Embacher Kollektion wird versteigert

Dienstag, 28.04.2015

Wer immer schon davon geträumt hat, eine der Ikonen der Fahrradgeschichte zu besitzen, dessen Traum kann jetzt vielleicht wahr werden. Im Mai werden in Wien alle Fahrräder der berühmten Embacher Kollektion versteigert.

Die Embacher Kollektion ist eine Sammlung der Wiener Architekten Michael Embacher, der im Laufe der Zeit 203 Fahrräder von den dreißiger Jahren bis heute zusammengetragen hat. Die Sammlung wurde in vielen Museen rund um die Welt gezeigt, zuletzt im Design-Museum in Holon in Israel und im Portland Art Museum in Oregon/USA. In der Sammlung finden sich recht ungewöhnliche Stücke wie ein Renntandem mit kurzem Radstand, aber auch Rennräder, Fixies, Falt-, Lasten- und Kinderräder. Alle Velos haben eine Gemeinsamkeit: sie sind komplett fahrbereit. Mit dabei auch das Rad des italienischen Rahmenbauers Umberto Dei, der 1986 aus Anlass des hundertjährigen Firmenjubiläums das Rad Giubileo auf den Markt brachte, handgefertigt, mit Dreigangnabe und edlen Applikationen. Viele der Fahrräder werden zu einem recht günstigen Mindestgebot aufgerufen, das Giubileo kann für mindestens 500,- Euro ersteigert werden.

Die Räder der Embacher Kollektion können ab dem 9. Mai 2015 im Aktionshaus Palais Dorotheum in Wien besichtigt werden, am 19. Mai kommen sie dann alle unter den Hammer. #

Embacher Collection
Digitaler Versteigerungskatalog: Bicycles from the embacher-collection

Critical Mass April 2015

Donnerstag, 23.04.2015

Der erste Fahrradfreitag des Jahres ohne Mützen und Handschuhe rückt näher. Die Vorhersage für Freitag kündigt einen klaren Himmel und Temperaturen um 20 Grad an, die Niederschlagswahrscheinlichkeit liegt bei gerade mal 10%. Beste Voraussetzungen, die Saison-CM-ler und andere nette Leute zu einem entspannten Ausflug durch die abendliche City zu motivieren. Je mehr Menschen in die Pedalen treten, desto höher ist der Spaßfaktor. Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr.

Zeit: Freitag, 24. April 2015 um 20:00 Uhr pünktlich

Ort: Heinrichplatz, Kreuzberg

Critical Mass Berlin

Berliner Fahrradmarkt

Mittwoch, 22.04.2015

In diesem Frühling gibt es einen neuen Versuch, einen Berliner Fahrradmarkt zu instututionalisieren. Immer einen Tag nach der Critical Mass findet am letzten Sonnabend des Monats ein Fahrradmarkt auf dem Gelände des Civili-Parks in Kreuzberg, Waldemar- Ecke Adelbertstraße statt. Ins Leben gerufen wurde der Markt von der Fahrradwerkstatt in der Naunynritze und weiteren offenen Werkstätten in Kreuzberg.

“Ob Fixie, Singlespeeder, Lastenrad, Mountainbike oder einfach nur ein alter Drahtesel - egal was für ein Zweirad her soll, hier wird man es finden. Jeder kann mitmachen! Auch für die Wartung und Reparatur der eigenen Räder wird ein junges Schrauberteam der offenen Werkstätten und Läden aus der unmittelbaren Umgebung sorgen. Gegen Spenden lassen sich kleine Reparaturen direkt vor Ort erledigen. Jeder der ein Fahrrad verkaufen oder kaufen möchte ist hier an der richtigen Adresse.

Doch der Berliner Fahrradmarkt bietet weit mehr als nur gebrauchte Fahrräder und Services. Er ist eine Plattform zum Austausch über aktuellen Zeitgeist der Mobilität, Leidenschaft und Projekten rund ums Zweirad. DIY Workshops, Beratung & Kurioses sind geboten. So werden Initiativen, welche sich z.B. im sozialen Bereich mit dem Thema Fahrrad beschäftigen, Freiflächen angeboten.

Neben dem sozialen & kulturellen Gedanken steht auch das Thema Kunst im Fokus. Upcycling & urbaner Inspiration wird hier eine Bühne gegeben. Auch für die Unterhaltung ist gesorgt, denn der gesamte Kiez ist animiert mit einem Angebot an Speisen, Getränken und Musik daran teilzuhaben.”

Berliner Fahrradmarkt

Zeit: Jeden letzten Sonnabend im Monat ab 9:00 Uhr
Ort: Civili-Park, Waldemarstraße 54, Kreuzberg

Berliner Fahrradmarkt

13-Jähriger von Auto angefahren – flüchtender Unfallverursacher gesucht

Dienstag, 21.04.2015

“Ein bisher unbekannter Autofahrer hat gestern Abend in Schöneberg einen 13-Jährigen angefahren und ist dann geflüchtet. Nach bisherigen Erkenntnissen war der Junge gegen 19.30 Uhr mit seinem Fahrrad auf dem Gehweg der Rubensstraße in Richtung Eisackstraße unterwegs. Als der 13-Jährige dann die Fahrbahn der Rubensstraße überqueren wollte, wurde er von einem abbiegenden, blauen VW Golf an der Pedale berührt und stürzte. Der Autofahrer fuhr davon. Der Junge ging zunächst nach Hause. Nachdem er jedoch über Schmerzen klagte, brachte ihn seine Mutter in ein Krankenhaus. Hier wurden innere Verletzungen bei ihm festgestellt, weswegen er im Krankenhaus bleiben musste.

Das Auto wird folgendermaßen beschrieben:

Sportlich aussehender, blauer VW Golf
Berliner Kennzeichen

Der Verkehrsermittlungsdienst sucht Zeugen des Unfalls:
Wer kann sachdienliche Angaben machen?
Wer kennt das beschriebene Fahrzeug und kann Angaben zum Halter machen?
Hinweise nehmen der Verkehrsermittlungsdienst der Polizeidirektion 4, 12247 Berlin, Eiswaldstraße 18 unter der Telefonnummer: (030) 4664- 481800 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.”

Meldung der Berliner Polizei Nummer 0975 vom 21.04.2015

International Cargo Bike Festival 2015

Dienstag, 21.04.2015

Am vergangenen Wochenende fand in Nijmegen die vierte Auflage des Internationalen Lastenradfestivals statt. Die Wiedergeburt des Transportmittels Lastenfahrrad verlangt nach einer Plattform, bei der sich die Akteure des Lastenrads austauschen können. Und es scheint weltweit immer mehr Hersteller, Designer, Selberbauer, Logistiker und Nutzer zu geben, für das internationale Stelldichein der Lastenradfreunde in Nijmegen ein Pflichtermin ist.

Das Festival startete am Sonnabend mit einer Konferenz. Einer der Redner war Kevin J. Krizek von der Universität von Colorado, der zum ersten niederländischen Fahrradprofessor an der Radboud-Universität von Nijmegen berufen wurde. Viele weitere Experten auf dem Gebiet der Fahrradlogistik kamen zu Wort und stellten ihre Projekte vor.

Traditionellerweise beginnt der Sonntag mit einer Lastenradparade durch das Zentrum von Nijmegen. Selten konnte man so ein buntes Angebot an Cargo Bikes auf engem Raum sehen: zweirädrige, dreirädrige, vierrädrige, sechsrädrige Nutzfahrzeuge, Kindertransporter mit bis zu sechs Kids an Bord, Fahrradanhänger, die immer größer und voluminöser zu werden scheinen. Hier ein kurzes Video der Parade, Lastenradporno pur.

International Cargo Bike Festival

Bicycle Dutch: International Cargo Bike Festival 2015

Radfahrer und rote Ampeln

Montag, 20.04.2015

Der Onlinefahrradhändler fahrrad.de hat eine “Studie zur allgemeinen Fahrradnutzung in Deutschland” in Auftrag gegeben. An der Internet-Umfrage beteiligten sich etwa eintausend vermutlich fahrradaffine Menschen und gaben Auskunft über ihre Verkehrsmittelnutzung und das Verhalten der Radfahrer im Verkehr. Eine Frage bezog sich darauf, wie häufig Radfahrer rote Ampeln missachten. 39,4% der Befragten gaben an, grundsätzlich nie rote Ampeln zu überfahren. 40,4% sagten, dass sie selten das Rotlicht missachten und 16% tun das gelegentlich. 4,3% der Interviewten hatten die Selbsteinschätzung, dass sie häufig die Ampelzeichen missachten.

Die Umfrage soll alle zwei Jahre erneut durchgeführt werden, um Wandlungen und Trends analysieren zu können.

fahrrad.de: Studie zur allgemeinen Fahrradnutzung in Deutschland - Zahlen und Fakten 2015 (Seite 10)

Hölograma “My Bicycle”

Mittwoch, 15.04.2015

Vinyl-Debut für „Hölograma“, ein Projekt von Francisco Borja, Elektronik-Musiker aus Granada/Andalusien. Nach einigen Online-Alben, ging er im November letzten Jahres mit „Waves“ an den Start. Der Mann orchestriert seinen Sound komplett alleine. Auftakt-Track auf „Waves“ ist „My Bicycle“. Ein pumpender Bass sorgt für digitalen Speed auf der Rille. Das passt zum Rhythmus eines Pedaltritts, der relaxt die City erobert.

Was Borjas geisterhafte Stimme zu Fahrrad fahren beisteuert ist kaum zu entziffern. Das Video ist auch kein Glanzlicht für die Fahrrad-Kultur. Wenn mit „My Bicycle“ der alberne Home-Trainer gemeint ist, konterkariert Borja jede ernst zu nehmende Velo-Visualisierung. Allenfalls Skater kommen hier eventuell auf ihre Kosten.

guny

Drei Bürgermeister - zwei Meinungen

Mittwoch, 15.04.2015

Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris am 14. April 2015: “La progression du vélo et le recul de la voiture individuelle thermique feront de Paris une ville plus agréable, plus douce, plus vivante.” (deutsch: Der Aufschwung des Fahrrads und der Niedergang des Autos machen Paris zu einem schönerem, sichererem und lebenswerterem Ort.) Quelle

Boris Johnson, Bürgermeister von London anlässlich des Baubeginns des Superhighways quer durch London am 10. März 2015: “This is a big day for cycling and for London, the culmination of years of campaigning by cyclists and months of planning by TfL. I know a lot of people thought this would never happen - and a small number of people didn’t want it to happen. But it is happening, and London will be better as a result.” (deutsch: Das ist ein großer Tag für das Radfahren und für London, es ist das Ergebnis jahrelangen Kampfes der Radfahrer und monatelanger Planung des TfL. Eine Menge Leute dachten, das würde nie passieren und eine kleine Menge hat das sogar erhofft. Aber es passiert und London wird dadurch zu einer besseren Stadt.) Quelle

Michael Müller, Bürgermeister von Berlin am 5. Juni 2014: “Wir werden den alten Fehler einer autogerechten Stadt nicht durch den neuen Fehler einer fahrradgerechten Stadt wiederholen.” Quelle

Fahrradweg unter einem Solardach auf der Autobahn

Montag, 13.04.2015

Weiter unten wird ein sterbenslangweiliges Video gezeigt. Eine Drohne fliegt kilometerlang entlang einer sechspurigen Autobahn in Südkorea, der Sound ist ein Brei aus Wind- und Propellergeräuschen sowie dem Verkehrslärm, der von unten hinaufbraust. Der Mittelstreifen der Autobahn besteht aus aufgeständerten Solarpanelen.

Bei der Minute 1:09 wechselt wieder einmal das Bild und man erkennt plötzlich, dass der Mittelstreifen in Wirklichkeit ein rege genutzter Fahrradweg ist. Eine Art Treppe oder Rampe scheint zum Mittelstreifen der hier in Hochlage gehaltenen Autobahn zu führen, sodass die Radfahrer den Radweg erreichen können. Die Solaranlagen dienen als Sonnen- beziehungsweise als Regenschutz. Der Radweg auf der Autobahn verbindet die 30 Kilometer entfernten Orte Daejeon und Sejong südlich von Seoul. Schreckensvision oder wegweisende Fahrradinfrastruktur?

treehugger: Bike lane down center of Korean highway is covered with solar panels

Fahrradwagen im Regionalexpress Richtung Rostock und Stralsund

Montag, 13.04.2015

Seit dem Osterwochenende sind auf den Regionalexpresslinien RE3 und RE5 nach Stralsund und Rostock neue Fahrradwaggons im Einsatz. An den normalen Zug wird ein fünfter Wagen angehängt, der auf der unteren Plattform komplett dem Fahrradtransport dient, während sich auf dem Oberdeck eine Normalbestuhlung für Fahrgäste ohne Fahrrad befindet. Offiziell hat der Wagen 36 Abstellplätze, in der Realität lassen sich wohl noch einige Fahrräder mehr in den großräumigen Wagen quetschen. Die eine Seite des Fahrradabteils ist mit Klappsitzen versehen, die gegenüberliegende Seite hat lediglich eine Reling zum Anlehnen respektive Befestigen von Fahrrädern oder anderem sperrigen Gepäck. Ein durchgehendes Abteil für Räder von Tür zu Tür hat den großen Vorteil, dass sich der Stau beim Aus- und Einsteigen verringern kann.

Benno Koch: Berlin-Ostsee: 120 Fahrräder pro Regionalexpress möglich

Fahrradmärkte in Europa legen zu

Montag, 13.04.2015

Drei der stärksten Fahrradmärkte Europas haben im vergangenen Jahr noch einmal deutlich zugelegt und Steigerungsraten zwischen 8,5 und 11,2% zu verzeichnen. In Frankreich stieg die Zahl verkaufter Räder um 7 Prozent auf nahezu drei Millionen. Jeder 22. Franzose kaufte sich 2014 ein neues Rad. Der E-Bikemarkt Frankreichs hat noch ein niedriges Niveau, stieg aber um 37% auf nun 77.500 verkaufte Pedelecs. Interessant ist, dass der Durchschnittspreis aller verkauften Fahrräder in Frankreich bei nur 307 Euro lag.

Zum Vergleich: der Durchschnittspreis eines in den Niederlanden verkauften Fahrrads lag im Jahre 2014 bei exakt 844 Euro. Deshalb ist es auch kaum verwunderlich, dass der gesamte Fahrrradmarkt in den Niederlanden ein Niveau von 0,89 Milliarden Euro hat und damit fast an den französischen Fahrradmarkt herankommt, obwohl die Niederlande weniger als ein Drittel der Einwohner Frankreichs haben. Die Zahl der verkauften Fahrräder legte um 4,2% auf absolut 1,05 Millionen Räder zu, jeder 16. Niederländer kaufte 2014 ein neues Fahrrad.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 4,1 Millionen Fahrräder unter die Leute gebracht, jeder 19. Deutsche erwarb ein Neuvelo, ein Durchschnittsrad kostete in Deutschland etwa 528 €. Auch der E-Bikemarkt in Deutschland berichtet seit Jahren über riesige Verkaufszahlen. 2014 wurden hierzulande 480.000 Pedelecs verkauft. Zum Vergleich: Die Zahl der verkauften Elektroautos in Deutschland lag 2014 bei 8.500 Stück. Das Volumen des gesamten Fahrradmarktes lag 2014 bei 2,16 Milliarden Euro.

ECF: Cycling sells: three of Europe’s biggest markets see substantial increase in bike sales in 2014

Tag des Sieges Alleycat

Donnerstag, 09.04.2015

70 Jahre Befreiung vom Hitlerfaschismus. Für uns ein Grund zu feiern. Zum fünften Mal gibt es in diesem Jahr wieder ein Alleycat (Fahrrad-Schnipseljagd-Rennen) zum Tag des Sieges. Wie immer werden alle Einnahmen einem guten Zweck gespendet.

Treffpunkt ist das 9. Mai Fest im Treptower Park

Bitte mitbringen: Fahrrad, Stadtplan, Zettel, Stift

Tag des Sieges AlleycatAuch 70 Jahre nach der Befreiung von der Nazidiktatur ist rechtes Gedankengut noch immer in den Köpfen vieler Menschen. Seit Monaten werden rechte Meinungen medienwirksam durch Bündnisse wie Pegida auf die Sraße gebracht. Auch Berlin blieb trotz seines weltoffenen Images nicht davon verschont. Unter verschiedenen Decknamen veranstalteten 2014/2015 organisierte Neonazis zusammen mit rassistischen Anwohner*innen regelmäßig Aufmärsche gegen Flüchtlingsunterkünfte in den Stadtteilen Marzahn-Hellersdorf, Köpenick und Buch.

Engagierte Antirassist*innen stellten sich den rechten Aufmärschen entgegen und konnten ihre Durchführung stark einschränken. Im Rahmen dieser Proteste mussten einzelne Akteur*innen ihre Personalien abgeben. Für ihren zivilen Ungehorsam werden sie nun durch staatliche Ermittlungen kriminalisiert.

Wir versuchen mit den Einnahmen des Alleycats einen Teil der anstehenden Kosten für Anwält*innen oder Strafgelder abzudecken.

Ort: Rosengarten, Treptower Park
Zeit: Sonnabend, 9. Mai um 19:00 Uhr

Tag des Sieges Alleycat bei Facebook

10 Jahre Rad-Spannerei Blog

Dienstag, 07.04.2015

Heute vor 10 Jahren erschien der erste Beitrag in diesem Blog. Ehrlich gesagt hatte niemand von uns eine richtige Ahnung, was man mit so einem Blog anfangen konnte. Mit einer Ausnahme gab es damals auch noch keine Fahrradblogs, an denen wir uns hätten orientieren können. Die Ausnahme hieß Cruiserking, ein Blog, das einige Jahre später abgeschaltet wurde. Also holten wir uns anfangs die Anregungen bei amerikanischen Blogs. In den ersten zwei Jahren geschah das praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit - die Kommentarfunktion wurde damals so gut wie nie genutzt. Einer der ersten, die damals regelmäßig Kommentare schrieben, war der Nutzer “Diamant”. Wir haben keine Ahnung, wer sich hinter diesem Namen verbarg und ob er oder sie immer noch Blogleser ist, wir können uns aber noch gut erinnern, dass wir sehr froh waren über jeden einzelnen Kommentar von Diamant. Mit den Jahren stiegen ganz langsam die Nutzer- und Kommentarzahlen und heute gibt es im Blog 2.701 Beiträge und 20.781 Kommentare. Dankeschön an die vielen konstruktiven und bereichernden Kommentierer, ohne euch wäre das hier eine ziemlich öde Veranstaltung.

Mehrheit der Deutschen ist für neue Mobilität

Montag, 30.03.2015

Das Umweltbundesamt (UBA) lässt alle zwei Jahre eine Repräsentativumfrage zum Umweltbewusstsein in Deutschland durchführen. In der heute veröffentlichten jüngsten Studie wird die Bereitschaft der Bevölkerung zu einem Mobilitätswandel deutlich.

“Die Mehrheit der Befragten wünscht sich eine Abkehr von einer auf das Auto zentrierten Städteplanung: Städte und Gemeinden so umzugestalten, dass sie sich vom Autoverkehr abwenden und kurzen Fußwegen, Fahrrad- und öffentlichem Nahverkehr zuwenden, trifft auf sehr große Zustimmung (82 Prozent). Bei jungen Menschen (14- bis 17-Jährige) sind sogar 92 Prozent für diese Umgestaltung. Die Auto-zentrierte Stadt wird von vielen offensichtlich längst mehr als Belastung denn als Erleichterung des Alltagslebens erfahren.”

Mehr als drei Viertel der Befragten (77 Prozent) fühlt sich durch Lärm in irgendeiner Form zumindest etwas belästigt. Bei den einzelnen Lärmquellen steht der Straßenverkehr mit Abstand an der Spitze.

Umweltbewusstsein in Deutschland 2014 (pdf-Dokument)

mitRADgelegenheit - die alltägliche CM

Montag, 30.03.2015

Im Februar 2014 gründeten einige Leute aus dem Umfeld der Critical Mass die Gruppe mitRADgelegenheit. Ziel war es, bereits die Anfahrt zur CM als gemeinsame Radfahrt zu gestalten. Angenehmer Nebeneffekt: man macht sich den §27 der StVO zu Nutze, nach dem man mit mindestens 16 FahrradfahrerInnen eine ganze Spur gebrauchen darf. Quasi wie eine Critical Mass, nur im Alltag. Die Vision ist, dass Menschen mit dem Rad gemeinsam zur Arbeit, in die Uni, aufs Konzert … fahren. “Indem wir uns zusammenschließen und gemeinsam fahren, können wir die Sichtbarkeit im Straßenverkehr, die Sicherheit und den Spaß beim Radfahren verbessern.”

In diesem Frühjahr startet die mitRADgelegenheit voll durch und bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten zum Radfahren im CM-Modus an. Um die Aktionen breit zu bewerben, findet am 22.04. eine Auftaktveranstaltung statt. Los geht es von der HU (Bebelplatz), FU (Habelschschwerdter Allee - Rostlaube) und TU (vorm Hauptgebäude) jeweils um 16:00 Uhr. Am Ende der Tour durch die Stadt treffen wir uns am Tempelhofer Feld um dort zusammen den Abend ausklingen zu lassen.

Hier eine kleine Übersicht über die mitRADgelegenheiten in den kommenden Wochen:

Mittwoch 22. April 2015 – mitRADgelegenheit zum Semesterauftakt
Freitag 24. April 2015 – mitRADgelegenheit zur Critical Mass in Berlin
Mittwoch 29. April 2015 – mitRADgelegenheit zur Vorlesung der TU
Mittwoch 06. Mai 2015 – mitRADgelegenheit zur Vorlesung der HU
Mittwoch 13. Mai 2015 – mitRADgelegenheit zur Vorlesung der FU
Mittwoch 27. Mai 2015 – mitRADgelegenheit zur Vorlesung der TU
Freitag 29. Mai 2015 – mitRADgelegenheit zur Critical Mass in Berlin
Mittwoch 03. Juni 2015 – mitRADgelegenheit zur Vorlesung der HU
Mittwoch 10. Juni 2015 – mitRADgelegenheit zur Vorlesung der FU
Mittwoch 24. Juni 2015 – mitRADgelegenheit zur Vorlesung der TU
Freitag 26. Juni 2015 – mitRADgelegenheit zur Critical Mass in Berlin
Mittwoch 01. Juli 2015 – mitRADgelegenheit zur Vorlesung der HU
Samstag 04. Juli 2015 – I DON’T CARE AS LONG AS YOU RIDE – mitRADgelegenheit zu den BEATSTEAKS
Mittwoch 08. Juli 2015 – mitRADgelegenheit zur Vorlesung der FU

mitRADgelegenheit bei Facebook

Sitzblockade auf der Berliner Critical Mass

Donnerstag, 26.03.2015

“Mit einer schweren Beinverletzung musste eine Radfahrerin gestern Abend in einem Krankenhaus stationär aufgenommen werden. Bisherigen Ermittlungen zufolge fuhr die 29-Jährige in der Friedrichstraße in Richtung Puttkammer Straße. Als die Radlerin kurz nach 18 Uhr den Kreuzungsbereich Kochstraße/Rudi-Dutschke-Straße/Friedrichstraße erreichte, wurde sie von dem 60-jährigen Lkw-Fahrer erfasst, der zu diesem Zeitpunkt von der Friedrichstraße aus kommend nach rechts in die Kochstraße einbiegen wollte. Aufgrund der Unfallermittlungen und Rettungsmaßnahmen war der Kreuzungsbereich für rund zwei Stunden gesperrt. Der Verkehrsermittlungsdienst der Polizeidirektion 5 führt die Untersuchungen zum Unfallhergang.”

Meldung der Berliner Polizei Nummer 0748 vom 26.03.2015

Einige Aktivisten der Critical Mass schlagen deshalb vor, die CM am morgigen Freitag zu nutzen, vom Mariannen- beziehungsweise vom Heinrichplatz direkt zur Unfallstelle zu fahren und dort ein Sit-in abzuhalten. Nach einigen Minuten der Stille soll die Critical Mass fortgeführt werden, wie immer mit offener Route und offenem Ziel.

Critical Mass Berlin: Sit-in bei der CM
Fotos der Unfallstelle auf der Facebook-Seite von Polizeireporter Th. Schröder

Eine Straße wird aufgemöbelt

Dienstag, 24.03.2015

Die Miera iela (deutsch: Mierastraße) ist eine typische Straße in der lettischen Hauptstadt Riga.  Mit ihren Shops, Kaffeehäusern und Galerien wirkt sie ein wenig wie die O-Straße in Kreuzberg, nur leerer. Auf der breiten Fahrbahn rumpeln die Autos über Kopfsteinpflaster der übelsten Sorte. Fußgänger müssen mit einem kaum zwei Meter breitem Trottoir vorlieb nehmen und sich den Raum auch noch mit Radfahrern teilen, weil das Radfahren auf dem Pflaster unerträglich ist. Im September 2014 haben sich einige Leute aus dem Miera-Kiez die Mühe gemacht, den Straßenraum beispielhaft neu aufzuteilen. Es entstanden ein großzügiger Bürgersteig, der es den Shopbetreibern erlaubt, auch mal eine Bank oder eine Topfpflanze nach draußen zu stellen. Daneben entstand ein zwar schmaler aber benutzbarer Radweg. Das neue Straßenprofil bietet Platz für alle Nutzer.

Miera ielas Republika

Fahrradschloss Litelok

Freitag, 20.03.2015

Bei Fahrrädern gilt die Regel: je leichter, desto besser. Bei Fahrradschlössern gilt die umgekehrte Regel: je schwerer, desto besser. Eine Kickstarter-Kampagne will nun den Beweis antreten, dass es auch anders geht. Produziert werden soll ein top-quality Fahrradschloss namens Litelok, das verspricht, weniger als einen Kilo zu wiegen und trotzdem sicher zu sein.

Möglich soll das werden durch ein neuartiges flexibles Material. Boaflexicore besteht aus unterschiedlichen Lagen, die sich gegenseitig verstärken. In der Originalbeschreibung liest sich das so: “The strap includes multiple innovative lightweight materials, each of which provides a different and additional layer of security against the various tools and the lock cylinder and mechanism is well protected by the innovative lock casing design.” Bei Tests soll das neue Fahrradschloss mehr als fünf Minuten den üblichen Angriffen von Fahrraddieben mit Kabelschneidern, Bolzenschneidern und Bügelsägen widerstanden haben.


Für die Produktion von Litelok werden bei Kickstarter 20.000,- britische Pfund eingesammelt. Wer sich an der Kampagne beteiligt, erhält für 70,- Pfund ein Schloss aus der ersten Produktionslinie.

Kickstarter: Litelok

Polizeiliche Kontrollstellen zu Beginn der Fahrradsaison

Donnerstag, 19.03.2015

“Der Frühling beginnt! Nach den kalten Monaten werden die Fahrräder wieder aus den Kellern geholt. Für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr kommt es nicht nur darauf an, die Räder auf ihre Verkehrstüchtigkeit hin zu überprüfen, sondern sich als Radler auch wieder die typischen Gefahren im dichten Großstadtverkehr ins Gedächtnis zu rufen.

Zu häufigen und folgenschweren Unfällen kommt es beispielsweise immer wieder dadurch, dass abbiegende Kraftfahrer nicht den Vorrang der Radfahrer beachten. Radler dagegen unterschätzen möglicherweise die Gefahren des Toten Winkels oder werden nicht selten übersehen, weil Beleuchtungseinrichtungen nicht vorhanden sind oder nicht funktionieren.

Auch in der City-West wird das Fahrrad gern und viel genutzt. Die Polizei Berlin richtet deshalb am Freitag, 20. März 2015, mehrere Kontrollstellen rund um den Ernst-Reuter-Platz, an der Straße des 17. Juni/Bachstraße sowie am Kurfürstendamm Ecke Rankestraße und Budapester Straße Ecke Breitscheidplatz ein.

In der Zeit von 9 – 15 Uhr werden deshalb Auto- und Radfahrer gleichermaßen in ihrem Verhalten an Kreuzungen überwacht und nach erkannten Verstößen angehalten sowie sensibilisiert. An Informationsständen können sie sich darüber hinaus gezielt zu den Gefahren des sog. „Toten Winkels“ beim Abbiegen informieren. Bei angehaltenen Radfahrern wird selbstverständlich auch das Augenmerk auf den technischen Zustand ihrer Räder gerichtet. Bei dieser Gelegenheit hält die Polizei nützliche Tipps und Informationsmaterialien für den Diebstahlschutz bereit.”

Polizeimeldung Nr. 0681 vom 19.03.2015

Tägliche Radfahrten in Europas Hauptstädten

Donnerstag, 19.03.2015

In der untenstehenden Grafik werden die Zahl der pro Tag durchgeführten Radfahrten in fünf europäischen Hauptstädten visualisiert. (Okay, die Regierung der Niederlande sitzt in Den Haag, aber Amsterdam ist die wichtigste und größte Stadt des Landes.) Überraschenderweise liegt Berlin in dieser Liga weit vorn, gefolgt von London und den beiden Fahrradhauptstädten Amsterdam und Kopenhagen auf den unteren Mittelpätzen sowie Paris als Schlusslicht.

Tägliche Radfahrten in Europas Hauptstädten
Grafik: Initiative clevere Städte

Die Rangfolge der Radverkehrsanteile ergibt ein ganz anderes Bild. In dieser Kategorie führt Amsterdam mit 32% vor Kopenhagen mit 26% und Berlin mit 15%. Schlusslichter sind Paris mit 3% und London mit 2%. Die unterschiedlichen Rangfolgen sind der Größe der Städte geschuldet. Berlin hat zwar einen niedrigeren Radverkehrsanteil als in Amsterdam und Kopenhagen, übertrifft in absoluten Zahlen wegen seiner schieren Größe die beiden Fahrradkapitalen aus Holland und Dänemark deutlich. So gesehen ist Berlin Europas Radhauptstadt, but only by numbers …

Initiative clevere Städte: Fahrrad in Zahlen

“Die Fahrradmitnahme ist künftig in allen Zügen des IC-Netzes möglich.”

Mittwoch, 18.03.2015

Auszüge aus einer Pressemeldung der DB zur neuen Kundenoffensive:

“Mit insgesamt 120 neuen Doppelstock-IC-Zügen, die bis 2030 die bisherigen IC-Reisezugwagen komplett ablösen, bringt die DB den Fernverkehr auch in die Regionen. Nahezu alle deutschen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern werden dann alle zwei Stunden am Fernverkehrsnetz angeschlossen sein. … Dazu sollen auch die günstigeren Einstiegspreise für die Doppelstock-IC-Fahrten beitragen: Bereits ab 19 Euro werden Sparpreise auf diesen Strecken angeboten. … Zudem wird auch hier modernste Bordtechnik für die Nutzung von Telefon und Internet über Mobilfunk verfügbar sein. Die Fahrradmitnahme ist künftig in allen Zügen des IC-Netzes möglich.”

Deutsche Bahn: Mehr Bahn für Metropolen und Regionen

Umgestaltung des Moritzplatzes

Dienstag, 17.03.2015

Als vor vier Wochen der Beitrag Unfall am Moritzplatz erschien, wussten wir noch nicht, dass der Bezirk bereits seit Längerem eine Umgestaltung des Platzes plant. Seit Mai letzten Jahres liegt ein Plan zur Veränderung der Verkehrsströme in den Schubladen. Wenn die Information der radzeit zutrifft, wird mit den Bauarbeiten im Frühjahr angefangen, die Berliner spricht davon, dass “das Bezirksamt 2015 mit der Ummarkierung beginnen wolle”.


Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg: Moritzplatz Plan Entwurf (pdf-Dokument)

An den stumpfen Seiten des Kreises beträgt die gesamte Fahrbahnbreite 10,15 Meter. Dieser Raum wird neu aufgeteilt. Der Radstreifen ist an dieser Stelle 3,40 Meter breit. Daran schließt sich ein Puffer zwischen Fahrbahn und Radstreifen an, der 1,25 Meter breit ist. Die Fahrbahn für KFZ wird schließlich 5,50 Meter breit.

Nicht überall bleibt der Raum für die Autos gleich breit. An den vier Ausfahrten des Kreisverkehrs wird er bis zu 6,75 Meter breit. Entsprechend schrumpft der Radstreifen an diesen Stellen auf 3,00 Meter Breite. Wenn ich den Plan richtig verstehe, ist der Radstreifen durchgehend zweispurig gedacht, es gibt immer eine Rechtsabbiegespur und eine zweite für Radfahrer, die im Kreis weiterfahren. Um die Wahrnehmung des Radstreifens zu erhöhen, wird der ganze Kreis mit “abriebfestem, rot gefärbtem Asphalt unterlegt”.

Im Entwurf wird recht großzügig mit Schrägstrichgattern gearbeitet, die Sperrflächen, die von Fahrzeugen freigehalten werden sollen. Dadurch soll wohl die Einspurigkeit des Kraftfahrzeugverkehrs gefördert werden. Die Oranienstraße westlich des Moritzplatzes wird ebenfalls einspurig je Richtung plus Buspur in beide Richtungen.

Bezirk Friedrichshain-Kreuzber: Moritzplan Plan Entwurf (pdf-Dokument)
Berliner Zeitung: Berlin rollt Radfahrern roten Teppich aus
radzeit: Moritzplatz wird radfreundlich ummarkiert

Berliner Fahrradwoche

Montag, 16.03.2015

Von heute bis zum kommenden Sonntag steht in Berlin das Fahrrad im Mittelpunkt. Die Berlin Bicycle Week als Auftakt zu zwei Fahrradmessen je am Sonnabend & Sonntag und weitere Veranstaltungen bieten dem Radfahrer reichlich Möglichkeiten, seinen Neigungen zu frönen. Eine kleine Auswahl:

Montag:
19:00 Uhr: Film im Soho House: “off the grid”. Lucas Brunelle schiebt sein Rad abseits von Wegen auf der letzten Lücke in der Panamericana im Südosten Panamas und im Nordwesten Kolumbiens.

Dienstag:
19:00 Uhr: Lesung im Soho House. Bettina Hartz liest aus “Auf dem Rad”.
19:00 Uhr: Sputnik Kino: “Sportsfreund Lötzsch”, ein Dokumentarfilm über den Chemnitzer Radsportler.

Mittwoch:
17:00 Uhr: Station Berlin: “Fahrrad meets Startups”. Die Gründer- und Investorenszene mit Politik und Verbänden trifft auf die Fahrradszene. Fünf Startups stellen ihre Innovationen rund ums Rad vor.
19:00 Uhr: Sputnik Kino: “Half the Road”, ein Film über den professionellen Radrennsport der Frauen.

Donnerstag:
11:00 Uhr: Station Berlin: “Mauerradweg”. Geführte E-Bike und Pedelec-Testfahrten entlang der historischen Berliner Mauer.

Freitag:
11:00 Uhr: Station Berlin: “Critical Mass Bar Camp”. Bundesweites Vernetzungstreffen und Erfahrungsaustausch der Critical-Mass-Szene.

Sonnabend:
10:00 Uhr: Station Berlin: Messe Berliner Fahrradschau
10:00 Uhr: Messegelände: Messe Velo-Berlin
14:00 Uhr: Freigelände des Messegeländes: Lastenfahrradrennen.
18:00 Uhr: Station Berlin: Rad-Race “Last man standing”. Fixed Gear Rennen Mann gegen Mann und Frau gegen Frau.

Sonntag:
10:00 Uhr: Station Berlin: Messe Berliner Fahrradschau
10:00 Uhr: Messegelände: Messe Velo-Berlin
17:00 Uhr: Brandenburger Tor: Cycling Unites. Rabbis und Imane gemeinsam auf Tandems auf einer Fahrradtour für mehr Vielfalt und Respekt in unserer Stadt und Gesellschaft.

Berlin Bicycle Week
Berliner Fahrradschau
Velo-Berlin

Städte in Bewegung

Montag, 16.03.2015

Die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V. (AGFS) möchte zukunftsfähige, belebte und wohnliche Städte gestalten, Städte, in denen die Menschen gern leben. Der Zusammenschluss von mehr als 70 Kommunen in Nordrhein-Westfalen will die Nahmobiltät fördern, die nichtmotorisierte, individuelle Mobilität im räumlichen Nahbereich, vorzugsweise mit dem Fahrrad, zu Fuß, aber auch mit anderen Verkehrsmitteln wie Inlinern, Kickboards und Skateboards. Viele Städte und Gemeinden bewerben sich um eine Mitgliedschaft bei der AGFS, nicht alle werden aufgenommen. Voraussetzung für eine Aufnahme ist unter anderen ein kommunales Konzept für ein fahrradfreundliches Gesamtkonzept mit einer Anhebung des Radverkehrsanteils im Modal Split auf 25 Prozent.

Die Vision der AGFS, die Transformation der Straße in einen Lebensraum, wird in diesem gerade veröffentlichten kleinen Video zum Ausdruck gebracht. Für einen sechs-Minuten-Video vielleicht ein wenig zu dröge, dennoch wünscht man dem Film viele Zuschauer.

AGFS
via: it started with a fight …

Wieviel Geld gibt das Land Berlin für den Radverkehr aus?

Sonntag, 15.03.2015

In der jüngsten Ausgabe der radzeit findet man einen interessanten Artikel von Kerstin Finkelstein über die Ausgaben des Landes Berlin in die Fahrradinfrastruktur. Vorgesehen waren im Haushalt 2013 5,5 Millionen Euro und im folgenden Jahr 2014 hatte man 6 Millionen Euro veranschlagt. Allerdings wurden nicht alle Mittel ausgeschöpft. Im Jahr 2013 wurden Mittel in Höhe von 675.617,- Euro nicht verbaut, die realen Investitionen beliefen sich 2013 also auf 4.824.383,- Euro.

Die Gesamtsumme nicht verbauter Mittel steigt 2014 so stark an, dass sie die eigentlich vorgesehene Erhöhung der Mittel locker kompensiert. Nicht eingesetzt wurden Mittel in Höhe von 2,362 Millionen Euro, angekommen auf der Straße sind also lediglich Mittel in Höhe von 3.638.000,- Euro.


Grafik: radzeit, Ausgabe 1/2015 Seite 14

Wenn man nun die real investierten Mittel in den Radverkehr dividiert durch die Zahl der Einwohner, kommt man auf folgende Werte:
2013: 1,40 Euro pro Einwohner
2014: 1,06 Euro pro Einwohner

radzeit: Reden ist Plastik, handeln ist Gold

“Heute wieder Radfahrerrazzia”

Samstag, 14.03.2015

Das Wort “Razzia” stammt aus dem Arabischen und bedeutete urspünglich Streif- oder Plünderungszug. Jetzt hat es die Bedeutung eines Streifzuges der Polizei auf verdächtige Individuen, so Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon.

In den 1930er Jahren war das Fahrrad das mit Abstand bedeutsamste individuelle Verkehrsmittel. Der Fahrradbestand in Deutschland wurde Mitte der 30er auf 17 Millionen Stück geschätzt. (Zum Vergleich: heute haben wir in der Bundesrepublik etwas mehr als 70 Millionen Räder.) Exakt 1.120.182 Velos wurden im Jahr 1934 in Deutschland produziert und insbesondere in den Ballungsräumen boomte der Radverkehr. So hat sich nach Verkehrszählungen in Frankfurt a. M. die Zahl der Radfahrer von 1930 bis 1936 dort verachtfacht.

Dennoch befand man sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gefühlt bereits am Beginn der Volksmotorisierung. Radfahrer waren Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse. Der Geist jener Zeit kommt im Schnappschuss auf der Chausseestrasse aus dem Jahre 1934 zum Ausdruck. Das Vergehen der Radfahrerin: sie fuhr zu weit in der Mitte, heute ein probates Mittel, um aufdringliche Nahüberholer vom Leib zu halten.

Bundesarchiv, Bild 183-2004-0512-502 / CC-BY-SA

Original-Bildunterschrift:
“Scherl: Heute wieder Radfahrerrazzia (von 6.00 bis 20.00)
UBz: Die Personalien einer Verkehrssünderin werden festgestellt (Chausseestrasse), da sie auf der Mitte der Fahrbahn, statt äußerst rechts gefahren ist. Nach der preußischen Verkehrsordnung sollen Radfahrer grundsätzlich einzeln und äußerst rechts fahren.”

Weitere Quelle: Dobuschinsky, Alexander, Das Fahrrad im Schatten von Hitlers Vierjahresplan. Manuskript, München (o.J.)., als pdf-Download verfügbar auf der Seite:
Kleiner Exkurs über Ballon-Fahrräder der 1930er Jahre

Berlin Music Ride mit Klara Geist

Freitag, 13.03.2015

Eine kostenlose Fahrradtour durch neun Jahrzehnte Berliner Musikgeschichte wird am kommenden Freitag, dem 20. März angeboten. Klara Geist und Berlin on Bike erwarten euch an der Station in der Luckenwalder Straße. Von dort aus erkunden wir Berlins vielfältige und aufregende Rolle als Musik-Metropole von den 1920er Jahren bis in die Gegenwart. Mit dabei ist auch eine fette Musikanlage auf einem Cargo-Bike, um euch zwischen den Stationen mit speziell für diese Tour ausgewählten Songs zu beschallen. Profi-Musiker Ekki versorgt euch mit Hintergrundinfos und Anekdoten aus Berlins Leben als Musikstadt. Die Tour dauert zwei bis zweieinhalb Stunden, ist zehn Kilometer lang und kostet euch keinen Cent. Zusätzlich werden fünf Tickets für die Abendveranstaltungen der Berliner Fahrradschau verlost.

Wann: Freitag, 20. März 2015 um 17:00 Uhr
Wo: Station
Luckenwalder Straße 4-6

Berlin on Bike: Free Tour
Klara Geist
Berliner Fahrradschau

Rocket von Boxer

Freitag, 13.03.2015

Der Kindertransporter Rocket der englischen Firma Boxer war ursprünglich nur als Einzelstück konzipiert und gebaut. Das Interesse an dem ungewöhnlichen Fahrzeug war jedoch so groß, dass sich Boxer entschied, das Dreirad in Serie zu produzieren. Vorgestellt wurde das Steampunk-Transportrad zum ersten Mal auf der London Bike Show Mitte Februar diesen Jahres.

Der massive Trägerrahmen, eine Anleihe aus dem Flugzeugbau der 30er Jahre, erscheint stabil, ist aber sicher auch kein Leichtgewicht. Insgesamt bringt der Transporter 58 kg auf die Waage, wobei nicht ganz klar ist, ob damit das normale Rocket oder das E-Rocket gemeint ist.

Wer seinen bis zu vier Kindern auf dem Weg zur Kita das Gefühl von Astronauten geben will, muss tief in die Tasche greifen. Die Grundversion des Rocket kostet 6.700,- Euro und ist reichlich ausgestattet mit 24 Gängen plus Kriechgang für steile Anstiege, komplettem Lichtsystem mit Blinkern, Fern-, Abblend- und Bremslicht, USB-Port undsoweiter.

Boxer: Rocket

Berlins “Fahrradbeauftragter” spricht Klartext

Donnerstag, 12.03.2015

Als Christian Gaebler (SPD), Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, noch relativ frisch im Amt war, gab er mal der Morgenpost ein Interview. Es ging darum, dass der Ex-Radverkehrsbeauftragte Benno Koch geschasst worden war. Gaeblers Antwort: “Der bisherige Beauftragte hat gesagt, was er sich an Tätigkeit vorstellt, könne er ehrenamtlich nicht leisten. Sollen wir deshalb einen zusätzlichen Mitarbeiter einstellen? Das lehne ich ab, weil wir in den nächsten fünf Jahren in unserer Senatsverwaltung 255 Stellen abbauen müssen. Der bisherige Beauftragte war der Meinung, er müsse alle Vorgänge im Haus bewerten. Aber das ist meine Aufgabe, insofern bin ich hier der Fahrradbeauftragte.”

Knapp drei Jahre später wird Gaebler wieder befragt, diesmal vom Tagesspiegel. Die Aussagen Gaeblers sind bemerkenswert für jemanden, der für alle Belange des Fahrradverkehrs zuständig ist. Das gesamte Gespräch (Überschrift: „Tempo 30 ist schwer vermittelbar“) ist lesenswert, hier nur drei Aussagen im Zitat.

Zu Tempo 30:

“Wir müssen immer abwägen, dass eine gewisse Mobilität gewährleistet bleibt. Stadtweit auf Verdacht Tempo 30 einzuführen würde eher nicht helfen. Hinzu kommt die Frage der Akzeptanz: Tempo 30 wird da akzeptiert, wo es einen Anlass gibt, also Kitas, Schulen oder Lärmschutz. Aber einfach zu sagen, es dient der Verkehrssicherheit, scheint mir problematisch. Wenn es nicht eingehalten wird, nützt es auch nichts.”

Zu Tempo 50 an Unfallschwerpunkten:

“Es ist ja nicht gesagt, dass die Geschwindigkeit die Hauptursache ist. Radfahrer verunglücken besonders oft, weil Kraftfahrer unaufmerksam abbiegen. Aber deshalb kann ich doch nicht das Abbiegen verbieten. Wir können nicht alle Probleme durch Vorschriften lösen, sondern nur durch Rücksichtnahme.”

Zur Tatsache, dass von der Radverkehrsstrategie praktisch nichts umgesetzt wurde:

“Ich bekomme oft Beschwerden, dass wir angeblich zu viel für den Radverkehr machen. Dass fast nichts umgesetzt wurde, stimmt so nicht. Wir bauen das Radroutennetz aus und haben ein paar große Projekte schon umgesetzt wie in der Turmstraße und der Müllerstraße. Die Warschauer Straße folgt jetzt. Dass manches lange dauert, will ich nicht bestreiten. Aber da arbeiten wir dran – zusammen mit den Bezirken.”

Morgenpost: Wie Berlin zur Fahrradhauptstadt werden soll (30.07.12)
Tagesspiegel: „Tempo 30 ist schwer vermittelbar“

Alleinunfall einer Radfahrerin in der Schlesischen Straße

Donnerstag, 12.03.2015

Vor vier Tagen tickerte die Berliner Polizei folgende Nachricht:

“Eine Radfahrerin war heute früh in Kreuzberg offensichtlich so abgelenkt, dass sie gegen ein geparktes Auto fuhr und sich dabei eine Kopfverletzung zuzog.
Nach den bisherigen Erkenntnissen fuhr die 21-Jährige gegen 5.40 Uhr mit einem Rad auf dem Radfahrerschutzstreifen der Schlesischen Straße in Richtung Puschkinallee und unterhielt sich während der Fahrt mit ihrem 25-jährigen Freund, der auf dem Gehweg mit einem Skateboard unterwegs war. Durch das Gespräch war die junge Frau vermutlich so unaufmerksam, dass sie gegen ein geparktes Auto fuhr. Alarmierte Rettungskräfte brachten die Gestürzte zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus.”

Polizeimeldung Nr. 0578 vom 08.03.2015

Die Initiative Clevere Städte kommentierte den Unfall so:

Presserad nahm die Vorlage auf: “Dass die Polizei Berlin sogar das Thema nicht einmal in einer Unfallmeldung mit einer Radfahrerin anspricht, ist dagegen zugleich neu wie irritierend”.

Daraufhin habe ich bei der Polizei nachgefragt, wo das Auto geparkt war. Die Antwort der Polizei:

“Sehr geehrter Herr ***,

zu Ihrer Anfrage bei der Internetwache der Berliner Polizei unter der o.g. Vorgangsnummer darf ich Ihnen mitteilen, dass der PKW ordnungsgemäß am rechten Fahrbahnrand der Schlesischen Str., also außerhalb des Radfahrschutzstreifens, geparkt war.

Mit freundlichen Grüßen!”

Initiative Clevere Städte bei Twitter
Presserad: Neulich in Berlin

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