Satteltiere

Dienstag, 28.07.2015

Seit Mitte Juni pimpt ein Unbekannter in Utrecht in den Niederlanden fremde Fahrradsättel mit Augen auf, fotografiert sie und stellt die Bilder im Twitter-Account Zadeltier (deutsch: Satteltier) ins Netz. Die Sättel blicken nun munter in die Welt, mal staunend mit kugelrunden Augen, mal fremd mit Raubtierblick. Zadeldier schwört, dass sich die Augen rückstandsfrei wieder entfernen lassen, aber viele (unfreiwillige) Besitzer von Sätteln mit Augen lassen sie einfach dran.

Satteltiere

Zadeldier bei Twitter
Vogelfrije Fietser: Mysterieuze zadeldieren in Utrecht

Zusatzzeichen „E-Bikes frei“ kommt

Montag, 27.07.2015

Noch in dieser Legislaturperiode plant die Bundesregierung die Einführung eines Zusatzzeichens „E-Bikes frei“. In der Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen heißt es “Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) wird den zuständigen Straßenverkehrsbehörden durch eine Änderung der StVO die Freigabe von Radwegen für E-Bikes durch Einführung eines Zusatzzeichens „E-Bikes frei“ ermöglichen.”

Darüber hinaus soll eine Ergänzung des § 2 Absatz 4 Satz 6 StVO um E-Bikes erfolgen. Zur Zeit heißt Satz 6 so: “Außerhalb geschlossener Ortschaften darf man mit Mofas Radwege benutzen.”

In Zukunft soll es ebenfalls legal, sein, auf dem Gehweg fahrende Kinder mit dem Rad zu begleiten: “Ferner soll § 2 Absatz 5 StVO geändert werden, um der Aufsichtsperson künftig die Begleitung junger radfahrender Kinder mit dem Fahrrad auf dem Gehweg zu ermöglichen.”

Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage  – Drucksache 18/5184 –

Sonnabend, 25. Juli: Berliner Fahrradmarkt

Freitag, 24.07.2015

Nach nur drei Terminen hat sich der Berliner Fahrradmarkt jeweils am letzten Sonnabend des Monats etabliert. Der Flohmarkt rund ums Thema Fahrrad, Recycling und urbane Mobilität in der Waldemarstraße in Kreuzberg zieht immer mehr Leute an, die Fahrräder mögen. Hier können Gebrauchtfahrräder von privat an privat verkauft werden, es gibt eine Tauschbörse für Kinderfahrräder, vielleicht repariert dir jemand dein kaputtes Rad gegen Spende oder du nimmst an einem Workshop teil.

Berliner Fahrradmarkt
Zeit: Jeden letzten Sonnabend im Monat ab 9:00 Uhr
Ort: Civili-Park, Waldemarstraße 54, Kreuzberg

Berliner Fahrradstaffel der Polizei kassiert Radfahrer ab

Dienstag, 14.07.2015

Am 16. Juli 2014 schickte die Berliner Polizei die ersten Beamten auf Fahrrädern auf Streife. Nach knapp einem Jahr sieht die Bilanz für die Polizei sehr gut aus.

Auf der Ausgabenseite stehen Kosten in Höhe von 88.000 Euro für Fahrräder, Pedelecs und Bekleidung sowie für die laufenden Kosten (z.B. zusätzliche Winterbekleidung, Übergangsunterwäsche, Fahrradersatzteile).

Auf der Einnahmenseite der Fahrradstaffel stehen die Erlöse durch Verwarn- oder Bußgelder. Gegen Radfahrer wurden 5.474 Verwarnungen ausgesprochen und Bußgelder verhängt. Die Gesamteinnahmen durch Buß- und Verwarnungsgelder gegen Radfahrer belaufen sich auf 328.269,20 Euro, davon allein circa 270.000,00 Euro wegen des Überfahrens von roten Ampeln in etwa 3.200 Fällen. Manch andere Verkehrsverstöße von Radfahrern werden dagegen von der Fahrradstaffel komplett ignoriert. So wurden lediglich zwei Bußgelder wegen des Fahrens auf Radverkehrsanlagen entgegen der Fahrtrichtung ausgesprochen, eine im Januar 2015 und eine weitere im März diesen Jahres.

Zu den Aufgaben der Fahrradstaffel gehört es auch, Kraftfahrer wegen des Haltens oder Parkens in zweiter Reihe, auf Radwegen, Radfahr- oder Schutzstreifen sowie Busspuren zu überwachen. Die Polizei erzielte durch Buß- und Verwarngelder aus diesen Delikten eine Gesamteinnahme von 25.484,17 Euro. Hinzu kommen 6.611,17 Euro aus Verwarnungen gegen Kraftfahrer wegen Fehler beim Abbiegen und 252,77 Euro wegen der Nichtgewährung der Vorfahrt. Somit belaufen sich die Einnahmen gegen Kraftfahrer auf eine Gesamtsumme von 32.348,11 Euro.

Senatsverwaltung für Inneres: Antwort auf die Schriftliche Anfrage Nr. 17/16457 - Bilanz nach einem Jahr Fahrradstaffel Teil 1
Senatsverwaltung für Inneres: Antwort auf die Schriftliche Anfrage Nr. 17/16458 - Bilanz nach einem Jahr Fahrradstaffel Teil 2

Wieso bleiben manche allein fahrenden Fahrräder aufrecht?

Montag, 13.07.2015

Meist geht man davon aus, dass man auf dem Fahrrad nicht umfällt, weil man ständig kleine Lenkbewegungen um den Schwerpunkt durchführt und sich in kleinen Schlangenbewegungen dem Ziel nähert. Aber wieso ist ein allein fahrendes Fahrrad ab einer bestimmten Geschwindigkeit eigenstabil?

Die Antwort: wenn sich ein allein fahrendes Rad leicht nach links neigt, schlägt auch der Lenker ein wenig nach links ein und sorgt dafür, dass die Räder wieder unter den Schwerpunkt des Fahrrads kommen. Der Nachlauf bewirkt, dass der Lenker sich nach links bewegt, wenn das Fahrrad nach links geneigt wird. Wenn der Schwerpunkt des Vorderrades und des Lenkers leicht vor dem Steuerkopfwinkel liegt, sorgt das ebenfalls dafür, dass sich der Lenker nach links bewegt, wenn das Fahrrad nach links kippt. Der gyroskopische Effekt ist eine dritte Kraft mit dem gleichen Effekt und stabilisiert das Fahrrad aufgrund des Trägheitsmoments.

Fahrradlieferdienst TringTring

Dienstag, 07.07.2015

TringTring ist ein Lieferdienst in Amsterdam, wie es ihn dutzendfach in vielen anderen Ländern gibt. Das besondere an TringTring: alle Mahlzeiten, Getränke, Leckereien und Waren werden per Fahrrad innerhalb von 60 Minuten zum Endverbraucher gebracht. Jeder, der in Amsterdam wohnt und ein Fahrrad und ein Smartphone besitzt, kann sich bei TringTring als Nebenerwerbskurier anmelden. Als nebenberuflicher Fahrradkurier kann man eine spezielle App installieren, die einem die gerade zu vergebenden Kurierfahrten zeigt. Pro Auftrag erhält der Kurierfahrer fünf Euro. “Oder mehr”. Laut Fietsen123 haben sich bereits 45 Amsterdamer als Kurier angemeldet. Auf der Facebook-Seite von TringTring werden viele Freizeitkurierfahrer vorgestellt.

Fragt sich lediglich, ob auf diese Weise der Markt für Fahrradkurierdienstleistungen nicht endgültig kannibalisiert wird und die hauptberuflichen Kurierfahrer für noch weniger Geld arbeiten müssen.

TringTring
TringTring bei Facebook
Fietsen123: Bijverdienen als fietskoerier? Maak kennis met TringTring

Fahrradzukunft Ausgabe 20

Mittwoch, 01.07.2015

Seit fast zehn Jahren gibt es die unabhängige Zeitschrift “Fahrradzukunft” schon, die vor einigen Tagen die zwanzigste Ausgabe veröffentlicht hat.

Anja Hänel und Jörg Thiemann-Linden stellen das Shared-Space-Konzept vor und untersuchen es unter dem Blickwinkel der Radfahrer. Eher was für Tech-Profis ist der Beitrag von Stefan Buballa-Jaspersen, der eine spezielle gefederte Reiseradgabel testet. Ausnehmend unterhaltend ist Ralf Stein-Cadenbachs Ausflug in die Geschichte des Fahrradsattels. Ein zweiter Artikel von ihm beschäftigt sich mit der Frage, ob Fahrradsättel Nasen benötigen. Kurzantwort: nein, denn seine heutige, übliche Form mit Nase ist historisch bedingt. Andreas Oehler hat bereits in früheren Ausgaben der Fahrradzukunft Beiträge zu Wirkungsgrad-Messungen an Nabenschaltungen geschrieben, in der jüngsten Ausgabe testet er den Wirkungsgrad des Pinion P1.18 Tretlagergetriebes.

An der FH Lübeck wurde danach geforscht, wie Schwerhörige Fahrradklingeln wahrnehmen. Olaf Schultz fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zum Schluss, dass eigentlich die StVZO geändert werden müsste, denn in ihr wird eine “helltönende Glocke” gefordert, die von Schwerhörigen nicht optimal wahrgenommen wird.

Der letzte Beitrag ist ein Nachdruck aus dem lesenswerten Blog von Tobias Kröll: “Erinnerung: Flüchtlingsgeschichten, verbotenes Radfahren und Anne Frank”

Fahrradzukunft 

Freitag, 26. Juni: Fahrraddemonstration gegen Folter

Montag, 22.06.2015

Nägel ausreißen, Stromschläge, Prügel, Knochen brechen – in 131 Staaten wird gefoltert.

Amnesty International ruft auf zu einer Demo am 26. Juni auf Rädern und mit allem, was ohne Motor rollt.

Auf dem Weg vom Tiergarten zum Alex macht die Raddemo Station vor folgenden Botschaften von Folterstaaten:

  • 16:30 Uhr:Auftaktkundgebung mexikanische Botschaft, (Klingelhöfer Str. 3, 10785 Berlin)
  • 17:00 Uhr: Kundgebung Botschaft Saudi-Arabiens (Tiergartenstraße 33-34, 10785 Berlin)
  • 17.30 Uhr: Kundgebung vor der US-Botschaft (Pariser Platz 2, 10117 Berlin)
  • 18.00 Uhr: Kundgebung vor der Botschaft Nigerias (Neue Jakobstraße 4, 10179 Berlin)
  • 18.20 Uhr: Kundgebung vor der Botschaft Chinas (Märkisches Ufer 54, 10179 Berlin)
  • 18.45 Uhr: Abschlusskundgebung auf dem Alexanderplatz (Weltzeituhr).

Amnesty Berlin-Brandenburg: 26. Juni: Internationaler Aktionstag zur Unterstützung des Folteropfers

Utrecht will den Ampelwald lichten

Dienstag, 16.06.2015

Verkehrsampeln wurden erfunden, um den Kraftfahrzeugverkehr flüssiger und reibungsloser abzuwickeln. Vor gut hundert Jahren wurde die erste elekrisch betriebene Ampel in Ohio in den USA aufgestellt, zehn Jahre später zog Berlin mit der ersten Ampel am Potsdamer Platz nach. Heute werden in Berlin gut 2.000 Lichtsignal- bzw. Lichtzeichenanlagen betrieben. Nicht wenige davon bremsen Fußgänger und Radfahrer zugunsten des Kraftverkehrs gehörig aus.

Auch in Utrecht ist man sich der Tatsache bewusst, dass an vielen Ampelanlagen der Radverkehr besser und schneller geleitet werden kann. Deshalb hat die Stadtverwaltung alle Verkehrsteilnehmer aufgefordert, zwischen dem 24. Februar und dem 30. April 2015 Ampeln in Utrecht zu melden, die unnötig oder kontraproduktiv sind. In den zehn Wochen der Befragung kamen insgesamt 4.760 Meldungen zusammen.

Nach sorgfältiger Analyse der Meldungen beginnt die Verkehrsverwaltung von Utrecht in diesem Monat mit dem testweisen Abschalten einzelner Ampelanlagen. Bei anderen Anlagen werden die Laufzeiten verändert, sodass sie zum Beispiel nachts nur noch blinken. Bei einer weiteren Gruppe von Ampeln können Radfahrer nun durchgehend nach rechts abbiegen.

Gemeente Utrecht: Oproep Verkeerslichten
Gemeente Utrecht: Meld een verkeerslicht
Verkeersnet: Meldpunt verkeerslichten in Utrecht levert 5000 reacties op

Art Spin Berlin

Montag, 15.06.2015

“Art Spin Berlin ist eine gemeinschaftliche interaktive Kunst- und Fahrrad-Tour zu kreativen Orten, Kunst-Performances und spezifischen Installationen in verschiedenen Berliner Kiezen.” Die Idee zu Art Spin kommt aus Toronto, dort treffen sich seit 2009 Kunstinteressierte auf dem Velo, um an einem Abend verschiedene Galerien und Orte im öffentlichen Raum anzusteuern.

Vanessa Brazeau aus Toronto hat Art Spin im letzen Jahr nach Berlin gebracht. Mehr als 350 Leute erkundeten von der Frankfurter Allee aus über 12 Kilometer den Lichtenberger Kunstkiez. Die Tour wurde von 25 Künstlern unterschiedlicher Genres bespielt, eine Animation an der Spree, eine interaktive Installation am ehemaligen Stasi-Hauptquartier, eine musikalische Performance in einem Stadtpark und der Besuch von Street Art ergänzten sich.

Das nächste Ziel von Art Spin Berlin am Freitag, dem 24. Juli 2015 ist allgemein Treptow-Köpenick und Oberschöneweide im Besonderen. Art Spin ist geführt und kostenlos, du brauchst nur dein Rad und Offenheit für Neues.

Art Spin Berlin
Art Spin Berlin bei Facebook 

Hängt der Radverkehr in den Kommunen vom Gutdünken der Bürgermeister ab?

Sonntag, 14.06.2015

Im bekannten Fahrradblog itstartedwithafight wird heute Kathrin Voskuhl von der Kommunikationsagentur tippingpoints zitiert: “Sie sagte, dass es sehr schwer sei, Bürgerinnen und Bürger von einer Idee zu überzeugen, wenn die Führungskräfte einer Stadt, insbesondere der Bürgermeister, diese Idee nicht vorlebten.” Daniel von itstartedwithafight fährt fort: “Und ich denke, sie hat recht. Wenn eine Stadt ihre Bürgerinnen und Bürger dazu aufruft, mehr Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen, der Bürgermeister aber nie auf dem Fahrrad sondern immer nur im Auto gesehen wird, dann nimmt man die Stadt nicht ernst. Dann nimmt man die Idee nicht ernst.”

Noch ein weiteres Zitat, diesmal aus dem Programm des Kölner Radverkehrskongresses Radkomm, der am 20. Juni 2015 stattfindet. Tanja Busse wird auf dem Kongress Martin Randelhoff befragen zum Thema: Wer sind die Akteure einer kommunalen Verkehrswende? “BürgermeisterInnen sind für die Mobilität von morgen von essenzieller Bedeutung. Martin Randelhoff ist der Meinung, dass die Rolle und Bedeutung von Stadtoberhäuptern für die Gestaltung unseres unmittelbaren Lebensraums maßlos unterschätzt wird. Es war der Bürgermeister Steve Stevaert, der in der belgischen Stadt Hasselt den öffentlichen Personennahverkehr zum Nulltarif einführte. Es war der Bürgermeister Michael Bloomberg, der mit PlaNYC 2030 einen ambitionierten Entwicklungsplan für die Stadt New York aufsetzte. Es war der Bürgermeister Antonio Villaraigosa, der den Plan fasste, die Luftqualität von Los Angeles massiv zu verbessern und die Stadt fußgängerfreundlich zu machen.

Münchens ehemaliger Oberbürgermeister Christian Ude hat München zur “Radlhauptstadt” gemacht, Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer schafft systematisch mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer und setzt sich und seiner Stadt ambitionierte Klimaschutzziele. Und Enrique Peñalosa, ehemaliger Bürgermeister von Bogotá, führte das erfolgreiche TransMilenio Busway System in der Stadt ein.”

Ist es wirklich so, dass die Wende zu einer menschengerechten Stadt allein vom Ermessen einer einzelnen Person abhängt und dass Berlin so gesehen einfach nur Pech hat mit seinem Bürgermeister? Wer die Begriffe “Michael Müller” und “Fahrradverkehr” googelt, findet kaum einen substanziellen Satz. Das ist um so erstaunlicher, als Müller selbst jahrelang Verkehrssenator und deshalb qua Arbeitsplatzbeschreibung für den Radverkehr zuständig war. Auch bei einer Fotosuche mit dem Regierendem auf dem Rad wird man nicht fündig, abgesehen von einer einzigen gestellten Aufnahme im Rahmen einer Rücksicht-Kampagne des Bundesverkehrsministeriums. Bekannter ist dagegen, dass Müller einen gepanzerter Dienst-Audi fährt, der pro Kilometer 216 Gramm CO2 in die Luft bläst. 435 PS bringt der Bolide von Müller auf die Straße und verbraucht 9,2 Liter Benzin, im dichten und langsamen Berliner Stadtverkehr vermutlich noch ein paar Literchen mehr. Die Wende zur Fahrradstadt Berlin werden wir wohl erst dann erleben, wenn Müller seinen Autoschlüssel abgibt.

It started with a fight …: Eine Generationenfrage?
Radkomm: Programm
Tagesspiegel: Michael Müller fährt den dicksten Klimakiller

Schön war es gewesen auf der Sternfahrt

Sonntag, 14.06.2015

Garantiert viel mehr Leute als auf dem Foto zu sehen haben sich an der diesjährigen Sternfahrt beteiligt, ohne den Streit zwischen dem RBB (120.000 Teilnehmer) und der Polizei (35.000 Teilnehmer) zu entscheiden. Auf jeden Fall waren es viele Stimmen für eine Fahrradstadt Berlin an 365 Tagen im Jahr.

Foto: Clevere Städte

13-Jähriger tödlich verunglückt

Samstag, 13.06.2015

Im Lichtenberger Ortsteil Karlshorst verunglückte gestern ein 13-Jähriger Radfahrer tödlich. Er befuhr gegen 17:00 die Marksburgstraße zwischen Ilsestraße und Sangeallee zunächst linksseitig auf dem Gehweg, wollte dann auf die rechte Seite wechseln und wurde dabei frontal vom Auto einer 31-Jährigen erfasst.

Trotz ihres Wohnstraßencharakters, der Enge durch beidseitiges Parken und einer mäßigen Verkehrsbelastung darf die Straße im Unfallabschnitt mit 50 km/h befahren werden. Fehlerhaftes Überholen durch eine ungünstige Straßenbreite sowie eine dem Charakter der Straße nicht angemessene zulässige Höchstgeschwindigkeit dürften auch viele Erwachsene auf den Gehweg drängen.

Unfallstelle in Fahrtrichtung (Google Streetview):

Pressemeldung der Polizei: “Kind nach Verkehrsunfall verstorben” (12.6.2015)

Radlshuttle in München, eine tägliche CM

Freitag, 12.06.2015

Die Lindwurmstraße ist eine enge und überfüllte Durchgangsstraße im Südwesten Münchens. Radfahrer werden in dieser Straße auf den benutzungspflichtigen Hochbordradweg gezwungen. Das lassen sich nicht mehr alle gefallen. Die Organisation Green City ruft alle, die auf der Lindwurmstraße stadteinwärts pendeln, zu einem Radshuttle ein:

“Sicher zum Arbeitsplatz! Unter diesem Motto organisierten wir am 11. Juni zum ersten Mal stadteinwärts auf der Lindwurmstraße einen Radlshuttle für BerufspendlerInnen. Dafür versammelten sich mit uns gute 30 RadlerInnen an der Ampel vor dem Stemmerhof in der Plinganser Straße, um gemeinsam auf einer der zwei Fahrspuren sicher und friedlich auf der Lindwurmstraße Richtung Innenstadt zu fahren – statt auf dem engen Radweg. Am Sendlinger Tor lösten wir den Radlshuttle auf. Diesen Service möchten wir fortan jeden Montag bis Freitag um 8:30 Uhr in der Lindwurmstraße anbieten und hoffen, dass er sich dort und anderswo in München etabliert.”

Auch heute kamen wieder viel mehr als die 16 Radfahrer zusammen, die nötig sind, um im Verband zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren, wie es der Paragraf 27 StvO vorsieht. Nächster Radlshuttle: Montag, 15. Juni um 8:30 Uhr

Green City: Radlshuttle in der Lindwurmstraße
Süddeutsche Zeitung: Glücklich strampelnd dem Stau auf der Spur

Foto: Green City e.V.

Polizei nutzt Ultraschall zur Kontrolle von Überholabständen

Mittwoch, 10.06.2015

In den USA müssen Kraftfahrer beim Überholen von Radfahrern einen Abstand von mindestens 90 Zentimetern einhalten, das schreibt das so genannte  ’three foot law’ vor. So ein Gesetz hat aber einen entscheidenden Mangel, wenn niemand die Einhaltung dieser Vorschrift kontrolliert und sanktioniert.

In der Großstadt Chattanooga im Bundesstaat Tennessee ist die Polizei mit einen speziell ausgerüstetem Fahrrad unterwegs, um Verstöße gegen das ‘three foot law’ zu dokumentieren. Am Fahrradlenker befindet sich ein Ultraschallentfernungsmesser, der die Entfernung des Fahrrads von einem links überholenden Fahrzeug auf einem Display in Echtzeit darstellt. Ein Alarmton signalisiert, wenn der Überholabstand zu niedrig war. Der Überholvorgang wird gleichzeitig von einer Actioncam aufgezeichnet.

Das Gerät, eine Eigeneintwicklung aus dem Umfeld der Polizei von Chattanooga, ist erst seit 14 Tagen im Einsatz. Dennoch gab es bereits Dutzende von Anfragen anderer Polizeidirektionen aus den USA und dem Ausland. Kleine Bitte an die Berliner Polizei: Kaufen!

timesfreepress: 3 feet or else: Chattanooga police use ultrasound technology to enforce law for cyclist safety
via: Carl vs. Karl

ADFC stellt Umsetzungskonzept zur Berliner Radverkehrsstrategie vor

Dienstag, 09.06.2015

Der Berliner ADFC hat heute auf einer Pressekonferenz ein Konzept für die Berliner Radverkehrsstrategie vorgestellt. Die Zeit schöner Reden sei vorbei, gefragt seien nun Taten, um die Ziele der 2013 vom Senat beschlossenen Radverkehrsstrategie zu erreichen.

Stichwort Personal in den Verwaltungen

Kürzlich hatte der Piratenabgeordnete Andreas Baum die Senatsverwaltung gefragt, wieviel Mitarbeiter sich bei SenStadtUm ausschließlich mit Radverkehrsangelegenheiten befassen. Kleinlaute Antwort des Senats: eine Person. Dagegen plant der ADFC einen Befreiungsschlag und fordert 10 volle Stellen:

“Kurzfristig (bis 2017) hält der ADFC Berlin die Schaffung und Besetzung von mindestens 10 Vollzeitstellen bei SenStadtUm für unerlässlich, um den seit der Verabschiedung der ersten Radverkehrsstrategie von 2004 eingetretenen Umsetzungsrückstand abzubauen, Fehlentwicklungen entgegenzuwirken und die Vorgaben der Radverkehrsstrategie konkret und erfolgreich umzusetzen.” Die Stellen werden nicht einfach en bloc gefordert, sondern detailliert für ruhenden Radverkehr, für Abwicklung von Förderprogrammen, für Modellprojekte, für Rad- und Fußverkehrsbrücken, für Radverkehrszählungen und für  Lichtsignalanpassungen jeweils eine volle Stelle gwünscht. Auch das Personal der Bezirksverwaltungen, das für den Radverkehr tätig ist, soll kräftig aufgestockt werden.

Noch weitergehender ist die Forderung, dass der “Anteil des fest mit den Radverkehrsprojekten beschäftigten Personals in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, einschließlich der Verkehrslenkung Berlin sowie in den bezirklichen Straßen- und Grünflächenämtern, den bezirklichen Ordnungsämtern und bei der Polizei, sich künftig am Verkehrsanteil des Radverkehrs orientieren muss.” Auf deutsch: wenn 15 Prozent der Leute mit dem Rad fahren, dann sollen auf 15 Prozent der Mitarbeiter sich mit dem Radverkehr beschäftigen.

Stichwort Infrastruktur für den Radverkehr

Der ADFC fordert Mischverkehr ohne Schutz- oder Radstreifen in Tempo-30-Zonen und Radfahr- oder Schutzstreifen als Regellösung in Hauptverkehrsstraßen, Ausnahmen in Form baulicher Radwege sind erlaubt. Ein sehr hohes Ziel wird angepeilt, wenn die Forderung erhoben wird, dass die “Oberflächenqualität separater Radwege mindestens der Fahrbahn entsprechen” soll.

Weitere Punkte im Forderungskatalog:  Freigabe von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für den Radverkehr, Grüne Welle für Radfahrer, Aufstellfläche für Radfahrer vor den wartenden Kfz bei Ampelkreuzungen und getrennte Signalisierung des Radverkehrs bei zweistreifigem Kfz-Abbiegen.

Schließlich wird vom ADFC eine Radschnellverbindung gefordert und man hat auch schon eine Strecke dafür im Auge: der künftige Ex-Flughafen Tegel soll mit der Innenstadt durch eine schnellen Radweg verbunden werden und dafür auch Brücken für den Radverkehr gebaut werden.

Nicht im Forderungskatalog des ADFC enthalten ist ein Netz von miteinander verbundenen Fahrradstraßen. Hier heißt es lapidar, dass “geeignete Straßen als Fahrradstraßen auszuweisen” sind.

ADFC: Handeln statt Schönreden (dpf-Dokument)

Senat investiert 1,4 Millionen Euro in den “Radverkehr”

Donnerstag, 04.06.2015

Allenthalben wird darüber geschimpft, dass der Berliner Senat praktisch nichts für den Radverkehr tut. Wenn die Berechnungen des ADFC stimmen, wurden im letzten Jahr 2014 lediglich Mittel in Höhe von 3.638.000,- Euro verbaut. Bei einem Projekt für den Radverkehr lässt sich der Senat aber nicht lumpen: beim Schaufenster Elektromobilität Berlin-Brandenburg. Ganze 1,4 Millionen Euro wird die Senatverwaltung für Verkehr ausgeben, damit “die Pedelecnutzung im städtischen Alltagsverkehr erprobt, erforscht und gefördert wird.”

“Ziel des Projekts ist es zu analysieren, welche Rahmenbedingungen erforderlich sind, um künftig deutlich mehr Pkw-Verkehre im städtischen Raum durch Fahrten mit dem Pedelec zu substituieren. Im Fokus steht dabei Berufstätige, die im stadtnahen Umland wohnen und in der Stadt arbeiten, durch den täglich erlebten Fahrspaß zum Umstieg vom Pkw aufs Pedelec zu „verführen“. Ein weiterer Bestandteil des Vorhabens ist eine Einbindung von Pedelecs in die intermodalen Mobilitätskonzepte der beteiligten Gebietskörperschaften in Berlin und Brandenburg.”

Praktisch heißt das, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus ausgewählten Unternehmen und Institutionen acht bis zehn Wochen lang ein Pedelec kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen. Die Gegenleistung der beteiligten Unternehmen besteht darin, dass sie an den Firmensitzen eine Infrastruktur schaffen, also eine gesicherte, möglichst überdachte Parkmöglichkeit idealerweise mit Ladestation anbieten.

Unklar bleibt, was nach den zwei Monaten mit den gebrauchten Ebikes passiert. Möglicherweise werden sie den beteiligten Testpersonen günstig angeboten. Für diese Personen hätte das Senatsprogramm eine ähnliche Wirkung wie seinerzeit das Abwrackprogramm der Bundesregierung. Auch damals sagten sich viele Autofahrer: “So günstig komme ich nie wieder an einen Neuwagen!” Kleiner Unterschied: die Abwackprämie richtete sich an viele Millionen Altautobesitzer, die Ebike-Prämie hat nur eine Zielgruppe von einhundert Mitarbeitern von FU sowie mittelständischen und Hightech-Unternehmen aus dem Südwesten Berlins und Firmen aus Teltow.

FU Berlin: Umsteiger gesucht: Mit dem E-Bike statt dem Auto zur Arbeit!
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt: EBike-Pendeln

Copenhagenize veröffentlicht den Fahrradindex 2015

Dienstag, 02.06.2015

Heute wurde pünktlich um 15:00 Uhr der neue Copenhagenize Index 2015 veröffentlicht. Dieser Index soll alle zwei Jahre ein Ranking der zwanzig fahrradfreundlichsten Städte der Welt abbilden. Der Fahrradindex 2015 ist bereits der dritte seiner Art nach den Jahren 2011 und 2013. Und hier sind die 20 besten Fahrradstädte der Welt, die unter insgesamt 122 Städten mit mehr als 600 000 Einwohnern ausgesucht wurden:

1. Kopenhagen
2. Amsterdam
3. Utrecht
4. Straßburg
5. Eindhoven
6. Malmö
7. Nantes
8. Bordeaux
9. Antwerpen
10. Sevilla
11. Barcelona
12. Berlin
13. Ljubljana
14. Buenos Aires
15. Dublin
16. Wien
17. Paris
18. Minneapolis
19. Hamburg
20. Montreal

Wie bereits in den Rankings von 2011 und 2013 teilen die beiden Fahrradmetropolen Amsterdam und Kopenhagen Platz eins und zwei unter sich auf. Diesmal hat Kopenhagen die Nase vorn.

Interessant ist die Entwicklung von Berlin. Vor vier Jahren beim ersten Ranking nahm Berlin Platz fünf in der Welt ein. Eine flache Topographie, relativ großzügig dimensionierte Straßen und ein vergleichsweise hoher Radverkehrsanteil reichten damals, um vergleichbare Metropolen hinter sich zu lassen. Zwei Jahre später wurde Berlin auf Platz 10 durchgereicht und ist nun um zwei Plätze auf Platz zwölf gefallen.

Hier die Begründung für den Berliner Platz im Original: “Berlin as a bicycle city is like Berlin as an everything else city. It’s a bit rough around the edges, it could be much better, but people get on with it. The population would be better served with improved conditions but until it comes they seem to realise that the bicycle makes sense. The cycling population is a mainstream population with few visible sub-cultures and a healthy gender split. A high city-wide modal share is punctuated with neighbourhoods that exceed 20+% modal share. Cargo bikes abound in the city, a great indicator for growth. Berlin continues to tow the line with its place in the Index.” Bemängelt wird weiterhin eine “old-fashioned car infrastructure” und dass man in Berlin dem Radverkehr mit wenig Geld ein Update verpassen könnte, wenn man nur wollte.

Andere deutsche Städten kommen nicht besser weg. Hamburg hält es auf Platz 19 gerade noch im Index und München fliegt gleich ganz heraus. Damit reduziert sich die Zahl deutscher Städte im Ranking von drei auf zwei. Mit Wien auf Platz 16 kommt erstmals eine Stadt aus Österreich in das Ranking. Drei Städte aus den Niederlanden bleiben in den Top 20 und etwas überraschend gelangen mit Straßburg, Nantes, Bordeaux und Paris gleich vier französiche Städte in die Rangliste.

Copenhagenize: Copenhagenize Index. Biycle-Friendly Cities
Copenhagenize: Kriterienkatalog für den Fahrradindex 2015
Twitter Hashtag #bikeindex

Fahrradunfallopfer sucht Kontakt zu anderen Betroffenen

Montag, 01.06.2015

Aus einer Mail von Sina an uns:

“Ich bin selbst ein riesengroßer Fahrradfan, hab einige Jahre in Bayern gewohnt und die wohl schönste Zeit meines Lebens auf dem Fahrradsattel in den Bergen verbracht. Vor drei Jahren bin ich wieder nach Berlin zurück gezogen und wollte das Fahrradfahren auch hier nicht aufgeben. Vor etwa zwei Jahren hatte ich dann einen schweren Unfall (Blogbeitrag “Verkehrsunfall Oranienstraße Ecke Skalitzer” vom 22. März 2013) an der Kreuzung Oranien-/Skalitzer Straße.

In den letzten Jahren habe ich mit Abstand zu viel Zeit auf OP-Tischen, in Krankenhausbetten, Rehaeinrichtungen, bei Ärzten und der Physiotherapie verbracht. Mittlerweile kann ich wieder laufen, aber mein Leben steht nach wie vor Kopf. Auch finde es nicht immer einfach in einem so verkehrslastigen Teil der Stadt (10999) zu wohnen, wo einem seine größte Angst täglich immer wieder unter die Nase gerieben wird und man ständig wieder (unverschuldet) in gefährliche Situationen gerät.

Ich würde sehr sehr gern Kontakt zu anderen Radunfallopfern aufnehmen, zum Teil weil ich denke dass ich vielleicht dem einen oder anderen mit meinem bereits Durchlebten helfen könnte. Zum Anderen weil ich selbst gern mit Menschen reden würde, die ähnliches erlebt haben. Es gibt in Berlin zwar zu gefühlt jedem Thema diverse Interessensgruppen, aber leider konnte ich keine Initiative für Drahteselverkehrsopfer finden.”

Sina sucht Fahrradfahrer, die in (schwere) Verkehrsunfälle verwickelt waren und das Bedürfnis haben, sich auszutauschen. Ziel der ganzen Aktion ist es einen kleinen Stammtisch zusammen zu stellen, der vielleicht ein paar Mal im Jahr zusammentrifft.

Wir bitten um eine kurze Kontaktmail an mail@rad-spannerei.de, die wir an Sina weiterleiten.

Die vergessene Ampel

Sonntag, 31.05.2015

In der Onlinewelt zeigen sich Radfahrer immer wieder gern die hirnverbranntesten Verkehrslösungen. Da gefriert einem manchmal das Lächeln im Gesicht.

Als ich gestern in Dessau unterwegs war, fiel mir eine ampelgeregelte Kreuzung auf, in der eine Ampel für Fußgänger und Radfahrer vollkommen fehlt. Auch eine Orientierung an der Fahrbahnampel ist schwierig und wird dem Verkehrsteilnehmer bei Erstbenutzung kaum in den Sinn kommen. Natürlich herrscht für den Weg, der auf diese Kreuzung zuführt, eine Benutzungspflicht für Radfahrer. Ich war Fußgänger und nutzte nach einiger Ratlosigkeit letztendlich, um wenigstens etwas Überblick zu haben, den Weg über den Mittelstreifen rechts im Bild. Etwas anderes schien mir aufgrund der Anzahl der Fahrspuren und der auf schnelles Abbiegen ausgebauten Gehwegkanten kaum kalkulierbar zu sein. Ambitionierte Großkreuzungs-Rotlichtradler hingegen dürften diese Lösung gutheißen:-) Laut MZ-Online ist die Ampelanlage erst im letzten Jahr erneuert worden.

Dessau-Roßlau: Vergessene Ampel

Dessau-Roßlau, Heidestraße Ecke Argenteiuler Straße

CDU-Verkehrssprecher: Radverkehr irrelevant

Sonntag, 31.05.2015

Am Donnerstag brachten die Piraten im Abgeordnetenhaus das Thema “Fahrradverkehr in Berlin – null Punkte für den Senat” auf den Tagesplan. Trotz großer Pläne, so die Piraten, käme von den Fahrradkonzepten des Senats wenig auf der Straße an.

Interessant und entlarvend sind dabei die Äußerungen des verkehrspolitischen Sprechers (!) der CDU, Oliver Friederici. Dieser erklärte das Thema ganz und gar für irrelevant. Die Wahl des Debattenthemas - so zitiert ihn der Tagesspiegel - zeige, dass den Piraten „die wahren Sorgen und Nöte der Menschen völlig gleichgültig sind“. Zudem könne man die Sicherheit der Radfahrer durch Kennzeichen und Helme erhöhen.

Auch ein Zitat des verkehrspolitischen Sprechers der SPD, Ole Kreins, ist ernüchternd - er wiederholt die Aussage Michael Müllers, man wolle nach dem Fehler der autogerechten Stadt nicht noch den der fahrradgerechten Stadt machen.

Dass von den vollmundigen Versprechungen so wenig in der Stadt ankommt, verwundert da wenig. Denn nicht nur Zuständigkeitsgerangel zwischen Bezirken und Senat, kaputtgesparte Verkehrsbehörden und (nur) autofahrende Entscheidungsträger in verstaubten Amtsstuben bremsen den Verkehrswandel aus, sondern auch ein mangelnder echter politischer Wille. Die Erhöhung der Fahrradfreundlichkeit ist ein Vernunftthema, zu dem sich die Parteien mehr oder weniger bekennen müssen, um nicht altmodisch zu erscheinen. Da eine wirkliche Verbesserung für den Radverkehr hier und da auch Kompromisse und Einschnitte für den Autoverkehr bedeuten würden, scheint das Eisen aber noch zu heiss zum ernsthaften anfassen. Die Wut der Autofahrer wird immer noch mehr gefürchtet als die zunehmende Wut der Radfahrer.

Die “verkehrspolitischen Sprecher” der großen Volksparteien legen die Vermutung nahe, dass sie eher autopolitische Sprecher sind und die restlichen Verkehrsarten nicht für voll nehmen.

Verkehrskontrolle an der Kreuzung Hardenbergstraße und Joachimsthaler Straße

Mittwoch, 27.05.2015

Am 9. Mai wurde ein 68-jähriger Radfahrer an der Straßenkreuzung Hardenberger und Joachimsthaler bei Grün von einem rechtsabbiegenden Taxifahrer erfasst und starb nach elf Tagen im Koma. An der Unfallkreuzung führte die Berliner Polizei gestern eine Verkehrssonderkontrolle durch und berichtete darüber in einer Pressemeldung:

“Polizisten des Abschnitts 25 und Beamte der 12. Einsatzhundertschaft führten gestern Nachmittag in Charlottenburg eine Verkehrssonderkontrolle mit dem Augenmerk auf den Abbiegeverkehr durch. In nur zweieinhalb Stunden wurden 119 Abbiege- und drei Rotlichtverstöße an der Kreuzung Hardenberg-/Joachimsthaler Straße registriert. Von diesen „Verkehrssündern“ kontrollierten die Einsatzkräfte 25 Fahrzeuge und 14 Radfahrer. Die nicht vor Ort Angesprochenen werden demnächst Post von der Bußgeldstelle erhalten.”

Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 1273 vom 27.05.2015

Sonntag, 14. Juni 2015: Fahrradsternfahrt

Dienstag, 26.05.2015

Nicht am traditionellen ersten sondern diesmal am zweiten Sonntag im Juni findet die 39. Ausgabe der Sternfahrt des Berlner ADFC statt. Mit knapp 1.000 Kilometern Streckenlänge auf 19 Routen und einer erwarteten Teilnehmerzahl im sechsstelligen Bereich gilt die Ausfahrt als größte regelmäßige Fahrraddemonstration der Welt.

In seinem Aufruf zur Sternfahrt bläst der ADFC dem Regierenden kräftig Zucker in den Arsch. “Die Berliner Radverkehrsstrategie ist gut”, sagt Eva-Maria Scheel, Landesvorsitzende des ADFC Berlin, “aber die Umsetzung ist ins Stocken geraten.” Ins Stocken kann nur etwas geraten, wenn es vorher Fahrt aufgenommen hat, und das lässt sich bei der Berliner Radverkehrspolitik beim besten Willen nicht behaupten. Es scheint ein Geburtsfehler der Interessenvertretung der Radfahrer zu sein, dass Kritik an den politisch Verantwortlichen für die bereits vier toten Radfahrer in Berlin in diesem Jahr nur in homöopathischen Dosen geübt werden darf.

Dennoch: auf zur Sternfahrt mit dem Motto: “Fahrradstadt Berlin – jetzt!”.

ADFC Berlin: Sternfahrt 2015 “Fahrradstadt Berlin - jetzt!”

Tandemverbot in Japan teilweise aufgehoben

Montag, 11.05.2015

In jedem Land scheint es in bezug auf das Radfahren unsinnige Verbote zu geben, die nicht der Lebenswirklichkeit entsprechen. In Deutschland fällt mir der § 21 Pkt.3 der Straßenverkehrsordnung ein, der ein Mitnehmen einer zweiten Person auf dem Fahrrad verbietet und laut Bußgeldkatalog fünf Euro kostet. Das freihändige Fahren wird in § 23 Pkt.3 verboten und ebenfalls mit 5,- € bestraft.

In Japan existiert ein besonders skuriles Verbot: das Tandemfahren ist nur erlaubt in Erholungparks, im Straßenverkehr ist es nicht zulässig. Das ist auch ein Grund dafür, dass die japanische Fahrradindustrie praktisch keine Tandems baut. Seit Anfang April ist das absurde Tandemverbot aber zumindest in einer kleinen Präfektur im Süden Japans gekippt. In der Präfektur Aichi auf der Insel Honshu darf man mit dem Tandem nun auf ganz normalen Straßen fahren. Damit können auch blinde und sehbehinderte Menschen als Stoker am Straßenverkehr teilnehmen.

Japan Times: Tandem bikes now street-legal in Aichi
via road.cc

Originelle Radfahrerbefragung

Freitag, 08.05.2015

In Utrecht in den Niederlanden können Radfahrer noch bis heute an einer ungewöhnlichen Befragung teilnehmen, ohne abzusteigen. Nach dem Bau eines neuen Radwegs zwischen Utrecht und dem Vorort De Bit ließ die Provinzregierung große Transparente mit Fragen an die Radfahrer aufhängen. Die Antwortmöglichkeiten waren den Farben Grün für Ja, Rot für Nein und Gelb für Weißnicht zugeordnet. Die Radfahrer können sich für eine Antwort entscheiden, indem sie über einen farbig markierten Streifen fahren. Die Frage im Bild heißt: “Ist der jetzige Radweg besser als früher?”. Ein Mitarbeiter der Provinzverwaltung notiert sich die Antworten der Radfahrer mit Strichlisten. Wenn sich die neue Befragung als erfolgreich herausstellt, will die Provinz häufiger mit dieser Art von Interview arbeiten.

RTV Utrecht: Fietsers beantwoorden vragen enquete zonder te stoppen
via Hugo vd Steenhoven

Antifaschistische Fahrraddemo zur Befreiung

Donnerstag, 07.05.2015

Vor 70 Jahren befreiten die Allierten Deutschland vom Nationalsozialismus. Berlin wurde unter großen Verlusten von der Roten Armee eingenommen. Ihr Weg führte dabei von Osten her über die heutige Straße “Alt-Friedrichsfelde” ins Innere der Stadt. Für den 9. Mai 2015 ist in Gedenken an die Befreier_innen eine antifaschistische Fahrraddemonstration durch Lichtenberg mit Zwischenstationen an Orten des Widerstandes und der Verfolgung geplant. Anschließend wird es eine Führung im Kapitulationsmuseum Karlshorst geben. Veranstaltet von Alkalij.

Zeit: Sonnabend, 09.05.2015 um 11:30 Uhr
Ort: Kreuzung Gürtelstr./Frankfurter Allee

Quelle: Stressfaktor

Und am Abend geht es weiter mit dem Tag des Sieges Alleycat.

Ride of Silence am 20. Mai 2015

Montag, 04.05.2015

Der Ride of Silence ist eine jährlich am 20. Mai durchgeführte stille Gedenkfahrt an die Radfahrer, die im Straßenverkehr getötet oder verletzt wurden. Der erste Ride of Silence fand im Jahre 2003 in Dallas in Texas/USA statt. Ursprünglich war er nur als einmalige Aktion geplant, aber er wurde in den darauffolgenden Jahren wiederholt und in immer mehr Städten durchgeführt. Im letzten Jahr beteiligten sich Radfahrer aus 319 Städten weltweit an der Mahnfahrt.

In Deutschland sind in diesem Jahr erstmals Radfahrer aus fünf Städten dabei. In Berlin sowie in Stuttgart, Oldenburg, Osnabrück und Wiesbaden treffen sich um 19:00 Uhr Radfahrer, um der Getöteten zu gedenken. Der Berliner Ride “beginnt am Brandenburger Tor, führt durchs Kanzlerviertel nach Moabit und nach Süden durch den Tiergarten. Am Landwehrkanal entlang geht es über den Potsdamer Platz und die Kochstraße nach Kreuzberg. Über die Oranienstraße führt die Strecke zur Adalbertstraße und zum Bethaniendamm, am Ostbahnhof vorbei und zur Karl-Marx-Allee. Enden wird der Ride of Silence am Roten Rathaus, vor dem Bürozimmer unseres Bürgermeisters, der es in der Hand hätte, mehr für unsere Sicherheit zu tun.” (aus dem Aufruf)

Zeit: Mittwoch, 20. Mai 2015 um 19:00 Uhr
Ort: Brandenburger Tor

Ride of Silence
it started with a fight: Ride of Silence 2015
Facebook-Veranstaltung: Ride of Silence 2015 Berlin

Ungewöhnlicher Vorfall im Wedding

Montag, 04.05.2015

“Hallo, ich habe Donnerstag Abend (30. April 2015) etwas ungewöhnliches erlebt:

Ein Radfahrer steht am Straßenrand und hält sich das Gesicht, scheint starke Schmerzen zu haben. Sein Fahrrad steht neben ihm. Ich halte an und frage, was los ist. Er sagt, ein Autofahrer habe ihm etwas ins Gesicht gesprüht, und jetzt brenne sein Gesicht. Er schüttet sich Wasser über die Augen.

Ich frage, ob ich einen Krankenwagen holen soll. Er winkt ab, sagt er sei selbst Arzt in der Charité und so schlimm sei es nicht, weil er schon wieder etwas sehen könne. Ich kaufe drei Flaschen Wasser zum Augen spülen. Als ich zurückkomme, kommen zwei Polizeiautos mit Blaulicht angefahren. Den Polizisten erklärt der Radfahrer, was passiert sei.

Er sei in der Gerichtstr. als erster an einer roten Ampel gestanden. Hinter ihm hupte ein Autofahrer. Er habe sich umgedreht , sah dass der Mann wild gestikulierte und schimpfte. Der Radfahrer habe auf die rote Ampel hingewiesen, sich aber vorsichtshalber das Kennzeichen gemerkt. Der Autofahrer habe ihn überholt, und in der Hochstr. etwa auf Höhe des U Bhf Humboldthain auf der Fahrbahn angehalten, an einer Stelle wo rechts auf der Fahrbahn der Radweg vorbeiführt. Der Radfahrer habe beim Näherkommen das Auto erkannt, und gesehen, wie sich der Mann nach rechts in Richtung Beifahrertür rüberbeugt. Als er mit dem Fahrrad dem haltenden Auto näher gekommen sei, habe er gesehen, wie der Autofahrer etwas hochgehalten habe. Dann habe ihn eine Flüssigkeit im Gesicht getroffen. Danach sei der Fahrer mit quietschenden Reifen wieder in Richtung Gerichtstr. zurückgefahren.”

Mail an die Rad-Spannerei vom 2. Mai 2015

Kampfradler in Seattle

Sonntag, 03.05.2015

Nach einer friedlichen Maidemonstration für die Rechte von Immigranten und Arbeitern kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen drei Polizisten durch Flaschen- und Steinwürfe verletzt wurden. Die Seattle Bicycle Police antwortete mit Pfefferspray und Blendgranaten. In Film sieht man, wie eine Person gezielt mit dem Fahrrad von hinten angegriffen wird. Der Angegriffene geht zu Boden und wird von drei Polizisten fixiert, während die Kollegen mit ihren Rädern eine Art Wagenburg um die Szene bilden. Bei der Demonstration wurden 16 Personen in Arrest genommen.

Schlagloch-Detektor für das Fahrrad

Donnerstag, 30.04.2015

Ein italienisches Unternehmen möchte ein kleines hi-tech device für Fahrräder auf den Markt bringen, das Schlaglöcher und gefährliche Gegenstände auf der Fahrbahn erkennen und davor warnen kann. Das auf den Namen Byxee getaufte Gerät arbeitet mit einer Videokamera. In der Funktionsbeschreibung auf der Internetseite heißt es: “Byxee braucht kein GPS und keine Schlagloch-Datenbank. Es registriert in Echtzeit hundert Mal pro Sekunde permanente oder plötzlich auftauchende Gefahrenstellen auf der Straße vor dir.” Wenn es anschlägt, warnt es mit einem Alarmton.

Man kann einstellen, ob Byxee den Bereich fünfzehn, zwanzig oder fünfundzwanzig Meter vor dem Rad abscannen soll. Einstellbar soll ebenfalls die Empfindlichkeit des Geräts sein. Je nachdem, ob der Algorithmus ein kleines, mittleres oder großes Risiko erkennt, gibt es einen, zwei oder drei Warntöne ab.

Marktstart und Preis des Gerätes sind noch nicht bekannt. Im nächsten Monat möchte Byxee auf der Crowdfunding Plattform Indiegogo Gelder für die Produktion des Apparats einwerben.

Byxee 
road.cc: Byxee pothole detector seeks crowd funding

Seiten: 1 2 3 ... 92