Eurobike 2010
Donnerstag, 02.09.2010Seit gestern findet in Friedrichshafen am Bodensee die 19. Eurobike statt, Europas führende Messe für alles, was man aus Stahl, Alu und Carbon bauen kann und mit zwei Rädern ohne Benzinmotor fährt. Auf der Messe sind 1100 Aussteller aus 42 Ländern auf mehr als zehn Hektar Ausstellungsfläche vertreten. Es werden mehr als 35.000 Fachbesucher aus 69 Ländern erwartet.
Angesichts von tausenden Neuvorstellungen ist es fast willkürlich, Trends auszumachen. Uns fiel aber auf, dass das Design von Rädern sich immer stärker am klassischen Fahrraddesign der 40er und 50er Jahre orientiert, kombiniert mit aktuellen Komponenten und vielen bunten bobonmäßigen Farben. Verglichen mit der letzten Eurobike zeigen die Hersteller in diesem Jahr deutlich mehr Räder aus Stahl, was uns als Stahlrahmenfreunde natürlich freut. Besonders italienische Rennradbauer werden 2011 eine ganze Serie von Stahlbikes im Angebot haben, wo es bisher außer Carbon- und Aluvelos meist nur ein Alibirad aus Stahl gegeben hat. Ebenfalls ein Trend sind riemengetriebene Fahrräder. Waren im letzten Jahr die Riemenantriebe noch die Exoten, so sind es nun Dutzende von Fahrradbauern, die ein oder mehrere Modelle mit Riemenantrieb präsentieren. Die dazugehörenden Fahrradrahmen orientieren sich an gewöhnlichen Fahrradrahmen für Kettenantrieb, haben aber natürlich eine Möglichkeit, den Rahmen zu öffnen. Nahezu jeder Hersteller zeigt dafür eine Eigenentwicklung, entweder lässt sich der Rahmen am Ausfallende öffnen oder an der Hinterbaustrebe.
Ob die Kettenschaltung über kurz oder lang ausstirbt, bleibt die Frage, sicher aber sind Nabenschaltungen im Vormarsch. Shimano zeigt die 11-Gangnabe, kleinere Hersteller haben sogar Nabenschaltungen mit bis zu 18 Gängen im Angebot.
Wir stürzen uns nun wieder ins Messegetümmel, am ersten Tag haben wir nur zwei von elf Messehallen geschafft.










Ein großer Hemmschuh für den Aufbau einer korrekten Radverkehrsinfrastruktur sind die völlig realitätsfremden Szenarien der Verkehrspolitiker. So erwartet die Gesamtverkehrsprognose Berlin 2025 für den Radverkehr eine lächerlich kleine Steigerung von 12,1% auf 15,7%, bezogen auf das Jahr 2006. In Wirklichkeit hat der Radverkehr in Berlin in den letzten vier Jahren so stark zugelegt, dass bereits heute der Anteil der Radler am Modal Split nahe an 16 Prozent liegt. Wenn man also den Prognostikern in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung glauben will, dann dürfte es in den nächsten 15 Jahren keine nennenswerte Steigerung mehr geben. Die Sache mit den 16 Prozent kann ich nicht mit Zahlen belegen, aber der Augenschein lehrt, dass der Radverkehr in diesem Sommer noch einmal gut zugelegt hat.

