Sitzblockade auf der Berliner Critical Mass

Donnerstag, 26.03.2015

“Mit einer schweren Beinverletzung musste eine Radfahrerin gestern Abend in einem Krankenhaus stationär aufgenommen werden. Bisherigen Ermittlungen zufolge fuhr die 29-Jährige in der Friedrichstraße in Richtung Puttkammer Straße. Als die Radlerin kurz nach 18 Uhr den Kreuzungsbereich Kochstraße/Rudi-Dutschke-Straße/Friedrichstraße erreichte, wurde sie von dem 60-jährigen Lkw-Fahrer erfasst, der zu diesem Zeitpunkt von der Friedrichstraße aus kommend nach rechts in die Kochstraße einbiegen wollte. Aufgrund der Unfallermittlungen und Rettungsmaßnahmen war der Kreuzungsbereich für rund zwei Stunden gesperrt. Der Verkehrsermittlungsdienst der Polizeidirektion 5 führt die Untersuchungen zum Unfallhergang.”

Meldung der Berliner Polizei Nummer 0748 vom 26.03.2015

Einige Aktivisten der Critical Mass schlagen deshalb vor, die CM am morgigen Freitag zu nutzen, vom Mariannen- beziehungsweise vom Heinrichplatz direkt zur Unfallstelle zu fahren und dort ein Sit-in abzuhalten. Nach einigen Minuten der Stille soll die Critical Mass fortgeführt werden, wie immer mit offener Route und offenem Ziel.

Critical Mass Berlin: Sit-in bei der CM
Fotos der Unfallstelle auf der Facebook-Seite von Polizeireporter Th. Schröder

Eine Straße wird aufgemöbelt

Dienstag, 24.03.2015

Die Miera iela (deutsch: Mierastraße) ist eine typische Straße in der lettischen Hauptstadt Riga.  Mit ihren Shops, Kaffeehäusern und Galerien wirkt sie ein wenig wie die O-Straße in Kreuzberg, nur leerer. Auf der breiten Fahrbahn rumpeln die Autos über Kopfsteinpflaster der übelsten Sorte. Fußgänger müssen mit einem kaum zwei Meter breitem Trottoir vorlieb nehmen und sich den Raum auch noch mit Radfahrern teilen, weil das Radfahren auf dem Pflaster unerträglich ist. Im September 2014 haben sich einige Leute aus dem Miera-Kiez die Mühe gemacht, den Straßenraum beispielhaft neu aufzuteilen. Es entstanden ein großzügiger Bürgersteig, der es den Shopbetreibern erlaubt, auch mal eine Bank oder eine Topfpflanze nach draußen zu stellen. Daneben entstand ein zwar schmaler aber benutzbarer Radweg. Das neue Straßenprofil bietet Platz für alle Nutzer.

Miera ielas Republika

Fahrradschloss Litelok

Freitag, 20.03.2015

Bei Fahrrädern gilt die Regel: je leichter, desto besser. Bei Fahrradschlössern gilt die umgekehrte Regel: je schwerer, desto besser. Eine Kickstarter-Kampagne will nun den Beweis antreten, dass es auch anders geht. Produziert werden soll ein top-quality Fahrradschloss namens Litelok, das verspricht, weniger als einen Kilo zu wiegen und trotzdem sicher zu sein.

Möglich soll das werden durch ein neuartiges flexibles Material. Boaflexicore besteht aus unterschiedlichen Lagen, die sich gegenseitig verstärken. In der Originalbeschreibung liest sich das so: “The strap includes multiple innovative lightweight materials, each of which provides a different and additional layer of security against the various tools and the lock cylinder and mechanism is well protected by the innovative lock casing design.” Bei Tests soll das neue Fahrradschloss mehr als fünf Minuten den üblichen Angriffen von Fahrraddieben mit Kabelschneidern, Bolzenschneidern und Bügelsägen widerstanden haben.


Für die Produktion von Litelok werden bei Kickstarter 20.000,- britische Pfund eingesammelt. Wer sich an der Kampagne beteiligt, erhält für 70,- Pfund ein Schloss aus der ersten Produktionslinie.

Kickstarter: Litelok

Polizeiliche Kontrollstellen zu Beginn der Fahrradsaison

Donnerstag, 19.03.2015

“Der Frühling beginnt! Nach den kalten Monaten werden die Fahrräder wieder aus den Kellern geholt. Für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr kommt es nicht nur darauf an, die Räder auf ihre Verkehrstüchtigkeit hin zu überprüfen, sondern sich als Radler auch wieder die typischen Gefahren im dichten Großstadtverkehr ins Gedächtnis zu rufen.

Zu häufigen und folgenschweren Unfällen kommt es beispielsweise immer wieder dadurch, dass abbiegende Kraftfahrer nicht den Vorrang der Radfahrer beachten. Radler dagegen unterschätzen möglicherweise die Gefahren des Toten Winkels oder werden nicht selten übersehen, weil Beleuchtungseinrichtungen nicht vorhanden sind oder nicht funktionieren.

Auch in der City-West wird das Fahrrad gern und viel genutzt. Die Polizei Berlin richtet deshalb am Freitag, 20. März 2015, mehrere Kontrollstellen rund um den Ernst-Reuter-Platz, an der Straße des 17. Juni/Bachstraße sowie am Kurfürstendamm Ecke Rankestraße und Budapester Straße Ecke Breitscheidplatz ein.

In der Zeit von 9 – 15 Uhr werden deshalb Auto- und Radfahrer gleichermaßen in ihrem Verhalten an Kreuzungen überwacht und nach erkannten Verstößen angehalten sowie sensibilisiert. An Informationsständen können sie sich darüber hinaus gezielt zu den Gefahren des sog. „Toten Winkels“ beim Abbiegen informieren. Bei angehaltenen Radfahrern wird selbstverständlich auch das Augenmerk auf den technischen Zustand ihrer Räder gerichtet. Bei dieser Gelegenheit hält die Polizei nützliche Tipps und Informationsmaterialien für den Diebstahlschutz bereit.”

Polizeimeldung Nr. 0681 vom 19.03.2015

Tägliche Radfahrten in Europas Hauptstädten

Donnerstag, 19.03.2015

In der untenstehenden Grafik werden die Zahl der pro Tag durchgeführten Radfahrten in fünf europäischen Hauptstädten visualisiert. (Okay, die Regierung der Niederlande sitzt in Den Haag, aber Amsterdam ist die wichtigste und größte Stadt des Landes.) Überraschenderweise liegt Berlin in dieser Liga weit vorn, gefolgt von London und den beiden Fahrradhauptstädten Amsterdam und Kopenhagen auf den unteren Mittelpätzen sowie Paris als Schlusslicht.

Tägliche Radfahrten in Europas Hauptstädten
Grafik: Initiative clevere Städte

Die Rangfolge der Radverkehrsanteile ergibt ein ganz anderes Bild. In dieser Kategorie führt Amsterdam mit 32% vor Kopenhagen mit 26% und Berlin mit 15%. Schlusslichter sind Paris mit 3% und London mit 2%. Die unterschiedlichen Rangfolgen sind der Größe der Städte geschuldet. Berlin hat zwar einen niedrigeren Radverkehrsanteil als in Amsterdam und Kopenhagen, übertrifft in absoluten Zahlen wegen seiner schieren Größe die beiden Fahrradkapitalen aus Holland und Dänemark deutlich. So gesehen ist Berlin Europas Radhauptstadt, but only by numbers …

Initiative clevere Städte: Fahrrad in Zahlen

“Die Fahrradmitnahme ist künftig in allen Zügen des IC-Netzes möglich.”

Mittwoch, 18.03.2015

Auszüge aus einer Pressemeldung der DB zur neuen Kundenoffensive:

“Mit insgesamt 120 neuen Doppelstock-IC-Zügen, die bis 2030 die bisherigen IC-Reisezugwagen komplett ablösen, bringt die DB den Fernverkehr auch in die Regionen. Nahezu alle deutschen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern werden dann alle zwei Stunden am Fernverkehrsnetz angeschlossen sein. … Dazu sollen auch die günstigeren Einstiegspreise für die Doppelstock-IC-Fahrten beitragen: Bereits ab 19 Euro werden Sparpreise auf diesen Strecken angeboten. … Zudem wird auch hier modernste Bordtechnik für die Nutzung von Telefon und Internet über Mobilfunk verfügbar sein. Die Fahrradmitnahme ist künftig in allen Zügen des IC-Netzes möglich.”

Deutsche Bahn: Mehr Bahn für Metropolen und Regionen

Umgestaltung des Moritzplatzes

Dienstag, 17.03.2015

Als vor vier Wochen der Beitrag Unfall am Moritzplatz erschien, wussten wir noch nicht, dass der Bezirk bereits seit Längerem eine Umgestaltung des Platzes plant. Seit Mai letzten Jahres liegt ein Plan zur Veränderung der Verkehrsströme in den Schubladen. Wenn die Information der radzeit zutrifft, wird mit den Bauarbeiten im Frühjahr angefangen, die Berliner spricht davon, dass “das Bezirksamt 2015 mit der Ummarkierung beginnen wolle”.


Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg: Moritzplatz Plan Entwurf (pdf-Dokument)

An den stumpfen Seiten des Kreises beträgt die gesamte Fahrbahnbreite 10,15 Meter. Dieser Raum wird neu aufgeteilt. Der Radstreifen ist an dieser Stelle 3,40 Meter breit. Daran schließt sich ein Puffer zwischen Fahrbahn und Radstreifen an, der 1,25 Meter breit ist. Die Fahrbahn für KFZ wird schließlich 5,50 Meter breit.

Nicht überall bleibt der Raum für die Autos gleich breit. An den vier Ausfahrten des Kreisverkehrs wird er bis zu 6,75 Meter breit. Entsprechend schrumpft der Radstreifen an diesen Stellen auf 3,00 Meter Breite. Wenn ich den Plan richtig verstehe, ist der Radstreifen durchgehend zweispurig gedacht, es gibt immer eine Rechtsabbiegespur und eine zweite für Radfahrer, die im Kreis weiterfahren. Um die Wahrnehmung des Radstreifens zu erhöhen, wird der ganze Kreis mit “abriebfestem, rot gefärbtem Asphalt unterlegt”.

Im Entwurf wird recht großzügig mit Schrägstrichgattern gearbeitet, die Sperrflächen, die von Fahrzeugen freigehalten werden sollen. Dadurch soll wohl die Einspurigkeit des Kraftfahrzeugverkehrs gefördert werden. Die Oranienstraße westlich des Moritzplatzes wird ebenfalls einspurig je Richtung plus Buspur in beide Richtungen.

Bezirk Friedrichshain-Kreuzber: Moritzplan Plan Entwurf (pdf-Dokument)
Berliner Zeitung: Berlin rollt Radfahrern roten Teppich aus
radzeit: Moritzplatz wird radfreundlich ummarkiert

Berliner Fahrradwoche

Montag, 16.03.2015

Von heute bis zum kommenden Sonntag steht in Berlin das Fahrrad im Mittelpunkt. Die Berlin Bicycle Week als Auftakt zu zwei Fahrradmessen je am Sonnabend & Sonntag und weitere Veranstaltungen bieten dem Radfahrer reichlich Möglichkeiten, seinen Neigungen zu frönen. Eine kleine Auswahl:

Montag:
19:00 Uhr: Film im Soho House: “off the grid”. Lucas Brunelle schiebt sein Rad abseits von Wegen auf der letzten Lücke in der Panamericana im Südosten Panamas und im Nordwesten Kolumbiens.

Dienstag:
19:00 Uhr: Lesung im Soho House. Bettina Hartz liest aus “Auf dem Rad”.
19:00 Uhr: Sputnik Kino: “Sportsfreund Lötzsch”, ein Dokumentarfilm über den Chemnitzer Radsportler.

Mittwoch:
17:00 Uhr: Station Berlin: “Fahrrad meets Startups”. Die Gründer- und Investorenszene mit Politik und Verbänden trifft auf die Fahrradszene. Fünf Startups stellen ihre Innovationen rund ums Rad vor.
19:00 Uhr: Sputnik Kino: “Half the Road”, ein Film über den professionellen Radrennsport der Frauen.

Donnerstag:
11:00 Uhr: Station Berlin: “Mauerradweg”. Geführte E-Bike und Pedelec-Testfahrten entlang der historischen Berliner Mauer.

Freitag:
11:00 Uhr: Station Berlin: “Critical Mass Bar Camp”. Bundesweites Vernetzungstreffen und Erfahrungsaustausch der Critical-Mass-Szene.

Sonnabend:
10:00 Uhr: Station Berlin: Messe Berliner Fahrradschau
10:00 Uhr: Messegelände: Messe Velo-Berlin
14:00 Uhr: Freigelände des Messegeländes: Lastenfahrradrennen.
18:00 Uhr: Station Berlin: Rad-Race “Last man standing”. Fixed Gear Rennen Mann gegen Mann und Frau gegen Frau.

Sonntag:
10:00 Uhr: Station Berlin: Messe Berliner Fahrradschau
10:00 Uhr: Messegelände: Messe Velo-Berlin
17:00 Uhr: Brandenburger Tor: Cycling Unites. Rabbis und Imane gemeinsam auf Tandems auf einer Fahrradtour für mehr Vielfalt und Respekt in unserer Stadt und Gesellschaft.

Berlin Bicycle Week
Berliner Fahrradschau
Velo-Berlin

Städte in Bewegung

Montag, 16.03.2015

Die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V. (AGFS) möchte zukunftsfähige, belebte und wohnliche Städte gestalten, Städte, in denen die Menschen gern leben. Der Zusammenschluss von mehr als 70 Kommunen in Nordrhein-Westfalen will die Nahmobiltät fördern, die nichtmotorisierte, individuelle Mobilität im räumlichen Nahbereich, vorzugsweise mit dem Fahrrad, zu Fuß, aber auch mit anderen Verkehrsmitteln wie Inlinern, Kickboards und Skateboards. Viele Städte und Gemeinden bewerben sich um eine Mitgliedschaft bei der AGFS, nicht alle werden aufgenommen. Voraussetzung für eine Aufnahme ist unter anderen ein kommunales Konzept für ein fahrradfreundliches Gesamtkonzept mit einer Anhebung des Radverkehrsanteils im Modal Split auf 25 Prozent.

Die Vision der AGFS, die Transformation der Straße in einen Lebensraum, wird in diesem gerade veröffentlichten kleinen Video zum Ausdruck gebracht. Für einen sechs-Minuten-Video vielleicht ein wenig zu dröge, dennoch wünscht man dem Film viele Zuschauer.

AGFS
via: it started with a fight …

Wieviel Geld gibt das Land Berlin für den Radverkehr aus?

Sonntag, 15.03.2015

In der jüngsten Ausgabe der radzeit findet man einen interessanten Artikel von Kerstin Finkelstein über die Ausgaben des Landes Berlin in die Fahrradinfrastruktur. Vorgesehen waren im Haushalt 2013 5,5 Millionen Euro und im folgenden Jahr 2014 hatte man 6 Millionen Euro veranschlagt. Allerdings wurden nicht alle Mittel ausgeschöpft. Im Jahr 2013 wurden Mittel in Höhe von 675.617,- Euro nicht verbaut, die realen Investitionen beliefen sich 2013 also auf 4.824.383,- Euro.

Die Gesamtsumme nicht verbauter Mittel steigt 2014 so stark an, dass sie die eigentlich vorgesehene Erhöhung der Mittel locker kompensiert. Nicht eingesetzt wurden Mittel in Höhe von 2,362 Millionen Euro, angekommen auf der Straße sind also lediglich Mittel in Höhe von 3.638.000,- Euro.


Grafik: radzeit, Ausgabe 1/2015 Seite 14

Wenn man nun die real investierten Mittel in den Radverkehr dividiert durch die Zahl der Einwohner, kommt man auf folgende Werte:
2013: 1,40 Euro pro Einwohner
2014: 1,06 Euro pro Einwohner

radzeit: Reden ist Plastik, handeln ist Gold

“Heute wieder Radfahrerrazzia”

Samstag, 14.03.2015

Das Wort “Razzia” stammt aus dem Arabischen und bedeutete urspünglich Streif- oder Plünderungszug. Jetzt hat es die Bedeutung eines Streifzuges der Polizei auf verdächtige Individuen, so Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon.

In den 1930er Jahren war das Fahrrad das mit Abstand bedeutsamste individuelle Verkehrsmittel. Der Fahrradbestand in Deutschland wurde Mitte der 30er auf 17 Millionen Stück geschätzt. (Zum Vergleich: heute haben wir in der Bundesrepublik etwas mehr als 70 Millionen Räder.) Exakt 1.120.182 Velos wurden im Jahr 1934 in Deutschland produziert und insbesondere in den Ballungsräumen boomte der Radverkehr. So hat sich nach Verkehrszählungen in Frankfurt a. M. die Zahl der Radfahrer von 1930 bis 1936 dort verachtfacht.

Dennoch befand man sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gefühlt bereits am Beginn der Volksmotorisierung. Radfahrer waren Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse. Der Geist jener Zeit kommt im Schnappschuss auf der Chausseestrasse aus dem Jahre 1934 zum Ausdruck. Das Vergehen der Radfahrerin: sie fuhr zu weit in der Mitte, heute ein probates Mittel, um aufdringliche Nahüberholer vom Leib zu halten.

Bundesarchiv, Bild 183-2004-0512-502 / CC-BY-SA

Original-Bildunterschrift:
“Scherl: Heute wieder Radfahrerrazzia (von 6.00 bis 20.00)
UBz: Die Personalien einer Verkehrssünderin werden festgestellt (Chausseestrasse), da sie auf der Mitte der Fahrbahn, statt äußerst rechts gefahren ist. Nach der preußischen Verkehrsordnung sollen Radfahrer grundsätzlich einzeln und äußerst rechts fahren.”

Weitere Quelle: Dobuschinsky, Alexander, Das Fahrrad im Schatten von Hitlers Vierjahresplan. Manuskript, München (o.J.)., als pdf-Download verfügbar auf der Seite:
Kleiner Exkurs über Ballon-Fahrräder der 1930er Jahre

Berlin Music Ride mit Klara Geist

Freitag, 13.03.2015

Eine kostenlose Fahrradtour durch neun Jahrzehnte Berliner Musikgeschichte wird am kommenden Freitag, dem 20. März angeboten. Klara Geist und Berlin on Bike erwarten euch an der Station in der Luckenwalder Straße. Von dort aus erkunden wir Berlins vielfältige und aufregende Rolle als Musik-Metropole von den 1920er Jahren bis in die Gegenwart. Mit dabei ist auch eine fette Musikanlage auf einem Cargo-Bike, um euch zwischen den Stationen mit speziell für diese Tour ausgewählten Songs zu beschallen. Profi-Musiker Ekki versorgt euch mit Hintergrundinfos und Anekdoten aus Berlins Leben als Musikstadt. Die Tour dauert zwei bis zweieinhalb Stunden, ist zehn Kilometer lang und kostet euch keinen Cent. Zusätzlich werden fünf Tickets für die Abendveranstaltungen der Berliner Fahrradschau verlost.

Wann: Freitag, 20. März 2015 um 17:00 Uhr
Wo: Station
Luckenwalder Straße 4-6

Berlin on Bike: Free Tour
Klara Geist
Berliner Fahrradschau

Rocket von Boxer

Freitag, 13.03.2015

Der Kindertransporter Rocket der englischen Firma Boxer war ursprünglich nur als Einzelstück konzipiert und gebaut. Das Interesse an dem ungewöhnlichen Fahrzeug war jedoch so groß, dass sich Boxer entschied, das Dreirad in Serie zu produzieren. Vorgestellt wurde das Steampunk-Transportrad zum ersten Mal auf der London Bike Show Mitte Februar diesen Jahres.

Der massive Trägerrahmen, eine Anleihe aus dem Flugzeugbau der 30er Jahre, erscheint stabil, ist aber sicher auch kein Leichtgewicht. Insgesamt bringt der Transporter 58 kg auf die Waage, wobei nicht ganz klar ist, ob damit das normale Rocket oder das E-Rocket gemeint ist.

Wer seinen bis zu vier Kindern auf dem Weg zur Kita das Gefühl von Astronauten geben will, muss tief in die Tasche greifen. Die Grundversion des Rocket kostet 6.700,- Euro und ist reichlich ausgestattet mit 24 Gängen plus Kriechgang für steile Anstiege, komplettem Lichtsystem mit Blinkern, Fern-, Abblend- und Bremslicht, USB-Port undsoweiter.

Boxer: Rocket

Berlins “Fahrradbeauftragter” spricht Klartext

Donnerstag, 12.03.2015

Als Christian Gaebler (SPD), Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, noch relativ frisch im Amt war, gab er mal der Morgenpost ein Interview. Es ging darum, dass der Ex-Radverkehrsbeauftragte Benno Koch geschasst worden war. Gaeblers Antwort: “Der bisherige Beauftragte hat gesagt, was er sich an Tätigkeit vorstellt, könne er ehrenamtlich nicht leisten. Sollen wir deshalb einen zusätzlichen Mitarbeiter einstellen? Das lehne ich ab, weil wir in den nächsten fünf Jahren in unserer Senatsverwaltung 255 Stellen abbauen müssen. Der bisherige Beauftragte war der Meinung, er müsse alle Vorgänge im Haus bewerten. Aber das ist meine Aufgabe, insofern bin ich hier der Fahrradbeauftragte.”

Knapp drei Jahre später wird Gaebler wieder befragt, diesmal vom Tagesspiegel. Die Aussagen Gaeblers sind bemerkenswert für jemanden, der für alle Belange des Fahrradverkehrs zuständig ist. Das gesamte Gespräch (Überschrift: „Tempo 30 ist schwer vermittelbar“) ist lesenswert, hier nur drei Aussagen im Zitat.

Zu Tempo 30:

“Wir müssen immer abwägen, dass eine gewisse Mobilität gewährleistet bleibt. Stadtweit auf Verdacht Tempo 30 einzuführen würde eher nicht helfen. Hinzu kommt die Frage der Akzeptanz: Tempo 30 wird da akzeptiert, wo es einen Anlass gibt, also Kitas, Schulen oder Lärmschutz. Aber einfach zu sagen, es dient der Verkehrssicherheit, scheint mir problematisch. Wenn es nicht eingehalten wird, nützt es auch nichts.”

Zu Tempo 50 an Unfallschwerpunkten:

“Es ist ja nicht gesagt, dass die Geschwindigkeit die Hauptursache ist. Radfahrer verunglücken besonders oft, weil Kraftfahrer unaufmerksam abbiegen. Aber deshalb kann ich doch nicht das Abbiegen verbieten. Wir können nicht alle Probleme durch Vorschriften lösen, sondern nur durch Rücksichtnahme.”

Zur Tatsache, dass von der Radverkehrsstrategie praktisch nichts umgesetzt wurde:

“Ich bekomme oft Beschwerden, dass wir angeblich zu viel für den Radverkehr machen. Dass fast nichts umgesetzt wurde, stimmt so nicht. Wir bauen das Radroutennetz aus und haben ein paar große Projekte schon umgesetzt wie in der Turmstraße und der Müllerstraße. Die Warschauer Straße folgt jetzt. Dass manches lange dauert, will ich nicht bestreiten. Aber da arbeiten wir dran – zusammen mit den Bezirken.”

Morgenpost: Wie Berlin zur Fahrradhauptstadt werden soll (30.07.12)
Tagesspiegel: „Tempo 30 ist schwer vermittelbar“

Alleinunfall einer Radfahrerin in der Schlesischen Straße

Donnerstag, 12.03.2015

Vor vier Tagen tickerte die Berliner Polizei folgende Nachricht:

“Eine Radfahrerin war heute früh in Kreuzberg offensichtlich so abgelenkt, dass sie gegen ein geparktes Auto fuhr und sich dabei eine Kopfverletzung zuzog.
Nach den bisherigen Erkenntnissen fuhr die 21-Jährige gegen 5.40 Uhr mit einem Rad auf dem Radfahrerschutzstreifen der Schlesischen Straße in Richtung Puschkinallee und unterhielt sich während der Fahrt mit ihrem 25-jährigen Freund, der auf dem Gehweg mit einem Skateboard unterwegs war. Durch das Gespräch war die junge Frau vermutlich so unaufmerksam, dass sie gegen ein geparktes Auto fuhr. Alarmierte Rettungskräfte brachten die Gestürzte zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus.”

Polizeimeldung Nr. 0578 vom 08.03.2015

Die Initiative Clevere Städte kommentierte den Unfall so:

Presserad nahm die Vorlage auf: “Dass die Polizei Berlin sogar das Thema nicht einmal in einer Unfallmeldung mit einer Radfahrerin anspricht, ist dagegen zugleich neu wie irritierend”.

Daraufhin habe ich bei der Polizei nachgefragt, wo das Auto geparkt war. Die Antwort der Polizei:

“Sehr geehrter Herr ***,

zu Ihrer Anfrage bei der Internetwache der Berliner Polizei unter der o.g. Vorgangsnummer darf ich Ihnen mitteilen, dass der PKW ordnungsgemäß am rechten Fahrbahnrand der Schlesischen Str., also außerhalb des Radfahrschutzstreifens, geparkt war.

Mit freundlichen Grüßen!”

Initiative Clevere Städte bei Twitter
Presserad: Neulich in Berlin

Streit um Promillegrenze für Radfahrer

Freitag, 06.03.2015

In der Wochensendung quer des Bayrischen Rundfunks wurde gestern Abend die Alkoholdebatte beim Radfahren noch einmal aufgewärmt. Es geht um den Vorstoß auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag, das Radfahren ab 1,1 Promille strafbar zu machen. Zur Unterstützung der Initiative, den Grenzwert für Radfahrer von 1,6 auf 1,1 Promille zu senken, hatte die Unfallforschung der Versicherer eine Studie in Auftrag gegeben. Die kam, aber nicht mit dem gewünschten Ergebnis, sie belegte nämlich, dass viele selbst im Vollrausch korrekt und unfallfrei Radfahren können.

quer fasst die Ergebnisse der Studie zusammen, blickt aufs bayrische Land, dort ist der Kneipenbesuch mit dem Rad eine Art Kulturgut, und begleitet schließlich Wolfram Hell in die Rechtsmedizin der Uni München, wo die Unfallopfer eintreffen. Alles nur Alkoholleichen von Radlern auf den Seziertischen? Im Gegenteil, die Probleme liegen woanders.

quer: Sendung vom 05.03.2015
Unfallforschung der Versicherer: Radfahren und Alkohol
via daniel pöhler

1. Berliner Lastenradrennen

Mittwoch, 04.03.2015

Am Sonnabend, dem 21. März 2015 wird im Rahmen der Velo-Berlin ein Lastenfahrradrennen auf dem Messeglände zwischen den Messehallen am Funkturm stattfinden. Bei dem offenen Rennen für alle Nationalitäten werden sich die Lastipiloten in Geschicklichkeit und Schnelligkeit messen. Ausgeschrieben werden Wettfahrten in drei Kategorien mit jeweils eigenen Cargo-Bikes:
A: Lastenräder mit 2 Rädern m/w
B: Lastenräder mit 3 Rädern m/w
C: Staffel gemischt

Eine Anmeldung ist möglich bis zum Renntag. Sendet eure Anmeldung an  info@cargobikefans-berlin.de und nennt bitte Namen und die Kategorie, an der ihr teilnehmen möchtet.

Ort: Velo-Berlin, Messedamm, Eingang Ost, Außenbereich unter dem Funkturm
Zeit: Sonnabend, dem 21. März 2015 von 14:00 bis 17:00 Uhr

Cargo-Bike-Fans-Berlin auf Facebook
Velo-Berlin

Rad-Spannerei ohne Mails

Mittwoch, 04.03.2015

In eigener Sache: im Augenblick funktioniert unser Mailversand nicht. Wir antworten, sobald wir den Fehler gefunden haben.

Neue “radzeit” jetzt doppelt so groß. Auch doppelt so gut?

Dienstag, 03.03.2015

Das war die Frage, als ich die neue Ausgabe der ADFC-Mitgliederzeitschrift “radzeit” des Berliner Landesverbandes in den Händen hielt. Zugegeben, ich war selten gespannter auf das neue Heft als diesmal. Statt in DIN A5 erscheint das “Das Fahrradmagazin für Berlin und Brandenburg”, wie es nun im Untertitel heißt, im Format DIN A4, statt 6x wird es nur noch vier mal im Jahr an die Mitglieder verschickt. Das Layout ist angenehm nüchtern und zurückhaltend, das Papier ist dicker.

Inhaltlich will das Blatt sein “Profil schärfen und einen lokaleren Fokus wählen”. Zum Ausdruck kommt das dadurch, dass dem Landesverband Brandenburg in Zukunft eine regelmäßige Seite gewidmet ist. Im Prinzip eine gute Sache, denn die schönen und schrecklichen Aspekte des Radfahrens in unserem Nachbarland haben für die Berliner Radfahrer einen hohen Stellenwert. Der lokalere Schwerpunkt wird auch sichtbar durch mehr Artikel über die Berliner Bezirke. Im Premierenheft gibt es einen Beitrag über Spandau und drei Artikel zu Kreuzberger Radproblemen.

Auch der Politik-Teil hat zugelegt, im Zentrum der ersten Nummer steht ein Interview mit dem Fahrradtechnikguru Ernst Brust über schrottige Räder und ein Artikel darüber, wie die große Koalition aus SPD und CDU in Berlin den Radverkehr mit dem Mittel der so genannten “qualifizierten Haushaltssperre” bekämpft. Die letzten Seiten der radzeit sind wie gehabt: Tourismus und Glosse.

Angekündigt aber noch nicht im Netz ist eine neue Online-Ausgabe der radzeit, die sich “orientiert an den Lesegewohnheiten neuer Zielgruppen”. Man darf gespannt bleiben.

(Link wird nachgereicht.)

Weltmeisterschaft im Linksabbiegen

Dienstag, 03.03.2015

Am 19. August 2012 fand an der Straßenkreuzung Weinmeister, Münz und Schönhauser in Mitte die erste WM “im links um die ecke fahren der damen” statt. Die Preise - gold angesprayte Playmobil-Radfahrer (!) auf Holzklotz - konnten erfolgreich an die Frau gebracht werden.

Schnelle Mädchen

Schuld und Mitschuld am Tod einer Radfahrerin

Montag, 02.03.2015

Seit mehr als zehn Jahren stößt man jeden Donnerstag im Magazin der Süddeutschen Zeitung auf eine kleine Rubrik: Die Gewissensfrage. Ein Leser der SZ stellt eine moralische Frage, der Autor Rainer Erlinger beantwortet sie. In der letzten Ausgabe wurde folgende Frage gestellt: “Bei uns in der Stadt gibt es eine Straße mit viel Verkehr und einem Radstreifen am Fahrbahnrand. In dieser Straße befindet sich auch ein Pizza-Bringdienst, dessen Fahrer oft unerlaubterweise auf dem Radstreifen parken. Ich habe mehrmals überlegt, ob ich nicht einfach mal in den Laden gehe und die Angestellten darauf anspreche und sie bitte, dies nicht zu tun. Leider habe ich das nie getan. Jetzt kam eine Radfahrerin ums Leben, weil sie einem auf dem Radstreifen parkenden Auto des Lieferdienstes auswich und von einem Auto erfasst wurde. Bin ich mitschuldig an ihrem Tod?”

Erlinger beruhigt den Leser und meint, dass ihn keine Mitschuld triftt. Schließlich sei der Leser nur Passant und nicht für die Situation verantwortlich, die zum Unfall führte. Verantwortlicher dagegen seien der Fahrer des parkenden Autos, der Betreiber des Pizzadienstes (der keine Haltemöglichkeit für Fahrzeuge vorhält), der Behördenmensch (der die Nutzung des Pizzadienstes gemehmigt) und der Polizist (der seit der Eröffnung des Ladens am parkenden Pizza-Auto vorbeifährt und nichts tut). Erlinger: “Sie alle hatten Verantwortung und die Möglichkeit, das zu unterbinden.” Im Gegensatz zum Leser.

In der Aufzählung der für die Situation verantwortlichen taucht der Fahrer des Unfallfahrzeuges nicht auf. Aber selbst wenn Erlinger die Person, die die Radfahrerin erfasste, genannt hätte, befriedigt mich die Antwort nicht. Wenn eine Kreuzung, an der immer wieder schwere Verkehrsunfälle passieren, umgebaut wird und von da an zu einer sicheren, unfallfreien Kreuzung wird, dann muss sich die Person, die für die Gestaltung der Kreuzung zuständig ist, fragen lassen, wieso erst jetzt und ob nicht zumindest eine moralische Mitschuld am Leid der Verkehrsopfer besteht.

Süddeutsche Zeitung Magazin: Die Gewissensfrage aus Heft 09/2015

Achim Reichel: Fahrrad fahr’n

Montag, 02.03.2015

Der Musiker, Komponist und Produzent Achim Reichel ist ein bisschen wie ein Chamäleon unter den deutschsprachigen Musikschaffenden. In den sechziger Jahren war er mit der Band The Rattles erfolgreich und machte den Anheizer auf Tourneen der Beatles und Stones. Ein Jahrzehnt später wandelte er sich zu einem Vertreter des Progressive Rock, bevor er die deutsche Volksmusik entdeckte. Das Stück “Fahrrad fahr’n” wurde auf der LP “Oh ha!” 1996 veröffentlicht und enthält mild vorgetragene Kritik:

“Die Stadt gehört den Autos,
davon gibt es viel zu viel,
mit dem Rad da komm’ ich schneller,
viel schneller ans Ziel.”

Berlin und Kopenhagen spielen beim Fahrradverleih in einer Liga

Freitag, 27.02.2015

Berlin hat Erfahrung damit, wie man ein Fahrradverleihsystem vor die Wand fährt. Der Vertrag mit der Deutschen Bahn über den eher unbeliebten Leihfahrrad-Service namens Call a Bike ist bereits Ende letzten Jahres ausgelaufen, das Stadtbüro von Call a Bike in der Schönhauser Allee 179 steht leer. Die Stadtentwicklungsverwaltung hat es verschlafen, rechtzeitig die Ausschreibung für einen neuen Betreiber vorzubereiten. Niemand rechnet damit, dass ein neues System vor dem Jahresende am Start ist. Unterdessen kündigt die DB an, ihr System auf jeden Fall weiterführen zu wollen, zur Not auch ohne die Unterstützung des Senats. Call a Bike hatte in Berlin in der Vergangenheit nur sehr mäßige Ausleihzahlen und war anderen Systemen wie beispielsweise dem Hamburger StadtRAD sowohl hinsichtlich der Nutzung als auch hinsichtlich der Rentabilität um Längen unterlegen.

Auch Kopenhagen zeigt, wie man es besser nicht machen sollte. Im vergangenen Jahr wurde das Leihfahrrad GoBike vorgestellt, ein stark aufgepimptes E-Bike mit integriertem Tablet-PC als eine Art Steuerkonsole mit GPS, digitalem Schloss, einer LED-Lichtanlage und und und. Das Rad hat einen großen Nachteil: es ist 6.000,- Euro teuer, Räder anderer Leihsysteme kosten nur einen Bruchteil davon. Der hohe Anschaffungspreis führt zu einem hohem Vermietungspreis. In Kopenhagen kostet die erste Stunde eines Leihfahrrades 25,- dänische Kronen, das sind etwa 3,30 Euro. Das wiederum führt dazu, dass das System kaum genutzt wird und wenn, dann lediglich von Touristen. Durchschnittlich wird jedes GoBike 0,8 mal am Tag ausgeliehen. Folge: das Fahrradverleihsystem ist unwirtschaftlich und kann nur durch permanente Subventionen der Stadt aufrechterhalten werden.

Berlin und Kopenhagen stehen also vor der gleichen Aufgabe: in die Hände spucken und noch mal komplett neu anfangen!

copenhagenize: Watching Copenhagen Bike Share Die

Berliner Verkehrsunfallstatistik 2014

Donnerstag, 26.02.2015

An einem ganz normalen und durchschnittlichen Tag wurden im vergangenen Jahr in Berlin 2356 Anzeigen wegen Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit geschrieben, im gesamten Jahr 2014 wurden 860.000 Autofahrer erwischt. Die Rate der Autofahrer, die deutlich zu schnell fuhren, lag bei 5,25 Prozent, das heißt, dass jeder 19. Kraftfahrer zu schnell und damit potentiell andere Menschen gefährdend unterwegs war.

Ebenfalls stark im Kommen war 2014 der gemeine Rotlichtverstoß. Exakt 29.101 Verstöße notierte sich die Berliner Polizei. Der so genannte qualifizierte Rotlichtverstoß mit mehr als einer Sekunde rotem Ampellicht stieg gar um satte 30 Prozent von 3.894 im Jahr 2013 auf 5.213 im Jahr 2014.

Angesichts dieser Zahlen ist es kaum verwunderlich, dass der Kraftverkehr für den Großteil der in der Stadt verursachten Unfälle verantwortlich ist. Zählt man Pkw, Lkw, Motorräder und Busse zusammen, so kommt man auf einen Wert von 86,59 Prozent aller Unfälle, die durch diese Gruppe der Verkehrsteilnehmer verursacht wurden.

Das Bild wird ein anderes, wenn man sich die Unfälle des vergangenen Jahres nicht unter dem Aspekt der Verursacher sondern unter dem der Opfer betrachtet. Die Leidtragenden dieses Verkehrssystems sind die Fußgänger, sie verursachen gerade einmal ein Prozent aller Unfälle, stellen jedoch mit 40,38% aller im Straßenverkehr getöteten Personen die mit Abstand größte Gruppe der Verkehrsunfallopfer.

Auch die Radfahrer sind mit 19,23% aller getöteten Personen eine große Gruppe. Zehn Radfahrer kamen im vergangenen Jahr im Straßenverkehr ums Leben. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der verunglückten Radfahrer im Zeitablauf seit dem Jahr 2000. Trotz einer stark anwachsenden Zahl von Radfahrern in Berlin steigt die Zahl der Opfer nicht an respektive sinkt sogar leicht.

Polizei Berlin: Verkehrsunfallstatistik
ADFC Berlin: Unfallstatistik

Unfall am Moritzplatz

Donnerstag, 19.02.2015

“Zu einem Zusammenstoß zwischen einem Taxi und einer Radfahrerin kam es gestern Abend in Kreuzberg. Gegen 21.20 Uhr fuhr der 49-Jährige mit einem „Toyota“ von der Prinzenstraße kommend in den Kreisverkehr des Moritzplatzes. Hierbei stieß er mit der 34-jährigen Radfahrerin zusammen, die auf dem Weg in Richtung Oranienplatz war. Die Frau stürzte und erlitt Verletzungen am Kopf zu. Sie kam mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus, wo sie stationär aufgenommen wurde. Der Taxifahrer blieb unverletzt. Wegen des Unfalls kam es für eine knappe halbe Stunde zu einer Straßensperrung der Oranien- und der Prinzenstraße vor der Einfahrt zum Moritzplatz.”

Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 0411 vom 19.02.2015

Der Kreisverkehr am Moritzplatz fordert mal wieder seinen Blutzoll. Seit vielen Jahren ist dieser Ort ein Unfallbrennpunkt in Bezug auf Radfahrer. In den Jahren 2011 bis 2013 gab es hier 154 Verkehrsunfälle mit 61 Verletzten, darunter waren 75 Unfälle mit Beteiligung von Fußgängern oder Radfahrern.

Was tut Berlin dagegen, dass hier regelrecht Schwerverletzte in Serie produziert werden? Nichts. Dabei reicht ein Blick auf das Luftbild, um zu erkennen, dass mit einem Eimer Farbe der Kreisverkehr erheblich entschärft werden könnte. Auffällig ist zunächst, dass die Fahrbahn im Kreisel riesig breit ist und die Kraftfahrer zum Fahren in zwei Reihen animiert. Auch die Ausfahrten aus dem Kreisel sind teilweise zweispurig. Dadurch werden Unfälle durch verdeckte Sichtbeziehungen geradezu provoziert.

Abhilfe könnte man schaffen, indem man die Fahrbahn im Kreisel deutlich verengt, sodass nur noch einspurig gefahren werden kann und zwar möglichst eng am inneren Kreisel. Dadurch entsteht zwischen Fahrbahn und Radspur ein nicht befahrener, mindestens zwei Meter breiter Puffer. Radfahrer werden besser gesehen und Kfz und Radfahrer kreuzen einander in stumpferem Winkel.

Fahrradklimatest: gute Noten, schlechte Noten

Donnerstag, 19.02.2015

Heute wurden die Ergebnisse des Fahrradklimatests 2014 in einer gemeinsamen Pressekonferenz des ADFC und des Bundesverkehrsministeriums präsentiert. Der Klimatest war der sechste seiner Art; seit dem Jahr 1988 werden regelmäßig Radfahrer danach befragt, wie sie die Radverkehrsbedingungen vor Ort bewerten.

Keine großen Überraschungen gab es bei den Siegern in vier Kategorien. Auf dem Siegertreppchen finden sich mehr oder weniger die Städte wieder, die bereits bei den letzten Tests die besten Ergebnisse abgeräumt hatten. In der Kategorie über 200.000 Einwohner lag Münster vor Karlsruhe und Freiburg. In der Kategorie 100 bis 200.000 Einwohner kamen Erlangen, Oldenburg und Ingolstdt auf die ersten Plätze. Bei den kleineren Städten erhielten Bocholt, Nordhorn und Wesel die begehrten Tropäen und unter den ganz kleinen Städten bis 50.000 Einwohner lagen Reken aus NRW, Ketzin aus Brandenburg und Rhede ebenfalls aus NRW vorn. In der Bundesländerwertung kommt Nordrhein-Westfalen mit fünf siegreichen Städten eindeutig auf den ersten Platz. Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen teilen sich den zweiten Platz mit je zwei Städten auf dem Podium und das Land Brandenburg erhält für das nur 6000 Einwohner kleine Ketzin an der Havel einen Preis, alle anderen Bundesländer gehen leer aus.

Wie haben die Berliner Radfahrer über ihre Stadt geurteilt? Zunächste einmal fällt auf, dass die Zahl der Berliner Teilnehmer überproportional gewachsen ist. Exakt 3.814 haben bei der Befragung teilgenommen (zum Vergleich: 2.375 Teilnehmer am Klimatest 2012), ein klares Zeichen dafür, dass die Radfahrer in der Stadt ein großes Interesse an dem Thema haben. Das ist allerdings das einzig Positive am aktuellen Klimatest, ansonsten wird Berlin nach hinten durchgereicht. Berlin wird im Gesamtergebnis schlechter als 2012 benotet (4,1 statt 4,01), Berlin rutscht im Ranking der großen Städte noch einmal deutlich nach hinten (Platz 30 statt Platz 24 von 39 Städten) und in den Einzelbewertungen hagelt es regelrecht Fünfen. Ob bei der Falschparkerkontrolle auf Radwegen, ob bei Führung an Baustellen, beim Winterdienst auf Radwegen, überall gibt es sehr schlechte Noten.

Eva-Maria Scheel, Landesvorsitzende des Berliner ADFC zum Klimatest: “Was Berlin fehlt, ist ein klares Handeln für das umwetfreundlichste und gesundheitsfördernste Verkehrsmittel, das Fahrrad.”

ADFC: Klimatest 2014
ADFC: Klimatest 2012
Klimatest 2014: Auswertung Berlin

Radverkehr, Fußverkehr, Autoverkehr und ÖPNV - was kostet wieviel?

Dienstag, 17.02.2015

Ein Forschungsprojekt der Universität Kassel hat eine Methode entwickelt, die kommunalen Kosten für verschiedene Verkehrsträger zu errechnen. Bisherige Methoden der Kostenrechnung hatten große Defizite. Die Kasseler Forscher haben am Beispiel von drei Städten (Kassel, Bremen, Kiel) alle kommunalen Aufwendungen und Erträge erfasst und den einzelnen Verkehrssystemen – Radverkehr, Fußverkehr, Autoverkehr und ÖPNV – zugeordnet. Dabei seien alle Kosten von Bau und Unterhalt bis hin zu Lichtsignalanlagen, Straßenreinigung und begrünten Randstreifen berücksichtigt. Die Einnahmen aus Bustickets fließen ebenso ein wie Bußgelder für Falschparker. Neu ist auch die Aufteilung von Gemeinkosten – beispielsweise in der Verwaltung in den Rathäusern – auf die Verkehrsträger nach bestimmten Schlüsseln, die auf dem Verursacher- bzw. Nutzerprinzip fußen; etwa indem sie nach den Flächenanteilen der Verkehrssysteme an der Gesamtverkehrsfläche zugeordnet werden.

Das Ergebnis fasst Carsten Sommer, Professor am Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Uni Kassel so zusammen: “Die Ergebnisse in den drei Städten zeigen, dass der Radverkehr grundsätzlich den geringsten städtischen Zuschuss erhält. In allen drei Städten lag der relative Zuschuss erheblich unterhalb des Radverkehrsanteils am gesamten Verkehrsaufkommen. Anders gesagt: Der Radverkehr ist besonders günstig. Umgekehrt ist es beim Auto: Der Kfz-Verkehr erhielt die höchsten Zuschüsse. In den drei untersuchten Städten ist der relative Zuschuss mindestens zehnmal höher als der des Radverkehrs.”

Universität Kassel: Kommunale Kostenrechnung: Investitionen in Radverkehr für Städte am günstigsten
via it started with a fight

Kulturgeschichte des Fahrrads im ländlichen Raum

Sonntag, 15.02.2015

In den ersten Jahren nach seiner Erfindung war das Fahrrad ein Spielzeug der Reichen und Wichtigen in der Stadt. Auf dem Land kam das Fahrrad damals nicht vor, allenfalls hinter den Zäunen herrschaftlicher Häuser zur Ergötzung der reichen Kinder.

Das änderte sich, als das Fahrrad Anfang des zwanzigsten Jahrhundert zum Massenprodukt wurde. Das nun erheblich günstigere Rad konnte sich manch Landarbeiter leisten und kam nun schneller vom Dorf in die Stadt als der Bauer mit seiner Kutsche. Und statt ein Pferd anzuspannen konnte man die Milch nun mit dem Lastenfahrrad von der Weide zum Hof transportieren.

Den Wandel der Mobilität auf dem Land dokumentiert die Ausstellung “Fahrrad und Mobilität”, die heute im Museumsdorf Cloppenburg eröffnet wird. Das Museum hatte vor einigen Jahren die einzigartige Sammlung eines Abkömmlings der Fahrrad-Dynastie Kalkhoff aus Cloppenburg übernommen. Einige wertvolle Stücke der 200 historischen Fahrräder (von 1868 bis ca. 2000) werden dem Besucher im 1. Obergeschoss Münchhausenscheune präsentiert.

Museumsdorf Cloppenburg: Ausstellung “Fahrrad und Mobilität auf dem Lande”
Blog zur Ausstellung: Fahrtwind
via: ADFC Bremen

Fünf Minuten Chaos in der O-Straße

Donnerstag, 12.02.2015

92 Leute hatten bei dem Facebook-Event “Erster Internationaler Falschparker-Tag” auf “Zusage” geklickt, bei 51 weiteren Facebook-Freunden war die Teilnahme unsicher. Gutmütig gezählt standen gestern nur zwei Dutzend Radfahrer auf dem Heinrichplatz, um einmal für wenige Minuten den Spieß umzudrehen beim Falschparken. Eine Hand voll Medienvertreter waren anwesend und die Polizei war auch am Start mit einer sichtbar geparkten Wanne. Kaum hatten die Lasten- und sonstigen Radfahrer nach einer Zuckelrunde um den Block die Oranienstraße wieder erreicht und ihre Fahrzeuge in zweiter Reihe geparkt, ging einige Minuten nichts mehr. Doppeldeckerbusse, Lastwagen, Autos und Räder waren hilflos ineinander verkeilt. Die herbeieilenden Polizeibeamten bemühten sich, Räder und Lastenräder an den Fahrbahnrand zu schieben; keine ganz einfache Aufgabe, wenn Räder und Lastenräder zusammengeschlossen sind. Nach wenigen Minuten war der Parkspuk vorbei und die Oranienstraße war wieder die ganz normale Radfahrerhölle. Positiv an der Sache war immerhin das recht große Medienecho. Eine kleine Auswahl:

Tagesspiegel: Falschparken gegen die “Radfahrer-Hölle”
Bild: Gegenschlag im Fahrrad-Auto-Krieg
Zeit-Fahrradblog Velophil: Mit den Rädern in die zweite Reihe
RTL: Am 11.02. ist Falschparker-Tag: Hat niemand ein Herz für Parksünder?  

Bullshit-BINGO “Ausreden für Falschparker”

Dienstag, 10.02.2015

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Bin nur grad einen Latte Machiatto trinken. Du kannst doch einfach rumfahren! Willste auf die Fresse? Ich störe doch niemanden. Ich warte auf jemand.
Wo soll man denn sonst parken? Als Taxi/Mutter darf man das. Ich darf hier stehen. Ist nur für 2/5/10 Minuten. Jetzt stell dich mal nicht so an.
Die Parklücke ist zu klein für mein SUV. Hier gibt es keine Parkplätze. Du kannst doch einfach rumfahren. Sehn Sie nicht, ich bin ein Kindertaxi. Ich bin Diplomat und darf überall parken.
DHL/UPS/Herr Müller hat ne Ausnahme- genehmigung. Ich bin ja auch Radfahrer. Auf der Straße würde ich den Verkehr behindern. Willste Ärger? Dauert nicht lange.

Anleitung: Seite ausdrucken und bei einer richtigen Antwort das entsprechende Feld ankreuzen. Wenn du eine waagerechte oder senkrechte Reihe zusammen hast, rufst du laut “BINGO!” und unterschreibst anschließend die Petition “Machen Sie das Zuparken teurer, Herr Verkehrsminister!”. Außerdem darfst du teilnehmen am 1. Internationalen Falschparker-Tag morgen, Mittwoch ab 13:00 Uhr rund um den Heinrichplatz.
Originalquelle habe ich leider nicht mehr gefunden.

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