechts abbiegen wollten, früher Radfahrer gefährdeten, haben sie heute kaum noch eine Chance zum Abbiegen, weil zu viele Radfahrer im Pulk geradeaus fahren.”

Dass abbiegende Autos weiterhin Radfahrer gefährden (siehe Unfallstatistik) und dem Problem ein grundlegender Planungsfehler zugrundeliegt, nämlich die gleichzeitige Grün-Signalisierung sich begegnender Verkehrsströme, darauf kommt die Bild-Zeitung zwar nicht. Immerhin erkennt sie, dass tatsächlich ein Problem besteht. Radwege und Rechtsabbieger bleiben nur so lange (für Rechtsabbieger) nutzbar, wie wenige Radfahrer unterwegs sind oder die Verkehrsströme getrennt werden. In den gezeigten Beispielen sind Radfahrer jedoch entweder die Mehrheit oder zahlenmäßig gleichauf - und bekommen auf ihren engen Sonderwegen nicht mal eine eigene Grünphase.

Immerhin befragt die Bild-Zeitung für ihren Artikel ausnahmsweise nicht den ADAC, sondern Bernd Zanke vom ADFC, der Fahrradstreifen in Autospurbreite und geeignete Ampelschaltungen vorschlägt.

Weiter gehts zur Schönhauser Allee. Die ist übrigens ca. 30 Meter breit, gönnt sich streckenweise 3 Fahrspuren pro Richtung - eine zum Parken! - und hat einen enormen Radverkehrsanteil, meist auf einem Hochboardradweg. Aber …

Geisel [Verkehrssenator]: „Da reicht der Radstreifen nicht mehr aus.“ Aber mehr als den vorhandenen Raum gibt es nicht.

Würde die Bild-Zeitung doch die Experten, die sie interviewt, verstehen: Der Fahrradstreifen in Fahrspurbreite kann doch letztendlich nur deshalb nicht angeboten werden, weil eines noch wichtiger ist als der fließende Radverkehr: Die Parkplätze.

Und so bleibt alles wie gehabt: Radfahrer bleiben selbst in den genannten Straßen, die sie zahlenmäßig längst erobert haben, nur störende Gäste. Andererseits: Kollaps hin oder her, der Radverkehr fließt und kennt keinen Stau.

Bild: Fahrrad-Kollaps in Berlin, 8.7.2015

Kieztouren durch Berliner Bezirke

Mittwoch, 12.08.2015

Bereits seit mehreren Jahren bietet der ADFC lockere Fahrradtouren durch den Kiez für Neuberliner und Leute an, die sich für ihr Wohnumfeld interessieren. Auch in diesem Sommer finden die von den ADFC-Stadtteilgruppen organisierten Kieztouren statt und zwar am Sonntag, dem 30. August ab 14:00 Uhr. Dabei sind diesmal 12 Bezirke:

Charlottenburg-Wilmersdorf: Otto-Suhr-Allee 100
Friedrichshain-Kreuzberg: Frankfurter Tor, Platz vor “Humana”
Lichtenberg: Rathaus Lichtenberg, Möllendorffstr. 6
Marzahn-Hellersdorf: Rathaus Hellersdorf, Alice-Salomon-Platz 3
Mitte: Rathaus Tiergarten, Mathilde-Jacob-Platz 1
Neukölln: Rathaus Neukölln, Karl-Marx-Str. 83
Pankow: Rathaus Pankow, Breite Str. 24A-26
Schöneberg: Rathaus Schöneberg, Eingang Freiherr-vom-Stein-Straße
Steglitz-Zehlendorf: Rathaus Licherfelde, Goethestr. 9-11
Tempelhof: Rathaus Tempelhof, Tempelhofer Damm 165
Treptow-Köpenick: Rathaus Köpenick, Alt-Köpenick 21
Reinickendorf: Rathaus Reinickendorf, Eichborndamm 215-239

ADFC-Mitglieder führen in gemütlichem Tempo zu Orten, die versteckt, skurril, historisch oder einfach „ein Muss” sind. Von den Bezirksrathäusern aus werden 20 – 25 km hauptsächlich auf Nebenrouten geradelt. Es können Kontakte geknüpft werden, die am Ende der Tour bei einem Glas Wasser, Radler oder Wein vertieft werden können. Und die Bezirke bzw. Stadtteile erschließen sich von ihrer fahrradfreundlichen – und damit oft von ihrer schönsten – Seite.

Die Teilnahme an den Radtouren ist kostenfrei; eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Details erfahren Sie bei den Stadtteilgruppensprecher/innen.

Jeder kann erleben, dass Radfahren Spaß macht, die Gesundheit fördert und man dabei ganz einfach einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz sowie gegen die Schadstoff- und Lärmbelastung in der Stadt leistet.

ADFC Berlin: Kieztouren im Sommer 2015

Erinnerung an den Tod einer Radfahrerin

Donnerstag, 06.08.2015

Heute vor einem Jahr starb an der Kreuzung Karl-Marx-Allee und Straße der Pariser Commune eine 39-jährige Radfahrerin, nachdem sie von einem rechtsabbiegenden LKW erfasst worden war. Heute erinnert das weiße Fahrrad, das vom ADFC als Mahnung aufgestellt wurde, an diesen Tag, an dem die Frau aus dem Leben gerissen wurde. Im Blog “Das Nuf” wird der Person gedacht, die hinter der abstrakten Meldung “Radfahrein, 39, getötet bei Verkehrsunfall” steht.

Das Nuf: 6. August 2015

Freitag, 31. Juli: Critical Mass

Mittwoch, 29.07.2015

Die Juli-CM war in den vergangenen Jahren immer ein wenig schwächer als die Critical Mass des Vormonats, im Juli ist eben eine Ferien-CM. Dafür lässt es sich besonders entspannt fahren. Los geht es am Freitag wie immer von den beiden Kreuzberger Treffpunkten Heinrichplatz und Mariannenplatz. Anders als im Vorjahr scheint an diesem Freitag das Wetter mitzuspielen.

Bereits vor der Critical Mass laden die Berliner Cargo Bike Fans zum Chillen und Grillen auf dem Tempelhofer Feld ein. Danach geht es in einer fetten Lastenfahrradparade zur Critical Mass am Heinrichplatz.

Cargo Bike Fans Berlin bei Facebook

Natürlich werden auch wieder mitRadgelegenheiten zur CM angeboten. Aus allen Himmelsrichtungen kann man sich an mehr einem Dutzend Treffpunkten anderen auf dem Weg nach Kreuzberg anschließen und schon mal den CM-Modus üben.

mitRADgelegenheit bei Facebook

Satteltiere

Dienstag, 28.07.2015

Seit Mitte Juni pimpt ein Unbekannter in Utrecht in den Niederlanden fremde Fahrradsättel mit Augen auf, fotografiert sie und stellt die Bilder im Twitter-Account Zadeltier (deutsch: Satteltier) ins Netz. Die Sättel blicken nun munter in die Welt, mal staunend mit kugelrunden Augen, mal fremd mit Raubtierblick. Zadeldier schwört, dass sich die Augen rückstandsfrei wieder entfernen lassen, aber viele (unfreiwillige) Besitzer von Sätteln mit Augen lassen sie einfach dran.

Satteltiere

Zadeldier bei Twitter
Vogelfrije Fietser: Mysterieuze zadeldieren in Utrecht

Zusatzzeichen „E-Bikes frei“ kommt

Montag, 27.07.2015

Noch in dieser Legislaturperiode plant die Bundesregierung die Einführung eines Zusatzzeichens „E-Bikes frei“. In der Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen heißt es “Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) wird den zuständigen Straßenverkehrsbehörden durch eine Änderung der StVO die Freigabe von Radwegen für E-Bikes durch Einführung eines Zusatzzeichens „E-Bikes frei“ ermöglichen.”

Darüber hinaus soll eine Ergänzung des § 2 Absatz 4 Satz 6 StVO um E-Bikes erfolgen. Zur Zeit heißt Satz 6 so: “Außerhalb geschlossener Ortschaften darf man mit Mofas Radwege benutzen.”

In Zukunft soll es ebenfalls legal, sein, auf dem Gehweg fahrende Kinder mit dem Rad zu begleiten: “Ferner soll § 2 Absatz 5 StVO geändert werden, um der Aufsichtsperson künftig die Begleitung junger radfahrender Kinder mit dem Fahrrad auf dem Gehweg zu ermöglichen.”

Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage  – Drucksache 18/5184 –

Sonnabend, 25. Juli: Berliner Fahrradmarkt

Freitag, 24.07.2015

Nach nur drei Terminen hat sich der Berliner Fahrradmarkt jeweils am letzten Sonnabend des Monats etabliert. Der Flohmarkt rund ums Thema Fahrrad, Recycling und urbane Mobilität in der Waldemarstraße in Kreuzberg zieht immer mehr Leute an, die Fahrräder mögen. Hier können Gebrauchtfahrräder von privat an privat verkauft werden, es gibt eine Tauschbörse für Kinderfahrräder, vielleicht repariert dir jemand dein kaputtes Rad gegen Spende oder du nimmst an einem Workshop teil.

Berliner Fahrradmarkt
Zeit: Jeden letzten Sonnabend im Monat ab 9:00 Uhr
Ort: Civili-Park, Waldemarstraße 54, Kreuzberg

Berliner Fahrradstaffel der Polizei kassiert Radfahrer ab

Dienstag, 14.07.2015

Am 16. Juli 2014 schickte die Berliner Polizei die ersten Beamten auf Fahrrädern auf Streife. Nach knapp einem Jahr sieht die Bilanz für die Polizei sehr gut aus.

Auf der Ausgabenseite stehen Kosten in Höhe von 88.000 Euro für Fahrräder, Pedelecs und Bekleidung sowie für die laufenden Kosten (z.B. zusätzliche Winterbekleidung, Übergangsunterwäsche, Fahrradersatzteile).

Auf der Einnahmenseite der Fahrradstaffel stehen die Erlöse durch Verwarn- oder Bußgelder. Gegen Radfahrer wurden 5.474 Verwarnungen ausgesprochen und Bußgelder verhängt. Die Gesamteinnahmen durch Buß- und Verwarnungsgelder gegen Radfahrer belaufen sich auf 328.269,20 Euro, davon allein circa 270.000,00 Euro wegen des Überfahrens von roten Ampeln in etwa 3.200 Fällen. Manch andere Verkehrsverstöße von Radfahrern werden dagegen von der Fahrradstaffel komplett ignoriert. So wurden lediglich zwei Bußgelder wegen des Fahrens auf Radverkehrsanlagen entgegen der Fahrtrichtung ausgesprochen, eine im Januar 2015 und eine weitere im März diesen Jahres.

Zu den Aufgaben der Fahrradstaffel gehört es auch, Kraftfahrer wegen des Haltens oder Parkens in zweiter Reihe, auf Radwegen, Radfahr- oder Schutzstreifen sowie Busspuren zu überwachen. Die Polizei erzielte durch Buß- und Verwarngelder aus diesen Delikten eine Gesamteinnahme von 25.484,17 Euro. Hinzu kommen 6.611,17 Euro aus Verwarnungen gegen Kraftfahrer wegen Fehler beim Abbiegen und 252,77 Euro wegen der Nichtgewährung der Vorfahrt. Somit belaufen sich die Einnahmen gegen Kraftfahrer auf eine Gesamtsumme von 32.348,11 Euro.

Senatsverwaltung für Inneres: Antwort auf die Schriftliche Anfrage Nr. 17/16457 - Bilanz nach einem Jahr Fahrradstaffel Teil 1
Senatsverwaltung für Inneres: Antwort auf die Schriftliche Anfrage Nr. 17/16458 - Bilanz nach einem Jahr Fahrradstaffel Teil 2

Wieso bleiben manche allein fahrenden Fahrräder aufrecht?

Montag, 13.07.2015

Meist geht man davon aus, dass man auf dem Fahrrad nicht umfällt, weil man ständig kleine Lenkbewegungen um den Schwerpunkt durchführt und sich in kleinen Schlangenbewegungen dem Ziel nähert. Aber wieso ist ein allein fahrendes Fahrrad ab einer bestimmten Geschwindigkeit eigenstabil?

Die Antwort: wenn sich ein allein fahrendes Rad leicht nach links neigt, schlägt auch der Lenker ein wenig nach links ein und sorgt dafür, dass die Räder wieder unter den Schwerpunkt des Fahrrads kommen. Der Nachlauf bewirkt, dass der Lenker sich nach links bewegt, wenn das Fahrrad nach links geneigt wird. Wenn der Schwerpunkt des Vorderrades und des Lenkers leicht vor dem Steuerkopfwinkel liegt, sorgt das ebenfalls dafür, dass sich der Lenker nach links bewegt, wenn das Fahrrad nach links kippt. Der gyroskopische Effekt ist eine dritte Kraft mit dem gleichen Effekt und stabilisiert das Fahrrad aufgrund des Trägheitsmoments.

Fahrradlieferdienst TringTring

Dienstag, 07.07.2015

TringTring ist ein Lieferdienst in Amsterdam, wie es ihn dutzendfach in vielen anderen Ländern gibt. Das besondere an TringTring: alle Mahlzeiten, Getränke, Leckereien und Waren werden per Fahrrad innerhalb von 60 Minuten zum Endverbraucher gebracht. Jeder, der in Amsterdam wohnt und ein Fahrrad und ein Smartphone besitzt, kann sich bei TringTring als Nebenerwerbskurier anmelden. Als nebenberuflicher Fahrradkurier kann man eine spezielle App installieren, die einem die gerade zu vergebenden Kurierfahrten zeigt. Pro Auftrag erhält der Kurierfahrer fünf Euro. “Oder mehr”. Laut Fietsen123 haben sich bereits 45 Amsterdamer als Kurier angemeldet. Auf der Facebook-Seite von TringTring werden viele Freizeitkurierfahrer vorgestellt.

Fragt sich lediglich, ob auf diese Weise der Markt für Fahrradkurierdienstleistungen nicht endgültig kannibalisiert wird und die hauptberuflichen Kurierfahrer für noch weniger Geld arbeiten müssen.

TringTring
TringTring bei Facebook
Fietsen123: Bijverdienen als fietskoerier? Maak kennis met TringTring

Fahrradzukunft Ausgabe 20

Mittwoch, 01.07.2015

Seit fast zehn Jahren gibt es die unabhängige Zeitschrift “Fahrradzukunft” schon, die vor einigen Tagen die zwanzigste Ausgabe veröffentlicht hat.

Anja Hänel und Jörg Thiemann-Linden stellen das Shared-Space-Konzept vor und untersuchen es unter dem Blickwinkel der Radfahrer. Eher was für Tech-Profis ist der Beitrag von Stefan Buballa-Jaspersen, der eine spezielle gefederte Reiseradgabel testet. Ausnehmend unterhaltend ist Ralf Stein-Cadenbachs Ausflug in die Geschichte des Fahrradsattels. Ein zweiter Artikel von ihm beschäftigt sich mit der Frage, ob Fahrradsättel Nasen benötigen. Kurzantwort: nein, denn seine heutige, übliche Form mit Nase ist historisch bedingt. Andreas Oehler hat bereits in früheren Ausgaben der Fahrradzukunft Beiträge zu Wirkungsgrad-Messungen an Nabenschaltungen geschrieben, in der jüngsten Ausgabe testet er den Wirkungsgrad des Pinion P1.18 Tretlagergetriebes.

An der FH Lübeck wurde danach geforscht, wie Schwerhörige Fahrradklingeln wahrnehmen. Olaf Schultz fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zum Schluss, dass eigentlich die StVZO geändert werden müsste, denn in ihr wird eine “helltönende Glocke” gefordert, die von Schwerhörigen nicht optimal wahrgenommen wird.

Der letzte Beitrag ist ein Nachdruck aus dem lesenswerten Blog von Tobias Kröll: “Erinnerung: Flüchtlingsgeschichten, verbotenes Radfahren und Anne Frank”

Fahrradzukunft 

Freitag, 26. Juni: Fahrraddemonstration gegen Folter

Montag, 22.06.2015

Nägel ausreißen, Stromschläge, Prügel, Knochen brechen – in 131 Staaten wird gefoltert.

Amnesty International ruft auf zu einer Demo am 26. Juni auf Rädern und mit allem, was ohne Motor rollt.

Auf dem Weg vom Tiergarten zum Alex macht die Raddemo Station vor folgenden Botschaften von Folterstaaten:

  • 16:30 Uhr:Auftaktkundgebung mexikanische Botschaft, (Klingelhöfer Str. 3, 10785 Berlin)
  • 17:00 Uhr: Kundgebung Botschaft Saudi-Arabiens (Tiergartenstraße 33-34, 10785 Berlin)
  • 17.30 Uhr: Kundgebung vor der US-Botschaft (Pariser Platz 2, 10117 Berlin)
  • 18.00 Uhr: Kundgebung vor der Botschaft Nigerias (Neue Jakobstraße 4, 10179 Berlin)
  • 18.20 Uhr: Kundgebung vor der Botschaft Chinas (Märkisches Ufer 54, 10179 Berlin)
  • 18.45 Uhr: Abschlusskundgebung auf dem Alexanderplatz (Weltzeituhr).

Amnesty Berlin-Brandenburg: 26. Juni: Internationaler Aktionstag zur Unterstützung des Folteropfers

Utrecht will den Ampelwald lichten

Dienstag, 16.06.2015

Verkehrsampeln wurden erfunden, um den Kraftfahrzeugverkehr flüssiger und reibungsloser abzuwickeln. Vor gut hundert Jahren wurde die erste elekrisch betriebene Ampel in Ohio in den USA aufgestellt, zehn Jahre später zog Berlin mit der ersten Ampel am Potsdamer Platz nach. Heute werden in Berlin gut 2.000 Lichtsignal- bzw. Lichtzeichenanlagen betrieben. Nicht wenige davon bremsen Fußgänger und Radfahrer zugunsten des Kraftverkehrs gehörig aus.

Auch in Utrecht ist man sich der Tatsache bewusst, dass an vielen Ampelanlagen der Radverkehr besser und schneller geleitet werden kann. Deshalb hat die Stadtverwaltung alle Verkehrsteilnehmer aufgefordert, zwischen dem 24. Februar und dem 30. April 2015 Ampeln in Utrecht zu melden, die unnötig oder kontraproduktiv sind. In den zehn Wochen der Befragung kamen insgesamt 4.760 Meldungen zusammen.

Nach sorgfältiger Analyse der Meldungen beginnt die Verkehrsverwaltung von Utrecht in diesem Monat mit dem testweisen Abschalten einzelner Ampelanlagen. Bei anderen Anlagen werden die Laufzeiten verändert, sodass sie zum Beispiel nachts nur noch blinken. Bei einer weiteren Gruppe von Ampeln können Radfahrer nun durchgehend nach rechts abbiegen.

Gemeente Utrecht: Oproep Verkeerslichten
Gemeente Utrecht: Meld een verkeerslicht
Verkeersnet: Meldpunt verkeerslichten in Utrecht levert 5000 reacties op

Art Spin Berlin

Montag, 15.06.2015

“Art Spin Berlin ist eine gemeinschaftliche interaktive Kunst- und Fahrrad-Tour zu kreativen Orten, Kunst-Performances und spezifischen Installationen in verschiedenen Berliner Kiezen.” Die Idee zu Art Spin kommt aus Toronto, dort treffen sich seit 2009 Kunstinteressierte auf dem Velo, um an einem Abend verschiedene Galerien und Orte im öffentlichen Raum anzusteuern.

Vanessa Brazeau aus Toronto hat Art Spin im letzen Jahr nach Berlin gebracht. Mehr als 350 Leute erkundeten von der Frankfurter Allee aus über 12 Kilometer den Lichtenberger Kunstkiez. Die Tour wurde von 25 Künstlern unterschiedlicher Genres bespielt, eine Animation an der Spree, eine interaktive Installation am ehemaligen Stasi-Hauptquartier, eine musikalische Performance in einem Stadtpark und der Besuch von Street Art ergänzten sich.

Das nächste Ziel von Art Spin Berlin am Freitag, dem 24. Juli 2015 ist allgemein Treptow-Köpenick und Oberschöneweide im Besonderen. Art Spin ist geführt und kostenlos, du brauchst nur dein Rad und Offenheit für Neues.

Art Spin Berlin
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Hängt der Radverkehr in den Kommunen vom Gutdünken der Bürgermeister ab?

Sonntag, 14.06.2015

Im bekannten Fahrradblog itstartedwithafight wird heute Kathrin Voskuhl von der Kommunikationsagentur tippingpoints zitiert: “Sie sagte, dass es sehr schwer sei, Bürgerinnen und Bürger von einer Idee zu überzeugen, wenn die Führungskräfte einer Stadt, insbesondere der Bürgermeister, diese Idee nicht vorlebten.” Daniel von itstartedwithafight fährt fort: “Und ich denke, sie hat recht. Wenn eine Stadt ihre Bürgerinnen und Bürger dazu aufruft, mehr Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen, der Bürgermeister aber nie auf dem Fahrrad sondern immer nur im Auto gesehen wird, dann nimmt man die Stadt nicht ernst. Dann nimmt man die Idee nicht ernst.”

Noch ein weiteres Zitat, diesmal aus dem Programm des Kölner Radverkehrskongresses Radkomm, der am 20. Juni 2015 stattfindet. Tanja Busse wird auf dem Kongress Martin Randelhoff befragen zum Thema: Wer sind die Akteure einer kommunalen Verkehrswende? “BürgermeisterInnen sind für die Mobilität von morgen von essenzieller Bedeutung. Martin Randelhoff ist der Meinung, dass die Rolle und Bedeutung von Stadtoberhäuptern für die Gestaltung unseres unmittelbaren Lebensraums maßlos unterschätzt wird. Es war der Bürgermeister Steve Stevaert, der in der belgischen Stadt Hasselt den öffentlichen Personennahverkehr zum Nulltarif einführte. Es war der Bürgermeister Michael Bloomberg, der mit PlaNYC 2030 einen ambitionierten Entwicklungsplan für die Stadt New York aufsetzte. Es war der Bürgermeister Antonio Villaraigosa, der den Plan fasste, die Luftqualität von Los Angeles massiv zu verbessern und die Stadt fußgängerfreundlich zu machen.

Münchens ehemaliger Oberbürgermeister Christian Ude hat München zur “Radlhauptstadt” gemacht, Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer schafft systematisch mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer und setzt sich und seiner Stadt ambitionierte Klimaschutzziele. Und Enrique Peñalosa, ehemaliger Bürgermeister von Bogotá, führte das erfolgreiche TransMilenio Busway System in der Stadt ein.”

Ist es wirklich so, dass die Wende zu einer menschengerechten Stadt allein vom Ermessen einer einzelnen Person abhängt und dass Berlin so gesehen einfach nur Pech hat mit seinem Bürgermeister? Wer die Begriffe “Michael Müller” und “Fahrradverkehr” googelt, findet kaum einen substanziellen Satz. Das ist um so erstaunlicher, als Müller selbst jahrelang Verkehrssenator und deshalb qua Arbeitsplatzbeschreibung für den Radverkehr zuständig war. Auch bei einer Fotosuche mit dem Regierendem auf dem Rad wird man nicht fündig, abgesehen von einer einzigen gestellten Aufnahme im Rahmen einer Rücksicht-Kampagne des Bundesverkehrsministeriums. Bekannter ist dagegen, dass Müller einen gepanzerter Dienst-Audi fährt, der pro Kilometer 216 Gramm CO2 in die Luft bläst. 435 PS bringt der Bolide von Müller auf die Straße und verbraucht 9,2 Liter Benzin, im dichten und langsamen Berliner Stadtverkehr vermutlich noch ein paar Literchen mehr. Die Wende zur Fahrradstadt Berlin werden wir wohl erst dann erleben, wenn Müller seinen Autoschlüssel abgibt.

It started with a fight …: Eine Generationenfrage?
Radkomm: Programm
Tagesspiegel: Michael Müller fährt den dicksten Klimakiller

Schön war es gewesen auf der Sternfahrt

Sonntag, 14.06.2015

Garantiert viel mehr Leute als auf dem Foto zu sehen haben sich an der diesjährigen Sternfahrt beteiligt, ohne den Streit zwischen dem RBB (120.000 Teilnehmer) und der Polizei (35.000 Teilnehmer) zu entscheiden. Auf jeden Fall waren es viele Stimmen für eine Fahrradstadt Berlin an 365 Tagen im Jahr.

Foto: Clevere Städte

13-Jähriger tödlich verunglückt

Samstag, 13.06.2015

Im Lichtenberger Ortsteil Karlshorst verunglückte gestern ein 13-Jähriger Radfahrer tödlich. Er befuhr gegen 17:00 die Marksburgstraße zwischen Ilsestraße und Sangeallee zunächst linksseitig auf dem Gehweg, wollte dann auf die rechte Seite wechseln und wurde dabei frontal vom Auto einer 31-Jährigen erfasst.

Trotz ihres Wohnstraßencharakters, der Enge durch beidseitiges Parken und einer mäßigen Verkehrsbelastung darf die Straße im Unfallabschnitt mit 50 km/h befahren werden. Fehlerhaftes Überholen durch eine ungünstige Straßenbreite sowie eine dem Charakter der Straße nicht angemessene zulässige Höchstgeschwindigkeit dürften auch viele Erwachsene auf den Gehweg drängen.

Unfallstelle in Fahrtrichtung (Google Streetview):

Pressemeldung der Polizei: “Kind nach Verkehrsunfall verstorben” (12.6.2015)

Radlshuttle in München, eine tägliche CM

Freitag, 12.06.2015

Die Lindwurmstraße ist eine enge und überfüllte Durchgangsstraße im Südwesten Münchens. Radfahrer werden in dieser Straße auf den benutzungspflichtigen Hochbordradweg gezwungen. Das lassen sich nicht mehr alle gefallen. Die Organisation Green City ruft alle, die auf der Lindwurmstraße stadteinwärts pendeln, zu einem Radshuttle ein:

“Sicher zum Arbeitsplatz! Unter diesem Motto organisierten wir am 11. Juni zum ersten Mal stadteinwärts auf der Lindwurmstraße einen Radlshuttle für BerufspendlerInnen. Dafür versammelten sich mit uns gute 30 RadlerInnen an der Ampel vor dem Stemmerhof in der Plinganser Straße, um gemeinsam auf einer der zwei Fahrspuren sicher und friedlich auf der Lindwurmstraße Richtung Innenstadt zu fahren – statt auf dem engen Radweg. Am Sendlinger Tor lösten wir den Radlshuttle auf. Diesen Service möchten wir fortan jeden Montag bis Freitag um 8:30 Uhr in der Lindwurmstraße anbieten und hoffen, dass er sich dort und anderswo in München etabliert.”

Auch heute kamen wieder viel mehr als die 16 Radfahrer zusammen, die nötig sind, um im Verband zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren, wie es der Paragraf 27 StvO vorsieht. Nächster Radlshuttle: Montag, 15. Juni um 8:30 Uhr

Green City: Radlshuttle in der Lindwurmstraße
Süddeutsche Zeitung: Glücklich strampelnd dem Stau auf der Spur

Foto: Green City e.V.

Polizei nutzt Ultraschall zur Kontrolle von Überholabständen

Mittwoch, 10.06.2015

In den USA müssen Kraftfahrer beim Überholen von Radfahrern einen Abstand von mindestens 90 Zentimetern einhalten, das schreibt das so genannte  ’three foot law’ vor. So ein Gesetz hat aber einen entscheidenden Mangel, wenn niemand die Einhaltung dieser Vorschrift kontrolliert und sanktioniert.

In der Großstadt Chattanooga im Bundesstaat Tennessee ist die Polizei mit einen speziell ausgerüstetem Fahrrad unterwegs, um Verstöße gegen das ‘three foot law’ zu dokumentieren. Am Fahrradlenker befindet sich ein Ultraschallentfernungsmesser, der die Entfernung des Fahrrads von einem links überholenden Fahrzeug auf einem Display in Echtzeit darstellt. Ein Alarmton signalisiert, wenn der Überholabstand zu niedrig war. Der Überholvorgang wird gleichzeitig von einer Actioncam aufgezeichnet.

Das Gerät, eine Eigeneintwicklung aus dem Umfeld der Polizei von Chattanooga, ist erst seit 14 Tagen im Einsatz. Dennoch gab es bereits Dutzende von Anfragen anderer Polizeidirektionen aus den USA und dem Ausland. Kleine Bitte an die Berliner Polizei: Kaufen!

timesfreepress: 3 feet or else: Chattanooga police use ultrasound technology to enforce law for cyclist safety
via: Carl vs. Karl

ADFC stellt Umsetzungskonzept zur Berliner Radverkehrsstrategie vor

Dienstag, 09.06.2015

Der Berliner ADFC hat heute auf einer Pressekonferenz ein Konzept für die Berliner Radverkehrsstrategie vorgestellt. Die Zeit schöner Reden sei vorbei, gefragt seien nun Taten, um die Ziele der 2013 vom Senat beschlossenen Radverkehrsstrategie zu erreichen.

Stichwort Personal in den Verwaltungen

Kürzlich hatte der Piratenabgeordnete Andreas Baum die Senatsverwaltung gefragt, wieviel Mitarbeiter sich bei SenStadtUm ausschließlich mit Radverkehrsangelegenheiten befassen. Kleinlaute Antwort des Senats: eine Person. Dagegen plant der ADFC einen Befreiungsschlag und fordert 10 volle Stellen:

“Kurzfristig (bis 2017) hält der ADFC Berlin die Schaffung und Besetzung von mindestens 10 Vollzeitstellen bei SenStadtUm für unerlässlich, um den seit der Verabschiedung der ersten Radverkehrsstrategie von 2004 eingetretenen Umsetzungsrückstand abzubauen, Fehlentwicklungen entgegenzuwirken und die Vorgaben der Radverkehrsstrategie konkret und erfolgreich umzusetzen.” Die Stellen werden nicht einfach en bloc gefordert, sondern detailliert für ruhenden Radverkehr, für Abwicklung von Förderprogrammen, für Modellprojekte, für Rad- und Fußverkehrsbrücken, für Radverkehrszählungen und für  Lichtsignalanpassungen jeweils eine volle Stelle gwünscht. Auch das Personal der Bezirksverwaltungen, das für den Radverkehr tätig ist, soll kräftig aufgestockt werden.

Noch weitergehender ist die Forderung, dass der “Anteil des fest mit den Radverkehrsprojekten beschäftigten Personals in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, einschließlich der Verkehrslenkung Berlin sowie in den bezirklichen Straßen- und Grünflächenämtern, den bezirklichen Ordnungsämtern und bei der Polizei, sich künftig am Verkehrsanteil des Radverkehrs orientieren muss.” Auf deutsch: wenn 15 Prozent der Leute mit dem Rad fahren, dann sollen auf 15 Prozent der Mitarbeiter sich mit dem Radverkehr beschäftigen.

Stichwort Infrastruktur für den Radverkehr

Der ADFC fordert Mischverkehr ohne Schutz- oder Radstreifen in Tempo-30-Zonen und Radfahr- oder Schutzstreifen als Regellösung in Hauptverkehrsstraßen, Ausnahmen in Form baulicher Radwege sind erlaubt. Ein sehr hohes Ziel wird angepeilt, wenn die Forderung erhoben wird, dass die “Oberflächenqualität separater Radwege mindestens der Fahrbahn entsprechen” soll.

Weitere Punkte im Forderungskatalog:  Freigabe von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für den Radverkehr, Grüne Welle für Radfahrer, Aufstellfläche für Radfahrer vor den wartenden Kfz bei Ampelkreuzungen und getrennte Signalisierung des Radverkehrs bei zweistreifigem Kfz-Abbiegen.

Schließlich wird vom ADFC eine Radschnellverbindung gefordert und man hat auch schon eine Strecke dafür im Auge: der künftige Ex-Flughafen Tegel soll mit der Innenstadt durch eine schnellen Radweg verbunden werden und dafür auch Brücken für den Radverkehr gebaut werden.

Nicht im Forderungskatalog des ADFC enthalten ist ein Netz von miteinander verbundenen Fahrradstraßen. Hier heißt es lapidar, dass “geeignete Straßen als Fahrradstraßen auszuweisen” sind.

ADFC: Handeln statt Schönreden (dpf-Dokument)

Senat investiert 1,4 Millionen Euro in den “Radverkehr”

Donnerstag, 04.06.2015

Allenthalben wird darüber geschimpft, dass der Berliner Senat praktisch nichts für den Radverkehr tut. Wenn die Berechnungen des ADFC stimmen, wurden im letzten Jahr 2014 lediglich Mittel in Höhe von 3.638.000,- Euro verbaut. Bei einem Projekt für den Radverkehr lässt sich der Senat aber nicht lumpen: beim Schaufenster Elektromobilität Berlin-Brandenburg. Ganze 1,4 Millionen Euro wird die Senatverwaltung für Verkehr ausgeben, damit “die Pedelecnutzung im städtischen Alltagsverkehr erprobt, erforscht und gefördert wird.”

“Ziel des Projekts ist es zu analysieren, welche Rahmenbedingungen erforderlich sind, um künftig deutlich mehr Pkw-Verkehre im städtischen Raum durch Fahrten mit dem Pedelec zu substituieren. Im Fokus steht dabei Berufstätige, die im stadtnahen Umland wohnen und in der Stadt arbeiten, durch den täglich erlebten Fahrspaß zum Umstieg vom Pkw aufs Pedelec zu „verführen“. Ein weiterer Bestandteil des Vorhabens ist eine Einbindung von Pedelecs in die intermodalen Mobilitätskonzepte der beteiligten Gebietskörperschaften in Berlin und Brandenburg.”

Praktisch heißt das, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus ausgewählten Unternehmen und Institutionen acht bis zehn Wochen lang ein Pedelec kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen. Die Gegenleistung der beteiligten Unternehmen besteht darin, dass sie an den Firmensitzen eine Infrastruktur schaffen, also eine gesicherte, möglichst überdachte Parkmöglichkeit idealerweise mit Ladestation anbieten.

Unklar bleibt, was nach den zwei Monaten mit den gebrauchten Ebikes passiert. Möglicherweise werden sie den beteiligten Testpersonen günstig angeboten. Für diese Personen hätte das Senatsprogramm eine ähnliche Wirkung wie seinerzeit das Abwrackprogramm der Bundesregierung. Auch damals sagten sich viele Autofahrer: “So günstig komme ich nie wieder an einen Neuwagen!” Kleiner Unterschied: die Abwackprämie richtete sich an viele Millionen Altautobesitzer, die Ebike-Prämie hat nur eine Zielgruppe von einhundert Mitarbeitern von FU sowie mittelständischen und Hightech-Unternehmen aus dem Südwesten Berlins und Firmen aus Teltow.

FU Berlin: Umsteiger gesucht: Mit dem E-Bike statt dem Auto zur Arbeit!
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt: EBike-Pendeln

Copenhagenize veröffentlicht den Fahrradindex 2015

Dienstag, 02.06.2015

Heute wurde pünktlich um 15:00 Uhr der neue Copenhagenize Index 2015 veröffentlicht. Dieser Index soll alle zwei Jahre ein Ranking der zwanzig fahrradfreundlichsten Städte der Welt abbilden. Der Fahrradindex 2015 ist bereits der dritte seiner Art nach den Jahren 2011 und 2013. Und hier sind die 20 besten Fahrradstädte der Welt, die unter insgesamt 122 Städten mit mehr als 600 000 Einwohnern ausgesucht wurden:

1. Kopenhagen
2. Amsterdam
3. Utrecht
4. Straßburg
5. Eindhoven
6. Malmö
7. Nantes
8. Bordeaux
9. Antwerpen
10. Sevilla
11. Barcelona
12. Berlin
13. Ljubljana
14. Buenos Aires
15. Dublin
16. Wien
17. Paris
18. Minneapolis
19. Hamburg
20. Montreal

Wie bereits in den Rankings von 2011 und 2013 teilen die beiden Fahrradmetropolen Amsterdam und Kopenhagen Platz eins und zwei unter sich auf. Diesmal hat Kopenhagen die Nase vorn.

Interessant ist die Entwicklung von Berlin. Vor vier Jahren beim ersten Ranking nahm Berlin Platz fünf in der Welt ein. Eine flache Topographie, relativ großzügig dimensionierte Straßen und ein vergleichsweise hoher Radverkehrsanteil reichten damals, um vergleichbare Metropolen hinter sich zu lassen. Zwei Jahre später wurde Berlin auf Platz 10 durchgereicht und ist nun um zwei Plätze auf Platz zwölf gefallen.

Hier die Begründung für den Berliner Platz im Original: “Berlin as a bicycle city is like Berlin as an everything else city. It’s a bit rough around the edges, it could be much better, but people get on with it. The population would be better served with improved conditions but until it comes they seem to realise that the bicycle makes sense. The cycling population is a mainstream population with few visible sub-cultures and a healthy gender split. A high city-wide modal share is punctuated with neighbourhoods that exceed 20+% modal share. Cargo bikes abound in the city, a great indicator for growth. Berlin continues to tow the line with its place in the Index.” Bemängelt wird weiterhin eine “old-fashioned car infrastructure” und dass man in Berlin dem Radverkehr mit wenig Geld ein Update verpassen könnte, wenn man nur wollte.

Andere deutsche Städten kommen nicht besser weg. Hamburg hält es auf Platz 19 gerade noch im Index und München fliegt gleich ganz heraus. Damit reduziert sich die Zahl deutscher Städte im Ranking von drei auf zwei. Mit Wien auf Platz 16 kommt erstmals eine Stadt aus Österreich in das Ranking. Drei Städte aus den Niederlanden bleiben in den Top 20 und etwas überraschend gelangen mit Straßburg, Nantes, Bordeaux und Paris gleich vier französiche Städte in die Rangliste.

Copenhagenize: Copenhagenize Index. Biycle-Friendly Cities
Copenhagenize: Kriterienkatalog für den Fahrradindex 2015
Twitter Hashtag #bikeindex

Fahrradunfallopfer sucht Kontakt zu anderen Betroffenen

Montag, 01.06.2015

Aus einer Mail von Sina an uns:

“Ich bin selbst ein riesengroßer Fahrradfan, hab einige Jahre in Bayern gewohnt und die wohl schönste Zeit meines Lebens auf dem Fahrradsattel in den Bergen verbracht. Vor drei Jahren bin ich wieder nach Berlin zurück gezogen und wollte das Fahrradfahren auch hier nicht aufgeben. Vor etwa zwei Jahren hatte ich dann einen schweren Unfall (Blogbeitrag “Verkehrsunfall Oranienstraße Ecke Skalitzer” vom 22. März 2013) an der Kreuzung Oranien-/Skalitzer Straße.

In den letzten Jahren habe ich mit Abstand zu viel Zeit auf OP-Tischen, in Krankenhausbetten, Rehaeinrichtungen, bei Ärzten und der Physiotherapie verbracht. Mittlerweile kann ich wieder laufen, aber mein Leben steht nach wie vor Kopf. Auch finde es nicht immer einfach in einem so verkehrslastigen Teil der Stadt (10999) zu wohnen, wo einem seine größte Angst täglich immer wieder unter die Nase gerieben wird und man ständig wieder (unverschuldet) in gefährliche Situationen gerät.

Ich würde sehr sehr gern Kontakt zu anderen Radunfallopfern aufnehmen, zum Teil weil ich denke dass ich vielleicht dem einen oder anderen mit meinem bereits Durchlebten helfen könnte. Zum Anderen weil ich selbst gern mit Menschen reden würde, die ähnliches erlebt haben. Es gibt in Berlin zwar zu gefühlt jedem Thema diverse Interessensgruppen, aber leider konnte ich keine Initiative für Drahteselverkehrsopfer finden.”

Sina sucht Fahrradfahrer, die in (schwere) Verkehrsunfälle verwickelt waren und das Bedürfnis haben, sich auszutauschen. Ziel der ganzen Aktion ist es einen kleinen Stammtisch zusammen zu stellen, der vielleicht ein paar Mal im Jahr zusammentrifft.

Wir bitten um eine kurze Kontaktmail an mail@rad-spannerei.de, die wir an Sina weiterleiten.

Die vergessene Ampel

Sonntag, 31.05.2015

In der Onlinewelt zeigen sich Radfahrer immer wieder gern die hirnverbranntesten Verkehrslösungen. Da gefriert einem manchmal das Lächeln im Gesicht.

Als ich gestern in Dessau unterwegs war, fiel mir eine ampelgeregelte Kreuzung auf, in der eine Ampel für Fußgänger und Radfahrer vollkommen fehlt. Auch eine Orientierung an der Fahrbahnampel ist schwierig und wird dem Verkehrsteilnehmer bei Erstbenutzung kaum in den Sinn kommen. Natürlich herrscht für den Weg, der auf diese Kreuzung zuführt, eine Benutzungspflicht für Radfahrer. Ich war Fußgänger und nutzte nach einiger Ratlosigkeit letztendlich, um wenigstens etwas Überblick zu haben, den Weg über den Mittelstreifen rechts im Bild. Etwas anderes schien mir aufgrund der Anzahl der Fahrspuren und der auf schnelles Abbiegen ausgebauten Gehwegkanten kaum kalkulierbar zu sein. Ambitionierte Großkreuzungs-Rotlichtradler hingegen dürften diese Lösung gutheißen:-) Laut MZ-Online ist die Ampelanlage erst im letzten Jahr erneuert worden.

Dessau-Roßlau: Vergessene Ampel

Dessau-Roßlau, Heidestraße Ecke Argenteiuler Straße

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